Digital Business & Startups
Baut er das deutsche Polymarket?
Per App sollen Menschen auf Ereignisse in Sport, Politik und Alltag wetten – und so Daten liefern über die Stimmung in der Gesellschaft.
Seinen Exit hat er gerade hingelegt – jetzt programmiert Vincent Betz die nächste App: User sollen damit Vorhersagen treffen über Politik, Sport und den Alltag. Wer wird Fußball-Weltmeister? Bleibt eine Ministerpräsidentin im Amt? Kommt ein bestimmter Zug pünktlich?
„Die Vision ist ein Prediction Market – zunächst für Deutschland, später für Europa“, sagt Vincent. Die Umfragen sollen Stimmungen abbilden in der Gesellschaft und Daten liefern für Medien, Forschende und Unternehmen.
Vincent ist Teilnehmer unseres Startupcamps „Gründerszene sucht die Supergründer“. Zehn Wochen lang bauen acht Fellows mithilfe verschiedener KI-Modelle eigene Consumer-Apps.
„Gründerszene sucht die Supergründer“ ist ein zehnwöchiges Startup-Fellowship von Gründerszene. Acht ausgewählte Fellows entwickeln in Berlin mit Künstlicher Intelligenz Consumer-Startups – von der Idee bis zum ersten Produkt. Während des Programms arbeiten die Fellows gemeinsam im Axel-Springer-Hochhaus und werden von erfahrenen Unternehmern, Investoren und Experten begleitet. Partner wie OpenAI, Vercel, Dash0 und DHL unterstützen sie mit Technologie, Know-how und Mentoring. Gründerszene dokumentiert die gesamte Reise mit Artikeln, Videos und Social-Media-Inhalten – und zeigt hautnah, wie heute die nächste Generation von Startups entsteht.
Wetten abschließen per App: auf News, Sport und Alltag
Mit Coding kennt sich Vincent aus. Er studiert fünf Jahre lang Management und Informatik, legt ein Auslandssemester ein in Berkeley. An der Elite-Uni lernt er, wie er Unternehmen sichtbarer macht in KI-Systemen wie ChatGPT. Mit dem Know-how gründet er 2025 ein Startup – und verkauft es vor wenigen Monaten. Das Thema sei spannend, aber “einfach nicht meine Welt”, sagt er.
Nach dem Exit „habe ich jeden Tag mit Menschen aus meinem Netzwerk gesprochen und versucht herauszufinden, welche Themen gerade spannend sind“. Vincent entscheidet sich für Prediction Markets, also Plattformen, die künftige Ereignisse voraussagen sollen. Kicktipp bietet sie als Game an, bei dem User auf Sportergebnisse wetten. Beim Martführer Polymarket setzen hunderttausende User sogar Geld auf bestimmte Ereignisse. „Das zeigt, wie groß das Interesse an solchen spielerischen Wettbewerben sein kann“, sagt Vincent.
Er will das Prinzip in Deutschland ausbauen und um News-Themen ergänzen. Für jede richtige Vorhersage sammeln User Punkte und können sich in Ranglisten oder privaten Ligen mit Freunden messen. Zunächst geht es dabei um den spielerischen Wettbewerb. Langfristig sollen aus den Vorhersagen vieler Nutzer belastbare Daten entstehen, die zeigen, welche Entwicklungen die Gesellschaft für wahrscheinlich hält.
Der wichtigste Faktor für seine künftige App sei Spaß. „Die Menschen müssen Lust haben, darüber zu sprechen und gemeinsam zu diskutieren.“ Menschen könnten um den Dönerpreis wetten. „Fast jeder kennt die Diskussion darüber, dass ein Döner heute sieben oder acht Euro kostet“, sagt Vincent. „Man könnte Vorhersagen dazu machen oder fragen, ob der Preis bis Jahresende über oder unter einem bestimmten Wert liegt. Solche Themen holen viele Menschen ab, weil sie jeder kennt.“ Die Mischung aus Alltag, Humor und Wettbewerb bringe User auf seine Seite.
