Adobe Photoshop Update: Neue Firefly-Features für generative Bildbearbeitung im Test › PAGE online
Adobe erweitert Photoshop erneut um KI-gestützte Funktionen. Im Fokus stehen diesmal präzisere Bildbearbeitung, realistischere generative Ergebnisse und neue Möglichkeiten für typografische Gestaltung.
Adobe Photoshop & Adobe Firefly: Wie KI die Bildbearbeitung verändert
Photoshop gehört seit Jahrzehnten zu den zentralen Werkzeugen für Bildbearbeitung und Compositing. Mit der Integration von Adobe Firefly hat sich das Programm in den letzten Jahren allerdings deutlich verändert, denn KI-gestützte Funktionen übernehmen zunehmend Aufgaben, die früher zeitaufwendig manuell erledigt werden mussten.
Dazu gehören etwa generative Bildbearbeitung, automatisches Entfernen von Objekten oder das Erweitern von Bildern per Prompt. Firefly bildet dabei die technische Grundlage für viele dieser Funktionen und ist inzwischen tief in Photoshop integriert. Die neuesten Updates setzen genau an diesem Punkt an: Sie sollen repetitive Arbeitsschritte reduzieren und gleichzeitig mehr Kontrolle über generative Ergebnisse ermöglichen.
Ein Aspekt, der Adobe Firefly besonders macht, ist die sichere, kommerzielle Nutzbarkeit der mit Firefly generierten Inhalte. Adobe verwendet für das Training des Firefly-Modells ausschließlich lizenzierten Content, etwa von Adobe Stock, sowie gemeinfreie Inhalte, für die kein Urheberrechtsschutz mehr besteht. Damit positioniert sich Adobe bewusst in einer Debatte, die die KI-Entwicklung aktuell stark prägt: die Frage, wie sich neue Technologien mit den Rechten und Interessen von Kreativen vereinbaren lassen.
Wichtig ist dabei, dass diese Form der kommerziellen Absicherung nur für Inhalte gilt, die direkt mit Adobe Firefly erstellt werden. Nutzer:innen haben zwar die Möglichkeit, auch andere KI-Modelle in ihre Workflows zu integrieren, bewegen sich dann jedoch außerhalb dieses von Adobe definierten Rahmens. Entsprechend liegt die Verantwortung für die rechtliche Einordnung und Nutzung der dort generierten Inhalte stärker bei den Anwender:innen selbst.
Bildkorrekturen mit KI
Eine der auffälligsten Neuerungen betrifft die klassischen Bildkorrekturen. Photoshop erweitert seine Adjustment Layers um drei Funktionen, die bisher eher aus RAW-Bearbeitungstools bekannt waren: Klarheit, Dunst entfernen und Körnung. Der entscheidende Unterschied ist, dass alle drei vollständig nicht-destruktiv arbeiten und sich wie andere Einstellungsebenen maskieren, überblenden und kombinieren lassen. So können Kreative direkt im Dokument Struktur, Kontrast oder Atmosphäre verändern, ohne die ursprüngliche Bilddatei zu überschreiben.
Klarheit verstärkt die Struktur und den lokalen Kontrast eines Motivs und hebt Details stärker hervor. Mit Dunst entfernen lassen sich atmosphärische Schleier oder flache Kontraste ausgleichen, wodurch Bilder oft deutlich mehr Tiefe erhalten. Die Körnung wiederum fügt kontrollierte Textur hinzu und kann Fotos einen analogen Look oder mehr Charakter verleihen – ideal, wenn ein bewusstes Film- oder Korn-Feeling erzeugt werden soll. Diese Layer sparen im Workflow Zeit, weil Anpassungen direkt im Dokument vorgenommen werden können, ohne dass externe Filter oder zusätzliche Tools nötig sind.
Über das Layers-Panel lässt sich eine neue Einstellungsebene erstellen, in der die Optionen Klarheit, Dunst entfernen und Körnung verfügbar sind.
