Künstliche Intelligenz

AOL + Vimeo: Italienische Bending Spoons geht an US-Börse


Bending Spoons hat sich vor allem durch andere Namen einen solchen gemacht: AOL, Brightcove, Eventbrite, Evernote, Harvest, Issuu, Komoot, Meetup, MileIQ, Mosaic, Remini, Splice, Streamyard, Vimeo und Wetransfer zählen inzwischen zu den Marken des italienischen Aufkäufers. Jetzt strebt er an die US-Börse NASDAQ.

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Den entsprechenden Antrag auf einen Börsengang hat Bending Spoons am Montag eingebracht. Im Unterschied zu diversen anderen Börsengängern, die derzeit für Schlagzeilen sorgen, verdient Bending Spoons Geld – und das kaum mit Werbung, sondern weitaus überwiegend durch Abonnements. 2025 hat das Unternehmen 1,3 Milliarden US-Dollar umgesetzt und daraus 291 Millionen US-Dollar Cashflow lukriert.

Der Betriebsgewinn belief sich auf 278 Millionen US-Dollar, doch die vielen kreditfinanzierten Übernahmen sorgten für nicht weniger als 143 Millionen US-Dollar Zinsen. Das hat den Reingewinn auf 111 Millionen US-Dollar schrumpfen lassen. Nach Abzug von Steuern blieb als Nettoergebnis eine rote Null.

Im März hat Bending Spoons laut Börsenprospekt 500 Millionen Nutzer gezählt, von denen aber nur neun Millionen etwas bezahlt haben. Im ersten Quartal 2026 kamen 83 Prozent des Umsatzes aus Abogebühren und nur zehn Prozent aus Reklame. Knapp die Hälfte des Aboumsatzes stamme von Nutzern, die schon mindestens fünf Jahre bei der Stange seien, sagt der Prospekt.

Allerdings sind die Nutzer gar nicht Teil des Marktes, den Bending Spoon im Visier hat. Als Total Adressable Market (theoretisch möglicher Markt) hat es vielmehr 1.000 weitere Unternehmen ausgemacht, die vielleicht zu kaufen wären, und die 2025 insgesamt 400 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht haben (zum Teil auch mit einander, versteht sich). Ein Bilderbuchbeispiel von Börsenphantasie.

Diese wird, so hofft das Management laut Reuters, Bending Spoons mit mindestens 20 Milliarden US-Dollar bewerten. Stand Ende März hatte die Firma fast sechs Milliarden US-Dollar Schulden. Beim Börsengang wird das Unternehmen eigene Aktien neu ausgeben. Zusätzlich werden bestehende Aktionäre Anteile feilbieten. Dividenden wird es keine geben. Wie hoch der Streubesitz ausfallen wird, ist offen, aber unbedeutend: Die Gründer behalten sich eine nicht gehandelte Aktiengattung mit fünffachem Stimmgewicht.

Der Schuldenberg soll weiter wachsen. Denn Beding Spoons‘ Strategie besteht im Aufkaufen von Unternehmen, deren Belegschaft dann zu großen Teilen oder, wie beim App-Betreiber Mosaic, sogar zur Gänze gefeuert wird. Anschließend soll das übernommene Projekt möglichst viel Geld einbringen.

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Jüngste Übernahme ist die oberösterreichische Firma Tractive. Sie bietet GPS-Halsbänder mit Mobilfunkmodul für Hunde und Katzen an, selbstredend mit Abonnement. Der im Mai übernommene Geschäftsbetrieb Tractives ist in den veröffentlichten Finanzzahlen noch nicht enthalten, weil diese nur bis Ende März gehen.

2026 darf Künstliche Intelligenz in einem Börsenprospekt natürlich nicht fehlen. „Viele unserer Produkte und proprietären Techniken beinhalten KI”, schreibt Bending Spoons, „und wir setzen KI umfassend in unserem Betrieb ein.” Das ist nicht ohne Risiko: „Unser Geschäft ist teilweise von KI und unserer Fähigkeit, KI zu entwickeln und wirksam einzusetzen, abhängig. KI kann uns Risiken aussetzen.”

Dazu passt der neue Vertriebskanal: KI-Agenten sollen gebracht werden, Abonnements aus dem Bending-Spoons-Portfolio zu empfehlen: „Wir haben in die Optimierung unserer Kundenakquise mittels Empfehlungen durch KI-Agenten investiert.” Ausgezahlt hat sich das bislang nicht: „Obwohl dieser Kanal bislang nur marginal beigetragen hat, erwarten wir, dass dieser Beitrag mit der Zeit wachsen wird.”


(ds)



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