Künstliche Intelligenz
Diese Werkzeuge sollen Kunstwerke vor KI schützen – doch die lassen sich umgehen
Forschende haben demonstriert, dass es möglich ist, bestehende Schutzmaßnahmen gegen unerwünschtes KI-Training auszuhebeln. Das Verfahren, das die Wissenschaftler Lightshed getauft haben, ist jetzt das jüngste Beispiel für ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Kreativen und Anbietern generativer KI, das zunehmend auch vor Gericht ausgetragen wird. Generative KI-Modelle, die Bilder erstellen können, müssen vorab anhand einer Masse von Bildmaterial angelernt werden. Die für dieses Training verwendeten Datensätze enthalten Kritikern zufolge oft urheberrechtlich geschütztes Material, das ohne jede Genehmigung genutzt wird. Dies beunruhigt Kreative, die befürchten, dass die Modelle ihren Stil lernen, ihre Werke imitieren und sie damit letztlich arbeitslos machen.
Ab 2023 wurden jedoch einige potenzielle Verteidigungsmittel entwickelt, als Teams Programme wie Glaze und Nightshade herausbrachten, die Bildmaterial im Netz schützen, indem sie es für KI-Trainingszwecke „vergifteten“. (Der Beteiligte Shawn Shan wurde im vergangenen Jahr sogar für seine Arbeit daran zum Innovator des Jahres der US-Ausgabe von MIT Technology Review gekürt.). Die Macher hinter dem Lightshed-Projekt behaupten jedoch, diese und ähnliche Tools unterlaufen zu können, sodass die Bildwerke wieder problemlos zu Trainingszwecken verwendet werden können.
Um es klar zu sagen: Die Forscher hinter Lightshed versuchen nicht etwa, Werke von Künstlern zu stehlen. Sie wollen nur nicht, dass die Kreativen sich in falscher Sicherheit wiegen. „Man kann eben nicht sicher sein, dass Unternehmen keine Methoden haben, um dieses KI-Gift zu entfernen. Das wird den Kreativen aber niemand sagen“, meint Hanna Foerster, Doktorandin an der Universität Cambridge und Hauptautorin der Studie. Deshalb sei es wichtig, diese Methoden jetzt zu erkennen.
KI-Modelle funktionieren zum Teil dadurch, dass sie implizit Grenzen zwischen verschiedenen Kategorien von Bildern ziehen. Glaze und Nightshade verändern deshalb eine ausreichende Anzahl von Bildpunkten, um ein Werk über diese Grenze hinweg zu verschieben, ohne die für den Nutzer sichtbare Bildqualität zu beeinträchtigen. KI-Modelle ordnen die eingelesenen Bilder dann falsch ein, was das Training verunmöglicht. Oder zusammengefasst: Die für Menschen fast unmerklichen Veränderungen werden als Störungen bezeichnet und beeinträchtigen die Fähigkeit des KI-Modells, ein Bildwerk zu verstehen.
KI erkennt falsche Interpretationen
Glaze führt praktisch dazu, dass KI-Modelle einen Bildstil falsch interpretieren (zum Beispiel ein fotorealistisches Gemälde als Cartoon). Nightshade hingegen führt dazu, dass das Modell das Motiv grundsätzlich falsch erkennt (etwa eine Katze in einer Zeichnung als Hund). Glaze wird verwendet, um den individuellen Stil eines Künstlers zu schützen, während Nightshade dazu dient, das Training von KI-Modellen generell zu unterbinden, die das Internet nach Kunstwerken durchsuchen. Foerster wollte zeigen, dass das nicht unbedingt erfolgreich ist. Sie arbeitete mit einem Team von Forschern der TU Darmstadt und der University of Texas in San Antonio zusammen, um Lightshed zu entwickeln. Sein Trick: Das Werkzeug lernt, wo genau Tools wie Glaze und Nightshade diese Art von digitalem Gift digital auf Bildwerke aufbringen, damit es diese effektiv entfernen kann. Die Gruppe wird ihre gesamten Ergebnisse im August auf dem Usenix Security Symposium, einer weltweit führenden Konferenz zum Thema Cybersicherheit, vorstellen.
