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Entwicklung & Code

30 Jahre Java – Interview mit Community-Vertretern (Teil 2)


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In den vergangenen 30 Jahren hat sich eine rege Community im Java-Umfeld gebildet. Ich habe im Laufe des Jahres einige deutschsprachige Vertreter zu ihren Erfahrungen befragt. Die Resonanz war überwältigend. Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben. In diesem zweiten Teil kommen Bernd Müller (Programmkomitee JavaLand und Professor Hochschule Ostfalia), Heinz Kabutz (Java Champion und Java Specialist Newsletter), Patrick Baumgartner (Java Champion, Co-Organisator JUG Schweiz), Wolfgang Weigend (Oracle Deutschland) und Gernot Starke (Buchautor und Gründer von arc42) zu Wort.

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Neuigkeiten von der Insel - Falk Sippach

Neuigkeiten von der Insel - Falk Sippach

Falk Sippach ist bei der embarc Software Consulting GmbH als Softwarearchitekt, Berater und Trainer stets auf der Suche nach dem Funken Leidenschaft, den er bei seinen Teilnehmern, Kunden und Kollegen entfachen kann. Bereits seit über 15 Jahren unterstützt er in meist agilen Softwareentwicklungsprojekten im Java-Umfeld. Als aktiver Bestandteil der Community (Mitorganisator der JUG Darmstadt) teilt er zudem sein Wissen gern in Artikeln, Blog-Beiträgen, sowie bei Vorträgen auf Konferenzen oder User Group Treffen und unterstützt bei der Organisation diverser Fachveranstaltungen. Falk twittert unter @sippsack.

Java prägt viele Entwicklerinnen und Entwickler seit ihren ersten Schritten in der IT – und hat in dieser Zeit Höhen, Tiefen und mehrere Neuerfindungen erlebt. Die folgenden Antworten spiegeln persönliche Anfänge, prägende Erlebnisse, kritische Momente und eine Einordnung von Javas Rolle in der heutigen Softwareentwicklung wider. Abschließend wagen sie einen Blick nach vorn: mit Tipps für die eigene Weiterentwicklung und Erwartungen an Java in den kommenden Jahren.

Wann und mit welcher Version bist du erstmals mit Java in Berührung gekommen?

Bernd Müller: 1996, 1.0

Heinz Kabutz: 1.0

Patrick Baumgartner: Meine erste Begegnung mit Java hatte ich während meines Studiums, damals mit Java 1.4. Die Sprache war zu dieser Zeit bereits weitverbreitet, insbesondere in der Unternehmenswelt, und galt als stabil und zuverlässig. Was mich besonders beeindruckt hat, war die Plattformunabhängigkeit – der berühmte „Write Once, Run Anywhere“-Ansatz, der es ermöglichte, Code ohne Anpassungen auf verschiedenen Betriebssystemen auszuführen.

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Wolfgang Weigend: Ende des Jahres 1996 bin ich als Senior System Consultant bei Texas Instruments Software erstmals mit der Programmiersprache Java in Berührung gekommen. Meine erste Java-Version war das JDK 1.0. Anfang Juli 1997, habe ich als Senior System Consultant bei Sun Microsystems in Frankfurt am Main begonnen und noch im selben Jahr habe ich die Java-Technologie bei der TLC GmbH (DB AG / DB Systel GmbH) mit der IT-Abteilung bei der Deutschen Bahn eingeführt.

Gernot Starke: Zum „Marktstart“ von Java durfte ich das Object-Reality Centre in Köln leiten, eine Kooperation von Sun Microsystems mit der Kölner Beratungsfirma „Schumann AG“. Das war 1995/1996, und Java war in den USA gerade mit TamTam angekündigt worden. Wir haben seinerzeit auch das allererste deutsche Java-Projekt (gemeinsam mit Sun und der damaligen HypoVereinsbank in München) durchgeführt und in Produktion gebracht.

Was war rückblickend dein schönstes Erlebnis mit der Sprache oder dem Ökosystem Java?

Heinz Kabutz: Es ist eine Sprache mit unendlich vielen Macken, über die man herrliche Rundbriefe schreiben kann.

