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Amazon vs. Perplexity: Bitte keine AI Agents beim Shopping
Mit einer Unterlassungsaufforderung sorgt Amazon für Wirbel: Perplexitys Comet darf nicht als Agent für User auf der Plattform einkaufen. Schikane, sagen die einen, notwendig die anderen. Dabei könnte es langfristig um konkrete Wettbewerbsvorteile gehen.
Der Start von Perplexitys AI Browser Comet im Sommer dieses Jahres war ein großer Schritt auf dem Weg zum agentischen Alltagseinsatz von KI im Internet. Auch Google bietet in Chrome umfassende Gen AI Features an – und integriert in manchen Bereichen bereits den AI Mode im Browser. OpenAI wiederum zog vor Kurzem mit dem AI-first Browser Atlas nach. Die Art und Weise, wie Menschen Browser nutzen und Recherchen und Aufgaben umsetzen, oder besser: umsetzen lassen, verändert sich damit stark. Denn User können mithilfe agentischer Optionen einfach Aufgaben an die zugrunde liegende KI auslagern, etwa das Verfassen von Mails oder auch den Einkauf von Produkten.
Doch genau an diesem Punkt stört sich Amazon, zum Teil. Der Konzern mit seiner riesigen E-Commerce-Plattform verbietet Perplexity jetzt, User via Comet auf Amazon shoppen zu lassen. Dafür gibt der Konzern als Grund an, dass es beim Einsatz von AI Agents beim Einkauf oft an Transparenz mangle und Perplexity nicht bereit sei, eine Lösung zu bieten. Perplexity wehrt sich gegen die Unterlassungsaufforderung und sieht in Amazons Vorstoß eine Taktik, um das Wachstum disruptiver Unternehmen zu hemmen. Womöglich hat Amazon tatsächlich mehr im Blick als die Sicherheit beim Einkauf auf der Plattform.
Perplexitys Browser ist endlich da, auch für Unternehmen
– so teuer ist der Zugriff

Amazons Cease and Desist Letter: Zwischen Transparenz und Blockade
Schon mehrfach hat Amazon Perplexity dazu aufgefordert, die eigene Plattform aus der Comet Experience zu entfernen. Denn der AI Browser mit seinen agentischen Fähigkeiten agiere oft intransparent, komme versteckt als Chrome Browser daher und verstoße sogar gegen den Computer Fraud and Abuse Act (18 U.S.C. § 1030) und den Comprehensive Computer Data Access and Fraud Act (Cal. Penal Code § 502), wenn er auf Amazons Dienste und User-Details zugreife. Das geht aus der Unterlassungsaufforderung hervor, die Amazon in einem Statement auf der eigenen Seite verlinkt. Da Perplexity nicht auf die Anforderungen zur Transparenzsicherung Amazons eingegangen sei, die Shopping-Erfahrung via Comet nicht den Standards von Amazon entspreche und sogar Sicherheitsrisiken für die Amazon User entstehen könnten, soll der Zugriff nicht länger erlaubt sein. Im Statement heißt es:
We think it’s fairly straightforward that third-party applications that offer to make purchases on behalf of customers from other businesses should operate openly and respect service provider decisions whether or not to participate. This helps ensure a positive customer experience and it is how others operate, including food delivery apps and the restaurants they take orders for, delivery service apps and the stores they shop from, and online travel agencies and the airlines they book tickets with for customers. Agentic third-party applications such as Perplexity’s Comet have the same obligations, and we’ve repeatedly requested that Perplexity remove Amazon from the Comet experience, particularly in light of the significantly degraded shopping and customer service experience it provides.
Das sieht Perplexity allerdings ganz anders. Das KI-Unternehmen sieht in Amazons Vorgehen eine Mobbing-Strategie.
Perplexity vergleicht die eigenen Dienste wie Comet mit Werkzeugen – und man könne als Großkonzern Personen auch nicht verbieten, etwa einen Schraubenschlüssel einzusetzen. Der Vergleich hinkt, aber das Unternehmen, das sich nicht einschüchtern lassen möchte, verweist auf die Vereinfachung des Shoppings durch den KI-Agent in Comet. Das sollte Amazon eigentlich gutheißen, es könnte zu mehr Conversions führen. Amazon hält dagegen, dass über die Comet Experience einige Shopping-Vorteile wie die Ergänzung von Produkten im Warenkorb, die zu besseren Versandbedingungen führen kann, einfach nicht verfügbar sind – was die Minderung der Shopping-Erfahrung herbeiführe.
Dass hinter dem Disput jedoch noch mehr stecken könnte, reißt Perplexity in einem Post zur Entwicklung bereits an und schreibt unter Berufung auf Aussagen von Amazon CEO Andy Jassy:
[…] Amazon should love this. Easier shopping means more transactions and happier customers. But Amazon doesn’t care. They’re more interested in serving you ads, sponsored results, and influencing your purchasing decisions with upsells and confusing offers […].