Die Funktionen Klarheit und Dunst entfernen haben im Test besonders gut funktioniert. Sie holten deutlich mehr Tiefe und Kontrast aus dem Bild heraus und bewirken eine spürbare Verbesserung bei Gegenlicht und nebligen Situationen.
Die Körnung haben wir an einem Porträt getestet. Dabei fiel auf, dass die Wirkung subtiler ist und sich weniger für jedes Bild eignet, sie kann schnell den Eindruck einer leichten Unschärfe erzeugen. Normalerweise wird sie eingesetzt, um Fotos eine analoge Textur oder künstlerische Körnung zu verleihen, etwa für Editorial-Design oder Retro-Optik.
Mit einer stärkeren Körnung kann man einem modernen Porträtfoto schnell eine Retro-Optik verleihen.
Die Bedienung ist sehr intuitiv. Über das Layers-Panel lässt sich der Schieberegler direkt anwenden und in Echtzeit beobachten, wie das Bild sich verändert. Besonders bei Landschaftsaufnahmen mit Nebel oder Gegenlicht liefert die Kombination aus Klarheit und Dunst entfernen einen starken, sofort sichtbaren Effekt. Die Einstellungsebenen lassen sich jederzeit wieder anpassen oder maskieren, sodass der Workflow flexibel bleibt.
Präzisere generative Werkzeuge
Auch die generativen Werkzeuge in Photoshop wurden überarbeitet. Generatives Füllen, generatives Erweitern und das Remove Tool liefern nun Ergebnisse in höherer Qualität und mit einer Auflösung von bis zu 2K. Adobe verspricht außerdem schärfere Details, weniger Artefakte und natürlichere Übergänge zwischen generierten und bestehenden Bildbereichen. Besonders beim Compositing oder bei Retuschen soll dies ein realistischeres Gesamtbild erzeugen, bei dem generierte Elemente weniger auffallen.
Gerade beim Erweitern von Bildrändern oder beim Entfernen von Objekten sind diese Verbesserungen entscheidend, da hier oft sichtbare Übergänge auftreten.
Beim Erweitern eines Bildes haben wir statt eines konkreten Prompts die Funktion »Fill and Expand« genutzt und ein bestehendes Foto mit Bürohintergrund automatisch vergrößern lassen. Dabei zeigt sich, dass das Tool besonders in solchen Szenarien überzeugend arbeitet: Perspektive, Tiefenschärfe und Proportionen werden konsistent weitergeführt, sodass die Erweiterung visuell stimmig und überraschend realistisch wirkt.
Das Entfernen-Werkzeug funktionierte auch sehr gut: Auf einem Tischfoto wurde eine Pflanze entfernt, und Photoshop fügte automatisch eine passende Schale ein. Farben und Lichtstimmung passen sich nahtlos an, sodass das Ergebnis sehr natürlich wirkt.
Beim generativen Erweitern eines Porträtfotos probierten wir, den Körper nach unten zu verlängern. Das Tool erzeugte zwar einen proportional etwas verzerrten Körper, die Person wirkte deutlich größer, dennoch waren die Übergänge flüssig, und die Erweiterung wirkte insgesamt stimmig. Bei Landschafts- oder Raumfotos funktionierte das Erweitern besonders gut und lieferte überzeugende Resultate.
Das Entfernen von Objekten und das Erweitern von Bildern funktionieren in der Praxis zuverlässig, während das Füllen komplexerer Szenen noch limitiert ist, vor allem wenn Hintergrundinformationen fehlen. Firefly übernimmt die vorhandene Lichtstimmung sehr gut, und generierte Elemente lassen sich in den meisten Fällen harmonisch ins Bild einfügen.
