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39C3: Wenn Moleküle zu kryptografischen Funktionen werden


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DNA gilt gemeinhin als Bauplan des Lebens. Auf dem 39. Chaos Communication Congress löste die Chemikerin Anne Lüscher das Molekül jedoch konsequent aus diesem biologischen Kontext und betrachtete es als das, was es aus informationstechnischer Sicht ebenfalls ist: ein extrem dichter, stabiler und überraschend gut beherrschbarer Informationsträger. In ihrem Vortrag „Chaos Communication Chemistry: DNA security systems based on molecular randomness“ zeigte sie, warum sich ausgerechnet synthetische DNA für Datenspeicherung und Sicherheitsarchitekturen eignet – und warum RNA dabei kaum eine Rolle spielt.

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Aus digitaler Perspektive sei DNA leicht zu lesen, so Lüscher: Vier Basen, klare Paarungsregeln, sequenzielle Speicherung. „Genau wie bei digitaler Information speichert DNA Daten in einer Sequenz, und im Grunde müssen wir nur zwischen Basis zwei und Basis vier übersetzen. Wir können einfach zwei Bits pro Base zuweisen und so zwischen digitaler oder binärer Information und DNA hin- und herübersetzen.“

Entscheidender seien jedoch die physikalischen Eigenschaften. DNA als Speichermedium vereint enorme Informationsdichte mit Langzeitstabilität – unter geeigneten Bedingungen über Zeiträume, die heutige Speichermedien weit übersteigen. Dass sich das Genom eines etwa 700.000 Jahre alten Pferdeknochens noch auslesen ließ, sei weniger biologische Kuriosität als technisches Argument. Im Labor ließen sich diese Bedingungen künstlich erzeugen, etwa durch Einkapselung in winzige Glaskügelchen.

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Hinzu komme ein Aspekt, der in der Informatik zunehmend an Bedeutung gewinne: Parallelität. Molekulare Systeme arbeiteten nicht sequenziell, sondern massiv parallel. „Denn wenn man an einen winzigen Wassertropfen denkt – da sind so viele Moleküle drin, und im Fall von DNA kann jedes dieser Moleküle potenziell sein eigener Prozessor sein, der Berechnungen eigenständig durchführt, gleichzeitig und unabhängig von den anderen. Und das eröffnet Möglichkeiten für parallele Operationen, die mit traditioneller Computertechnik so nicht möglich sind.“

Die Frage nach RNA drängt sich auf, nicht zuletzt durch ihre prominente Rolle in der Medizin. In der Fragerunde erläuterte Lüscher, warum technisch klare Gründe dagegen sprechen: RNA sei einzelsträngig und chemisch instabil. Eine zusätzliche Hydroxylgruppe mache sie besonders anfällig für Hydrolyse. Für Anwendungen, bei denen Daten über lange Zeiträume erhalten bleiben sollen, sei das ungeeignet. DNA dagegen sei doppelsträngig, robust und von einem über Jahrzehnte gewachsenen Werkzeug-Ökosystem begleitet: Synthese, PCR, Sequenzierung und gezielte Manipulation seien etabliert und zuverlässig verfügbar. Bei anderen Biomolekülen wie Proteinen fehlten diese direkten Werkzeuge weitgehend – ein Protein lasse sich etwa nicht direkt von einem anderen Protein kopieren.

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Auch große Akteure wie Microsoft und Seagate hätten inzwischen eigene Teams für DNA-Datenspeicherung aufgebaut, berichtete Lüscher. Fortschritte bei Random Access, Fehlerkorrektur und optimierter Kodierung durch epigenetische Methoden seien erzielt worden. Dennoch befänden sich die meisten realisierten Projekte bisher eher im Bereich Kunst und PR – etwa die Speicherung von Musik der Band Massive Attack in DNA, die dann in Sprühfarbe für ein Albumcover gemischt wurde.

Besonders interessant werde DNA dort, wo Zufälligkeit ins Spiel komme, erklärte Lüscher. „In einer einzigen Reaktion können wir durch die Kombination der vier Basen riesige Mengen an Zufälligkeit in einer einzigen Reaktionsumgebung erzeugen. Und hier sehen Sie einige Zahlen. Wir können hunderte Petabytes an Zufälligkeit für unter 100 Euro erzeugen.“ Diese Zufälligkeit sei praktisch nicht rekonstruierbar, weder algorithmisch noch durch erneute Synthese. Darauf aufbauend ließen sich sogenannte chemische Unclonable Functions (CUFs) realisieren: zufällige DNA‑Pools, die zwar nicht vollständig bekannt oder kopierbar seien, sich aber gezielt „abfragen“ ließen.