Patrick Baumgartner: Definitiv die Konferenzen und der Hallway-Track! Java ist nicht nur eine Sprache, sondern eine weltweite Community mit unglaublich engagierten und inspirierenden Menschen. Ich bin oft mit Spring-Themen auf Konferenzen unterwegs und hatte dort die Möglichkeit, mit Gleichgesinnten tief in technische Diskussionen einzutauchen, neue Ideen zu entwickeln und von den Erfahrungen anderer zu lernen. Über die Jahre sind aus diesen Begegnungen nicht nur wertvolle fachliche Kontakte, sondern echte Freundschaften entstanden. Es ist immer wieder spannend, bekannte Gesichter auf Konferenzen wiederzutreffen und gemeinsam über die neuesten Entwicklungen im Java-Ökosystem zu diskutieren – oft auch nach einem Java User Group Talk. Diese Interaktionen, sei es auf einer großen Bühne, in kleinen Gruppen oder ganz spontan auf den Fluren zwischen den Talks, sind für mich eine enorme Bereicherung. Java ist für mich daher weit mehr als eine Technologie – es ist ein Ökosystem, das Menschen verbindet, inspiriert und gemeinsam wachsen lässt.

Wolfgang Weigend: Es waren die vielen Java-Projekte, die von den Entwicklern bei den Unternehmen in Deutschland im Jahr 1998/1999 gestartet wurden. Ein Highlight war, als ich zum ersten Mal die JavaOne-Entwicklerkonferenz in San Francisco mit 25.000 Teilnehmern im Moscone Center besuchte. Diese Eindrücke haben meine Erfahrungen mit der Java Community maßgeblich geprägt.

Gernot Starke: Kann man sich heute kaum noch vorstellen, aber ich konnte plötzlich ohne „#ifdef“-Makros im Code programmieren und meine Sourcen trotzdem auf anderen Betriebssystemen übersetzen. Das Java-Ökosystem: die fast unvergleichlich hohe Vielfalt und Gebrauchstauglichkeit der vielen Open-Source-Komponenten/Frameworks im Java-Umfeld. Da hat Java gegenüber C# ganz eindeutig die Nase vorn. Projekte im Dunstkreis von C, C++ oder C# konnten und können in dieser Hinsicht nur aus einer deutlich eingeschränkten Auswahl von Open-Source-Komponenten/Frameworks schöpfen. Das halte ich für ein riesiges Asset. Weiterhin fand ich vor Jahren die Erfindung von Groovy als alternative Sprache auf der JVM großartig. Die Möglichkeit, in anderen Sprachen zu entwickeln (Kotlin, Scala, Groovy) und dabei die Vorzüge der JVM zu behalten.

Aber es ist nicht alles golden, was glänzt. Was hat dich negativ beeinflusst bzw. was war ein unschöner Moment im Java-Umfeld?

Bernd Müller: Das Verschleppen des Releases von Java EE 8 durch Oracle.

Heinz Kabutz: Mir hat Sun Microsystems mehr gefallen als Oracle, aber leider haben die zu viel Verlust gemacht. Oracle hat aber Java gut geführt.

Patrick Baumgartner: Eines der Dinge, die mich im Java-Ökosystem immer wieder stören, ist das oft unsachliche Java- oder Spring-Bashing. Kritik ist wichtig und notwendig, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass bestimmte Diskussionen weniger auf fundierten Argumenten basieren, sondern eher aus Prinzip geführt werden. Technologien entwickeln sich weiter, und natürlich gibt es in jedem Framework oder jeder Sprache Herausforderungen und Fallstricke. Doch statt konstruktiv darüber zu sprechen, wird oft pauschal behauptet, dass Java „veraltet“ oder „zu schwergewichtig“ sei oder dass Spring „zu komplex“ sei. Dabei ignorieren solche Aussagen meist die Gründe, warum diese Technologien in vielen Bereichen so erfolgreich sind und kontinuierlich weiterentwickelt werden. Was ich mir stattdessen wünsche, ist ein offener Austausch auf Augenhöhe – ein Diskurs, der auf Erfahrungen basiert, bei dem sowohl Stärken als auch Schwächen beleuchtet werden. Nur so kann sich ein Ökosystem langfristig weiterentwickeln und verbessern.

Wolfgang Weigend: Es waren unternehmerische Entscheidungen von Sun Microsystems, die an der einen oder anderen Stelle herausfordernd waren, aber sie haben mich in Bezug auf Java nicht negativ beeinflusst. Ich habe mich immer für die ganzheitliche und vorwärtsgerichtete Technologie eingesetzt.

