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Am Vertrauen hakt’s: AI in Deutschland Suchquelle Nummer 2


AI-Dienste und Suchmaschinen prägen die Online-Suche inzwischen nebeneinander. Chatbots und Assistants werden immer häufiger und differenziert eingesetzt, wie YouGovs neue Zahlen zeigen. Allerdings folgt daraus ein Problem.

Die Suche nach Informationen im Digitalraum beginnt noch immer am häufigsten direkt in Suchmaschinen. Doch KI-Dienste in diesen, dedizierte Chatbots und AI Assistants verändern zusehends die Informationsbeschaffung, sodass eine erste Suchanfrage oft auch auf ChatGPT, Claude, Perplexity, Grok und Co. gestellt wird. Neue Daten von YouGov aus der Studie „Searching for answers: How AI is changing online discovery in 2026“ zum Suchverhalten in Deutschland offenbaren ein Nebeneinander von Suchmaschinen und AI-Diensten bei der Informationssuche und zeigen, dass sich AI-Dienste als Informationsquellen etabliert haben. Dabei kämpfen sie aber mit einem großen Problem, das zuweilen erst nach der ersten Nutzungsintention aufkommt.


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Googles Information Agents im AI Mode verfügbar

Google-Schriftzug, Ask AI Mode-Schriftzug in Suchleiste, dunkler Hintergrund
© Google via Canva

So sucht Deutschland nach Informationen im Netz: AI hinter Suchmaschinen, aber stark vertreten

Für die neue YouGov-Studie hat das Unternehmen in Deutschland vom 21. April 2026 bis zum 29. Mai 2026 1.005 Personen befragt. Insgesamt gibt es in der Studie aber auch bevölkerungsrepräsentative Stichproben für Australien, Kanada, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Italien, Malaysia, Polen, Saudi‑Arabien, Singapur, Spanien, Schweden, die Schweiz, die VAE und die USA. Laut YouGov sind die Ergebnisse in Indien und Mexiko repräsentativ für die städtische Bevölkerung, in Hongkong, Indonesien und Thailand, repräsentativ für die Online‑Bevölkerung.

Als Online-Suchende gelten in Deutschland alle Personen, die mindestens einmal pro Woche etwas im Internet suchen. Unter diesen Suchenden (über 900 an der Zahl) hat YouGov AI-Suchende differenziert:

  • User mit hoher Suchfrequenz (über 250), die pro Tag mindestens eine Suchanfrage per KI-Dienst starten
  • User mit regelmäßiger Suchfrequenz (über 200), die einige Suchanfragen pro Woche per KI-Dienst starten
  • User mit gelegentlicher Suche (über 200), die nur eine Suchanfrage oder weniger pro Woche per KI-Dienst starten
  • User, die gar nicht mit KI-Diensten suchen (über 250), bei der Frage danach angaben, es nicht zu tun oder nicht zu wissen

Im Erhebungszeitraum haben in Deutschland 39 Prozent der Befragten AI Assistants oder Chatbots zur Suche eingesetzt. Parallel dazu wurden von 79 Prozent der Befragten auch Suchmaschinen genutzt, um Informationen einzuholen. Das zeigt die anhaltende Relevanz der klassischen Suchmaschinen ebenso wie den Wert von KI-Tools für die Suche.

Differenzierung bei Altersgruppen, aber Zugriffsdefinition für KI-Nutzung vage

Ob die Befragten eine klare Differenzierung zwischen klassischer Suchmaschine und KI-Assistant oder Chatbot vorgenommen haben, bleibt aber unklar. Denn die größte Suchmaschine von allen, Google, leitet User inzwischen sehr prominent in die unmittelbare Nutzung des AI Mode über – der eher als Assistant oder Chatbot gelten dürfte als als klassisches Suchmaschinenumfeld. Auch YouGov differenziert nicht weiter zwischen Assistants und Chatbots, sodass damit KI-Dienste gemeint sind, die nicht mit der klassischen Suchmaschine vergleichbar sind.

Bei jüngeren Usern werden die AI-Dienste indes noch häufiger genutzt als bei älteren. In der Generation Z nutzen 49 Prozent AI Assistants als Informationsquelle, gefolgt von Social-Media-Plattformen (45 Prozent) und Video-Plattformen (42 Prozent) als weitere Quellen hinter der Suchmaschine. Auch nutzen in der Gen Z 56 Prozent der Befragten mindestens einmal am Tag AI Assistants für Anfragen. Insgesamt sind es in Deutschland 31 Prozent. 63 Prozent aller AI User geben in diesem Kontext an, ihre Nutzung im Vergleich zum Vorjahr gesteigert zu haben.

