Künstliche Intelligenz
30 Jahre Java – Interview mit Community-Vertretern (Teil 4)
In den vergangenen 30 Jahren hat sich eine rege Community im Java-Umfeld gebildet. Ich habe im Laufe des Jahres 2025 einige deutschsprachige Vertreter zu ihren Erfahrungen befragt. Die Resonanz war überwältigend. Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben. In diesem vierten Teil kommen Michael Simons (Java Champion), Stefan Zörner (Buchautor und Mitglied der Apache Foundation), Markus Eisele (Java Champion), Dirk Weil (Buchautor) und Michael Vitz (Java Champion) zu Wort.
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Falk Sippach ist bei der embarc Software Consulting GmbH als Softwarearchitekt, Berater und Trainer stets auf der Suche nach dem Funken Leidenschaft, den er bei seinen Teilnehmern, Kunden und Kollegen entfachen kann. Bereits seit über 15 Jahren unterstützt er in meist agilen Softwareentwicklungsprojekten im Java-Umfeld. Als aktiver Bestandteil der Community (Mitorganisator der JUG Darmstadt) teilt er zudem sein Wissen gern in Artikeln, Blog-Beiträgen, sowie bei Vorträgen auf Konferenzen oder User Group Treffen und unterstützt bei der Organisation diverser Fachveranstaltungen. Falk twittert unter @sippsack.
Java prägt viele Entwickler und Entwicklerinnen seit ihren ersten Schritten in der IT – und hat in dieser Zeit Höhen, Tiefen und mehrere Neuerfindungen erlebt. Die folgenden Antworten spiegeln persönliche Anfänge, prägende Erlebnisse, kritische Momente und eine Einordnung von Javas Rolle in der heutigen Softwareentwicklung wider. Abschließend wagen sie einen Blick nach vorn: mit Tipps für die eigene Weiterentwicklung und Erwartungen an Java in den kommenden Jahren.
Wann und mit welcher Version bist du erstmals mit Java in Berührung gekommen?
Michael Simons: Produktiv, also gegen Geld Software mit Java entwickelt um 2003, mit J2SE 1.4. Während des Studiums mal kurz J2SE 1.2 oder 1.3 angefasst, aber meine Ausbildung war sehr C- und Fortran-90-lastig.
Stefan Zörner: Ich habe bis 1998 an der Uni Münster Mathematik studiert und am Ende Übungsgruppen in Informatik betreut. Da wurde 1996/97 ganz frisch Java eingesetzt. Ich habe es mit den Leuten aus meinen Übungsgruppen zusammen gelernt, Version 1.0 war das.
Markus Eisele: Ich denke, es muss J2SE 1.2 gewesen sein. So um 1999.
Dirk Weil: Das war die allererste Version 1.0 – ich glaube, im Jahr 1996. Wir haben damals einen Arbeitskreis ins Leben gerufen, um die Entwicklung von Java zu beobachten und darüber zu diskutieren.
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Michael Vitz: Das erste Mal in Berührung mit Java bin ich noch in meiner Schulzeit in der Oberstufe gekommen. Dort konnte ich für ein Jahr Informatik als Fach belegen. Dort begann, erst mit JavaKara und anschließend mit der Bibliothek „Stifte und Mäuse“, mit Java 1.4 und IBM Jikes als Compiler, meine lange Reise im JVM-Ökosystem.
Was war rückblickend dein schönstes Erlebnis mit der Sprache oder dem Ökosystem Java?
