Digital Business & Startups
Limehome erhält 75 Millionen – LI.FI sammelt 29 Millionen ein – osapiens kauft Lucent
#DealMonitor
+++ #DealMonitor +++ Hospitality-Startup Limehome erhält 75 Millionen +++ Crypto-Startup LI.FI sammelt 29 Millionen ein +++ HealthTech Ficus bekommt 3 Millionen +++ Finanzspritze für Last Mile Semiconductor +++ osapiens kauft Lucent +++

Im #DealMonitor für den 12. Dezember werfen wir einen Blick auf die wichtigsten, spannendsten und interessantesten Investments und Exits des Tages in der DACH-Region. Alle Deals der Vortage gibt es im großen und übersichtlichen #DealMonitor-Archiv.
STARTUPLAND: SAVE THE DATE

The next unicorn? You’ll meet it at STARUPLAND
+++ Du hast unsere zweite STARTUPLAND verpasst? Dann trage Dir jetzt schon einmal unseren neuen Termin in Deinen Kalender ein: STARTUPLAND 2026 findet bereits am 18. März statt. Mehr über Startupland
INVESTMENTS
Limehome
+++ Der Londoner Geldgeber Cheyne Strategic Value Credit stellt Limehome 75 Millionen Euro zur Verfügung. In der Pressemitteilung ist dabei von einer „Wachstumsfinanzierung mit einer Eigenkapitalbeteiligung“ die Rede. „Die Investition stärkt die finanzielle Basis des Unternehmens und ermöglicht die weitere Expansion in Europas kompetitivsten und attraktivsten Hospitality-Märkten“, teilt das Unternehmen mit. Das Münchner Unternehmen, 2018 von Lars Stäbe und Josef Vollmayr gegründet, positioniert sich als „Hospitality-Betreiber, der funktional gestaltete Designunterkünfte“ anbietet. In den vergangenen Jahren flossen rund 50 Millionen Euro in das Unternehmen – unter anderem von Capital Four, HV Capital und Lakestar. Cheyne hält nun rund 7,4 % an Limehome. Derzeit arbeiten rund 300 Mitarbeitende für die Bajuwaren. Mehr über Limehome
LI.FI
+++ Multicoin und CoinFund investieren 29 Millionen US-Dollar in LI.FI – siehe auch Fortune. Das Berliner FinTech, 2021 von Philipp Zentner gegründet, möchte „traditionellen Finanzunternehmen den Zugang zu DeFi erleichtern“. Insgesamt flossen nun schon 52 Millionen in die Jungfirma. Zu den Investoren des Startups gehören unter anderem auch Superscrypt, Bloccelerate, L1 Digital, Circle, Factor und Perridon. „We’re now a global team of 100+ people, focused on a single mission: building the universal market for digital assets. This new funding lets us scale faster. More assets. More chains. More markets. Developing infra for agentic commerce“, teilt Gründer Zentner mit. Mehr über LI.Fi
Ficus
+++ Der Berliner Frühphaseninvestor Redstone, Merantix Capital und Business Angels investieren 3 Millionen Euro in Ficus. Das HealthTech aus Berlin, 2024 vom Caspar Health-Gründer Benjamin Pochhammer und Mario Elstner gegründet, möchte sich als „KI-Plattform für die Rehabilitation“ etablieren. Die Software des Startups, das aus Venture Studio von Merantix hervorgegangen ist, automatisiert zentrale Prozesse, reduziert administrativen Aufwand und schafft mehr Zeit für die Patient:innenversorgung“, teilt das Team mit. Das frische Kapital soll insbesondere in den Ausbau der „Anwendungen entlang der gesamten Patientenreise“ fließen. Mehr über Ficus
Last Mile Semiconductor (LMS)
+++ TGFS Technologiegründerfonds Sachsen, European Innovation Council Fund (EIC Fund) und Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Sachsen (MBG) investieren eine siebenstellige Summe in Last Mile Semiconductor (LMS). Das Startup aus Dresden, 2022 von Christoph Gulich und Mario Orgis gegründet, entwickelt „energieeffiziente IoT-Hochsicherheits-Chips“. Das frische Kapital soll in die „Weiterentwicklung der Technologie und die Vorbereitung der Serienfertigung“ fließen. Mehr über Last Mile Semiconductor
