Adobe Creators’ Toolkit Report 2026: KI als Wachstumstreiber › PAGE online
KI zählt jetzt schon zur unverzichtbaren Infrastruktur der meisten Kreativen. Sie ersetzt jedoch nicht die menschliche Feinarbeit – und es gibt drängende Fragen rund um Transparenz und Eigentumsrechte.
Künstliche Intelligenz ist aus dem Alltag von Agenturen und Kreativen nicht mehr wegzudenken – doch wie sieht eigentlich die Praxis im globalen Vergleich aus? Dazu hat Adobe 16.000 Kreative auf internationaler Ebene befragt.
Das Ziel des daraus entstandenen Berichts ist es, zu erkunden, inwiefern Gestalter:innen heute KI verwenden, um das Business zu pushen oder die eigene Kreativität zu steigern.
Denn im hart umkämpften Wettbewerb ist es nicht so einfach, sich von der Konkurrenz abzuheben. Dafür braucht es vor allem eine große Portion an originellen und authentischen Ideen. Die Ergebnisse geben dazu ein aufschlussreiches Bild der Kreativszene ab.
Wachstumsschub und neues Selbstvertrauen durch KI
87 Prozent, die KI nutzen, gaben an, dass KI das Wachstum von Unternehmen und den jeweiligen Zielgruppen beschleunigt. Und ganze 75 Prozent meinen, dass KI mittlerweile ein fester, ja sogar unverzichtbarer Bestandteil ihrer Arbeit geworden ist. In Deutschland sagten 80 Prozent, dass KI das Wachstum des Unternehmens oder der Reichweite beschleunigt hat.
Eine andere interessante Zahl ist 58. Diese Prozentzahl der Befragten beleuchtet, dass kreative KI sogar mehr Selbstvertrauen geben kann. Und das, obwohl sich viele mit den rasanten Entwicklungen zunächst schwergetan haben oder noch schwertun.
Fast die Hälfte (43 Prozent) gibt an, dass KI mehr Sicherheit für ihre Zukunft gibt, während 27 Prozent sagen, dass KI-gestützte Inhalte durchweg bessere Ergebnisse erzielen.
Damit hebt der Bericht hervor, wie stark sich die Arbeitsweisen in den letzten Jahren gewandelt haben – und sich noch weiter ändern werden.
Menschliches Gespür im Fokus: Weg von reiner Produktion
Was nun in diesen Zeiten herausragende Arbeiten auszeichnet, sind aber weiterhin Stimme, Geschmack und das menschliche Urteilsvermögen! Das kommentiert Mike Polner, Vice President und Leiter des Produktmarketings für Kreative bei Adobe. Kurzum: Wer sich kreative KI zukünftig zunutze macht, wird es leichter haben, die eigene Sichtbarkeit zu steigern.
Aber es gibt noch einen anderen Faktor, der im Alltag nicht zu unterschätzen ist: der Faktor Zeit. Sophia Kianni, Kreative und Gründerin von Phia, sagt, dass dies für sie einer der größten Vorteile der Nutzung von kreativer KI sei. Sie sagt, dass es ihr dabei »hilft, den Arbeitsablauf zu verfeinern, sodass sie ihre Energie dort einsetzen kann, wo sie am dringendsten benötigt wird – beim Storytelling und bei der kreativen Ausrichtung«.
Demnach findet eine Art Verlagerung des Fokus statt: weg von reiner Produktion und hin zu Ausdruck, Geschmack und Sichtweise.
Einfach ist es jedoch nicht, sich von der Masse abzuheben, was der Bericht ebenso hervorhebt. Denn viele meinen, dass eben die Masse an KI-generierten Inhalten es schwierig macht, sich selbst zu präsentieren. Wer allerdings den Dreh raus hat, das sagt die andere Hälfte, hat sehr gute Chancen, sich im Wettbewerb zu behaupten.
Letztlich bleibt das menschliche Gespür am Ende aber genauso unverzichtbar, was 77 Prozent der Befragten angaben. Und 80 Prozent sehen in KI-generierten Werken ihre eigene Handschrift.
Schnelligkeit ersetzt keine Feinarbeit
Diese persönliche Note zeigt sich auch bei der finalen Ausarbeitung. Zwar geben passend zum erwähnten Zeitvorteil 89 Prozent der deutschen Kreativen an, dass KI ihnen hilft, Inhalte schneller zu produzieren, doch Schnelligkeit allein ist nicht alles: Für knapp die Hälfte (49 Prozent) sind die Ergebnisse erst nach mäßiger oder umfangreicher menschlicher Feinarbeit wirklich bereit für die Veröffentlichung.
Die Technologie beschleunigt also vor allem den Startschuss und schafft Raum zum Ausprobieren. So sagen 38 Prozent, dass sie dadurch mehr Freiheit beim Experimentieren gewinnen, während 28 Prozent das nötige Selbstvertrauen für anspruchsvollere Konzepte finden.
Der nächste Step: Agentische Kreativität
Der nächste große Schritt führt die Branche nun in eine Ära der agentenbasierten Kreativität. Kreative wünschen sich KI-Agenten, die eigenständig mehrstufige Aufgaben koordinieren und ausführen können.
Doch diese Übergabe von Verantwortung funktioniert nicht ohne Gatekeeping: 77 Prozent der deutschen Befragten betonen, dass die endgültige kreative Entscheidung immer beim Menschen liegen muss.
Um einem KI-Agenten überhaupt Autonomie zu schenken, fordern die Befragten vor allem Kontrolle: 41 Prozent wollen jederzeit eingreifen und Änderungen rückgängig machen können, 40 Prozent verlangen Transparenz über die Arbeitsschritte des Agenten und 37 Prozent fordern klare Datengrenzen. Die Zeit, die durch solche Assistenten frei wird, wollen Gestalter:innen übrigens keineswegs für den Feierabend nutzen.
Sie wollen tiefer in die Materie eintauchen: 23 Prozent würden sich verstärkt auf übergeordnete Konzepte konzentrieren und 21 Prozent die Zeit nutzen, um neue kreative Fähigkeiten zu erlernen.
Neue Fragen: Transparenz und Urheberrecht
Mit der intensiveren Nutzung rücken jedoch auch neue Fragen rund um Transparenz und Eigentumsrechte in den Fokus. Satte 84 Prozent der Kreativen spüren, dass die Erwartungen des Publikums an eine offene Kennzeichnung steigen oder zumindest stabil bleiben – und 72 Prozent glauben, dass die Zielgruppe den KI-Einsatz ohnehin schon bemerkt.
In der Praxis ist der Umgang damit allerdings noch uneinheitlich: Während 55 Prozent den KI-Einsatz immer oder oft transparent machen, tun dies 10 Prozent selten oder nie.
Einigkeit herrscht dafür beim Blick auf die rechtliche Absicherung: Für 85 Prozent ist es von zentraler Bedeutung, für Werke, die mittels creative AI entstanden sind, auch echten Urheberrechtsschutz zu erhalten.