Michael Simons: „Dein schönstes Erlebnis mit einer Programmiersprache …“ – ich finde die Frage ein wenig irritierend. Emotional am schönsten war sicherlich, dass ich durch Java überhaupt in ein größeres Open-Source-Ökosystem eintauchen konnte. Mein damaliger Arbeitgeber war primär ein Oracle-Shop, das heißt, wir haben viel Oracle-Tools, wie Forms und Designer, genutzt, und darin gab es damals wenig Gelegenheit, Open Source zu machen. Über Java bin ich in die Spring-Welt gekommen und habe mir dort einen Namen gemacht und konnte 2016 das erste Mal auf einer internationalen Konferenz über Springs Autokonfiguration sprechen. Das hat mein Leben sehr bereichert und auch beeinflusst. Es ist nicht bei Spring geblieben, ich war auch einer der ersten Sprecher über jOOQ, und konnte so meine „Liebe“ für Java und deklarative Abfragesprachen in die Welt tragen. Seit fast sieben Jahren arbeite ich im Open-Source-Umfeld. Ohne Java und eine offene, inklusive Community wäre mein Leben zumindest in beruflicher Hinsicht ganz anders verlaufen.
Stefan Zörner: Ich habe später viel im Unternehmensumfeld entwickelt, in meiner IBM-Zeit vor allem in Versicherungen, da war J2EE angesagt. Die Vereinfachung vieler Dinge durch Hibernate und vor allem Spring war tatsächlich eine kleine Offenbarung. Die Bücher von Spring-Vater Rod Johnson habe ich gerne gelesen.
Markus Eisele: Sicherlich die Community. Ich habe früh in meiner Karriere damit begonnen, mein Wissen aus Projekten weiterzugeben, und ich kann mich noch sehr gut an die ersten Vorträge über Struts und J2EE erinnern, die ich im Rahmen von freitäglichen Infoveranstaltungen gehalten habe. Auf diesem Weg ging ich weiter in Richtung internationaler Konferenzen und hatte das Glück, auch mal auf der JavaOne zu sprechen. Das schönste Erlebnis war sicherlich, die Geburt der JavaLand begleiten zu dürfen und der Sprache auch hierzulande eine große Plattform bieten zu können.
Dirk Weil: Mit Java hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass ich nicht der Erste war, der ein Problem hatte. Es gab nun eine Community, die sich gegenseitig unterstützte und Lösungen verteilte. Das hatte ich vorher mit C und C++ nicht erlebt. Dazu kam die damals noch rasante Entwicklung von Server-Produkten wie BEA WebLogic oder JBoss. Damit traf Java exakt den Punkt der Revolution von Anwendungen weg vom meist lokalen Client-Server-Modell hin zu global verfügbaren Webanwendungen.
Michael Vitz: Auf der persönlichen Ebene sicher meine Ernennung zum Java Champion Anfang 2021. Seitdem darf ich Mitglied in einer Gruppe sein, in der viele Menschen sind, deren Arbeit ich jahrelang verfolgt und geschätzt habe. Und ich erwische mich immer noch mit dem Gedanken, dass ich als kleines Licht dort eigentlich nicht hingehöre. Aus einer professionellen Sicht gibt es sehr viele schöne Erlebnisse, aber nicht das eine. Jede Anwendung und jedes Problem, die ich, auch weil mir ein solches Ökosystem zur Seite steht, mit Java lösen konnte und die anschließend Mehrwert liefert, lösen in mir positive Gefühle aus.
(Bild: DOAG)

Vom 10. bis 12. März 2026 findet die JavaLand-Konferenz statt. In diesem Jahr zieht die Community-Konferenz in den größten deutschen Freizeitpark, den Europa-Park Rust. Das Programm bietet knapp 130 Vorträge in 13 Themenbereichen.
Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt. Was hat dich negativ beeinflusst beziehungsweise was war ein unschöner Moment im Java-Umfeld?
Michael Simons: Ein, zwei menschliche Enttäuschungen, die auf die widersinnige Annahme zurückzuführen sind, dass „alle“ Menschen in einem positiven Umfeld generell positiv sind beziehungsweise sich auch in meinem Wertekosmos bewegen. Das hat aber weniger mit der Sprache als solcher zu tun.
Stefan Zörner: Umgekehrt die Mühen, die man mit J2EE und speziell EJB 1.0 hatte. Eigentlich wollte ich nur eine Entität persistieren. Die rituellen Handlungen beim Deployment waren erheblich. Das Ganze wurde erst durch die Einflüsse von Spring und Hibernate auch in Java EE besser.
