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App bauen mit Claude Code: Diese Gründerin teilt ihre drei wichtigsten Tipps
Eine Gluten-Diagnose brachte Swantje Dettmers auf eine Idee. Mit Claude programmierte sie ihre eigene App – heute steckt dahinter ein Startup.
Swantje Dettmers hat Zöliakie. Schon kleinste Mengen Gluten können bei ihr Entzündungen auslösen und die Schleimhaut des Dünndarms schädigen. „Ich musste sogar meine Schneidebretter austauschen, weil sich im Holz noch Spuren befinden können“, sagt sie zu Gründerszene.
Im Supermarkt liest Dettmers fortan die Zutatenlisten aller Lebensmittel, die sie braucht. „Oft sind sie winzig gedruckt oder gelbe Schrift steht auf weißem Hintergrund“, sagt sie. „Jeder Einkauf dauerte plötzlich drei- bis viermal so lange.“
Die Familienmutter macht Fotos, vergrößert die Texte mit dem Smartphone. Doch sie erkennt: „Das kann nicht die Lösung sein.“ Als Ärzte auch bei ihren Kindern eine Glutenunverträglichkeit feststellen, macht sie sich einen Plan. „Da wurde mir klar, dass es einen Helfer geben müsste, der beim Einkaufen unterstützt.“
Dettmers baut eine App, die per Barcode-Scan erkennt, ob ein Lebensmittel unverträgliche Stoffe enthält. Sie soll per Ampel-Logik zeigen, wie gefährlich ein Produkt ist: rot für bedenklich, gelb für Vorsicht, und grün für glutenfrei. Vier Monate später stehen das Produkt und das Startup dazu: Ampelo. Rund 5000 User haben die App bereits heruntergeladen. Programmiert hat Dettmers sie vor allem mit Künstlicher Intelligenz (KI) – und erzählt im Interview mit Gründerszene, wie genau sie Claude Code dafür genutzt hat.
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Als Wissenschaftlerin forscht Dettmers lange am Max-Planck-Institut, lehrt später an der Fernuniversität Hagen und berät zuletzt eine Stiftung. Die Gluten-Warn-App baut sie anfangs für ihre Familie. „Als klar wurde, dass ich die App veröffentlichen möchte, brauchte das Projekt meine volle Aufmerksamkeit“, sagt sie. Den Job gibt sie auf für Ampelo.
Ihr wissenschaftlicher Background helfe beim Programmieren. „Große Datenmengen zu strukturieren, Modelle zu bauen und Ergebnisse zu validieren war mein Alltag. Dank KI hatte ich nun die Möglichkeit, dieses Wissen in eine eigene App zu übersetzen.“
Auch in Ernährungswissenschaften arbeitet sie sich ein. „Ich habe sehr viel recherchiert und mir zusätzlich fachliche Unterstützung geholt. So konnte ich das Wissen kontinuierlich erweitern und überprüfen“, sagt sie. „Es war fast wie ein zusätzliches Studium.“
Auf dieser Grundlage entwickelt Dettmers ab Oktober 2025 das Konzept für Ampelo. „Die Idee entstand aus einer sehr persönlichen Geschichte. Deshalb wusste ich genau, welches Problem ich lösen wollte und konnte entsprechend präzise prompten“, sagt sie.
KI stützt die Datenbank
Zunächst strukturiert Dettmers ihre Idee mithilfe von ChatGPT. „Ich habe vieles einfach ausprobiert und die KI immer wieder gefragt“, sagt sie. Außerdem lernt sie mit Youtube-Tutorials. Mit dem Wissen hinterfragt sie die KI-Antworten. „Das ist enorm wichtig, weil KI auch Fehler macht oder halluziniert.“
Sie erklärt dem Modell ihre Vision, stellt fortlaufend Fragen, lässt sich Code generieren. Im Januar erfährt das KI-Modell Claude Code einen Hype. Für Dettmers ist das agentische Programm „eindeutig die beste Lösung“. Mithilfe des Programmier-Chatbots schreibt sie den Code für Ampelo im Terminal ihres Computers.
„Es war letztlich ein klassisches Learning by Doing. Gleichzeitig bekam ich von der KI ständig Rückmeldungen darüber, was funktioniert und was nicht. Ich konnte sofort sehen, ob ein Befehl erfolgreich war oder ob ich etwas kaputtgemacht hatte.“
Außerdem baut sie eine Datenbank auf mit mehr als 350.000 Produkten aus dem deutschen Lebensmittelhandel. Die erweitere sie fortlaufend. Grundlage seien mitunter Open-Source-Register, die Zutaten für Lebensmittel auflisten. Auch die Barcodes kann Ampelo anhand der Datenbank zuordnen.
Allerdings sei schwierig gewesen, das KI-System darauf zu trainieren, Wörter richtig zu erkennen und im Ampel-System einzuordnen. „Der Aufbau war aufwendig, denn manche Zutaten werden unterschiedlich geschrieben, enthalten Bindestriche oder sogar Tippfehler. All diese Varianten versucht Ampelo zu erkennen und korrekt einzuordnen“, sagt Dettmers.
Dabei geht es etwa um glutenhaltige Produkte wie Weizenmehl. „Darauf muss die App selbstverständlich reagieren. Gleichzeitig gibt es aber Begriffe wie Buchweizenmehl. Obwohl dort das Wort ‚Weizen‘ enthalten ist, ist Buchweizen glutenfrei.“
Mehr als 1000 Menschen nutzen Ampelo
Dettmers analysiert auch den Markt. Etwa ein Prozent der Deutschen hat Zöliakie, die Dunkelziffer ist höher. Bis zu 20 Prozent sind laktoseintolerant und eine unbekannte Zahl an Deutschen verträgt keine Fructose. Deshalb erweitert sie die App. Sie soll auch andere Unverträglichkeiten erkennen.
Zunächst testen 30 Menschen die App. Inzwischen haben allein im Google Play Store mehr als 1000 Menschen Ampelo heruntergeladen. Eine medizinische Beratung ersetzt die Plattform nicht, aber sie soll helfen bei der Orientierung im Supermarkt.
„Ohne KI hätte ich die App als Einzelperson nicht so schnell bauen können, aber ohne mein Wissen über Daten und Programmierung hätte die KI allein es ebenso wenig gekonnt“, sagt sie.
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Drei Tipps fürs Coden mit KI
Im Interview teilt Dettmers ihre wichtigsten Tipps für den KI-gestützten Aufbau einer App:
- Löst ein ganz konkretes Alltagsproblem. Ich hatte von Anfang an eine klare Vorstellung davon, was mir persönlich helfen würde. Diese konkrete Vision hat mir beim Entwickeln enorm geholfen.
- Hinterfragt die Antworten der KI immer kritisch. Mir hat außerdem die Aufforderung „Erklär es mir wie einem zehnjährigen Kind“ sehr geholfen. Dadurch konnte ich neues Wissen Schritt für Schritt einordnen und verstehen.
- Seid mutig. Wenn ihr wirklich an eine Idee glaubt und überzeugt seid, dass sie ein echtes Problem löst, solltet ihr euch trauen, sie umzusetzen.
Geld verdient Dettmers bislang nicht mit der kostenlosen App. Statt mit Investoren baut Dettmers ihr Startup mit Eigenkapital auf. Sie plant Premium-Funktionen in der App und Kooperationen mit Krankenkassen, dem Lebensmittelhandel und Ernährungscoaches. „Mir war zunächst wichtig, Vertrauen in das Produkt aufzubauen. Gerade im Gesundheitsbereich spielt das eine zentrale Rolle.“