Mehr Kontrolle beim Generativen Füllen
Eine weitere Verbesserung betrifft die Funktion Referenzbild beim generativen Füllen. Mit ihr können Nutzer:innen ein Bild als Referenz für Stil oder Objekt verwenden und dieses gezielt in eine neue Szene integrieren. Adobe hebt besonders hervor, dass Photoshop das Aussehen des Referenzobjekts beibehält. Das System analysiert dabei verschiedene Eigenschaften des Referenzbildes und versucht, diese konsistent in die neue Komposition zu übertragen. Dazu gehören unter anderem Perspektive, Skalierung, Beleuchtung, Farbgebung und die räumliche Ausrichtung innerhalb der Szene.
Für einen weiteren Test haben wir ein Esszimmer-Foto genutzt, auf dessen Tisch ursprünglich eine Pflanze stand, und diese durch ein anderes Objekt ersetzt. Dafür haben wir die Pflanze markiert, ein Referenzbild einer kleinen Vintage-Kaugummimaschine hochgeladen und die generative Füllfunktion verwendet. Mit einem entsprechend präzisierten Prompt, der den gewünschten fotorealistischen Stil definiert, wird das Referenzobjekt überzeugend in die Szene integriert. Die Kaugummimaschine orientiert sich klar an Form und Farbgebung des Referenzbildes und fügt sich insgesamt stimmig und realistisch in die Umgebung ein, auch wenn sie leicht variiert.
Der Test zeigt vor allem, wie entscheidend die Prompt-Gestaltung für das Ergebnis ist: Wird der gewünschte Stil klar benannt, lassen sich deutlich konsistentere Resultate erzielen. Adobe stellt dazu auch eigene Guidelines und Hilfestellungen bereit, die bei der Formulierung präziser Prompts unterstützen und besonders bei komplexeren Bildbearbeitungen hilfreich sein können.
Im zweiten Versuch nutzten wir ein Straßenbild aus Italien, den Prompt »A bright yellow vintage Vespa scooter parked on a street« und luden als Referenz eine gelbe Vespa mit weißem Hintergrund hoch. Dabei zeigte sich etwas Interessantes und zwar wurden grundlegende visuelle Eigenschaften wie Farbe und Form teilweise übernommen, das Ergebnis wirkte jedoch bewusst verändert und entfernte sich deutlich vom Original-Design.
Auch nach mehreren Durchläufen ließ sich kein überzeugend realistisch wirkender Motorroller erzeugen. Stattdessen entstanden wiederholt uneindeutige, teils verzerrte Formen, die weder klar als Vespa noch als klassischer Roller oder Motorrad erkennbar waren, sondern eher wie eine schwer einzuordnende Mischung aus verschiedenen Fahrzeugtypen wirkten.
Das ist kein Zufall, sondern vielmehr eine bewusste Entscheidung im Modell-Design. Firefly ist darauf ausgelegt, keine markengeschützten Produkte oder eindeutig identifizierbaren Designs zu reproduzieren.
Die Funktion hält, was sie verspricht, insofern, dass sie die Hauptattribute eines Objekts erkennt und überträgt.
Im Vergleich zu anderen generativen KI-Modellen, die solche Schutzmechanismen oft gar nicht oder nur eingeschränkt berücksichtigen, wird deutlich, wie stark Adobe auf rechtliche Sicherheit und den Schutz von geistigem Eigentum setzt. Für Nutzer:innen bedeutet das: Wer mit konkreten Marken oder geschützten Designs arbeitet, muss damit rechnen, dass diese bewusst abstrakter dargestellt werden. Gleichzeitig schafft genau dieser Ansatz eine Grundlage für kommerziell nutzbare Inhalte, bei denen rechtliche Risiken reduziert werden.