Markus Eisele: Mich persönlich stört die rigorose Handhabung des Trademarks von Oracle. Durch das konsequente Verfolgen von jeglichen Aktivitäten, die den Begriff „Java“ im Namen tragen, ist die Community immer gezwungen, alternative Wege zu gehen und es gibt kaum ein aktives Community-Mitglied, welches da nicht seine unschönen Erfahrungen gesammelt hat. Hier wurde und wird weiterhin sehr viel Vertrauen und Wertschätzung für einen durchaus fragwürdigen Gegenwert verspielt.
Dirk Weil: Die sehr zähe Weiterentwicklung von Java EE in den Jahren ab 2016 war sehr irritierend. Das ging teilweise bis zur Einschätzung, dass Java EE tot sei. Der Umstieg auf Jakarta EE mit seinem eher juristisch verordneten Paketnamenswechsel und dem damit verbundenen Breaking Change in der Plattform setzte da sogar noch einen drauf.
Michael Vitz: Zum Glück kann ich mich nicht bewusst an einen negativen Moment erinnern. Natürlich gab es, aufgrund des Pluralismus im Ökosystem, immer mal wieder Scharmützel zwischen Bibliotheken, Werkzeugen oder Frameworks, aber aus meiner Sicht haben diese sich stets in Grenzen gehalten und sind selten unter die Gürtellinie gerutscht oder sehr persönlich geworden. Auf das JDK selbst hat wohl primär die Einführung des Modulsystems und der damit für einige etwas kompliziertere Wechsel auf JDK 9 negativen Einfluss gehabt. Aber auch das ist jetzt schon fast acht Jahre her.
Glaubst du, dass Java auch nach 30 Jahren noch relevant ist? Welche Rolle spielt Java deiner Meinung nach in der modernen Softwareentwicklung, insbesondere im Vergleich zu anderen Sprachen und Technologien?
Michael Simons: Ja, definitiv. Vor über 20 Jahren habe ich bereits Java Stored Procedures in eine Oracle-Datenbank deployed. Programme und Applikationen, die ich vor zehn Jahren geschrieben habe, sind immer noch im Betrieb. Unsere Open-Source-Module sind weltweit im Einsatz. Einige der erfolgreichsten IDEs dieses Planenten sind in Java geschrieben. All die Versicherungs- und Bankensoftware wird sich nicht von alleine warten oder durch generierten Code ersetzt werden. Ich mache mir da wenige Sorgen. In den letzten zwei, drei Jahren habe ich für mich viel Python geschrieben. Zusammen mit dem Pink-Database-Design-Paradigma, das Datenbanken in den Mittelpunkt stellt, ist es eine ungeheuer leichtgewichtige und schnelle Alternative für kleine bis mittelgroße Applikationen. Ich möchte das nicht missen. Aber, wenn ich an einen größeren Einsatz denke, möchte ich auch nicht auf die Stabilität von Java, die sensible Evolution, das annähernd komplette Ökosystem, die sehr guten Buildtools und vieles mehr verzichten.
Selbst im Bereich LLMs gibt es auf GraalVM basierende Lösungen, die schnelle, lokale Inferenz ermöglichen. Das ist meines Erachtens erheblich viel mehr wert als in anderen Sprachen geschriebene Ketten von HTTP-Calls, um mit LLMs und GPTs zu agieren. Bei der Frage nach Vergleichen sehe ich förmlich, wie du auf den Bereich Data Engineering und Education zielst: Bezüglich Data Engineering wird Java maximal von SQL überholt, nicht von Python. Die Python-Scripts und Notebooks sind schön für explorative Auswertungen, das stimmt, aber damit nehmen sie Java nichts weg. Bezüglich Education: Mit Java 24 ist es einfacher denn jemals zuvor, mit einer einzelnen Main-Methode zu starten, ohne Klassenzeremonie.