Die Forscher lernten Lightshed an, indem sie ihm Bildwerke vor und nach dem Durchlauf von Nightshade, Glaze und anderen Sicherheitstools fütterten. Foerster beschreibt den Prozess als ein Training, „nur das Gift auf vergifteten Bildern“ zu rekonstruieren. Die Identifizierung jener Grenze, ab der die Zusatzmerkmale eine KI tatsächlich verwirren, mache es einfacher, nur diese „abzuwaschen“.
LightShed ist dabei laut der Forscher extrem effektiv. Während andere Forscher einzelne einfache Wege gefunden haben, die Methodik der Sicherheitstools zu unterlaufen, ist LightShed anpassungsfähiger. Es kann sogar das, was es von einem Anti-KI-Tool – beispielsweise Nightshade – gelernt hat, auf andere Schutzwerkzeuge wie Mist oder MetaCloak anwenden, ohne diese zuvor kennengelernt zu haben.
Zwar hat es einige Schwierigkeiten mit geringen Dosen des digitalen Gifts, das man auch Poisoning nennt. Doch diese beeinträchtigen die Fähigkeit der KI-Modelle, die zugrunde liegenden Bildwerke zu verstehen, in der Regel nicht, sodass es zu einer Win-Win-Situation für die KI wird – oder einer Lose-Lose-Situation für die Künstler, die diese Schutztools verwenden.
Lernen für neue Sicherheitstools
Rund 7,5 Millionen Menschen, darunter viele Kreative mit kleiner und mittlerer Fangemeinde und geringen Ressourcen, haben Glaze bereits heruntergeladen, um ihre Kunst zu schützen. Diejenigen, die Tools wie Glaze verwenden, sehen darin eine wichtige technische Verteidigungslinie, insbesondere solange die Regulierung im Bereich KI-Training und Urheberrecht noch ungeklärt ist. Die Autoren von Lightshed betrachten ihre Arbeit als Warnung, dass Tools wie Glaze keine dauerhaften Lösungen sind. „Es könnten noch einige Versuche nötig sein, um bessere Ideen für diesen Schutz zu entwickeln“, sagt Foerster.
Die Entwickler von Glaze und Nightshade scheinen dieser Ansicht zuzustimmen: Auf der Website von Nightshade wurde bereits vor Beginn der Arbeit an Lightshed darauf hingewiesen, dass das Tool nicht grundsätzlich zukunftssicher sei. Shan, der die Forschung zu beiden Tools geleitet hat, ist dennoch nach wie vor davon überzeugt, dass Abwehrmaßnahmen wie die seinen sinnvoll sind, auch wenn es Möglichkeiten gibt, sie zu umgehen.
„Es ist eine Abschreckung.“ Also eine Möglichkeit, KI-Unternehmen zu warnen, die Bedenken der Kreativen ernstzunehmen. Das Ziel sei es, so viele Hindernisse wie möglich aufzubauen, damit die Firmen dazu genötigt sind, direkt mit ihnen zu arbeiten. Shan glaubt, dass „die meisten Kreativen verstehen, dass dies nur eine vorübergehende Lösung ist“. Es sei dennoch sinnvoll, erste Hürden gegen die unerwünschte Nutzung ihrer Werke zu errichten.
Foerster hofft nun, dass die Erkenntnisse aus der Lightshed-Entwicklung dabei helfen, neue Abwehrmaßnahmen für Kreative zu entwickeln. Dazu gehören clevere Wasserzeichen, die auch nach der Bearbeitung durch ein KI-Modell im Output erhalten bleiben. Die Forscherin glaubt zwar nicht, dass dies ein Werk für immer vor KI schützen wird. Es gehe aber darum, das Gleichgewicht wieder in Richtung der Kreativen zu verschieben.
Dieser Beitrag ist zuerst bei t3n.de erschienen.