Das Prinzip funktioniere über PCR mit definierten Primern, so Lüscher. Diese Primer suchten im Pool nach passenden Sequenzen, bänden dort und kopierten den dazwischenliegenden Abschnitt. Das Ergebnis sei spezifisch für die Kombination aus Pool und Primer‑Paar – reproduzierbar, aber nicht vorhersagbar oder umkehrbar. Ähnlich wie bei physikalischen Unclonable Functions (PUFs) entstehe so ein System, das sich wie eine kryptografische Hashfunktion verhalte, aber auf chemischer statt mathematischer Grundlage basiere.

Im Unterschied zu klassischen PUFs seien diese Systeme nicht an ein einzelnes physisches Objekt gebunden, betonte Lüscher. Durch chemische Verfahren ließen sich identische Kopien der zufälligen Pools herstellen, ohne deren genaue Zusammensetzung zu kennen. Anschließend könnten diese Kopien „verriegelt“ werden, sodass sie sich nicht mehr weiter vervielfältigen ließen. Damit werde die Anzahl möglicher Abfragen im Voraus definiert, und mehrere Nutzer könnten denselben Pool für dezentrale Anwendungen verwenden – etwa zur gegenseitigen Authentifizierung oder zur gemeinsamen Schlüsselgenerierung.

DNA lasse sich zudem in Materialien integrieren, erläuterte Lüscher. In Farben, Kunststoffe oder 3D‑Druckfilamente eingebettet, ermögliche sie objektgebundene Metadaten mit extrem langer Haltbarkeit. Ein Forschungsprojekt habe etwa eine STL‑Druckdatei in DNA gespeichert, diese in das Druckfilament integriert und daraus einen Kunststoffhasen hergestellt. Aus einem winzigen Stück des Ohrs habe sich die DNA extrahieren und der Hase erneut drucken lassen. „Und es hat auch einige praktische Anwendungen. Denn wenn man an Objekte mit einer sehr langen Lebensdauer denkt, wie Gebäude oder öffentliche Infrastruktur, kann es wirklich schwierig sein, die Daten und Metadaten zu diesen Objekten über einen längeren Zeitraum zu erhalten. Und auf diese Weise könnten wir das lösen, indem wir diese Information einfach direkt in die Baumaterialien integrieren.“

Konkrete Anwendungen für CUFs reichten von der Authentifizierung von Kunstwerken bis zum Fälschungsschutz von Medikamenten. Ein winziger Materialchip genüge, um eine eindeutige chemische Signatur auszulesen und mit einer Referenz abzugleichen. Da die Pools weder vollständig sequenzierbar noch synthetisch reproduzierbar seien, wäre ein Angriff extrem aufwendig: Die chemische Modifikation verhindere die übliche Sequenzier‑Vorbereitung, und selbst bei erfolgreicher Sequenzierung würde die gezielte Neusynthese aller Sequenzen Milliarden kosten.

Trotz des Potenzials blieb Lüschers Blick realistisch. „Aber für diese Operationen, also eine einzelne Challenge-Response pro Durchgang, dauert es im Moment ein paar Stunden, und dann müssen wir die Ergebnisse sequenzieren, was wieder ein paar Stunden dauert. Wenn man also ein Medikament authentifizieren will, müsste man im Grunde einen Tag warten. Das ist der Stand im Moment.“

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Der eigentliche Wert liegt laut Anne Lüscher in der Perspektive: Chemie als Informationswissenschaft zu denken und physische Systeme mit einem digitalen Blick zu betrachten. DNA werde dabei nicht als Ersatz für Silizium präsentiert, sondern als Ergänzung – dort, wo Haltbarkeit, Dichte, Zufälligkeit und physische Nicht‑Klonbarkeit entscheidend seien. Das Feld brauche Expertise aus verschiedenen Disziplinen: Menschen mit Laborerfahrung ebenso wie solche mit Hacker‑Mindset, die bereit seien, diese Herausforderungen anzugehen.