Stefan Zörner: Ja. Dafür sorgt schon die schiere Menge an Software, die in Java geschrieben ist und auch heute immer noch insbesondere in großen Unternehmen entsteht. Innovation findet tendenziell woanders statt, aber die Java-Welt greift viele Dinge auf.
Markus Eisele: Das ist gerade im aktuellen Hype rund um künstliche Intelligenz und Python natürlich eine sehr gute Frage. Was ich täglich mit Kunden erlebe, ist, dass es ein jahrelang gewachsenes Vertrauen in die Betreibbarkeit und Qualität von Java-basierten Anwendungen gibt. Die JVM als Runtime und auch die Sprache haben sich konsequent weiterentwickelt und bieten für nahezu alle Anwendungsfälle geeignete und performante Antworten. Dieses Vertrauen müssen sich andere Plattformen erst verdienen. Ich vergleiche das auch gerne mal mit Laufschuhen. Es gibt wahnsinnig gut aussehende, mit allerlei Schnickschnack und tollen Sohlen, aber ganz am Ende kann man erst nach vielen Kilometern dann den Unterschied wirklich ausmachen. Ähnlich sehe ich auch die Zukunft von Java. Vorsichtige Modellpflege mit einem Blick auf die wirklich wichtigen Funktionen unter konsequenter Weiterentwicklung der Laufzeitperformance erhält Java den Vorsprung. Noch für viele Jahre.
Dirk Weil: Ich halte Java weiterhin für sehr relevant und tragfähig. Die mittlerweile recht zügige Weiterentwicklung der Sprache selbst wie auch die breite Unterstützung für Server-Frameworks – Jakarta EE, Spring Boot, Quarkus und so weiter – sind für mich ein starkes Zeichen für ein lebendiges Ökosystem. Das finde ich bei anderen Sprachen nicht in der gleichen Qualität.
Michael Vitz: Wer weiß schon, wie die Welt in 30 Jahren aussieht? Gerade in einer Zeit, in der wir mit KI eine Technologie erleben, die das eine oder andere auf den Kopf stellt, und das sehr rasant. Unter der Annahme, dass Beobachtungen aus der Vergangenheit auch in der Zukunft gelten, gibt es in 30 Jahren sicher noch Java-Anwendungen. Ob diese dann eher den Stellenwert wie heute C oder COBOL haben, vermag ich aber nicht zu sagen. Ich gehe aber davon aus, dass es mit Sicherheit noch Menschen gibt, die dann Geld mit Java verdienen können. In der modernen Softwareentwicklung spielt Java sicherlich heute eine größere Rolle. Die Verbreitung über die letzten Jahre und auch die stete Weiterentwicklung, bei gleichzeitiger hoher Kontinuität und Kompatibilität, machen sich hier bezahlt. Und auch wenn diese deswegen vereinzelt etwas langsamer ist als in anderen Sprachen, braucht sich Java im Feature-Vergleich und vor allem mit dem großen Ökosystem nicht zu verstecken. Die wohl aktuell größten Baustellen der langsameren Startzeit und des höheren Arbeitsspeicherverbrauchs sind bekannt und werden an diversen Stellen angegangen. Insofern bin ich auch hier guter Dinge, dass Java weiterhin eine solide Wahl ist.
Künstliche Intelligenz
Telekom-Rechenzentrum soll deutsche KI-Leistung um die Hälfte steigern
Telekom-CEO Tim Höttges hat den Startschuss für das seit Mitte 2025 umgebaute KI-Rechenzentrum im Münchner Tucherpark gegeben. Es soll vor allem deutschen und europäischen Kunden einen souveränen Betrieb ihrer jeweiligen KI-Modelle ermöglichen. Zudem stellt es ausreichend Rechenleistung auch zum Training großer Sprachmodelle bereit, konkret etwa für das europäische souveräne LLM Soofi.