Gernot Starke: Oh, da gibt’s einiges:

  • In den frühen Zeiten gab’s keine ordentliche Infrastruktur für Build und Test. „ant“ war nur so mittelgut für Entwicklungsteams.
  • Build-Prozesse in früheren Maven-Versionen haben Ewigkeiten gebraucht, das war lange Zeit sehr nervig.
  • Die unsäglich schwergewichtigen EJBs und der Versuch, zu viele technische Details auf Java-Application-Server auszulagern. Diese Software-Monstren haben vielen Teams das Leben zur Hölle gemacht. Ich habe Stunden mit dem technischen Support von den großen Herstellern verbracht, weil diese Biester ihre Kinderkrankheiten ewige Zeiten nicht kuriert haben. Der Gipfel war der Vorschlag, das gesamte Server-Betriebssystem neu zu installieren und beim Kompilieren des Betriebssystem-Kernels einige (nicht-Standard-)Parameter zu setzen – dann würde der Bug im Application-Server vielleicht nicht mehr auftreten.
  • Grafische Oberflächen für Desktop-Anwendungen in Eclipse-RCP (V2) entwickeln und dann auf eine neuere Version von Eclipse (V3) portieren müssen – ich glaube, unser gesamtes Team hat über Kündigung oder Flucht nachgedacht.
  • Der Kauf von Sun Microsystems durch Oracle.
  • Dass OSGI niemals so richtig ans Fliegen gekommen ist, bzw. niemals in der Breite der Praxis ankam. Und dass der Versuch, das Java-Modulsystem zu etablieren, leider an der Verweigerung der Praxis gescheitert ist. Ich halte das immer noch für nützlich aus Architektursicht, aber viele Projekte ignorieren das ja beharrlich.

Glaubst du, dass Java auch nach 30 Jahren noch relevant ist? Welche Rolle spielt Java deiner Meinung nach in der modernen Softwareentwicklung, insbesondere im Vergleich zu anderen Sprachen und Technologien?

Bernd Müller: Es ist sehr relevant und spielt eine sehr große Rolle, da es sehr verbreitet ist. Ich glaube, dass Java wartbarer ist als andere Sprachen, sodass wir in einigen Jahren sehen werden, wie große Systeme in anderen Sprachen veralten, da sie nicht mehr gewartet werden (können).

Heinz Kabutz: Java wird noch von sehr vielen großen Unternehmen benutzt. Es ist ein solides System, schnell und zuverlässig.

Patrick Baumgartner: Definitiv! Java hat sich über die Jahre enorm weiterentwickelt und bleibt eine der wichtigsten Sprachen für Unternehmensanwendungen, Cloud-Native-Systeme und verteilte Architekturen. Die kontinuierlichen Verbesserungen – von Lambdas über Records bis hin zu Virtual Threads – zeigen, dass Java am Puls der Zeit bleibt. Natürlich gibt es mit Kotlin, Go oder Rust starke Alternativen, aber Java bietet ein stabiles, performantes und sicheres Ökosystem. Das macht die Sprache für viele Unternehmen und Entwickler weiterhin äußerst attraktiv.

Wolfgang Weigend: Nach meiner Einschätzung ist Java bis heute relevant, insbesondere weil die Verbreitung, Abwärtskompatibilität und Lesbarkeit für sich sprechen. Mittel- und langfristig sehe ich die Programmiersprache Java gut gerüstet, weil Innovation über das OpenJDK ständig einfließen kann. Besonders die Code-Assistenz-Systeme mit den Entwicklungsumgebungen werden existierenden Java-Code durchforsten und mittels KI & ML die Entwickler bei der Bewältigung ihrer Aufgaben effizient unterstützen.

Gernot Starke: Sprachen wie Python, Go und Java/TypeScript haben durch Self-Contained Systems und Microservices kräftig an Aufwind gewonnen. Andererseits haben wir riesige Mengen bestehenden Sourcecodes in Java als kritische Softwarekomponenten in vielen Unternehmen. Daher halte ich Java und das Java-Ökosystem weiterhin für sehr relevant.



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Capability-centric Architecture – einheitliche Struktur für Embedded und Cloud


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Softwarearchitektur hat seit Längerem das Problem, dass sie innerhalb von Systemgrenzen stattfindet, in denen jeweils spezifische Anforderungen dominieren: Enterprise-Systeme verlangen beispielsweise Flexibilität, Skalierbarkeit und schnelle Evolution. Embedded-Systeme hingegen benötigen direkten Hardwarezugriff, Echtzeitperformance und effiziente Ressourcen. Traditionelle Architekturmuster zwingen Architektinnen und Architekten oft, zwischen diesen Welten zu wählen oder separate Ansätze für unterschiedliche Systemtypen zu pflegen.

