Datenschutz & Sicherheit

Apple präsentiert „Trusted OS Agent“ als Alternative zu EU-KI-Vorgaben


Apple hat sich mit einer ungewöhnlichen und umfangreichen Stellungnahme in das laufende DMA-Verfahren der EU-Kommission gegen Google eingeschaltet. Obwohl der iPhone-Konzern formal nicht Partei des Verfahrens ist, warnt er auf 38 Seiten eindringlich vor den vorläufigen Interoperabilitätsmaßnahmen (Draft Measures, DMs), die Brüssel Ende April an Google übermittelt hatte – und nutzt die Gelegenheit, erstmals öffentlich ein alternatives KI-Sicherheitsmodell vorzustellen. Die EU-Kommission hatte Google im Rahmen von Artikel 6(7) des Digital Markets Act (DMA) im Januar 2026 eine Frist von sechs Monaten gesetzt, um Konkurrenten tieferen Zugang zu Android-Kernfunktionen zu verschaffen – insbesondere für KI-Assistenten, die auf Android derzeit schlechter gestellt seien als Googles eigener Gemini-Assistent. Interessierte Parteien konnten bis zum 13. Mai dazu Stellung nehmen.

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Apple bezeichnet die vorgeschlagenen Maßnahmen als ernste Bedrohung für Privatsphäre, Sicherheit und Gerätestabilität europäischer Nutzer. Die Regelungen würden jene Funktionen offenlegen, die böswillige Akteure und kompromittierte KI-Systeme ausnutzen wollten: dauerhaften Mikrofonzugang, Live-Bildschirminhalte, App-übergreifende Steuerung und privilegierte Systemressourcen. Gleichzeitig würden die Maßnahmen die zentralen Schutzfunktionen eines Betriebssystems aushebeln. Die EU-Kommission führe damit „ein großangelegtes Sicherheits- und Datenschutzexperiment an europäischen Nutzern durch – genau in dem Moment, in dem KI-getriebene Bedrohungen am schnellsten zunehmen.“

Apples Stellungnahme kritisiert, dass andere Teile der Kommission selbst aktiv an KI-Sicherheitsinitiativen arbeiteten – während die zuständige Abteilung diese Risiken im Falle Googles vollständig ignoriere. Apples Regulierungschef Kyle Andeer hatte bereits zuvor Apples tiefe Frustration mit dem DMA öffentlich gemacht und der EU-Kommission vorgeworfen, Datenschutz- und Sicherheitsbedenken systematisch zu ignorieren. Weder der Europäische Datenschutzausschuss (EDPB) noch die EU-Cybersicherheitsbehörde ENISA seien trotz wiederholter Bitten in das Verfahren einbezogen worden.

Im Detail benennt Apple vier gravierende Sicherheitsprobleme. Erstens bei der Sprach-Aktivierung: Die Maßnahmen würden verlangen, dass beliebige Drittanbieter-Apps eigene Aktivierungswörter registrieren könnten und selbst bestimmen dürften, wann eine Audioaufnahme endet. Das öffne Tür und Tor für unbeabsichtigte oder absichtliche Daueraufzeichnung.

Zweitens beim Datenzugriff: Die Maßnahmen würden Drittanbieter-Apps unbegrenzten Zugriff auf die sensibelsten Nutzerdaten ermöglichen – Benachrichtigungen, SMS, Kontakte, Bildschirminhalte und installierte Apps. Diese Datenkombination reiche aus, um Nutzerprofile zu erstellen, die etwa Gesundheitszustand, Religion, sexuelle Orientierung, politische Überzeugungen und finanzielle Lage offenbarten. Apple schreibt, die Maßnahmen öffneten eine „Büchse der Pandora“: So würde diskriminierende Preisgestaltung ermöglicht, die zum Beispiel auf Signalen für Sucht oder Notlagen gründet.

Drittens bei so genannten Overlay-Angriffen: Die Maßnahmen würden verlangen, dass Apps Inhalte über die Benutzeroberfläche anderer laufender Apps legen könnten. Genau diese Technik werde seit Jahren für Banking-Trojaner missbraucht. iOS verfüge über keine API, die derartige Overlays erlaube – aus genau diesem Sicherheitsgrund.

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Viertens beim Gerätezugriff: Die vorgeschriebene Gleichzeitigkeit mehrerer immer-aktiver Wake-Word-Modelle von Drittanbietern auf dem digitalen Signalprozessor (DSP) sei technisch problematisch. Auf einem Amazon Echo etwa verbrauche die Erkennung allein bereits rund 50 Prozent der CPU-Leistung. Mehrere parallele Implementierungen ohne zentrale Koordination würden zu Ressourcenkonflikten, Systemverlangsamungen, thermischen Problemen und deutlich verkürzter Akkulaufzeit führen.



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