MERGERS & ACQUISITIONS
osapiens – Lucent
+++ Das Mannheimer ESG-Compliance-Startup osapiens übernimmt das 2023 gegründete Berliner Startup Lucent, das Agentic-AI-Technologien für Risikomanager entwickelt. „Mit der Akquisition baut osapiens seine Kompetenzen in den Bereichen Financial Risk Management, Compliance-Automatisierung und KI-basierter Entscheidungsunterstützung aus“, heißt es in einer Presseaussendung. Im Zuge der Übernahme werden nun „Technologie, Produktportfolio und Kundenstamm von Lucent AI vollständig osapiens integriert“. Lucent, von Max und Moritz Wolff gegründet, wurde unter anderem von Cherry ventures finanziell unterstützt. Zu den Kunden von osapiens gehören Firmen wie Bosch, Metro, Costco, Ritter Sport, Lidl und Celanese. Goldman Sachs und Co. investierten zuletzt 120 Millionen US-Dollar in das Unternehmen. osapiens, 2018 von Alberto Zamora, Stefan Wawrzinek und Matthias Jungblut gegründet, setzt auf die „Entwicklung von automatisierten Lösungen zur Schaffung von Transparenz und Nachhaltigkeit in globalen Lieferketten“. Mehr über osapiens
Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
Foto (oben): azrael74
Digital Business & Startups
+++ Clue +++ Anthropia Ventures +++ 1Komma5° +++ Mannheim +++
#StartupTicker
+++ #StartupTicker +++ Live im STARTUPLAND: André Christ (LeanIX) +++ Clue wächst auf 10,9 Millionen Umsatz +++ Anthropia Ventures scheitert vor dem First Closing +++ Über den verpassten Börsengang von 1Komma5° +++ Mannheim ist immer eine Startup-Reise wert +++

Was gibt’s Neues? In unserem #StartupTicker liefern wir eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Startup-Nachrichten des Tages (Dienstag, 27. Januar).
#STARTUPLAND

FOMO? For a reason. Welcome to STARTUPLAND
+++ Am 18. März findet im RheinEnergieStadion in Köln unsere dritte STARTUPLAND Conference statt. Es erwartet Euch wieder eine faszinierende Reise in die Startup-Szene – mit Vorträgen von erfolgreichen Gründer:innen, lehrreichen Interviews und Pitches, die begeistern. Mehr über STARTUPLAND
Live im STARTUPLAND: André Christ (LeanIX)

Mit dem Verkauf von LeanIX an SAP für rund 1,2 Milliarden Euro erreichte André Christ 2023 einen der größten Software-Exits Europas. Doch für ihn markierte der Exit keinen Schlusspunkt, sondern den Beginn einer neuen Phase. Sein Thema im STARTUPLAND: Rethinking Enterprise-grade SaaS for the Agentic AI Age.
#STARTUPTICKER
Clue
+++ Zahlencheck! Das Berliner Startup Clue, eine Zyklus- und Fruchtbarkeits-App, legt neue Unternehmenszahlen vor – und zwar den Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 2024. Der Umsatz stieg im Berichtszeitraum erneut – auf rund 10,9 Millionen (Vorjahr: 7 Millionen). „Das Umsatzwachstum wurde von vier Hauptfaktoren getrieben, und zwar die kontinuierliche Optimierung der Konversionsraten der App Clue Period Tracker v2 (Rebirth), die Vermarktung der neuen Modi, sowie die Weiterführung und Optimierung von regelmäßigen CRM-Kampagnen und Rabatt-Kampagnen“, teilt das Team mit. Auch das B2B-Geschäft wächst weiter und macht „schon über 6 % des monatlichen Gesamtumsatzes der Gesellschaft aus“. Clue ist vor allem in den USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Australien und Kanada gut unterwegs. Der Jahresfehlbetrag lag bei 4,8 Millionen (Vorjahr: 8,2 Millionen) und somit deutlich niedriger als im Jahre 2023. Insgesamt kostet der Aufbau von Clue, 2012 gegründet, bereits rund 63,1 Millionen. Bis Ende 2024 sammelte das Team rund um Gründerin Ida Tin aber auch schon knapp 72 Millionen ein. Um Kosten zu sparen, baute das Unternehmen in den vergangenen Jahren insbesondere Personal ab. 2024 wirkten im Durchschnitt