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22-Jährige wollte KI-App für Bluttests bauen – dann kam das erste Problem


Sieben Stunden Nutzerinterviews und die Suche nach dem perfekten Produkt: So verlief Jolinas erste Woche im Startup-Camp.

Wie entsteht eine Gesundheits-App in wenigen Wochen? Fellow Jolina van Laaten berichtet, warum Nutzerfeedback ihre Idee bereits grundlegend verändert hat.
Gründerszene, Collage: Amelie Prusseit

Eigentlich wollte Jolina van Laaten eine KI-App entwickeln, die Bluttests verständlich macht. Nach nur einer Woche arbeitet sie bereits an einer zweiten Idee. Willkommen im Startup-Alltag.

Jolina gehört zu den acht Fellows unseres Startup-Camps „Gründerszene sucht die Supergründer“. Zehn Wochen lang entwickeln sie mithilfe von KI aus ihren Ideen marktreife Consumer-Apps. Schon in den ersten Tagen zeigt sich: Eine gute Startup-Idee ist selten in Stein gemeißelt.

Gründerszene sucht die Supergründer“ ist ein zehnwöchiges Startup-Fellowship von Gründerszene. Acht ausgewählte Fellows entwickeln in Berlin mit Künstlicher Intelligenz Consumer-Startups – von der Idee bis zum ersten Produkt. Während des Programms arbeiten die Fellows gemeinsam im Axel-Springer-Hochhaus und werden von erfahrenen Unternehmern, Investoren und Experten begleitet. Partner wie OpenAI, Vercel, Dash0 und DHL unterstützen sie mit Technologie, Know-how und Mentoring. Gründerszene dokumentiert die gesamte Reise mit Artikeln, Videos und Social-Media-Inhalten – und zeigt hautnah, wie heute die nächste Generation von Startups entsteht.

Eine Gesundheits-App für Athleten

Zunächst zu ihrer ursprünglichen Idee: Jolina wollte eine KI-gestützte Gesundheits-App entwickeln, über die Nutzer Bluttests bestellen und ihre Ergebnisse anschließend mithilfe von KI verständlich erklärt und eingeordnet bekommen.

„Meine erste Zielgruppe waren ursprünglich Menschen mit chronischen Krankheiten, die sind für das Camp eventuell schwerer zu erreichen“, merkt Jolina an. Deshalb hat sie ihren Fokus angepasst. „Mein Ziel ist es deswegen erst mit Athleten zusammenzuarbeiten, spezifisch Ausdauerathleten. Der durchschnittliche Deutsche denkt, Gesundheit ist kostenlos. Und dementsprechend brauchen wir eine Zielgruppe, die bereit ist, extra für diesen Service zu bezahlen, weil sie spezifisch auf ein Ziel hinarbeiten.“

Die Idee: Wer sich auf einen Hyrox, Marathon oder Triathlon vorbereitet, kann seine Blutwerte mit einem Selbsttest regelmäßig analysieren lassen und mithilfe der KI konkrete Empfehlungen erhalten, um Training, Regeneration und Ernährung gezielt zu optimieren.

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Die ersten Schritte zur Health-App

Aber wie legt man eigentlich los, wenn dann die erste Idee steht? „Was für mich in den ersten drei Tagen im Fokus stand, war es, mit ganz vielen potenziellen Nutzern für meine Idee zu sprechen.“ Das sei total hilfreich gewesen, sagt Jolina. Denn: „Ich möchte nichts bauen, was nicht gebraucht wird.“ Sie habe sich einerseits in ihrem privaten Netzwerk umgehört, mit Freunden, Bekannten und wiederum deren Kontakten geschrieben und viel telefoniert. „Am ersten Tag war ich sieben Stunden in Calls.“

Mit vielen Menschen über die eigene Idee reden – diesen Tipp habe ihr bereits ein Professor an ihrer Uni gegeben. „Jetzt habe ich erst so richtig gemerkt, dass wenn man mit Menschen redet, viele Antworten für andere offensichtlich sind, aber für mich dann irgendwie doch nicht.“ Die Gespräche habe sie mit dem Handy aufgenommen und im Anschluss die Transkripte via ChatGPT ausgewertet. Ihr Fazit: Ihre Idee stößt bei den Athleten auf Begeisterung, es gebe viel positives Feedback. Es gibt jedoch auch ein großes Aber.

Kommt es wegen eines Bottlenecks zum Pivot?

Doch dann stieß Jolina auf ein Problem. Für ihre Gesundheits-App gibt es derzeit ein Bottleneck – also einen Engpass, der die Umsetzung erschwert und im schlimmsten Fall sogar verhindern könnte.