Wie die AI oft eingesetzt wird

 Zu den Hauptanwendungsfällen für AI Assistants zählen in Deutschland:

  • die direkten Antworten auf Fragen (64 Prozent)
  • die Zusammenfassung von Web-Inhalten (37 Prozent)
  • die Überprüfung von Informationen (32 Prozent)
  • der Vergleich von Optionen (26 Prozent)

Dabei wird die KI oftmals als ein Element einer fragmentierten Sucherfahrung eingesetzt, wie YouGov betont. Denn vielfach können AI-Dienste in anderen Nutzungskontexten integriert sein, etwa die Meta AI auf den Plattformen von Meta oder der AI Mode mit Gemini auf Google. Außerdem bedeutet der Start einer Suche über einen Dienst nicht, dass sie mit diesem auch fortgesetzt wird. Allerdings können insbesondere Agents wie die Information Agents von Google oder Claude Cowork und OpenAIs Deep Research autonom bestimmte Suchanfragen und -aufgaben übernehmen, sodass via AI Agent auch mit Seiten oder Suchmaschinen interagiert wird, aber nicht direkt vonseiten der User. Eine über KI-Dienste hinausgehende Recherche kann überdies ebenso mit einem Vertrauensproblem zusammenhängen.

Vertrauen auf KI-Antworten und Search-Antworten beschädigt

Nur 36 Prozent aller Online User aus der YouGov-Erhebung für Deutschland vertrauen Informationen von AI Assistants. Navigations-Apps (76 Prozent) und Suchmaschinen (72 Prozent) erhalten dagegen deutlich höhere Vertrauenswerte. Justus Riemann, Senior Business Development Manager bei YouGov, sagt:

Die klassische Suchanfrage bleibt eine der vertrautesten Schnittstellen des Internets. Der Austausch ist einfach: Nutzer geben eine Suchanfrage ein, die Suchmaschinen liefern Links und die Nutzer entscheiden schließlich, welchen Quellen sie vertrauen. KI-Assistenten stellen dieses Muster in Frage, indem sie direkte Antworten, Zusammenfassungen und Vergleiche bieten – nicht nur eine Liste von Links.

Zur Förderung des Vertrauens gegenüber AI-Diensten wünschen sich User vor allem folgende Maßnahmen:

  • klare Erklärungen, wie die KI zu ihrer Antwort gelangt ist (16 Prozent)
  • eindeutige Links oder Quellenangaben (15 Prozent)
  • Antworten aus offiziellen Quellen (12 Prozent)

Das Vertrauen in Chatbots und Assistants wird immer wieder erschüttert. Schon 2023 galt Bard (heute Gemini) als gefährlich, sogar das Personal warnte vor dem Launch vor Lügen und gefährlichen Aussagen. Fast alle bekannten Chatbots und Assistants haben schon mit Fehlern und Falschaussagen zu kämpfen gehabt – immer wieder geben die Unternehmen an, dass es dazu kommen kann. ChatGPT etwa zitierte unlängst oft Grokipedia, die KI-Enzyklopädie ohne umfassenden Kontrollmechanismus. Auf Claude wurde kürzlich eine Desinformation aus Russland als Nachrichtenquelle angegeben. Auch das gibt es öfter: Halluzinationen von vermeintlich echten Nachrichten.

Auch Falschaussagen und verzerrte Titel sorgen für Unklarheit

Google hat zuletzt sogar Vorwürfe hinnehmen müssen, in den AI Overviews Falschaussagen zu Unternehmen zu treffen, weil die Verknüpfung zu Drittinhalten nicht den Tatsachen entsprach. Das Landgericht München I machte Google für Falschaussagen in AI Overviews direkt verantwortlich, sprach eine einstweilige Verfügung aus und bereitet damit möglicherweise den Weg zu mehr juristischer Handhabe für Publisher bei Googles Ergebniskuratierung. Der Einfluss der KI kann aber ebenso bei klassischen Suchergebnissen zu Verzerrungen führen. Wie schon bei Discover ersetzt Google auch in der Suche Titel mit eigenen KI-generierten Versionen. Doch die sind nicht immer akkurat und manchmal schlichtweg irreführend. Für User gilt daher umso mehr, ihre Informationen nach der ersten Suchanfrage zu überprüfen, mit vertrauenswürdigen Quellen.

Laut 2026 Digital News Report des Reuters Institute for the Study of Journalism sind dedizierte KI-Dienste, deutlich hinter Social Media und Videoplattformen, als News-Quelle im Internet immer gefragter. Studienleiter Jim Egan schreibt:

A central theme this year is this growing ‘platformisation’ of news consumption. For the first time, social media and video networks are, on average across the markets covered, more popular than both TV and owned news websites and apps as sources of news. Growing numbers are also experimenting with AI chatbots as a new means of access […]. 

Besonders die Option, bei Assistants oder Chatbots direkt Follow-up-Fragen zu stellen, hilft vielen Usern aus dem Reuters Report bei der Nutzung von AI für die News-Rezeption. Das kann bei der Suche ebenfalls unterstützen. Und so dürften KI-Voice-Modelle wie das neue GPT-Live von OpenAI in ChatGPT dazu beitragen, dass künftig noch mehr User ihre Anfragen und Nachfragen über eine natürliche Konversation direkt an den KI-Dienst stellen. Ob die Antworten dann immer korrekt sind, müsste geprüft werden.


GPT-Live ist da:

Das sind OpenAIs neue Voice-Modelle für lebensechte Konversationen

© OpenAI via Canva

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