noch 55 Mitarbeitende für Clue. Im Vorjahr waren es noch 94 und im Jahr davor sogar 117. Für 2025 peilte das Team ein Umsatzwachstum auf 17 Millionen an. Zudem lässt diese Passage im Jahresabschluss aufhorchen: „Die Gesellschaft hat bis Ende 2024 den Break-even-Punkt erreicht, es wurde jedoch entschieden, die verbleibenden Mittel direkt in die Neunutzergewinnung zurück zu investieren, und dadurch die Gesellschaft auf einen stärkeren Wachstumspfad zu bringen. Gemäß der von der Geschäftsführung aufgestellten Planung wird die Gesellschaft also noch bis voraussichtlich August 2025 Verluste erwirtschaften, welche jedoch durch die vorhandene Liquiditätsreserve gedeckt sind.“ Die unsicheren Zeiten bei Clue sind somit wohl vorbei. Der harte Kurs der vergangenen Jahren zahlt sich somit aus. Mehr über Clue
Anthropia Ventures
+++ VC-Krise! In den vergangenen Jahren versuchten Oliver Kuschel, Philip Haverkamp, Anne Geiger und Dirk Kanngiesser mit Anthropia Ventures einen Investor für Impact-Startups hochzuziehen. Dabei wollten die Duisburger, die mit dem Impact-Inkubator Anthropia über große Erfahrung im Segment verfügen, anders als klassische Geldgeber auch Unternehmen unterstützen, bei denen nicht der schnelle Exit im Vordergrund steht. „We firmly believe that scaling impact across the various SDG areas and strengthening Germany’s and Europe’s economy requires a dual approach: fostering the rapid growth of disruptive ‚Next 1,000 Impact Unicorns‘ and empowering resilient ‚New Mittelstand‘ companies“, hieß es zur Ausrichtung. Im Markt kam das Konzept nicht an. „Trotz unserem enormen Einsatz, klarem Purpose und starken Partner:innen müssen wir uns eingestehen: ‚In der aktuellen Marktsituation ist ein First Closing nicht realisierbar!‘ Nicht für uns – und aktuell für viele Andere leider auch nicht“, schreibt Anthropia Ventures-Macher Haverkamp auf Linkedin. Eine bittere Entwicklung, aber leider derzeit Alltag in der VC-Szene – wie auch ein Blick auf Schwergewichte wie 468 Capital zeigt. (Linkedin). Mehr über Anthropia Ventures
1Komma5°
+++ Lesenswert! 1Komma5°-Gründer Philipp Schröder spricht mit dem Manager Magazin über „den letztlich geplatzten Deal mit Hauptkonkurrent Enpal, über den verpassten Börsengang seiner Firma – und wie er den Abschwung in der Solarbranche jetzt selbst für Übernahmen nutzen will“. In den vergangenen Jahren flossen bereits mehr als 500 Millionen Euro in 1Komma5°. Im Frühjahr des vergangenen Jahres legte das Unternehmen seinen geplanten IPO auf Eis. (Manager Magazin) Mehr über 1Komma5°
Mannheim
+++ Mannheim ist immer eine Startup-Reise wert. Erst recht, seit osapiens zum Unicorn aufgestiegen ist. Deswegen blicken wir heute wieder einmal auf die Digital-Szene in Mannheim und stellen aufstrebende Startups aus der Quadratestadt vor, die mehr Menschen kennen sollten. Mehr über Mannheim
Startup-Radar
+++ Neue Gründerinnen und Gründer machen sich auf den Weg! Wir präsentieren heute folgende Auswahl frischer Startups, die man kennen sollte: Soverli, Ruby Care, Talero, Ramp7 und Laioutr. Mehr im Startup-Radar
Was ist zuletzt sonst passiert? Das steht immer im #StartupTicker
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Foto (oben): Bing Image Creator – DALL·E 3
Digital Business & Startups
Viel Pizza, wenig Schlaf – und die Hoffnung auf die eine Idee
Minus fünf Grad draußen. Beschlagene Scheiben drinnen. Im Eingangsbereich des Delta Campus in Berlin-Neukölln drängen sich junge Menschen mit Laptops unter dem Arm. Niemand wartet freiwillig in der Kälte. Drinnen geht es um etwas anderes: 36 Stunden Zeit, kaum Schlaf – und die Hoffnung, dass aus einer Idee mehr wird als nur Code.