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Michael Stal

Michael Stal

Prof. Dr. Michael Stal arbeitet seit 1991 bei Siemens Technology. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen Softwarearchitekturen für große komplexe Systeme (Verteilte Systeme, Cloud Computing, IIoT), Eingebettte Systeme und Künstliche Intelligenz.

Er berät Geschäftsbereiche in Softwarearchitekturfragen und ist für die Architekturausbildung der Senior-Software-Architekten bei Siemens verantwortlich.

Das neue Muster Capability-centric Architecture (CCA) löst diese Spannung auf. Es erweitert und synthetisiert Konzepte aus Domain-driven Design, Hexagonal Architecture und Clean Architecture. Dabei führt es neue Mechanismen ein, die es gleichermaßen auf einen Mikrocontroller anwendbar machen, der Sensordaten liest, wie auf eine Cloud-native Enterpriseplattform, die Milliarden von Transaktionen verarbeitet.

Diese Artikelserie stellt das neue Muster in vier Artikeln vor. Hier im ersten Teil geht es um die Grundlagen der Methode. Anschließend folgen drei Beispiele, für ein Embedded-System, für eine Enterprise-Anwendung und für eine Architektur mit KI-Komponente.

Das Muster entstand aus unserer Analyse, warum existierende Architekturen versagen, wenn Systeme evolvieren müssen, neue Technologien wie KI und Containerisierung integrieren sollen oder das Embedded-bis-Enterprise-Spektrum überspannen. Anstatt diese Anforderungen als separate Probleme zu behandeln, bietet CCA ein vereinheitlichtes konzeptionelles Framework mit Mechanismen zur Verwaltung von Komplexität, Abhängigkeiten und Änderungen.

Ein Beispiel für einen unzureichenden Ansatz ist es, eine typische geschichtete Architektur auf ein industrielles Steuerungssystem anzuwenden. Die Präsentationsschicht zeigt Sensorwerte an, die Schicht der Businesslogik verarbeitet Steuerungsalgorithmen, die Datenzugriffsschicht verwaltet Persistenz, und irgendwo erfolgt Hardwarezugriff zum Lesen von Sensoren und zur Steuerung der Aktoren.

Das unmittelbare Problem liegt auf der Hand: Wo passt die Hardwareschicht hin? Unterhalb der Datenzugriffsschicht erzeugt sie eine ungeschickte Abhängigkeitsstruktur. Als separates Anliegen verletzt sie das Schichtenprinzip. Kritischer noch: Die starre Schichtung macht es nahezu unmöglich, kritische Pfade zu optimieren. Wenn ein Sensor-Interrupt auftritt, muss das Signal mehrere Schichten durchlaufen, bevor es den Steuerungsalgorithmus erreicht, was eine inakzeptable Latenz bedeutet.

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Hexagonal Architecture versucht, dies durch Ports und Adapter zu lösen. Die Kern-Domänenlogik sitzt im Zentrum, und Adapter verbinden zu externen Systemen durch definierte Ports. Dies funktioniert gut für Enterprise-Systeme mit Datenbank- und API-Adaptern. Für Embedded-Systeme jedoch verschleiert die Behandlung eines Hardware-Timers als weiteren Adapter den fundamentalen Unterschied zwischen einem austauschbaren, externen Service und einer Hardwarekomponente, die die Echtzeitfähigkeit des Systems definiert.

Ein typischer hexagonaler Ansatz für Embedded-Systeme sieht folgendermaßen aus:


// Port-Definition
public interface SensorPort {
    SensorReading read();
}

// Domain-Logik
public class TemperatureController {
    private final SensorPort sensor;
    
    public TemperatureController(SensorPort sensor) {
        this.sensor = sensor;
    }
    
    public void regulate() {
        SensorReading reading = sensor.read();
        // Steuerungslogik hier
    }
}

// Hardware-Adapter
public class HardwareSensorAdapter implements SensorPort {
    private static final int SENSOR_REGISTER = 0x40001000;
    
    public SensorReading read() {
        // Direkter Speicherzugriff
        int rawValue = readRegister(SENSOR_REGISTER);
        return new SensorReading(convertToTemperature(rawValue));
    }
    
    private native int readRegister(int address);
}


Der Code sieht sauber aus, verbirgt aber kritische Probleme. Die Abstraktion verhindert, dass der Controller auf Sensor-Metadaten zugreift, die in benachbarten Hardwareregistern verfügbar sind. Sie erzwingt alle Sensorzugriffe durch einen Methodenaufruf und verhindert den direkten Speicherzugriff per DMA oder Interrupt-gesteuertes Lesen. Sie macht Tests schwieriger, weil Entwickler Timing-Verhalten nicht einfach injizieren können. Am kritischsten: Sie behandelt Hardware als nur eine weitere austauschbare Komponente, obwohl die Hardwarefähigkeiten fundamental die Leistung des Systems prägen.