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Die Telekom-Sparte T-Systems baut den ersten Baustein ihrer „Industrial AI Cloud“ zusammen mit dem Partner Polarise, der die Hardware installiert und betreibt. Im Endausbau sollen in vier unterirdischen Räumen insgesamt rund 10.000 KI-Beschleuniger rechnen. Es kommt eine Mischung aus Nvidia DGX B200 SuperPod und Servern mit jeweils mehreren RTX 6000 Pro Blackwell Server zum Einsatz.
Nach Angaben der Telekom stellt das neue Rechenzentrum im Endausbau mit 0,5 Exaflops Rechenleistung für KI-Algorithmen rund 50 Prozent der gesamten KI-Performance bereit, die man derzeit in Deutschland insgesamt buchen könnte.
Rechenzentrums-Retrofit
Der Aufbau des Rechenzentrums ist technisch interessant, weil dazu ein bereits vorhandenes, älteres Rechenzentrum umgebaut wurde (Retrofit). Es erstreckt sich über mehr als fünf unterirdische Stockwerke unmittelbar neben dem Eisbach, der für die Surferwelle bekannt ist. Dessen Wasser wird auch zur Kühlung genutzt.

Dieses Wehr staut den Eisbach, um das Kühlwasser für das unterirdische Rechenzentrum Tucherpark zu entnehmen. Das Rechenzentrum befindet sich unter dem rechten Ufer des Eisbachs.
(Bild: Christof Windeck / heise medien)
Erste KI-Server sind bereits an Kunden vermietet, aber die vier Räume auf zwei Etagen sind längst noch nicht alle fertig ausgebaut.
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Mit schätzungsweise rund 15 bis 20 Megawatt (MW) gesamter Versorgungs- und Kühlleistung gehört das RZ Tucherpark zu den kleineren derzeit geplanten KI-Rechenzentren in Deutschland. Allerdings stellt es schon jetzt sehr hohe Performance bereit. Nach eigenen Angaben investiert die Telekom zusammen mit ihren Partnern rund 1 Milliarde Euro in das Projekt.
Zu den Rednern bei der Eröffnungsveranstaltung in München gehörten außer Telekom-CEO Tim Höttges auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und der deutsche Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil.
(ciw)
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Funktion übernommen: Camo-Entwickler verklagt Apple wegen „Sherlocking“
Das britische Unternehmen Reincubate, Hersteller der bekannten Webcam-App Camo, mit der man unter anderem iPhones als Kamera für den Mac verwenden kann, hat Klage gegen Apple eingereicht. Der Grund: Reincubate sieht sich durch die Apple-Funktion Integrationskamera (englischer Begriff: Continuity Camera) übertölpelt – über das sogenannte Sherlocking, bei dem Apple Funktionen von Softwareherstellern in sein System übernimmt. Das beim United States District Court für die District of New Jersey eingereichte Verfahren, über das unter anderem der Softwarepatentexperte Florian Mueller berichtet, dreht sich um zwei Punkte: Erstens sieht Reincubate eine Patentverletzung durch Apple, zweitens eine Verletzung des Wettbewerbsrechts.
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Camo-Chef kriegt Feature auf WWDC zu sehen
Reincubate bestätigte die Klage in einem Blogeintrag. Genaue Details zu den Hintergründen, die eine „erstaunliche Geschichte“ darstellten, so Reincubate-CEO Aidan Fitzpatrick, wollte das Unternehmen allerdings nicht geben. Erwähnt werden allerdings dennoch einige Seitenhiebe gegen den Konzern. So ist zu lesen, wie Fitzpatrick 2022 an der Apple-Entwicklerkonferenz WWDC teilnahm, nur um dort die Features von Camo im Rahmen der Integrationskamera zu sehen. Gezeigt worden sei die Funktion von einem Team, das ihm selbst per Privatnachricht mitgeteilt habe, dass sie „Camo jeden Tag auf der Arbeit“ nutzten.