Noch ist keine Zeile programmiert – aber die Gespräche im Raum verraten: Der AI-Hackathon im Delta Campus Berlin hat begonnen. Stimmen überlagern sich, Namen und Linkedin-Profile werden ausgetauscht.
Die Menge verteilt sich schließlich auf der Fläche: Runde Tische, lange Gruppentafeln, Sofa-Ecken mit tiefen Kissen – die Location für die nächsten 36 Stunden.
Laptops klappen auf, Kabel werden gesucht, Jacken über Stuhllehnen gehängt. In der offenen Küche ist ein Frühstücksbuffet aufgebaut: Croissants türmen sich in Körben. Weitere Gespräche entstehen zwischen zwei Schlucken Kaffee: Wer kann was? Immer wieder wandern Blicke durch den Raum, auf der Suche nach möglichen Mitstreitern. Kleine Grüppchen bilden sich, lösen sich auf und finden sich neu.
600 Bewerbungen für ursprünglich 90 Plätze haben die Veranstalter erreicht. Unter denen, die es geschafft haben, sind Ingenieure, Programmierer, Studenten, Startup-Gründer und die, die es werden wollen. Sie kommen nicht nur aus ganz Deutschland an diesem Wochenende nach Berlin, sondern teils aus London, Brasilien oder sind Teilnehmer von Erasmus-Programmen. Deshalb wird wie so üblich Englisch gesprochen.
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Von den 105 Teilnehmenden sind nur knapp zehn Frauen dabei – ein Ungleichgewicht, das auffällt, ohne ausgesprochen zu werden. Aber typisch für die Tech-Szene in Berlin, wie Organisator Bela Wiertz von Tech Europe sagt.
Viele der Teilnehmenden kennen sich bereits – sind Freunde, Kommilitonen, Co-Gründer oder haben sich auf anderen Hackathons kennengelernt.
Klare Spielregeln
Um 10.30 Uhr startet dann die Agenda: Die Sponsoren stellen sich vor und Organisator Bela Wiertz erklärt die Spielregeln des AI-Hackathons:
- Es dürfen bis zu fünf Menschen ein Team bilden, aber auch Einzelkämpfer sind erlaubt.
- Es muss ein neues Projekt gestartet werden. Das Arbeiten an bestehenden Projekten ist nicht erlaubt!
- Drei Tools/Technologien der Sponsoren müssen genutzt werden.
Die Challenge ist bewusst offengehalten: Etwas Neues erschaffen, Thema frei, kein vorgegebenes Problem. Der Haken – oder der Reiz – liegt in den Tools: Da drei von vier Technologien genutzt werden sollen, gibt es nicht viel Auswahl und Spielraum. Zur Auswahl stehen Chatarmin, eine AI-Lösung für Customer Service und Marketing im E-Commerce, die Frontier-Modelle von OpenAI, das No-Code-Tool Lovable zur Erstellung von Apps und Websites per Chat sowie Tower, das AI-Agenten mit verlässlichen Daten versorgt. Was daraus entsteht, liegt in den Händen der Teams.
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Nicht alle im Raum haben mit diesen Programmen schon gearbeitet. Deshalb gibt es kompakte Einführungen, praktische Anleitungen und Ansprechpartner mit tiefem Technikverständnis. Experten gehen von Tisch zu Tisch oder sind per Discord erreichbar, beantworten Fragen.
„Wir suchen noch…“
Wer noch ohne Team ist, sammelt sich zum Matchmaking. Man stellt sich vor. Einige bringen bereits sehr konkrete Ideen mit, andere erst eine grobe Richtung. „Das könnte passen“ – so finden sich weitere Gruppen. Denn: Niemand will allein bleiben.
Der Hackathon versteht sich nicht allein als Wettbewerb um das beste Ergebnis, sondern als Lernraum: Wie formt sich ein Team unter Zeitdruck? Wie verständigt man sich auf eine gemeinsame Idee? Wie denkt man zusammen über eine Lösung nach – und nicht nur nebeneinanderher?
Post-its, Flipcharts und Co.