Clean Architecture steht vor ähnlichen Problemen. Ihre konzentrischen Kreise mit nach innen zeigenden Abhängigkeiten funktionieren wunderbar für Geschäftsanwendungen. Die Entities-Schicht enthält Geschäftsregeln, die Use-Cases-Schicht anwendungsspezifische Regeln, und äußere Schichten behandeln UI und Infrastruktur. Aber Embedded-Systeme passen nicht in dieses Modell. Hardware ist keine Infrastruktur, die sich abstrahieren lässt. Sie ist das Fundament, auf dem Fähigkeiten aufgebaut sind.

Enterprise-Systeme stehen vor unterschiedlichen, aber gleichermaßen herausfordernden Problemen. Während die Systeme wachsen, vermehren sich Bounded Contexts, und die Abhängigkeiten zwischen ihnen verheddern sich. Teams versuchen Schichtung oder hexagonale Grenzen durchzusetzen, was aber in praktischen Zwängen resultiert und Hintertüren sowie Abkürzungen schafft. Ein Kundenservice benötigt Daten vom Inventarservice, der Preise vom Katalogservice braucht, der wiederum Kundensegmente vom Kundenservice benötigt. Die zirkuläre Abhängigkeit ist offensichtlich, das Geschäftsbedürfnis aber real.

Moderne Technologien verschärfen diese Probleme. KI-Modelle sind keine einfachen Komponenten, die in eine Schicht oder einen Adapter passen. Sie haben eigene Infrastrukturbedürfnisse, Training-Pipelines, Anforderungen an die Versionierung und Inferenz-Charakteristiken. Big-Data-Verarbeitung passt nicht zu traditionellen Request-Response-Mustern. Infrastructure-as-Code verwischt die Grenze zwischen Anwendungs- und Deployment-Architektur. Kubernetes und Containerisierung ändern, wie Architekten über Deployment-Einheiten und Skalierungsgrenzen denken.


Aufmacher bcc Modern Architecture

Aufmacher bcc Modern Architecture

(Bild: RONY/Adobe Stock)

Die Online-Konferenz betterCode() Modern Architecture von iX und dpunkt.verlag am 25. März 2026 stellt aktuelle Konzepte der Softwarearchitektur vor wie Clean Architecture, Hexagonale Architektur oder Microservices. Design mit LLMs ist ebenso ein Thema wie Architektur für eine digitale Souveränität.



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Warum Microsoft auf Anthropic setzt: Tausende Mitarbeiter testen Claude Code


Wenn ein Bäcker regelmäßig eine große Tüte Brötchen des Mitbewerbers einkauft, betreibt er entweder intensive Marktbeobachtung – oder sieht seine Bedürfnisse von seinem eigenen Produkt nicht vollständig abgedeckt. Ähnliche Fragen stellen sich Beobachter mit Blick auf Microsoft. Nach Informationen des US-Tech-Portals The Verge setzt der Software-Riese verstärkt auf das KI-Entwicklungs-Tool Claude Code von seinem Mitbewerber Anthropic. Vornehmlich zum Vergleich, wie es heißt. Doch die Intensität des Tests ist dennoch ungewöhnlich.

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Laut The Verge nutzen mehrere tausend Mitarbeiter aus verschiedenen Entwicklerteams Claude Code. Beim CoreAI-Team sollen die Tests schon seit Monaten laufen. Inzwischen sei auch die „Experiences + Devices Division“ aufgefordert worden, Claude Code zu installieren. Dieses Team betreut die für Microsoft wichtigen Produkte Windows, Microsoft 365, Outlook, Teams, Bing, Edge und Surface.

Microsofts Werkzeugauswahl überrascht deshalb, weil das Unternehmen mit dem GitHub Copilot doch über ein eigenes Tool verfügt. Die in Zusammenarbeit mit OpenAI entwickelte Software sei auch weiterhin das primäre KI-Coding-Tool, betont Microsoft.