Es sei faszinierend gewesen, Apples „Playbook“ nach der Vorstellung der Funktion zuzusehen. Er habe unter anderem Botschaften aus Apples oberem Management erhalten und man habe ihm gesagt, man nehme die Sache ernst und werde sie adressieren. Allerdings habe sich Apple nie auf etwas Schriftliches festgelegt. Apple habe ihm auch mitgeteilt, dass der Konzern nicht vorhabe, Reincubate zu kaufen – dies habe er aber auch nie angeboten. Die Sache soll mehrere Jahre gedauert haben, ohne dass sich etwas tat. Reincubate entschied sich schließlich zu klagen.
Wettbewerbs- und Patentrecht
Reincubate ist laut Liste der Sunday Times eines der 100 am schnellsten wachsenden Unternehmen in Großbritannien. Die Firma wirft Apple in der Klage unter anderem eine unrechtmäßige Ausnutzung einer Monopolstellung vor und fordert mehr Interoperabilität. Das Unternehmen beschuldigt Apple direkt, zwei seiner US-Patente verletzt zu haben. In der Klage wird unter anderem demonstriert, wie Apple und Reincubate zunächst als Partner agierten.
Softwarepatentexperte Mueller glaubt, dass Apple das von Reincubate geführte Jury-Verfahren unbedingt vermeiden will. Er erwartet, dass Apple versuchen wird, den wettbewerbsrechtlichen Teil des Verfahrens als unzulässig aus der Klage zu werfen. Reincubates Patente könnten für Apple jedoch gefährlich werden. Reincubate fürchtet nun, dass Apple ihm seine iOS-Entwicklerlizenz streicht, die für Camo von großer Wichtigkeit ist. In einem Antrag heißt es deshalb, dass dies Apple untersagt werden solle. Stellungnahmen des Konzerns liegen bislang nicht vor.
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(bsc)
Künstliche Intelligenz
Kostenlose Bildbearbeitung: Einstieg in Affinity V3
Das australische Softwareunternehmen Canva hat im Herbst 2025 die Grafiksuite Affinity kostenlos freigegeben, nachdem es die Software gut ein Jahr zuvor vom britischen Hersteller Serif übernommen hatte. Affinity V3 vereint professionelle Bildbearbeitung, Vektorgrafik und Schriftsatz in einem Programm. Die Einzelprogramme Affinity Photo, Affinity Designer und Affinity Publisher kosteten zuletzt jeweils 85 Euro. Nun sind diese als die Arbeitsbereiche „Pixel“, „Vektor“ und „Layout“ repräsentiert.
Einsteiger und Gelegenheitsanwender stehen an verschiedenen Stellen des Affinity-Workflows vor scheinbar unüberwindlichen Hürden. Die folgenden Beispiele zeigen, wie man Fotos entwickelt, selektiv bearbeitet und mit Effekten sowie Texttiteln versieht. Die Arbeitsbereiche Vektor und Layout bleiben weitgehend außen vor. In einem weiteren Artikel erklären wir, wie Sie mit Affinity Layout Fotobücher gestalten.
- Affinity V3 steht seit Herbst 2025 kostenlos zur Verfügung und bietet professionelle Bildbearbeitung ohne Abozwang.
- Das Programm gliedert sich in drei kostenlos nutzbare Arbeitsbereiche für „Pixel“, „Vektor“ und „Layout“ sowie einen für kostenpflichtige KI-Funktionen.
- Der Praxisleitfaden zeigt, wie Sie Fotos entwickeln, mit Ebenen und Masken bearbeiten sowie Einstellungen und Effekte nichtdestruktiv einsetzen.
Canva bindet Affinity V3 nach und nach in seine Web-App für Social-Media-Grafik ein. Das Programm funktioniert aber weiterhin lokal und eigenständig. Um Affinity (Download) herunterladen und nutzen zu können, muss man sich mit einem Canva-Konto anmelden, das man kostenlos auf canva.com erstellen kann. Außer auf Affinity kann man damit auch auf die kostenlosen Grundfunktionen der Mobil- und Web-App von Canva zugreifen.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „Kostenlose Bildbearbeitung: Einstieg in Affinity V3“.
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