Dynamic Text in Photoshop Beta
Neben Bildbearbeitung und KI-Features bekommt auch die Typografie ein kleines Update. Mit Dynamic Text lassen sich Textebenen mit wenigen Klicks entlang von Formen anordnen, etwa kreisförmig, gebogen oder gewölbt. Photoshop passt dabei automatisch Größe und Position des Textes an den gewählten Pfad an. Damit entfällt ein Teil der manuellen Arbeit mit klassischen Text-on-Path-Werkzeugen, bei denen der Text zunächst an einem Pfad ausgerichtet und anschließend oft noch manuell angepasst werden muss.
Wichtig: Die Funktion ist derzeit nur in Photoshop Beta verfügbar. Um sie zu nutzen, muss die Beta-Version zunächst über die Creative-Cloud-App installiert werden. Gerade für Logos, Verpackungsdesign oder Poster kann Dynamic Text Zeit sparen, weil sich typografische Experimente schneller umsetzen lassen.
Für unseren Test haben wir ein Foto einer Monstera-Pflanze verwendet und den Schriftzug „Cool Monstera Plant“ darüber gelegt.
Zunächst erscheint der Text ganz normal als klassischer Textblock. Über die Dynamic-Text-Option lässt sich dieser anschließend mit wenigen Klicks in verschiedene Formen umwandeln.
Im Test haben wir mehrere Varianten ausprobiert: einen kreisförmigen Text, eine nach oben gewölbte Version sowie eine Variante mit nach unten gebogenem Schriftzug. Auffällig ist dabei, dass Photoshop die Textgröße automatisch an die jeweilige Form anpasst, sodass der Schriftzug sauber entlang des Pfades verläuft.
Die Bedienung wirkt im Test überraschend unkompliziert. Nachdem der Text gesetzt ist, lässt sich die Form direkt auswählen und anschließend über Ankerpunkte weiter anpassen. Diese können verschoben werden, sodass sich der Verlauf des Textes flexibel verändern lässt. Auch Größe und Position des Schriftzugs lassen sich weiterhin wie gewohnt anpassen. Insgesamt wirkt die Funktion sehr intuitiv und lässt sich ohne große Umwege in bestehende Layouts integrieren.
Dynamic Text eignet sich vor allem für Layouts, bei denen Schrift eine stärkere grafische Rolle spielt. Denkbar sind etwa kreisförmige Logos, Schriftzüge auf Verpackungen, Poster Designs oder Social-Media-Visuals, bei denen Text um ein Motiv herum angeordnet wird. Gerade bei Produktfotos oder Branding-Elementen kann es hilfreich sein, wenn sich Typografie schnell an Formen oder Bildmotive anpassen lässt, ohne dass dafür aufwändig mit Pfaden gearbeitet werden muss.
Lohnt sich das neue Photoshop-Update?
Viele der neuen Features wirken auf den ersten Blick subtil, aber zeigen in der Praxis eine spürbare Wirkung. Nicht-destruktive Bearbeitung wird weiter ausgebaut, während KI-gestützte Funktionen direkt in den Workflow integriert werden. Besonders die verbesserten generativen Werkzeuge (Füllen, Erweitern und Entfernen) liefern nun realistischere Ergebnisse und erleichtern Retusche und Compositing erheblich.
Mit den neuen Einstellungsebenen für Klarheit, Dunst entfernen und Körnung können Bildkorrekturen direkt im Dokument durchgeführt werden, ohne die Originaldatei zu verändern. In Kombination mit Dynamic Text lassen sich sowohl Bilder als auch Typografie flexibler und kreativer gestalten.
Unser erster Eindruck nach den Tests:
Nach den ersten Anwendungen wird deutlich, wie stark KI-gestützte Funktionen den Workflow in Photoshop verändern. Viele Prozesse wirken flüssiger, Übergänge realistischer und Anpassungen lassen sich dank non-destruktiver Ebenen deutlich präziser steuern. Gerade Funktionen wie generatives Füllen oder Dynamic Text eröffnen neue kreative Möglichkeiten und beschleunigen klassische Arbeitsschritte spürbar.
