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„868-BACK“: Hartes Brett für Hacker
Warum heißt es so komisch? Warum sieht es so aus? Wer unvorbereitet auf das neue Indie-Spiel „868-BACK“ trifft, der hat viele Fragen. Die Grundlagen aber sind einfach: „868-BACK“ ist eine Art Roguelite. Es ist ein rundenbasiertes Strategiespiel auf einem kleinen Raster, bei dem man den eigenen Smiley durch ein Labyrinth steuert, Ressourcen aufsammelt, neue Kräfte erwirbt und Gegner besiegt. Anfangs versucht man nur, sich in den Regeln zurechtzufinden. Hat man sie verinnerlicht, verfolgt man in immer neuen Anläufen einen höheren Punktestand und entdeckt eine Art Geschichte.
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Ein Spieleautor und sein Genre
Ein kleiner Kreis von Spielefans und Game Designern erkennt das Design von „868-BACK“ schon von weitem. Das Spiel ist endlich mal wieder ein sogenanntes broughlike, ein Spiel des Entwicklers Michael Brough. Das halbironische Label hat der Spieleautor verpasst bekommen, weil er vor über zehn Jahren auftauchte und fortan mit einer Reihe unscheinbarer, aber tiefgründiger Titel auffiel. „Corrypt“, „Zaga-33“, „868-HACK“, „Imbroglio“ und „Cinco Paus“ zeigen ihren Reiz erst nach längerem Spielen. In ihnen verstecken sich Pointen und Spielmechanismen, die man sich selbst erarbeiten muss. Der Reiz ist derselbe wie bei einem schwierigen Rätsel: Zuerst zerbricht man sich den Kopf, und wenn man endlich eine Erleuchtung hat, fühlt man sich besonders schlau.
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Finji
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Broughs Spiele haben Preise gewonnen, aber nicht unbedingt viele Einheiten verkauft. Seine beliebtesten Titel drehen sich um sehr kompakte Spielbretter, auf denen man Zug um Zug herumgrübelt. Immer besitzen sie einfache Regeln, die man grundsätzlich schnell lernt. Und dann muss man erst einmal herausfinden, was man noch nicht verstanden hat. Vor allem muss man bremsen und nachdenken. In vielen von Broughs Spielen agiert man gleichzeitig mit den Gegnern, und weil das Raster so klein ist, kann in jedem Zug eine Menge passieren. Das Spielgefühl erinnert an elegante, komplexe Brettspiele, bei denen man die strategischen Möglichkeiten erst nach mehreren Partien ahnt.
Der zweite Bootleg-Burrito
Nach längerer Auszeit veröffentlicht Brough mit „868-BACK“ erstmals eine echte Fortsetzung. „868-HACK“ muss man allerdings nicht ernsthaft vorher spielen. Teil 2 fühlt sich wie eine Weiterentwicklung derselben Spielidee an, nicht wie das zweite Kapitel einer Geschichte. Beide Spiele machen sich über popkulturelle Hacker-Klischees lustig. Die Grafik ist jetzt detaillierter, immer noch ein Pixelart-Stil, aber abgerissener und ausgeblichener. Die anderen Unterschiede muss man sich erst einmal erspielen.
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Nach einem übertrieben coolen, sehr kurzen Tutorial, präsentiert von einem „scrip kid“, muss man sich über drei Spielwochen hinweg Tag für Tag in verschiedene Server hacken. Jeder Server besteht aus einer Reihe Spielbretter, auf denen man zum Ausgang ziehen muss, ohne besiegt zu werden. Mit jedem gehackten Server werden neue freigeschaltet. Plötzlich tauchen auch Nahrungsmittel im Raster auf, die man sich erarbeiten kann. Im Rhythmus der ersten Erfolge schaltet man überraschende neue Inhalte frei. Es gibt Charaktere und fiese Megacorps, die man hacken kann – oder man lässt sich von ihnen anheuern.
Monster und Zaubersprüche
Gespielt wird am besten auf der Tastatur. Mit Pfeiltasten bewegt man den Hacker, repräsentiert als Smiley mit Augenklappe. Als Gegner tauchen Tasks im Labyrinth auf, die wie Monster oder Roboter aussehen. Mit der Leertaste saugt man angrenzende Programme oder Punkte. Diese begrenzt verfügbaren Siphon-Aktionen sind besonders wichtig: Einerseits kann man damit Ressourcen sammeln, die man braucht, um Programme auszuführen. Andererseits sammelt man die Programme selbst ein – jedes Programm ist eine Art Zauberspruch im Labyrinth. Sie zu verstehen, sinnvoll zusammenzustellen und einzusetzen, ist spielentscheidend.
Die Steuerung ist sehr einfach, das Raster sechs mal sechs Felder klein, aber die Zahl der Variablen ist groß. Die Gegner folgen verschiedenen Zugregeln, die 36 verschiedenen Zaubersprüche enthüllen sich nur langsam, dazu gibt es eine größere Zahl von Devices, die pro Server-Sektor einen mächtigen Vorteil beim Spielen gewähren. Um es kurz zu machen: Wie tief man in diese Matrix eintauchen kann, können wir nach knapp zehn Spielstunden bestenfalls ahnen. Das mag auch eine Typfrage sein. „868-BACK“ ist ideal für kürzere, konzentrierte Sitzungen, nach denen man dann erst einmal nachdenken möchte, was schiefgelaufen ist.
Folge dem weißen Hasen
Die ersten Runden als Hacker sind ungefähr so frustrierend wie eine erste Partie gegen geübte Schach- oder Go-Spieler. Krachendes Scheitern ist eingepreist. Wer besser werden will, muss sich Zug um Zug anschauen und lernen, wie die attackierenden Tasks, das labyrinthartige Raster und vor allem die Programme einander beeinflussen.
Fast alles, was man anfangs tut, führt in die Katastrophe. Stärkere Programme locken mit ihren mächtigen, leicht verständlichen Effekten: „Quit“ etwa hat Alarmstufe 7 und kann direkt in den nächsten Level springen. Wer es saugt, ruft damit allerdings sieben Tasks gleichzeitig in den Level, die alle attackieren. Und so ist die erste Aufgabe, lebendig durch alle acht Sektoren eines Servers zu kommen. Hat man das gelernt, dann kennt man auch erste Programme und kann versuchen, einen dreiwöchigen Run zu überleben. Dann käme erst die Punktejagd, das Verfolgen verschiedener Ziele und das Lüften offensichtlich noch versteckter Geheimnisse. Es wird sicher noch die eine oder andere Woche dauern, bevor wir in diese Sphären vorstoßen.
Ein neues Hobby
Uns hat „868-BACK“ bereits gefangen genommen. Ob es nun besser ist als der Vorgänger, werden wir aber wahrscheinlich erst in einem Jahr beurteilen können. Ob es sich lohnt, ist aber jetzt schon einfach zu beantworten: Wer dem Look etwas abgewinnen kann, Freude an elegant verschränkten Spielmechanismen hat und sich gerne in komplexe Herausforderungen einarbeitet, der ist hier richtig.
„868-BACK“ erscheint am 28.05. für Linux, Mac und Windows.
(dahe)