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13-Punkte-Schutzkonzept vorgelegt: Deutscher Ethikrat spricht sich gegen Social-Media-Verbot aus


Der Deutsche Ethikrat spricht sich in einer Ad-hoc-Stellungnahme gegen ein pauschales Verbot sozialer Netzwerke für Kinder und Jugendliche aus. Stattdessen setzt das Gremium auf die drei gleichrangigen Säulen Schutz, Teilhabe und Befähigung und fordert, das Kindeswohl in seiner gesamten Breite zu berücksichtigen.

Pauschale Verbote keine Lösung

Maßnahmen zum Jugendschutz dürfen nach Auffassung des Deutschen Ethikrats nicht allein auf die Vermeidung von Risiken abzielen. Ebenso wichtig seien die gesellschaftliche Teilhabe junger Menschen und der Erwerb digitaler Kompetenzen. Zu diesem Schluss kommt die heute vorgestellte Stellungnahme „Schutz, Teilhabe und Befähigung von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt“ (PDF). In dem von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner im Oktober 2025 angeregten Papier formuliert der Rat 13 Empfehlungen, mit denen sich die drei Leitprinzipien des digitalen Kinder- und Jugendschutzes miteinander vereinbaren lassen sollen.

Verbote würden Erwartungen nicht erfüllen

Die Experten warnen in der Stellungnahme davor, die Lösung in technischen Zugangsbeschränkungen oder starren Altersgrenzen zu suchen. Solche Maßnahmen könnten nicht nur hinter den von der Politik geweckten Erwartungen zurückbleiben, sondern zugleich erhebliche Nebenwirkungen nach sich ziehen. Genannt werden unter anderem Einschränkungen von Teilhaberechten, Datenschutzprobleme und eine mögliche Schwächung der Medienkompetenz.

Stattdessen plädiert der Ethikrat für das Prinzip der Multiakteursverantwortung. Die Verantwortung soll demnach auf Eltern, Staat, Schulen, Plattformbetreiber und weitere Akteure verteilt werden. Nur ein solcher Ansatz könne den Experten nach den vielfältigen Risiken begegnen, denen Kinder und Jugendliche im digitalen Raum ausgesetzt sind. Dazu zählen problematische Inhalte, Cyber-Mobbing, Grooming, manipulative Geschäftsmodelle, Datenschutzverletzungen, extremistische Inhalte, problematische KI-Anwendungen sowie die Folgen einer exzessiven Nutzung sozialer Medien. Gleichzeitig dürften die Chancen digitaler Angebote für Bildung, Information, Persönlichkeitsentwicklung und gesellschaftliche Teilhabe nicht aus dem Blick geraten.

Ähnliche Forderungen hatte der Deutsche Kinderschutzbund bereits Anfang des vergangenen Jahres erhoben. Erst kürzlich kam zudem eine Studie aus Australien zu dem Ergebnis, dass das dort Ende vergangenen Jahres eingeführte Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren nur eingeschränkt wirkt. Mehr als die Hälfte der betroffenen Jugendlichen nutzt soziale Plattformen demnach weiterhin. Darüber hinaus stellten die Forscher fest, dass Jugendliche, die sich konsequent an das Verbot halten, innerhalb ihrer Altersgruppe häufig als weniger beliebt wahrgenommen werden. Sie fühlen sich dadurch eher ausgeschlossen und haben größere Schwierigkeiten, mit ihrem Freundeskreis in Kontakt zu bleiben.

Eltern und Schulen sollen mit einbezogen werden, Kinder mehr Mitsprache erhalten

Um Jugendliche besser auf die digitale Welt vorzubereiten, schlägt der Ethikrat ein dreistufiges, risikobasiertes Schutzsystem als Leitmodell vor. Die erste Schutzebene sollen Eltern über Geräte- und Nutzungseinstellungen bilden. Ergänzt werden soll diese durch technische Schutzmaßnahmen und regulatorische Vorgaben. Ziel sei ein System, das wirksam schützt, ohne unnötig in Freiheitsrechte oder Teilhabemöglichkeiten einzugreifen. Gleichzeitig fordert der Rat, Plattformen – möglichst auf europäischer Ebene – stärker in die Verantwortung zu nehmen und den Kinder- und Jugendschutz auf digitale Dienste auszuweiten.

Zugleich müssten Kinder und Jugendliche stärker in Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Kinderrechte beschränkten sich nicht auf Schutzansprüche, sondern umfassten ausdrücklich auch Mitsprache. Darüber hinaus gelte es, digitale Grundrechte zu wahren. Schutzmaßnahmen dürften nicht dazu führen, dass Privatsphäre, Anonymität oder die informationelle Selbstbestimmung ausgehöhlt werden. Zudem sollen digitale Plattformen stärker verpflichtet werden, gegen Desinformation und Manipulation vorzugehen. Nach Ansicht des Ethikrats müsse außerdem die Medienbildung als zentrale Schutzmaßnahme deutlich ausgebaut werden. Dies betreffe gleichermaßen Eltern, Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte.

Alterskontrollen können ein Teil der Lösung sein

Grundsätzlich lehnt der Ethikrat Alterskontrollen nicht ab. Für sensible Bereiche fordert das Gremium jedoch sowohl die Mitwirkung der Eltern als auch den Einsatz der europäischen digitalen Identitätswallet (EUDI-Wallet). Gleichzeitig spricht sich der Rat für weitergehende Einschränkungen von Smartphones an Schulen aus. Solche Maßnahmen wurden im vergangenen Jahr ohnehin bereits an den meisten Schulen in Deutschland eingeführt. Ein pauschales Smartphone-Verbot an Schulen fordert der Ethikrat hingegen nicht.

Analoge Freiräume sind wichtig

Abschließend wirbt der Ethikrat für mehr analoge Freiräume. Sport, Naturerfahrungen, kulturelle Angebote, Vereinsleben und persönliche Begegnungen sollen wieder einen größeren Stellenwert erhalten. Kommunen, Schulen, Vereine und Familien seien daher gefordert, analoge Alternativen aktiv zu fördern.

All diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche einen kontrollierten Umgang mit sozialen Medien erlernen. Dadurch sollen sie Risiken besser einschätzen, Gefahren wirksamer begegnen und eigenständig handeln können.



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