(jle)
Künstliche Intelligenz
Kakao Talk: Anklage fordert 15 Jahre Haft für Firmengründer und Tech-Milliardär
Die Anklage im Gerichtsverfahren gegen den Gründer des südkoreanischen Tech-Unternehmens Kakao hat zum Abschluss 15 Jahre Gefängnis für Kim Beom-su gefordert. Das berichtet die Korea Times und ruft dabei in Erinnerung, dass dem 59-Jährigen Aktienmanipulation im Zuge einer Übernahmeschlacht vorgeworfen wird. Wie die Nachrichtenagentur ausführt, hat ihm die Anklage vorgeworfen, dass er als Chef der Kakao-Gruppe der oberste Entscheidungsträger und „letztlicher Nutznießer der kriminellen Erlöse“ gewesen sei. Laut dem Bericht sieht das Gesetz in Südkorea eigentlich eine maximale Haftstrafe von 11 Jahren für die vorgeworfenen Taten vor, wenn die Manipulation aber einen besonders großen Einfluss auf die Aktienpreise gehabt habe, könne sie auf 15 Jahre erhöht werden.
Übernahme dank Aktienmanipulation?
Kim wurde vor einem Jahr verhaftet, das für den Haftbefehl zuständige Bezirksgericht hat demnach befürchtet, dass er fliehen oder mögliche Beweise vernichten könnte. Erst im Oktober kam er aus Gesundheitsgründen gegen Kaution frei. Dem Unternehmen wurde vorgeworfen, gemeinsam mit seiner Unternehmensführung im Jahr davor im Zuge eines Bieterwettstreits die Aktienkurse des koreanischen Musiklabels SM Entertainment künstlich in die Höhe getrieben zu haben, um dessen Übernahme durch einen Konkurrenten zu verhindern. Einen Monat später, im März 2023, stieg die Kakao-Gruppe schließlich selbst als Hauptaktionär bei SM Entertainment ein.
Kim Beom-su gilt mit seinem 2010 gegründeten Internetimperium Kakao als einer der erfolgreichsten und wohlhabendsten Unternehmer des Landes. Seine Firmengruppe ist vor allem bekannt für den Messenger-Dienst KakaoTalk, den dort mit Abstand beliebtesten Instant-Messenger, der aber auch in vielen anderen Angeboten genutzt wird. Als der nach einem Brand in einem Rechenzentrum vor drei Jahren ausfiel, sorgte das landesweit für Chaos und sogar der Präsident forderte Konsequenzen. Nach seiner Festnahme hat sich Kim Beom-su laut der Korea Times aus der Führungsebene des Riesenkonzerns zurückgezogen, er hält aber weiterhin ein Viertel der Anteile und ist damit der größte Aktionär.
(mho)
Künstliche Intelligenz
Neue Beats-Ohrhörer im Anmarsch: Powerbeats Fit auf YouTube aufgetaucht
Langsam wird es bei Beats mit der Namensgebung unübersichtlich: Die Apple-Tochter hat neue Stöpsel namens Powerbeats Fit in einem 16 Sekunden langen YouTube-Video gezeigt. Die In-Ear-Hörer gesellen sich zu den Powerbeats Pro 2 und den Beats Fit Pro und scheinen als eine Art Kombination aus beiden gedacht zu sein. Beats macht allerdings bislang keine Angaben dazu, was die Powerbeats Fit können und wo sie konkret eingeordnet werden – klar ist aber bereits, dass sie sich für Sport eignen, zeigt das Video die Stöpsel doch im Einsatz beim US-Football-Training. Beats hatte schon die Powerbeats Pro 2 vorab per Video geleakt, damals war es ein kurzer X-Clip.
Fit Pro raus, Powerbeats Fit rein?
Die Powerbeats Fit haben, das lässt sich dem Football-Video entnehmen, ein ähnliches Design wie die Fit Pro. Sie verfügen also über einen kleinen Silikonflügel, der sie im Ohr halten soll. „Fit für jede Bewegung“, heißt der Beats-Slogan dazu. Unklar bleibt, ob die Stöpsel aktive Geräuschunterdrückung (ANC) sowie Herzfrequenzmessung erhalten, wie dies bei den Powerbeats Pro 2 der Fall ist. Letztere Funktion hatte allerdings für Kritik gesorgt, da sie nicht immer akkurat ist und nur mit bestimmten Apps funktioniert.