Gleichzeitig zeigt sich, dass das Zusammenspiel aus Prompt, Referenzbild und Anwendungsszenario entscheidend für das Ergebnis ist. Je klarer Stil, Kontext und gewünschte Wirkung definiert werden, desto konsistenter und überzeugender fallen die Resultate aus.
Für komplexere Aufgaben kann es sich daher lohnen, schrittweise zu arbeiten, Ergebnisse zu iterieren oder gezielt mit Referenzen und präziseren Prompts zu experimentieren. Auch ein Blick in die von Adobe bereitgestellten Prompt-Guides und Best Practices kann helfen, das volle Potenzial der Tools auszuschöpfen und Ergebnisse gezielt zu steuern. Die kommerzielle Nutzbarkeit der mit Firefly generierten Inhalte ist dabei definitiv eine Besonderheit und ein klarer Vorteil gegenüber anderen Bildgenerierungstools.
Wenn Kundenbewertungen zu einer fantastischen Kampagne werden! › PAGE online
Der Deo-Brand Lume hat die Bewertungen seiner Kundschaft in die Kampagne »Odor Free Yourself« verwandelt, in der sie in gleich mehreren Spots gesungen und getanzt werden und das ist eine Freude.
Lume sei perfekt gegen den Schweiß, der beim Joggen unter ihren Brüsten entsteht, lobt eine der Kundinnen Lume. Eine andere schwärmt, wie sie das Ganzkörperdeo auch die Beine bis ganz nach oben sprüht und ihr Freund den Geruch liebe, während es einer Frau bei den Hitzewallungen in den Wechseljahren hilft:
Lume Deodorant aus Utah in den USA, von Ärzt:innen entwickelt, aluminiumfrei und mit Duftnoten, die von Coconut über Vanilla bis Mandarine reichen, hat Bewertungen ihrer Kundinnen zu mitreißenden Spots werden lassen.
Mehr als 300.000 Fünf-Sterne-Reviews wurden dafür durchgeschaut und von der Kreativagentur Mirimar aus LA in die Kampagne »Odor Free Yourself« verwandelt.
Und die lebt von ihren Animationen, die auf ganz unterschiedliche Weise in Blumenwelten und fantastische Landschaften führen oder in surrealen Abstraktionen Finger zu einem Frauenchor werden lassen.
Screenshot aus »Down There«
Offenherzig – und mit Live-Musik
Gezeichnet und animiert wurden die Spots von Sawako Kabuki aus Tokio, dem Franzosen Simon Landrein und der thailändischen Illustratorin Chubby Nida. Alle drei werden sie von der Kreativ- und Talent-Agentur Pocko vertreten, die die Spots auch produzierte.
Und das als Musikvideos, in denen die Lobpreisungen gesungen werden und die Musik live eingespielt wurde. »Down There«, »Under the Tatas« und »Random Body Changes« heißen die Spots und feiern allesamt die Freiheit, die ein Ganzkörper-Deodorant einem gibt.
Im typischen Lume-Stil wird dabei ganz offen auch über intimere Dinge gesprochen, über die man sich öffentlich sonst nicht unbedingt äußert – und auch deshalb wird die Kampagne auf TikTok, Meta und YouTube gezeigt.
Das geschieht natürlich auch, weil dort ein großer Teil der Zielgruppe von Lume zu finden ist, aber auch, weil man beispielsweise im TV nicht so offen sprechen darf. Beep beep heißt es dann, wenn auch nur das Wort »Brüste« fällt.
Deutscher Digital Award 2026: Haltung und Wirkung zählen › PAGE online
»Digitale Kreativität lebt von kultureller Relevanz«, kommentierte die Jurypräsidentin Niat Asfaw Graça von Serviceplan. Und das zeichnet auch die Gewinner-Cases aus.
Was ein im Cyberspace fliegender Hase und gruselige Autovermietungsszenarien gemeinsam haben, zeigen die Gewinner:innen des diesjährigen Deutschen Digital Awards.
Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e. V. vergab in diesem Jahr insgesamt 65 Auszeichnungen. Die Award-Zeremonie hatte am Donnerstagabend im geschichtsträchtigen Museum für Kommunikation in Berlin stattgefunden.
Es gab 15 Gold-, 30 Silber- und 19 Bronze-Awards und einen »Best-of«-Award. Die Gewinner-Cases spiegeln vor allem eins wider: Haltung, Wirkung und kulturelle Dynamiken.
Und hier hatte Jung von Matt (13 Marmor-Awards) mit »Rental Horror Stories« die Nase vorn. Zusammen mit Lipstick Postproduction entwickelten die Kreativen für SIXT eine Social-Media-Kampagne zum Gruseln und Schmunzeln. Es ist der meist prämierte Case mit vier Awards, darunter zweimal Gold.
Cases sind Reaktionen auf Trends
Je fünf Auszeichnungen erhielten Curious Company und German Wahnsinn. Und bei den Brands waren es Sixt und Penny, die die meisten Gold-Awards erhielten. Die Cases haben gemeinsam, dass sie Reaktionen auf virale Trends sind beziehungsweise Echtzeit-Storytelling so nutzen, dass sie maximal Aufmerksamkeit erhielten. Das hat die Jury prämiert.
Jurypräsidentin Niat Asfaw Graça von Serviceplan kommentierte, dass heutige »Kreativität von kultureller Relevanz lebt«. Man müsse als erfolgreiche Brand ein »Teil von Gesprächen und den jeweiligen Communities werden«, um wahrgenommen zu werden.
Wer also nur versucht, eine Botschaft zu senden, wird es nicht schaffen, Buzz zu erzeugen.
»Die besten Cases erkennen das Momentum, greifen kulturelle Dynamiken auf und entwickeln daraus Wirkung, die weit über klassische Kampagnen hinausgeht.«
(Niat Asfaw Graça von Serviceplan)
Jurypräsidentin & BVDW-Vizepräsidentin Anke Herbener, Digital Changers, und Niat Asfaw Graça, Serviceplan. Foto: Tobias Koch
Wie Marken popkulturelle Codes nutzen
Der »Best-of«-Award ging an den Case »BreachBunny«. Irgendwie erinnert das direkt an den tollen Superbowl-Auftritt des Popsängers Bad Bunny im Februar, der mit seiner Haltung eine riesige Wirkung erzeugte.
Bei BreachBunny geht es zwar inhaltlich um etwas ganz anderes, aber der Case nutzt auch popkulturelle Codes. Die Marke bietet Versicherungsangebote für Creators oder für Gaming-Setups an.
Und sie nutzt dafür die klassische Gaming-Ästhetik, um genau die Zielgruppe zu erreichen, die sich im Creator-Bereich tummelt. Die Digital Natives. Öffnet man die Website, fliegt einem ein futuristischer Hase mit einer pixeligen Sonnenbrille durch einen Cyberspace entgegen.
Auch hier geht es wieder um eine Community. Brands wollen Nähe schaffen und das zahlt sich aus.
»Ob interaktiv, durch Gamification oder sprachlich: wichtig ist, der eigenen Zielgruppe auf Augenhöhe zu begegnen.«
(Jurypräsidentin & BVDW-Vizepräsidentin Anke Herbener, Digital Changers)
Warum Empathie in der Gestaltung so wichtig ist! › PAGE online
Empathie als Schlüsselkompetenz in der Gestaltung: In ihrer Bachelorarbeit an der HfG Schwäbisch Gmünd haben Eva-Maria Lux und Kimberley Röber mit empath ein Konzept entwickelt, das Gestaltung, Lehre und Empathie zusammenbringt. KI inklusive.
Gestaltung erfordert ein Verständnis für den Menschen, für seine Gefühle und Bedürfnisse und sie kennen und nachvollziehen zu können.
