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AWS öffnet seine Cloud für KI-Agenten


AWS hat seinen MCP-Server allgemein verfügbar gemacht. Der Dienst soll KI-Agenten und Coding-Assistenten kontrollierten Zugriff auf AWS-Ressourcen geben, ohne ihnen pauschal weitreichende Rechte einzuräumen. Über den verwalteten Remote-Server können Agenten AWS-APIs aufrufen und aktuelle AWS-Dokumentation zur Laufzeit abfragen. Der MCP-Server ist Teil des Agent Toolkit for AWS.

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Das Model Context Protocol (MCP) ist ein offener Standard, über den KI-Anwendungen externe Werkzeuge, Datenquellen und Dienste anbinden können. Mit der Schnittstelle können KI-Modelle nicht nur auf ihre Trainingsdaten zurückgreifen, sondern bei Bedarf auch aktuelle Informationen abrufen und Funktionen nutzen.

AWS will mit dem Dienst ein praktisches Problem vieler Coding-Agenten angehen: Bei AWS-Aufgaben verlassen sie sich oft auf veraltetes Modellwissen, kennen neuere Dienste nicht oder erzeugen zwar lauffähige, aber nicht produktionsreife Infrastruktur. Als Beispiele nennt AWS zu weit gefasste IAM-Policies oder die Tendenz, eher zur AWS CLI als zu CDK oder CloudFormation zu greifen.

Im Kern bietet der MCP-Server eine kleine, feste Zahl von Werkzeugen. Das Tool call_aws deckt mehr als 15.000 AWS-API-Operationen ab und nutzt dafür die vorhandenen IAM-Anmeldedaten. Über search_documentation und read_documentation können Agenten zudem aktuelle AWS-Dokumentation und Best Practices nachladen. Damit will AWS Halluzinationen reduzieren und Antworten näher an den aktuellen Stand der Plattform bringen.

Mit der allgemeinen Verfügbarkeit kommen mehrere neue Funktionen hinzu. Der Server unterstützt jetzt IAM Context Keys, sodass sich Zugriffe feiner über reguläre IAM-Policies steuern lassen. Das Nachschlagen von Dokumentation funktioniert künftig ohne Authentifizierung. Auch der Token-Bedarf pro Interaktion sinkt nach AWS-Angaben – ein Punkt, der vor allem bei längeren, mehrstufigen Workflows ins Gewicht fällt.

Technisch am interessantesten ist das neue Tool run_script. Damit kann ein Agent kurze Python-Skripte serverseitig in einer Sandbox ausführen. Die Laufzeitumgebung übernimmt zwar die IAM-Berechtigungen des Nutzers, hat aber weder Netzwerkzugriff noch Zugriff auf das lokale Dateisystem oder eine Shell. So lassen sich mehrere API-Aufrufe in einem Schritt verketten, Ergebnisse filtern und auswerten, statt jeden Schritt einzeln über Tool-Aufrufe abzubilden. Praktisch wird das etwa, wenn ein Agent Konfigurations-, Inventar- und Tagging-Daten aus mehreren AWS-Diensten zusammenführen soll.

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Aus Sicht von AWS ist der Wechsel von Agent SOPs zu Skills die wichtigste konzeptionelle Änderung. Skills sind kuratierte Handlungsanleitungen und Best Practices für typische Aufgaben, bei denen Agenten häufig Fehler machen. Die jeweiligen AWS-Service-Teams pflegen sie. Damit will AWS Agenten schneller zu korrekten Ergebnissen führen, die Liste verfügbarer Werkzeuge schlank halten und so Fehler, Halluzinationen und Token-Verbrauch senken.

Für Unternehmen rückt AWS Governance- und Compliance-Aspekte in den Vordergrund. Der Dienst trennt menschliche Nutzerberechtigungen klar von Agentenrechten. Über IAM-Policies oder Service Control Policies lässt sich etwa festlegen, dass ein Nutzer Ressourcen ändern darf, während derselbe Zugang über den MCP-Server auf Leseoperationen beschränkt bleibt. Für die Überwachung liefert AWS eigene CloudWatch-Metriken im Namespace AWS-MCP; CloudTrail protokolliert die API-Aufrufe zusätzlich.

Wie der Dienst in der Praxis funktioniert, zeigt AWS in einer Herstellerdemo mit Claude Code. Ein Modell mit Wissensstand Mai 2025 beantwortet darin die Frage, wie sich Embeddings auf S3 speichern lassen, zunächst ohne Bezug auf Amazon S3 Vectors – ein Dienst, der erst im Juli 2025 als Preview startete und im Dezember 2025 allgemein verfügbar wurde. Mit angebundenem MCP-Server ruft der Agent laut AWS aktuelle Dokumentation ab und verweist dann auf S3 Vectors. Die Demo illustriert vor allem den Unterschied zwischen statischem Modellwissen und Laufzeitzugriff auf aktuelle Produktdokumentation.

Der MCP-Server steht zunächst in den Regionen US East (N. Virginia) und Europa (Frankfurt) bereit, kann API-Aufrufe aber in beliebige AWS-Regionen absetzen. Für den Dienst selbst fallen keine zusätzlichen Gebühren an; abgerechnet werden nur die genutzten AWS-Ressourcen und gegebenenfalls Datenübertragung. Als kompatible Clients nennt AWS in der Ankündigung unter anderem Claude Code, Kiro und Cursor; grundsätzlich funktioniert jeder MCP-fähige Client.

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(fo)



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