Der Grund: Die Blutproben der Nutzer müssen nach den Selbsttests in einem Labor ausgewertet werden. Dafür ist Jolina auf externe Partner angewiesen. Solange die Testing-Unternehmen, mit denen sie Gespräche führt, keine Zusage für eine Zusammenarbeit geben, fehlt ihrer Idee ein zentraler Baustein. Im Zweifelsfall könne sie die App nicht launchen, gibt sie selbst zu bedenken.

„Ich glaube sehr an das Thema, weil ich sehr positives Feedback bekommen habe“, sagt sie. Sie müsse nun die Rückmeldung der angefragten Anbieter abwarten.

Ganz ohne Plan B ist sie allerdings nicht. Parallel arbeitet sie bereits an einem zweiten Projekt. „Und zwar geht es um GLP-1, also die Abnehmenspritze.“ Bekannt sind die Medikamente vor allem unter den Markennamen Ozempic und Wegovy. Sie enthalten den Wirkstoff Semaglutid und werden zur Gewichtsreduktion eingesetzt. Aus Gesprächen mit Nutzern habe Jolina herausgehört, dass viele Betroffene Schwierigkeiten im Umgang mit den Medikamenten haben.

„Viele Menschen haben das Problem, dass sie starke Nebenwirkungen haben und es sehr viel Unklarheit dazu gibt, wie sie das Produkt richtig nutzen sollten.“ GLP-1-Medikamente unterdrücken das Hungergefühl künstlich, können aber auch Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Erbrechen auslösen. „Das ist ein großes Thema, weshalb Nutzer die Spritze häufig wieder absetzen und dann in einen Jojo-Effekt reinkommen und wieder zunehmen.“

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Jolinas neue Idee: Eine App bauen, die für GLP-1-Nutzer wie ein Tagebuch funktioniert und gleichzeitig typische Fragen und Arztvorbereitungen zusammenfasst. Ob daraus ein Pivot wird oder die Bluttest-App doch noch die nötigen Partner findet, dürfte sich in den kommenden Wochen des Sommercamps entscheiden.

Ein erstes Tech-Setup aufgebaut

Jolina bezeichnet sich selbst als „noch Non-Techie“. Sie absolvierte bisher ein VC-Praktikum bei Heartfelt, eine ESG-Beratung bei PwC, ein Marketing-/E-Commerce-Praktikum bei Medienwerft und übernahm die Leitung eines kleinen E-Commerce-Unternehmens.

Ihr technische Profil sei noch ausbaufähig, noch habe sie kein Produkt selbst entwickelt, erzählt sie. Mit ihrem Mentor Paul Elias, AI Engineering bei Axel Springer, legte sie in Woche Eins gemeinsam die Grundlagen für ihr technisches Setup und arbeitet seitdem hauptsächlich mit Codex in ChatGPT (Hinweis: OpenAI ist Partner von unserem Programm). All das sei für sie noch Neuland. „Aber ich habe echt Lust, das zu lernen.“

Jolinas Learnings aus der ersten Woche

Aus der ersten Woche des Sommercamps habe sie vor allem aus den Workshops – etwa mit Vercel – und den Fragerunden mit erfahrenen Gründern viel mitgenommen, sagt Jolina. Zwei Learnings sind ihr besonders hängen geblieben:

  1. Schnell bauen, schnell validieren, schnell iterieren und trotzdem auf Qualität achten: „Ich habe lieber ein vernünftiges Produkt, was Wert schafft, aber wenig Features am Anfang hat, anstatt etwas Aufwendiges lange zu bauen, das dann nicht perfekt ist und Verwirrung kreiert. Ich will sichergehen, dass ich etwas launche, das dann idiotensicher ist.“
  2. Mit vielen Menschen sprechen, um Feedback zu bekommen: „Mit vielen Menschen sprechen, die nah am Thema sind, ist immer total sinnvoll. Schließlich wissen die mehr über sich und ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse und Vorstellungen, als ich mir vorher überlegen könnte. Dabei haben mir die Tipps von Dash0-CEO Mirko Novakovic besonders weitergeholfen.“

Für die zweite Woche des Camps hat sich Jolina ein klares Ziel gesetzt: Sie will einen ersten Prototyp ihrer Tagebuch-App für GLP-1-Nutzer entwickeln und sich dazu mit potenziellen Partnern innerhalb des Axel-Springer-Konzerns austauschen. Anschließend soll die Anwendung möglichst schnell live gehen, um erste Nutzer zu gewinnen und Features zu testen.

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