Welchen Einfluss KI-Browser auf unsere Nutzungsgewohnheiten und unser Leben, aber auch auf den Datenschutz und die Marketing-Landschaft haben, kannst du im Podcast mit Stella-Sophie Wojtczak und Niklas Lewanczik im Detail nachhören.
Amazons eigene Interessen und die Zukunft in der Agentic Era
Tatsächlich dürfte Amazons Vorstoß gegen Perplexity auch eine Maßnahme sein, um eigene Konzerninteressen samt Umsatzpotentialen zu schützen. Zu diesem Zweck könnten ähnliche Unterlassungserklärungen für AI Agents Dritter folgen, etwa den ChatGPT Agent im Atlas Browser von OpenAI. Denn Amazon selbst bietet auf der Plattform selbst eine Reihe von AI Tools, die Usern beim Shopping helfen sollen. Help Me Decide heißt die neueste Funktion, die die KI-Lösungen wie Rufus als Assistenz, Lens Live als Shopping-Hilfe und die AI Shopping Guides ergänzt. Möglicherweise möchte Amazon die Nutzung dieser Lösungen nicht durch AI Agents Dritte beeinträchtigt wissen.
Amazon hilft dir mit AI bei der Kaufentscheidung:
Help Me Decide Feature ist da

Zudem könnte an Perplexitys Vorwurf, Amazon wolle vor allem das Werbegeschäft fördern und später Deals mit Third Party Agents eingehen, etwas dran sein. Denn der Konzern baut das Werbegeschäft immens aus. Im dritten Quartal lag der Umsatz mit Werbung bereits bei 17,7 Milliarden US-Dollar. Neu in Amazons DSP sind zum Beispiel auch die Inventare von Netflix und Spotify. Vorstellbar ist nun, dass Amazon die vielfältigen Werbeformate künftig im Kontext von AI-Integrationen erweitert und dabei keine Konkurrenz durch AI Tools fürchten möchte, die diese AI Features umgehen oder Amazon letztlich für das Marketing wertvolle Nutzungsdaten vorenthält. Außerdem könnte Amazon fürchten, dass AI Agents die Nutzungskontexte auf der Plattform für eigene User-Profile nutzen und schließlich werblich monetarisieren, ohne dass der Konzern beteiligt wird. Dabei möchte Amazon die User im eigenen Ökosystem durch Ads und Empfehlungen zu Verweildauer und Conversions animieren und selbst finanziell profitieren.
Die Auseinandersetzung zwischen Amazon und Perplexity könnte eine enorme Tragweite entwickeln und als Gradmesser für den Einsatz von AI Agents im Digitalraum fungieren. Ob sich E-Commerce-Plattformen, aber auch andere Seiten, langfristig gegen die Nutzung durch AI Agents werden wehren können, muss die Realität im Internet – und womöglich auch die Rechtsprechung – zeigen. Perplexity jedenfalls entwickelt weiter neue Features, wie zuletzt ein virtuelles Try-on Feature, das auch in den Browser integriert werden könnte.
Und der Traffic, der via AI Tools zu Online Shops gelangt, nimmt rasant zu. Laut Shopfiy gab es diesbezüglich bei Shopify Stores seit Januar 2025 einen Anstieg um das Siebenfache. Sales, die Tools wie ChatGPT und Co. zugeschrieben werden können, wuchsen auf das Elffache. Via ChatGPT Instant Checkout können User inzwischen schon direkt in der App einkaufen, etwa bei Shopify Shops. Auch Perplexity bietet eine dedizierte Shopping-Lösung. Dieser Faktor mag ebenso in Amazons Abwehrhaltung gegen den AI Agent des Unternehmens eingeflossen sein. Für Perplexity sind die AI Agents ein zentraler Bestandteil der Digitalentwicklung:
User agents are exactly that: agents of the user. They’re distinct from crawlers, scrapers, or bots. A user agent is your AI assistant—it has exactly the same permissions you have, works only at your specific request, and acts solely on your behalf. Assistive AI is becoming an increasingly important aspect of the global economy, businesses everywhere, and the individual rights and capabilities of every person. We believe it’s crucial to raise awareness about the issues facing user agents […].
Das Zeitalter von Agentic Enterprise ist nach Salesforce ebenso schon angebrochen. Dabei sollten die User, die auf Agents setzen, nicht vergessen, dass die KI-Erleichterungen und Quasi-Substitute für die Nutzer:innen darauf ausgelegt sind, möglichst viele Datenpunkte weiterzugeben – woran sich viele der Konflikte zwischen den Big Playern der Branche entzünden. Ob die Daten dabei immer auf lautere Art generiert werden, ist fraglich. Gerade Perplexity, aber auch OpenAI, Google, Meta und Co. stehen des Öfteren in der Kritik bezüglich illegitimer Content-Übernahmen. Nicht zuletzt in diesem Kontext könnten sich AI Agents als mächtig, aber auch gefährlich erweisen.
