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21-Jähriger will das „Idealo für Secondhand“ bauen
Tagelang coden, kaum Schlaf und ein erster Prototyp: So verlief die erste Woche von Amerigo Velletti im Sommer-Camp „Gründerszene sucht die Supergründer“. Seine Idee: ein „Idealo für Secondhand“ zu bauen.
Schlaf? Eher Mangelware. Motivation? 100 Prozent. So beschreibt Amerigo Velletti seine ersten Tage bei unserem Startup-Camp „Gründerszene sucht die Supergründer“. Acht ausgewählte Fellows haben zehn Wochen Zeit, mithilfe von Künstlicher Intelligenz Consumer-Apps zu entwickeln.
Amerigo ist damit voll in das Gründerleben gestartet. Extra für das Camp ist der 21-Jährige von München nach Berlin gezogen – und verbringt aktuell fast jede wache Stunde mit seiner Idee. „Meine Mitbewohner habe ich immer noch nicht kennengelernt, weil ich immer erst frühestens um 1 Uhr heimkomme. Und ich gehe immer, bevor die überhaupt wach sind. Also, ich sehe deren Schuhe immer in der Früh, aber keine Ahnung, wer das eigentlich ist.“ Auch am Wochenende hat er keine Pause gemacht, erzählt er. Stattdessen hat er weiter an seiner Idee gearbeitet.
„Gründerszene sucht die Supergründer“ ist ein zehnwöchiges Startup-Fellowship von Gründerszene. Acht ausgewählte Fellows entwickeln in Berlin mit Künstlicher Intelligenz Consumer-Startups – von der Idee bis zum ersten Produkt. Während des Programms arbeiten die Fellows gemeinsam im Axel-Springer-Hochhaus und werden von erfahrenen Unternehmern, Investoren und Experten begleitet. Partner wie OpenAI, Vercel, Dash0 und DHL unterstützen sie mit Technologie, Know-how und Mentoring. Gründerszene dokumentiert die gesamte Reise mit Artikeln, Videos und Social-Media-Inhalten – und zeigt hautnah, wie heute die nächste Generation von Startups entsteht.
Idealo für Secondhand-Produkte
Seine Idee: eine KI-gestützte Suchmaschine für Secondhand-Produkte – plattformübergreifend.„Quasi Idealo für Secondhand. Das ist so mein Slogan, mit dem ich mich auch beworben habe“, erzählt er im Gespräch mit Gründerszene. Seine App soll Angebote von Plattformen wie Kleinanzeigen, Vinted, Back Market oder Refurbed bündeln. Nutzer geben einfach an, wonach sie suchen, die KI durchsucht verschiedene Marktplätze und liefert die passendsten Treffer.
Dabei geht es Amerigo nicht nur um den günstigsten Preis. Gerade bei gebrauchten Produkten spiele auch der Zustand eine entscheidende Rolle. „Wenn ich irgendwas Secondhand kaufe, schaue ich immer auf den Zustand.“ Zum Start konzentriert er sich deshalb auf Elektronikgeräte.
Seine Zielgruppe sind Menschen, die nachhaltig einkaufen möchten. Langfristig wolle er den gesamten Kaufprozess vereinfachen: „Das wäre eigentlich mein Traum, dass ich halt so ein End-to-End-Funnel baue, dass der User sozusagen weniger Zeit im Shopping benutzen muss.“
So will Amerigo die Suchfunktionen optimieren
Die Idee entstand aus einem alltäglichen Problem. „Wenn ich auf der eBay Kleinanzeigen-App beispielsweise nach einer bestimmten Lampe suche, kriege ich 18 verschiedene Lampen angeboten, bevor ich die Lampe angezeigt kriege, die ich eigentlich suche.“ Genau hier soll KI helfen. „Ich denke, so ein Categorizer, vor allem ein Image-Categorizer mit Embedding-Models, wie man sie jetzt bauen kann, ist ein sehr aktueller Fit, den man auch technisch sehr easy umsetzen kann.“
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Die ersten Schritte zur Vergleichs-Plattform
Technische Unterstützung brauchte Amerigo bisher kaum. „Ich habe schon einige Jahre programmiert.“ Er bringt einen starken technischen Hintergrund mit. Neben seiner Tätigkeit als Gründungsmitglied von Vakanzio, wo er an KI-Agenten, agentenbasierten RAG-Pipelines und Full-Stack-Automatisierung mit Python, LangChain und React arbeitete, absolvierte er seinen Bachelor in Wirtschaftsinformatik an der Technischen Universität München mit der Note 1,0.