Zum Lunch stehen die Teams längst fest: An den Gruppentischen wird gearbeitet – Köpfe beugen sich zusammen, Vorgehensweisen werden diskutiert, Aufgaben verteilt. Post-its wandern über Tischplatten, auf Flipcharts entstehen erste Entwürfe.
Die Burritos an der Essensausgabe werden zügig abgeholt: ein Griff, ein Nicken, zurück an den Platz. Das Essen läuft nebenbei – das Projekt nicht. Der Fokus liegt klar auf dem, was in den nächsten Stunden entstehen soll.
Die Gruppen sind bunt gemischt: Unterschiedliche Erfahrungslevel und Generationen arbeiten miteinander. Das Alter der Teilnehmenden liegt zwischen 18 bis Ü40, alle eint der Antrieb, den AI-Hackathon für sich zu entscheiden.
Die Gruppe um Ridvan Sibic hat einen festen Plan: eine Idee finden, die für den Sponsor Arbio Sinn ergibt. Also das Gespräch suchen, Rückfragen stellen, verstehen, worauf es ankommt – in diesem Fall im Kontext von Reiseunterkünften.
Schritt zwei ist technisch: Welche der vergebenen Tools macht Sinn? Dann die Leitfragen: Was macht Spaß? Was würde man selbst nutzen? Was nervt im Alltag? Wo entsteht ein Wow-Effekt? Der Anspruch ist nicht maximale Komplexität, sondern Freude am Produkt. Es darf leicht sein, solange es funktioniert.
Anschließend geht es an den Bau: aus der Idee wird ein Agent. Ridvan übernimmt dabei die Rolle des Erfahrensten, lenkt, priorisiert, bremst auch mal. Erwartungen werden bewusst heruntergeschraubt, Ziele realistisch gesetzt, erklärt er. „Hier muss nicht das nächste Microsoft entstehen.“
Inzwischen ist es Abend geworden, 21 Uhr. Die Sonne ist längst untergegangen, der Delta Campus noch hell erleuchtet. Leere Pizzakartons stapeln sich in den Ecken, es riecht noch nach Tomatensoße. Die ersten Teilnehmer haben sich auf den Weg nach Hause oder ins Hostel gemacht. Zum Schlafen, um an Tag zwei wieder fit zu sein. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es im Delta Campus nicht.
Rund 40 Menschen sind am späten Samstagabend noch da und arbeiten: Codes laufen über die Bildschirme, man hört leises Tippen auf Tastaturen. Es ist ruhiger geworden, die lebhaften Gespräche vom Mittag sind verstummt. Manche Gruppen haben sich in Glaskästen zurückgezogen, um ungestört zu arbeiten. Wer hier noch sitzt, arbeitet, denkt, tüftelt, versucht, die verbleibenden Stunden optimal zu nutzen.
Auf den Tischen stapeln sich Cola- und Mate-Flaschen, leere Energy-Dosen und Kaffeebecher – Koffein bringt die Verbleibenden durch die Nacht.
Durchgemacht für die Deadline
Am frühen Sonntagmorgen füllt sich der Raum im Erdgeschoss des Delta Campus. Aber nicht alle sind wieder gekommen.
Während die meisten Teilnehmer einigermaßen ausgeruht wirken, haben rund 20 von ihnen die Nacht durchgearbeitet und nur ein paar Stunden auf der Couch geschlafen – mehr nicht. Der ein oder andere legt den Kopf auf die Tischplatte, fällt über der Tastatur in einen Sekundenschlaf.
Bis 14 Uhr müssen alle Projekte fertig sein. Der Sonntag ist Endspurt-Zeit: Videos werden nun aufgenommen, in denen die Teams ihre Ideen und Lösungen präsentieren. Maximal zwei Minuten darf jedes Video dauern – also präzise, auf den Punkt und ohne Ausschweifungen. Danach liegt alles in den Händen der Jury, die sich aus den Sponsoren des Hackathons zusammensetzt.
Kurz vor der Deadline liegt spürbare Anspannung in der Luft. Tastaturen klappern, Mauszeiger fliegen über Bildschirme, Gruppen diskutieren noch letzte Details. Viele arbeiten bis zur allerletzten Minute, reichen ihre Projekte erst kurz vor knapp ein.