Empathie nennt man das. Doch wo bleibt diese in einer Welt, die immer stärker von dem Digitalen geprägt ist, von KI, von immer komplexeren Zusammenhängen und größer werdendem Zeitdruck?
Damit haben sich die Studentinnen Eva-Maria Lux und Kimberley Röber in ihrer Bachelorarbeit im Fach Kommunikationsgestaltung an der HfG Schwäbisch Gmünd gewidmet.
Doch sie haben nicht nur erkundet wir wichtig Empathie in der Gestaltung ist, sondern zugleich ein Format entwickelt, wie Emphatie in Gestaltungsstudiengängen gelehrt werden kann.
So ist empath entstanden, ein Bildungsformat mit Workshops, Workbook und einem KI-Coach. All das ist in sanftes Gelb getaucht, das für Wärme und Nähe steht. Die visuelle Gestaltung soll einen offenen Raum für Reflexion schaffen, heißt es von den beiden, legt den Fokus auf die Inhalte und die persönliche Auseinandersetzung und ist deshalb bewusst reduziert gehalten.
Genauso wie das Journal in Schwarz und Weiß. Es soll allen Raum geben, sich darin selbst auszudrücken und wird dazu von flächigen Illustrationen begleitet, die Kapitel strukturieren und Pausen setzen.
Gestaltung beginnt mit Empathie, heißt es von Eva-Maria Lux und Kimberley Röber und wir haben den beiden ein paar Fragen zu empath und dessen Konzept gestellt.
»Empathie verändert den Gestaltungsprozess«
Wie seid ihr auf das Thema Empathie gekommen? Eva-Maria Lux & Kimberley Röber: Sich mit Empathie in der Gestaltung auseinanderzusetzen wurde ursprünglich im Austausch mit unseren Professoren angestoßen. Wir wollten diesen Ansatz weiterdenken und auf unseren Studiengang der Kommunikationsgestaltung übertragen und ein Format entwickeln, das sich auch curricular in Gestaltungsstudiengängen verankern lässt. Uns das Thema aus inhaltlicher, psychologischer und gestalterischer Perspektive sehr interessiert. Gleichzeitig war uns wichtig, nicht nur theoretisch zu arbeiten, sondern Empathie konkret erfahrbar zu machen. Deshalb haben wir von Anfang an interaktiv mit Studierenden unserer Hochschule gearbeitet.
Warum ist Empathie in der Gestaltung wichtig? Wir gestalten für Menschen. Deshalb ist Empathie eine zentrale Grundlage, um Menschen, Situationen und Perspektiven wirklich zu verstehen. Gerade in einer Zeit, in der Gestaltung von komplexen sozialen, kulturellen und technologischen Faktoren geprägt ist, braucht es mehr als funktionale oder ästhetische Lösungen.
Und was verändert Empathie in der Gestaltung? Empathie verändert vor allem den Gestaltungsprozess. Sie ermöglicht, die eigene Perspektive zu hinterfragen und andere Sichtweisen bewusst nachzuvollziehen. Dadurch können Bedürfnisse differenzierter erfasst und Gestaltung kontextsensibler entwickelt werden. Ohne Empathie bleiben viele Annahmen unreflektiert oder stereotyp. Mit Empathie aber entsteht eine fundiertere und nachvollziehbarere Gestaltung. Zudem spielt Empathie nicht nur in Bezug auf Nutzer:innen eine Rolle, sondern auch in der Zusammenarbeit im Team und mit Kund:innen, da sie Kommunikation und Entscheidungsprozesse wesentlich beeinflusst.