„Wie Möchtegern-Bankraub“:
Reddit verklagt Perplexity wegen Content-Diebstahls

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Werbekreativität: Wie Penny die Big Idea zum Auslaufmodell im Marketing macht
Dank der Serviceplan Neo-Kampagne „Price Packs“ landet Penny im HORIZONT-Kreativranking 2025 auf Platz 1.
Siege in Kreativwettbewerben würde kein Marketer in Deutschland ernsthaft ignorieren. Aber der diesjährige Kreativsieger Penny zeigt, dass der Glaube an die singuläre kreative Höchstleistung im Marketing immer weniger Sinn ergibt. In der immer hektischeren Attention Economy hat selbst die brillanteste Einzelidee nicht genug Kraft, um eine Marke dauerhaft präsent zu halten.
Die Punkte sind ausgezählt und der Sieger im Ranking der kreativsten Werbungtreibenden fiel überraschend klar aus: Mit deutlichem Abstand st
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Kampagne von Dojo: Edeka sorgt mit Azubi-Roboter für Aufruhr
Edeka setzt weiterhin auf Azubis – aber auch auf Roboter?
Braucht es in Zeiten von KI überhaupt noch Auszubildende im Einzelhandel? Diese Frage schien sich auch Edeka jüngst zu stellen und präsentierte auf seinen Social-Media-Kanälen einen neuartigen Roboter, der diverse klassische Azubi-Tätigkeiten in einer Filiale übernahm. Was genau dahintersteckt.
Der Fachkräftemangel hält an, viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt und die Prognosen für die riesige Anzahl an Jobs, die in naher Zukunft durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden könnten, sind alarmierend. In diese Stimmungslage schaltet sich Edeka auf TikTok und Instagram mit einer Awareness-Kampagne ein. Der erste Aufschlag erfolgte vergangene Woche, als der Lebensmittelhändler auf seinen Karriere-Accounts seinen neu konzipierten „Azubot“ präsentierte – ein Roboter, der laufen, Dosen stapeln und präzise portionierte Käsescheiben vom Laib abschneiden kann. Seine Fähigkeiten findet ein im Video gezeigter Edeka-Mitarbeiter „unglaublich“, die Community zeigt sich in den Kommentaren beeindruckt bis entsetzt. „bitte sag es ist KI generiert“, schreibt einer der User bei TikTok.
Flankiert wird der Spot durch kurze Reels, in denen die „eigentlichen Maschinen“ vorgestellt werden – die Auszubildenden selbst. Für Konzeption und Produktion zeichnet die Berliner Agentur Dojo verantwortlich, die Kampagne läuft vom 27. Januar bis 12. Februar. Mit @karriereguru hat Edeka außerdem in der ersten Kampagnenphase einen reichweitenstarken Creator eingebunden, der im Rahmen einer bezahlten Werbepartnerschaft seine durchaus kritische Meinung zur Einführung des „Azubot“ abgab. Auch wenn er sicherlich über den nachfolgenden Twist im Bilde war, dürfte die Kooperation eine clevere Maßnahme gewesen sein, um der Kampagne noch etwas mehr Aufmerksamkeit zu verleihen.
Azubi-Kampagne von Dojo
Edeka lässt Celo & Abdi für die Gen Z in die Kristallkugel blicken
Wer die Gen Z erreichen will, muss ihre Sprache sprechen. Lebensmittelhändler Edeka überlässt das in seiner neuen Ausbildungskampagne zwei bekannten Frankfurter Rappern, die genau wissen, warum „Para machen“ für junge Menschen so wichtig ist und sich als Wahrsager der etwas anderen Art versuchen. …
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Interview mit Marketingchefin Christina Müller: Voltaren, Parodontax & Co setzen auf Humor statt auf Schockmomente
Christina Müller ist Head of Marketing DACH bei Haleon
Unternehmen wie Haleon, einer der größten Player im globalen Markt für rezeptfreie Medikamente, verabschieden sich zunehmend vom klassischen Angstmarketing. DACH-Marketingchefin Christina Müller setzt stattdessen auf Humor, kulturelle Relevanz und Social-First-Kreativität, wie sie im Gespräch mit HORIZONT erläutert.
Jahrzehntelang war Angst das stärkste Verkaufsargument im Gesundheitsmarketing. Blutende Zahnfleischränder, bedrohliche Warnhinweise, Schock
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