Die ersten Tage des Sommer-Camps verbrachte er deshalb vor allem mit dem Aufbau seines Produkts. „Ich habe drei Tage gecodet. Also bisher ist wirklich noch nicht so viel passiert.“
Sein wichtigstes Werkzeug ist dabei Codex (Hinweis: OpenAI ist Partner bei unserem Fellowship). Zusätzlich nutzt er Superset als Orchestrierungs-Framework, um mehrere KI-Agenten parallel laufen zu lassen, ohne dass sie einander behindern. Für das Frontend setzt er unter anderem auf Google Stitch, das aus Textprompts, Sprache oder Skizzen Benutzeroberflächen und produktionsreifen Frontend-Code generiert.
Neben der technischen Umsetzung holte er sich früh Feedback ein. Er sprach mit Freunden über seine Idee und kontaktierte Menschen, die an ähnlichen Produkten arbeiten. Parallel analysierte er die bestehenden Anbieter wie eBay, Rebuy oder andere Secondhand-Plattformen.
Jetzt geht es vor allem ums Testen. Auch dafür ist Amerigo bereits aktiv geworden: Er hat die Plattformen kontaktiert, auf deren Angebote seine Nutzer später weitergeleitet werden sollen.
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Die größte Herausforderung: an die richtigen Datensätze kommen
Genau dabei stößt er auf ein Problem. „Eigentlich will ich vor allem deren Daten haben. Also für den Beginn brauche ich am besten einen hochwertigen Datenauszug, damit ich anfangen kann, mit Echtbeispielen zu testen.“
Langfristig soll seine App deutlich mehr können, als Angebote verschiedener Plattformen zusammenzuführen und Nutzer weiterzuleiten. Seine Vision sind sogenannte Autonomous Buying Recommendations: KI-Agenten, die passende Produkte nicht nur empfehlen, sondern den Kaufprozess bis kurz vor den Abschluss eigenständig begleiten.
Doch genau dafür braucht er hochwertige Datensätze – und die sind schwer zu bekommen. „Bisher kam da wenig zurück,“ sagt er. Von Refurbed habe er einen kleinen Datenauszug erhalten. Über eBay konnte er sich ebenfalls Datensätze organisieren. Schwieriger gestaltet sich der Austausch mit Vinted: „Vinted hat mir auf Französisch geantwortet, obwohl ich englische Anfragen gestellt habe. Da bin ich ein bisschen stuck.“
Trotzdem arbeitet er weiter daran, zusätzliche Plattformen an seine Anwendung anzubinden. Einen ersten Prototyp gibt es bereits. Er läuft derzeit unter dem Namen Remtio – auch wenn Amerigo mit dem Branding noch nicht glücklich ist. Mit dem aktuellen Entwicklungsstand geht er hart ins Gericht: „Also ich bin jetzt auch nicht so happy, wo der Stand aktuell ist, aber vielleicht habe ich auch einfach mal sehr hohe Ansprüche.“
Gerade die Abhängigkeit von externen Partnern koste ihn Zeit. „Wenn man weiß, wie schnell es eigentlich gehen kann, aber man an solchen Sachen hängt, dann frustriert das schon.“ Außerdem steht er in Kontakt mit Idealo aus dem Springer-Netzwerk, verrät er. Wie dort eine mögliche Zusammenarbeit aussehen könnte, soll sich in Woche Zwei des Camps herausstellen. Obendrein will er den Prototypen weiter verbessern. Sein Ziel für Woche Zwei: Seine KI soll den Kaufprozess einen entscheidenden Schritt weiter begleiten. Bislang könne der Agent passende Produkte empfehlen und sie in einen Warenkorb legen. Künftig soll er Nutzer jedoch nahtlos bis zum eigentlichen Kauf führen.
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„Bei den Basics bleiben.“
Das prägendste Gespräch der ersten Woche führte Amerigo mit Dash0-Mitgründer und CEO Mirko Novakovic. „Das war wirklich wahnsinnig beeindruckend.“
Vor allem eine Erkenntnis nimmt er aus dem Austausch mit: Erfolg entsteht nicht durch den einen genialen Einfall, sondern durch konsequente Arbeit am Produkt. „Key-Learning, was ich aus der Woche mitgenommen habe, war auf jeden Fall, bei den Basics bleiben und einfach weitermachen.“ Für ihn bedeutet das: jeden Morgen pünktlich anfangen und stundenlang coden.„Eben so lange an dem Produkt arbeiten, bis es den eigenen Qualitätsstandards genügt. Und dann ein bisschen proud über sich selbst sein.“
„Gründerszene sucht die Supergründer“ powered by Dash0, DHL, OpenAI & Vercel.