Die Beats Fit Pro verfügen bereits über ANC, was das Besondere an den Powerbeats Fit ist, muss sich daher noch herausstellen. Ob beide Modelle parallel angeboten oder die Fit Pro möglicherweise durch die Powerbeats Fit ersetzt werden, bleibt weiterhin unklar. Eine Powerbeats-Pro-2-Farbe bekommen sie schon mal: Im Video ist das markante Orange zu sehen. Bekannt ist bereits, dass die neuen Stöpsel im Herbst 2025 erscheinen werden, also vermutlich noch im September.
AirPods Pro 3 kommen auch noch
Apple verkauft die Powerbeats Pro 2 aktuell für 300 Euro, die Fit Pro stehen mit 250 Euro in der Liste. Im Handel sind die Preise niedriger. Neben der Herzfrequenzmessung kommen die Powerbeats Pro 2 auch noch mit einer Silikonschlaufe, die sich ums Ohr legen lässt, was den Sitz noch weiter verbessert.
Im Herbst werden auch neue AirPods-Modelle erwartet – insbesondere die dritte Generation der Pros. Denkbar ist, dass diese erstmals Gesundheitsfunktionen bekommen. Apple hat die aktuellen AirPods (weder AirPods 4 noch AirPods Pro 2) übrigens nicht offiziell für eine sportliche Verwendung zugelassen – auch wenn dies viele Nutzer tun.
(bsc)
Künstliche Intelligenz
Mit Reverse Engineering Packer und API-Hooking verstehen
Im ersten Artikel dieses Tutorials standen API-Aufrufe im Fokus. Während einige Aufrufnamen selbsterklärend sind, erschließt sich die Funktion anderer nur schwer. Glücklicherweise dokumentiert Microsoft die Windows-API-Aufrufe umfassend, inklusive Zweck, Eingaben (Parametern) und Ausgaben, was die Analyse erheblich erleichtert. Gerade deshalb versuchen viele Schadprogramme, ihre API-Aufrufe zu verbergen, beispielsweise durch Packing.
Beim Packing wird die ursprüngliche Schadsoftware komprimiert, verschleiert, verschlüsselt oder anderweitig codiert und zusammen mit Assemblercode, der den Entpackalgorithmus enthält, in eine neue ausführbare Datei eingebettet. Das soll zum einen verhindern, dass Schutzprogramme die Schadsoftware erkennen, und zum andern den Originalcode so verbergen, dass eine Analyse der Funktionsweise erschwert wird.
- Malware nutzt Packing, um bösartigen Code zu verschleiern und statische Analysen zu erschweren.
- Weitere Tarnung erfolgt durch API-Hooking, bei dem das Verhalten legitimer Programme gezielt verändert wird.
- Mit den richtigen Tools lassen sich Packer enttarnen und Hooking-Techniken aufdecken.
Nadia Meichtry ist Digital-Forensics- und Incident-Response-Spezialistin bei der Oneconsult AG. Sie unterstützt bei der Bewältigung und Untersuchung von Cybervorfällen.
Freie Werkzeuge für Verteidiger und Angreifer
Packing lässt sich mit frei verfügbaren Werkzeugen durchführen. Ein bekanntes Beispiel ist UPX (Ultimate Packer for Executables), einer der wenigen Packer mit integrierter Entpackfunktion, der mit einem einzigen Befehl entpackt wird. Malware-Entwickler können UPX jedoch auch modifizieren, um das Entpacken für Reverse Engineers zu erschweren. Darüber hinaus existieren viele andere Packer. Kommerzielle Produkte wie Themida bieten zusätzliche Funktionen wie Codeverschlüsselung, Anti-Analyse und Anti-Debugging. Manche Hackergruppen setzen auch eigens entwickelte maßgeschneiderte Packer ein, die exklusiv für ihre Kampagnen verwendet werden und deutlich schwieriger zu entpacken sind.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „Mit Reverse Engineering Packer und API-Hooking verstehen“.
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