Vom MVP-Konzept zum Prototyp: So hilft der KI-Agent
Vincent will sein Tool auch auf News-Seiten integrieren. Leser sollen dann unter Artikeln Fragen beantworten, etwa zum Ausgang einer Wahl. Die Verlage würden ihm dafür Geld zahlen, soweit die Idee. „Solche Kooperationen könnten helfen, die Plattform in der Anfangsphase zu finanzieren“, sagt er. Sobald genügend Nutzer aktiv sind, würden die Daten möglicherweise interessant – für Börsen, Investoren oder Marktforschungsunternehmen.
In seiner ersten Woche bei „Gründerszene sucht die Supergründer“ will er „möglichst schnell die richtigen Leute kennenlernen.“ Auch definiert er die kleinstmögliche Version seines Produkts – einem sogenannten Minimum Viable Product (MVP). „Anschließend habe ich alles sehr detailliert dokumentiert. Ich habe für mich selbst ein ausführliches Dokument geschrieben, in dem jeder einzelne Schritt beschrieben war – von der grundlegenden Idee bis zu allen Funktionen, die das Produkt später haben soll.“
Danach befragt er einen KI-Agenten, den er mit Positiv-Beispielen für Apps und Projektplänen trainiert habe. Das dauere einen ganzen Tag. „Man kann sich das wie eine lange Aufgabenliste mit ungefähr 150 einzelnen Aufgaben vorstellen.“ Darunter: „Baue die Karten für das Frontend“, „richte die Datenbank ein“, „befülle sie mit Beispieldaten“, „implementiere den Google-Login“ oder „verbinde die Anwendung mit einer bestimmten API“.
Anschließend stellt der KI-Agent Rückfragen, „weist auf mögliche Probleme hin und fordert zusätzliche Entscheidungen ein. Erst wenn alle offenen Fragen geklärt sind, zerlegt er das Projekt in viele einzelne Arbeitsschritte.“
Parallel holt er Feedback ein von seinem Mentor, erfahrenen Gründern und Freunden. Nach einer Woche steht die Website für sein Projekt, Prediqu. „Man sitzt gerne hinter dem Laptop und entwickelt immer weiter, weil das Spaß macht. Viel schwieriger ist es, das Produkt früh zu zeigen und ehrliche Kritik auszuhalten. Es kann passieren, dass man drei Tage oder drei Wochen an etwas gearbeitet hat und dann feststellt, dass niemand es braucht. Genau deshalb sollte man so schnell wie möglich veröffentlichen.“
Später könnten User auch auf seiner Plattfomen Wetten abschließen mit Geld-Einsätzen, schlägt Vincent vor. Die Gesetze für Glücksspiel in Deutschland und anderen Ländern muss er zuvor aber prüfen. Erst mal sollen die Nutzer Wetten in einem kostenlosen Punktesystem abschließen.
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Vincents Top-Learning nach einer Woche
Vincents wichtigstes Learning: „Vorher hatte ich kaum Einblick darin, wie Medienunternehmen tatsächlich arbeiten. Genau diese Einblicke fand ich besonders spannend. Am Ende braucht jedes Startup Öffentlichkeit. Außerdem habe ich gelernt, wie kurz die Wege manchmal sein können. Man hat hier plötzlich direkten Zugang zu Menschen, die in ihrem Bereich zu den Besten gehören und einem konkret weiterhelfen können.“
Das erste Fazit: „Wir treffen fast jeden Tag Gründer, CEOs oder CTOs erfolgreicher Unternehmen. Solche Gespräche hat man normalerweise vielleicht ein- oder zweimal im Jahr – wenn überhaupt. Hier passiert das täglich. Deshalb würde ich mich fast schämen, wenn ich diese Gelegenheit nicht vollständig nutzen würde. Für mich bedeutet das, morgens anzufangen, bis spät in die Nacht zu arbeiten und jede einzelne Möglichkeit mitzunehmen. Das ist die beste Art, Wertschätzung für dieses Programm zu zeigen.“
Ziel für die zweite Woche: „Ich möchte den ersten größeren Launch vorbereiten. Bis jetzt habe ich fast meine gesamte Zeit in die Produktentwicklung investiert. Marketing und Content stehen als Nächstes auf der Liste.“ Vor allem über Social-Media-Inhalte wolle er 1000 Menschen animieren, seine Seite zu nutzen.
„Gründerszene sucht die Supergründer“ powered by Dash0, DHL, OpenAI & Vercel.