„Hast du submittet?“
Und dann: Erleichterung. Schulterklopfen, High-Fives. Stolz mischt sich mit Erschöpfung. Aber: Nicht alle sind pünktlich fertig geworden. Nicht alle haben ihr Projekt eingereicht.
Eine Stunde gilt es nun zu überbrücken bis zur Bekanntgabe der Finalisten. Die Jury zieht sich zurück – insgesamt 27 Projekte gilt es zu bewerten. Bewertet werden Kreativität und technische Komplexität. Bonuspunkte gibt es für den effektiven Einsatz von Partnertechnologien.
Manche nutzen die Stunde Freizeit, um frische Luft zu schnappen und machen einen kurzen Abstecher zur Dönerbude an der nächsten Straßenecke. Andere wiederum suchen Ablenkung im Ping-Pong-Turnier.
Das Finale
Gegen 15.30 Uhr startet schließlich die Finalistenrunde: Drei Teams werden aufgerufen und haben jeweils fünf Minuten Zeit, ihre Hackathon-Projekte auf der Bühne vor allen zu präsentieren. Es wird laut geklatscht und anerkennend genickt.
Das Rennen um den Hauptpreis macht schließlich Team „MedAccura“ unter der Leitung von Tim Schwarz, einem Arzt, der den Alltag in Kliniken bestens kennt. Es ist sein zweiter Hackathon.
Seine Idee: einen AI-Agenten für Health-Tech entwickeln. Das Problem: Ärzte begegnen täglich einer Vielzahl an Patienten mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern und Vorerkrankungen, sagt er. Gleichzeitig müssen sie ständig auf dem neuesten Stand der medizinischen Leitlinien sein – PDFs, die mehrere hundert Seiten umfassen, erklärt Schwarz. Eine kaum zu bewältigende Herausforderung im stressigen Klinikalltag.
Die Lösung von MedAccura: ein System, in das alle Leitlinien-PDFs eingespeist werden, sodass Ärzte per Schnellsuche und mithilfe von OpenAI/ChatGPT gezielt auf relevante Passagen zugreifen können.
Die Jury lobt: „Dieses Projekt zeichnet sich durch eine große technische Tiefe aus und wurde in kürzester Zeit realisiert. Es hat wirklich großartige Ergebnisse erzielt, die die Welt zu einem besseren Ort machen können, insbesondere Krankenhäuser.“ Das Team will das Projekt weiter verfolgen und sich auch nach dem Event wiedersehen, um zu prüfen, ob ihre Lösung in der Praxis funktionieren könnte.
Mit diesen Worten wird der Hackathon offiziell beendet. Die Jury ergänzt zum Abschluss: „Wir sind von euch allen sehr beeindruckt.“
Digital Business & Startups
Ein starkes Signal für den Bedarf im Markt
#Interview
Die Hamburger Jungfirma smatch setzt auf einen Marktplatz für überschüssige Mode. Investoren wie Transition, 42Cap und 10x Founders investierten bereits rund 10 Millionen in das Startup, das 2022 gegründet wurde. Derzeit arbeiten 20 Mitarbeitende für smatch.

Die Hamburger Jungfirma smatch setzt auf einen Marktplatz für überschüssige Mode. Investoren wie Transition, 42Cap und 10x Founders investierten bereits rund 10 Millionen in das Startup, das 2022 gegründet wurde. Derzeit arbeiten 20 Mitarbeitende für smatch.
Das Hamburger Startup smatch, 2022 von Max Groberg und Hans-Martin Vetter gegründet, positioniert sich als B2B-Marktplatz, der „globale Modemarken und Einzelhändler verbindet, um unverkaufte Bestände schnell, diskret und profitabel zu handeln“.
Der englische Investor Transition, 42Cap und 10x Founders sowie Noel Kinder, Nigel Griffiths und Achim Berg investierten zuletzt 7,3 Millionen Euro in die Jungfirma. Zuvor flossen rund 2,5 Millionen in das Unternehmen – unter anderem von 42Cap, Green Generation Fund und 10X Founders.
Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Gründer Hans-Martin Vetter einmal ganz ausführlich über den Stand der Dinge in seinem Unternehmen.
Wie würdest Du Deiner Großmutter smatch erklären?