Ihr habt Workshops zu Empathie und Gestaltung initiiert. Kann man Empathie trainieren? Auf jeden Fall. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass sie gezielt trainierbar ist, wenn sie erfahrbar gemacht, reflektiert und in das eigene Handeln integriert wird. In unseren Workshops geschieht das über erfahrungsorientierte Übungen, Perspektivwechsel und gemeinsame Reflexion. Es geht um die eigene Wahrnehmung, darum andere Sichtweisen nachzuvollziehen und den Umgang mit Emotionen zu fördern. Gleichzeitig greifen die Übungen aber auch Methoden aus dem Designkontext, wie etwa aus dem Design Thinking, auf und verbinden diese mit gestalterischen Fragestellungen. Die Reflexion hilft, die eigenen ERfahrungen einzuordnen und in den eigenen Gestaltungsprozess zu übertragen. Darüber hinaus haben wir ein Workbook und einen KI-Coach entwickelt, die eine kontinuierliche Reflexion und die Übertragung in weitere Kontexte ermöglichen.
Wie wird Empathie in der Gestaltung sichtbar? Empathie zeigt sich weniger in einer bestimmten Form, sondern vor allem im Gestaltungsprozess und in der Qualität der Entscheidungen. Daran wird sichtbar, wie bewusst Gestalter:innen verschiedene Perspektiven miteinbeziehen und wie gut sie Bedürfnisse und Kontexte tatsächlich verstehen. In der Praxis bedeutet das zum Beispiel, Nutzer:innen aktiv einzubeziehen, Interviews zu führen, zu beobachten und mit Feedback zu arbeiten. Empathie wird dann greifbar, wenn diese Erkenntnisse in den Prozess zurückfließen, die Gestaltung Schritt für Schritt daran angepasst und so eine Gestaltung entsteht, die im Austausch mit Menschen entwickelt wird und deren Bedürfnisse tatsächlich berücksichtigt.
Wie gehen KI und Empathie zusammen? Ihr habt ja einen KI-Coach entwickelt. Wir verstehen KI als unterstützendes Werkzeug. In empath übernimmt der KI-Coach eine begleitende Rolle, indem er Refle-xionsprozesse anstößt und strukturiert. Dabei greift er Inhalte und Methoden aus den Workshops auf und führt sie im Dialog weiter. Empathie entsteht weiterhin beim Menschen die KI unterstützt dabei, diese Prozesse zugänglicher und kontinuierlicher zu gestalten. Wichtig ist uns zu betonen, dass der KI-Coach im Gegensatz zu anderen KI-Anwendungen keine Antworten vorgibt, sondern gezielt Fragen stellt und Denkanstöße gibt. Dies geschieht beispielsweise durch angeleitete Perspektivwechsel, Reflexionsfragen, sowie kurze Check-ins und Erinnerungen im Alltag.
Und wie schlägt sie sich in eurer Gestaltung nieder? Im Fall von empath war unsere Zielgruppe die Gestaltungsstudierenden und wir haben uns darauf konzentriert, ihre Perspektiven genau zu verstehen und das Bildungsformat auf ihre Bedürfnisse zuzuschneiden. Das zeigt sich vor allem in unserem schrittweisen Vorgehen: Wir haben erste Workshops und Workbook-Entwürfe früh getestet und gemeinsam mit Studierenden kontinuierlich weiterentwickelt, Inhalte, Übungen und Strukturen angepasst, vereinfacht oder geschärft, immer ausgehend von realer Anwendung und Feedback. Auch das Journal ist aus diesem Prozess heraus entstanden und eine Reaktion auf den Bedarf nach langfristiger Reflexion und die persönliche sowie gestalterische Entwicklung über das Studium hinweg zu begleiten. Diese Arbeitsweise spiegelt sich im gesamten Gestaltungskonzept wider: Wir haben empath so entwickelt, dass es unterschiedliche Zugänge ermöglicht, zur aktiven Auseinandersetzung anregt und Raum für individuelle Erfahrungen lässt. Empathie zeigt sich also nicht nur im Inhalt, sondern vor allem in der Art und Weise, wie wir gestaltet haben.
Eva-Maria Lux und Kimberley Röber Bild: 2026 adaramoments, all rights reserved