(vza)



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Unerwartet interessant: Moderne Drucker | c’t uplink


Man könnte ja meinen, Drucker seien seit mindestens 20 Jahren ausentwickelt. Einerseits ist das nicht ganz falsch, denn grundlegende Techniken wie Bubblejet- und Laserdruck verändern sich kaum noch. Andererseits ist seitdem viel passiert, was die Vertriebs- und Verkaufsmodelle für Tinte angeht.

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Den wöchentlichen c’t-Podcast c’t uplink gibt es …

Vor allem ist etwas zur Realität geworden, wovon viele in den Nullerjahren nur träumen konnten: Tintendrucker mit festinstallierten Tanks, für die es Originaltinte zum in Nachfüllfläschchen zu kaufen gibt – und das Ganze zu privatkundenverträglichen Preisen. Eine andere Variante des Tintenvertriebs ist das Abo, bei dem der Drucker automatisch Tinte nachbestellt, sobald der Füllstand zur Neige geht.

Im c’t uplink sprechen wir über diese Vertriebsmodelle, aktuelle Druckertechnik, Preise – und warum Drucken unter Linux, anders als damals, inzwischen komplett stressfrei ist.

Zu Gast im Studio: Rudolf Opitz
Host: Jan Schüßler
Produktion: Tobias Reimer

► Unsere Drucker-Kaufberatung lesen Sie bei heise+ (€)

► sowie in c’t 4/2026 (€).

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In unserem WhatsApp-Kanal sortieren Torsten und Jan aus der Chefredaktion das Geschehen in der IT-Welt, fassen das Wichtigste zusammen und werfen einen Blick auf das, was unsere Kollegen gerade so vorbereiten.

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(jss)





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Telekom beendet Kampagne „Im besten Netz“ in der Netzkennung


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Mobilfunk-Kunden der Deutschen Telekom sahen seit dem 22. Januar eine neue, sich bewegende Netzkennung mit der Nachricht „Im besten Netz“ in der linken Ecke ihres Smartphone-Bildschirms. Diese Anzeige war Teil einer großangelegten Werbekampagne, die der Netzbetreiber nun offenbar vorzeitig beendet hat. Die Änderung erfolgte per Over-the-Air-Update (OTA) auf die SIM-Profile der Kunden. Auf Telefonen sollte jetzt wieder Telekom.de zu sehen sein.

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Die im Januar geänderte Netzkennzeichnung war Teil einer 360-Grad-Werbekampagne „für ihre leistungsfähigen Netze“, erklärt der Telekommunikationskonzern in seiner Ankündigung. Neben der Werbung auf dem Smartphone bewarb die Telekom ihr Netz mit einem neuen Werbespot mit dem Song „What The World Needs Now Is Love“ und verschiedenen Motiven.

Die Werbung auf den Smartphones der Kunden stieß auf allerhand Kritik: So schrieb etwa ein Telekom-Kunde: „Hallo, diese Smartphone-Anzeige ‚Im besten Netz‘ statt ‚Telekom‘ hat mich heute früh extrem verunsichert, dachte an einen Hackerangriff, der alle Daten abgegriffen hat und dann diesen Hinweis hinterlassen hat.“ Nicht nur Kundinnen und Kunden zeigten sich von der Werbung irritiert: Der Verbraucherzentrale Bundesverband hatte vor dem Oberlandesgericht Köln am 5. Februar 2026 einen Antrag auf Erlass der einstweiligen Verfügung gegen die Werbeanzeige gestellt.

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Die Verbraucherzentrale scheint indes nicht der einzige Kläger zu sein: Wie Carsten Knobloch von Stadt-Bremerhaven.de aus Branchenkreisen erfahren haben will, reagierte die Deutsche Telekom mit der Rückkehr zur üblichen Netzkennung auf eine einstweilige Verfügung des LG Düsseldorf. Wie man einem bissigen Linkedin-Beitrag von Telekom-Chef Tim Höttges entnehmen kann, stammt die weitere Verfügung vom Mitbewerber 1&1.

Mit dieser Verfügung hatte die „Im besten Netz“-Kampagne der Telekom offenbar früher als ursprünglich vorgesehen. Denn laut dem Netzbetreiber war sie zunächst für vier Wochen geplant, mit der Option der Verlängerung. Die Rückkehr zur alten Netzkennung bestätigen unter anderem Kunden im Telekom-Forum „Telekom hilft“.