Überproduktion ist ein grundlegendes Problem der Modeindustrie: Modeartikel werden meist viele Monate vor dem Verkaufsstart produziert. Da sich jedoch nur schwer vorhersagen lässt, was Konsumenten in einigen Monaten genau kaufen wollen, führt dieser Zeitversatz zu erheblicher Planungsunsicherheit für Marken und Händler. Deren bisherige Antwort auf die Unsicherheit? Überproduktion – also „von allem etwas mehr“. Allein in Europa führt das dazu, dass Modebestände im Wert von jährlich 300 Mrd. Euro entweder nur mit erheblichen Discounts verkauft werden oder vollständig unverkauft bleiben. Dieses „etwas mehr“ hat sich – sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch – zu einem ernsthaften Problem entwickelt. smatch steht für stock – englisch für Bestand – match. Wir bauen einen B2B-Marktplatz für den Handel mit diesen Beständen im Modebereich. Global tätig, nutzen wir künstliche Intelligenz, um für jedes Produkt effizient immer wieder die passenden Geschäftspartner zusammenzubringen.
War dies von Anfang an Euer Konzept?
Wir waren von Anfang an überzeugt, dass ein effizienter Marktplatz der richtige Ansatz ist, ein derart komplexes, globales Problem at scale zu adressieren. Seit dem Start in 2023 dürfen wir jedoch sehr viel dazulernen: über die verschiedenen Bedürfnisse der Marktteilnehmer, kulturellen Unterschiede, administrativen Hürden des grenzüberschreitenden Handels bis hin zu rechtlichen Veränderungen. Seit 2024 ist klar: Die EU verbietet mit der Ecodesign Guideline die Zerstörung unverkaufter Neuware im Modebereich. Veränderung im Umgang mit Überbeständen ist daher Pflicht – wir iterieren unser Modell fortlaufend, um dafür die beste Lösung im Markt anzubieten.
Wie hat sich smatch seit der Gründung entwickelt?
Wir sind mittlerweile 20 Mitarbeiter:innen und konnten dieses Jahr einen achtstelligen Marktplatzumsatz verzeichnen. Das freut uns sehr – im Vergleich zum Vorjahr konnten wir uns verzehnfachen. Für uns ist das ein starkes Signal für den Bedarf im Markt und eine große Motivation, mit smatch einen signifikanten Hebel auf den nachhaltigen Wandel in der Modeindustrie zu haben.
Zuletzt konntet Ihr Millionen einsammeln. Wie seid Ihr mit Euren Investor:innen in Kontakt gekommen?
42Cap wurde uns von einem unserer Business Angels aufgrund der starken Commerce-Tech-Expertise empfohlen. Niemand hat wahrscheinlich ein spannenderes Netzwerk als das Team von 10x Founders. Transition und GGF wurden uns als Experten und „contrarian thinkers“ im Nachhaltigkeitsbereich empfohlen. Uns war es wichtig, auf den jeweiligen Dimensionen echte Experten für smatch zu finden.
Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
So einiges. Wir arbeiten global. Zoll- und Logistikthemen sind, in für uns neuen Ländern, immer wieder zu Beginn herausfordernd. Ich erinnere mich gut an die Frage vom Zoll, was unsere „EORI Nummer“ sei. Wir schauten uns im Team gegenseitig an und legten mit der Recherche los, was EORI ist und wie wir diese Nummer bekommen. Auch wenn wir früher schon im Modebereich gearbeitet haben – wir denken mit smatch vieles neu. Fehler gehören bei schnellem Wachstum dazu.
Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?
Einfache Antwort: Beim Team. Wir sind mega stolz, dass sich unsere Kolleg:innen dafür entschieden haben, bei smatch ihre Zeit zu investieren. Wir sind in der glücklichen Lage, durch unsere Arbeit großen positiven wirtschaftlichen und ökologischen Impact zu erzielen. Das motiviert viele Mitarbeiter:innen doppelt – so wie Max und mich auch.
Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?
Baut nicht für Hype Cycles, sondern aus Überzeugung.
Wo steht smatch in einem Jahr?
An erster Stelle für Modemarken und -händler, die ihr Lager in Umsatz drehen möchten, schnell überschüssige Ware verkaufen oder kurzfristig einkaufen möchten.
Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
Foto (oben): smatch
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