Dennoch scheint Microsoft auch ein Faible für das Konkurrenzprodukt entwickelt zu haben. Während die Software-Ingenieure beide Tools nutzen und vergleichen sollen, werden Designer und Projektmanager ohne Programmier-Erfahrung dazu ermuntert, damit zu experimentieren, etwa um Prototypen auf den Weg zu bringen. Laut dem Bericht sei aber auch ein möglicher späterer Vertrieb von Claude Code an Azure-Kunden denkbar.

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Das Fachmagazin The Information zählt Microsoft zu den Top-Kunden von Anthropic. Beide Unternehmen hätten eine besondere Vereinbarung geschlossen, die Anthropic dazu verpflichte, im Umfang von 30 Milliarden US-Dollar Rechenkapazitäten von Microsofts Cloud Azure zu nutzen. Microsoft rechne umgekehrt die Kosten für die eigene Nutzung der Anthropic-Modelle auf die Verkaufsquoten für Anthropics Azure-Nutzung an. Das sei ungewöhnlich, da normalerweise nur eigene Produkte und die aus der Partnerschaft mit OpenAI auf diese Weise gefördert würden.


(mki)



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Google stellt kostenlosen Web-Suchindex für Entwickler ein


Google hat angekündigt, den kostenlosen Zugriff auf seinen vollständigen Suchindex für Entwickler einzustellen. Neue Programmable Search Engines können ab sofort nur noch maximal 50 Domains durchsuchen. Die bisher verfügbare Option „Search the entire web“ steht für neue Engines nicht mehr zur Verfügung.

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Betreiber bestehender Suchmaschinen, die mehr als 50 Domains indexieren oder den vollständigen Web-Index nutzen, müssen bis zum 1. Januar 2027 auf eine Alternative umsteigen. Google begründet den Schritt in der Ankündigung mit einer „Evolution zu fokussierten, leistungsfähigeren Lösungen“, die eine bessere Nutzererfahrung bieten sollen.

Als Ersatz für den kostenlosen Vollzugriff verweist Google auf Vertex AI Search, einen Cloud-basierten Enterprise-Dienst mit KI-gestützten Features wie konversationeller Suche und Grounding (Verankerung von KI-Antworten in verifizierbaren Datenquellen). Wer weiterhin den vollständigen Google-Index nutzen möchte, muss ein Formular ausfüllen und auf ein individuelles Preisangebot warten. Öffentliche Preise existieren nicht, frühere Paid-API-Angebote kosteten rund 5 US-Dollar pro 1000 Anfragen.

Die Custom Search JSON API wird ebenfalls eingestellt. Nutzer müssen ihre Implementierungen bis zur Frist auf Vertex AI oder den neuen Enterprise-Full-Web-Dienst portieren. Das kostenlose „Sites to search“-Feature für maximal 50 Domains bleibt erhalten und ist laut Google optimal für fokussierte, seitenspezifische Suchergebnisse gedacht.

Die Änderungen treffen besonders Entwickler von Nischensuchmaschinen, Bildungseinrichtungen und Non-Profit-Organisationen. Viele WordPress-Plugins und Drupal-Module, die auf Googles Programmable Search Engine basieren, müssen umgebaut oder eingestellt werden.

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Als Alternativen bietet sich selbst gehostete Software wie Meilisearch, Typesense oder Elasticsearch an. Für Web-Index-basierte Anwendungen könnten Dienste wie Common Crawl (ein offenes Web-Archiv) in Kombination mit eigenen Modellen zum Einsatz kommen. Allerdings erreichen diese Alternativen nicht die Aktualität und Vollständigkeit des Google-Index.

Die Einschränkungen könnten in der EU kartellrechtliche Fragen aufwerfen. Als Gatekeeper im Sinne des Digital Markets Act kontrolliert Alphabet mit der Google-Suche den Zugang zu einem wesentlichen Infrastrukturelement des Internets. Offen ist, ob die Abschaffung des kostenlosen Zugriffs bei gleichzeitiger Einführung kostenpflichtiger Alternativen als wettbewerbswidrig interpretiert wird.

Google argumentiert hingegen, die Vereinfachung seines Produktportfolios diene der Qualität: „Wir vereinfachen und modernisieren unser Angebot, damit Sie das beste Werkzeug für Ihre Ziele auswählen können“, heißt es im Blogpost.


(fo)



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