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Auf eine Anfrage von heise online bestätigte die Deutschen Telekom, dass eine einstweilige Verfügung vorliege. Die Kampagne habe der Konzern indes unabhängig davon beendet: Man habe von Beginn an geplant, Mitte Februar wieder auf „Telekom.de“ umzustellen. „Mit der Umstellung der Netzkennung auf ‚Im besten Netz‘ haben wir wie geplant rund vier Wochen darüber informiert, dass die Telekom ihren Kundinnen und Kunden höchste Netzqualität zur Verfügung stellt.“


Update

13.02.2026,

13:26

Uhr

Artikel um Linkedin-Beitrag von Tim Höttges erweitert.


(afl)



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Prozessoren: AMD knöpft Intel an allen Fronten Marktanteile ab


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AMD hat Intel im vierten Quartal 2025 in allen wichtigen Marktsegmenten Prozessoranteile abgeknöpft: Die Firma erzielt bei CPUs für Server, Notebooks und Desktop-PCs Rekorde. „AMD verzeichnete im Quartal in allen Segmenten ein weit über dem saisonalen Durchschnitt liegendes Wachstum“, schreibt der Marktbeobachter Mercury Research in einer Mail-Mitteilung.

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Marktanteile AMD an x86-Prozessoren (Quelle: Mercury Research)
Kategorie Q4/25 Q3/25 Q4/24
Server 28,8% 27,8% 25,7%
Desktop 36,4% 33,6% 26,9%
Mobil 26,0% 21,9% 23,8%
x86-Gesamt* 31,3% 30,9% 25,6%
*einschließlich IoT und Konsolen

Die gesamten Auslieferungen sind aus zwei Gründen gegenüber dem Vorquartal gesunken (um wie viel genau gibt Mercury nicht an). Zum einen fällt fortlaufend die Nachfrage nach der aktuellen Konsolengeneration von Sony (Playstation 5) und Microsoft (Xbox Series X/S) aufgrund deren Alters. Zum anderen soll Intel einen Teil seiner Client-Prozessor-Produktion auf Servermodelle umgestellt haben. Da die Umstellung mehrere Monate in Anspruch nimmt, klafft vorübergehend eine Lücke.

Server-, Desktop- und Notebook-CPUs sind hingegen gestiegen. Der Marktbeobachter Jon Peddie Research nennt hier konkret ein Plus von 2,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Bei Desktop-PCs hat AMD seinen bisher größten Marktanteil von 36,4 Prozent nach verkauften Stückzahlen gerechnet. Das größte Wachstum verzeichnete die Firma bei Notebook-Prozessoren. Intels Produktionsumstellung soll die Mobilsparte am härtesten getroffen haben. AMDs Servergeschäft wächst seit Jahren stetig.

AMD selbst teilt auf Basis der Mercury-Zahlen eine Schätzung, wonach die Firma beim Umsatz mit Server-CPUs 41,3 Prozent Marktanteil haben soll. Das bedeutet, AMDs Durchschnittspreis ist erheblich höher als Intels. Auch bei Desktop-Prozessoren verdient AMD pro Stück mehr: AMD nennt 42,6 Prozent Umsatzanteil (bei 36,4 Prozent Stückanteil). Bei Notebook-CPUs ist der Durchschnittspreis dagegen etwas niedriger als Intels (24,9 Prozent Umsatzanteil, 26,0 Prozent Stückanteil).

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Alle x86-Prozessoren eingeschlossen, nähert sich AMD einem Marktanteil von einem Drittel. Verglichen mit Ende 2024 steigt er von 25,6 auf 31,3 Prozent. Das sequenzielle Wachstum ist mit 0,4 Prozentpunkten moderat, weil Intel unter anderem den IoT- und Edge-Markt dominiert. Auch hier soll AMD allerdings auf ein Rekordhoch gewachsen sein. Zudem haben Notebook-Prozessoren den stärksten Einfluss, weil dort die größten Stückzahlen vorliegen.

Mercury schätzt, dass Client-x86-Prozessoren zuletzt 86,7 Prozent des Marktes ausgemacht haben und ARM-Modelle 13,3 Prozent, maßgeblich auf Apples Macs und MacBooks sowie Chromebooks verteilt. Bei Servern soll ARM bei rund 12 Prozent stehen. Laut den Marktbeobachtern sind diese Zahlen allerdings unsicher und könnten noch revidiert werden.


(mma)



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