Datenschutz & Sicherheit
Bayerischer Landtag: Streit um Microsoft eskaliert
Die öffentliche Verwaltung steckt in einem Dilemma: Seit Jahrzehnten nutzen die meisten Behörden Microsoft-Produkte und Alternativen sind offenbar nur schwer vorstellbar. Nirgends zeigt sich das derzeit so deutlich wie in Bayern.
Im Oktober regte sich Kritik (PDF) an den Plänen des bayerischen Finanzministers Albert Füracker (CSU), Microsoft für fünf weitere Jahre in der Landesverwaltung einsetzen zu wollen. Seit 2023 besteht ein sogenannter Handelspartnervertrag zwischen der bayerischen Staatsverwaltung und dem US-Konzern. Er legt die Konditionen fest, zu denen das Bundesland Bürosoftware und Windows-Lizenzen bezieht. Dieses Vertragsverhältnis will Füracker nun verlängern.
Doch es regt sich breiter Widerstand gegen seine Pläne. „Wir reden hier nicht über den Kauf einzelner Excel-Lizenzen, sondern über eine Zementierung unserer kompletten digitalen Infrastruktur auf Jahre hinaus“, sagt Florian von Brunn (SPD) gegenüber netzpolitik.org.
Aber auch in der Landesregierung gibt es deutliche Kritik. Füracker und Digitalminister Fabian Mehring (Freie Wähler) stritten öffentlich um Datenschutz, Abhängigkeit – und um die Frage, ob die US-Regierung über Microsoft auf bayerische Daten zugreifen könnte. Die breite Medienberichterstattung über den Konflikt brachte Markus Söder (CSU) dazu, sich einzuschalten: „Solche Fragen gehören intern besprochen“, mahnte der bayerische Ministerpräsident.
Mit alten Gewohnheiten brechen
Dass die öffentliche Verwaltung auch ohne Microsoft-Produkte arbeiten kann, zeigt das Beispiel Schleswig-Holstein. Das nördliche Bundesland gelang vergangenes Jahr der Umstieg auf einen Open-Source-Arbeitsplatz in der öffentlichen Verwaltung. Das Fazit fällt bisher positiv aus. Seit dem Umstieg habe man bereits rund 15 Millionen Euro an Lizenzkosten eingespart, sagt Digitalisierungsminister Dirk Schrödter auf Anfrage. Dagegen befürchten Fürackers Kritiker, dass der für seine Verhandlungen mit Microsoft einen dreistelligen Millionenbetrag veranschlagt. Auf Anfrage von netzpolitik.org will sich das Ministerium weder zu den Lizenzkosten noch dazu äußern, mit welchen Einsparungen es rechnet.
Auch in Bayern schaut man Richtung Norden. Er stehe im engen Austausch mit der SPD-Fraktion in Kiel, erklärt von Brunn. Er hofft offenbar darauf, dass die positiven Impulse von dort auch im Süden ankommen. „Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Regierung Söder in Bayern die Zeichen der Zeit nicht erkennt, während der CDU-Kollege Daniel Günther im Norden auf digitale Souveränität setzt.“
Als „Zeichen der Zeit“ sehen derzeit viele die dramatische geopolitische Lage, ausgelöst durch eine erratische Politik der US-Administration unter Präsident Donald Trump.
Trumps langer Arm
Die Auswirkungen zeigt etwa der Fall am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Mindestens zwei Richter verloren im Mai vergangenen Jahres jeglichen Zugriff auf digitale Dienste von US-amerikanischen Unternehmen, mutmaßlich infolge ihrer Rechtsprechung. Zu diesen Diensten gehören auch Microsoft-Produkte wie Outlook oder Office.
Seitdem stellen sich Politiker*innen zunehmend die Frage, wie viel Microsoft in der öffentlichen Verwaltung vertretbar ist – zumal diese in der Regel auch mit sensiblen Daten arbeitet. Zwar versichert das bayerische Finanzministerium gegenüber netzpolitik.org, dass die Daten dauerhaft „in mehreren staatseigenen Rechenzentren auf bayerischem Boden gesichert“ seien. Das schließt aber nicht aus, dass US-Behörden auch auf bayerische Verwaltungs- und Bürger:innendaten zugreifen.
Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten vom März 2025, das im Auftrag des Bundesinnenministeriums (BMI) erstellt wurde. Demnach erlaube der US-amerikanische Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act, kurz CLOUD Act, den dortigen Sicherheitsbehörden weitreichenden Zugriff auf Daten in europäischen Rechenzentren. Auch der Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA) lasse einen solchen Datenzugriff zu. Die Gefahr, die von diesen Gesetzen für die Verwaltung ausgeht, diskutierte (PDF) auch der Landtag Baden-Württemberg im Sommer.
„Das hebelt europäisches Recht aus“, so von Brunn. Daher fordere die SPD in Bayern nicht nur „ein sofortiges Moratorium für den Microsoft-Deal“, sondern auch „einen verbindlichen Migrationsplan bis 2030 hin zu Open Source“. Diese Strategie sollte auch vorsehen, technologische Abhängigkeiten von einzelnen Konzernen überhaupt erst zu identifizieren, sagt Benjamin Adjei von den Grünen auf Anfrage. Um die „heimische Digitalwirtschaft“ zu stärken, brauche es außerdem jene finanziellen Mittel, die die bayerische Landesregierung in Lizenzkosten von Microsoft aufwende.
Gefahr „einer schutzlosen Preisgestaltung“
Inzwischen hat sich auch die SPD-Bundestagsfraktion in die Causa Microsoft eingeschaltet. In einem offenen Brief an Füracker positionieren sich deren digitalpolitischer Sprecher, Johannes Schätzl, der Landesvorsitzende der BayernSPD, Sebastian Roloff, und die Vorsitzende der SPD-Landesgruppe Bayern, Carolin Wagner, „gegen die Entscheidung, zentrale staatliche IT-Strukturen langfristig und ohne strategische Alternativenbewertung an einen einzelnen Anbieter zu binden“.
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Füracker habe auf das Schreiben bislang nicht reagiert, sagt Carolin Wagner gegenüber netzpolitik.org, „ich bin mir aber sicher, dass er es gelesen hat“. An ihren Forderungen hält sie weiterhin fest: „Wir werden als Bundesrepublik nicht digital souverän, wenn die Bundesländer nicht souverän werden und dafür gilt es jetzt in München die Weichen zu stellen.“ Andernfalls setze Microsofts „monopolistische Stellung“ die öffentliche Verwaltung weiterhin „einer schutzlosen Preisgestaltung“ aus, warnt die SPD-Politikerin.
Souveränität as a service
Von der Forderung nach digitaler Souveränität hält der Politikwissenschaftler Thorsten Thiel von der Universität Erfurt indes wenig. Der Begriff führe viele, teils widersprüchliche Interessen zusammen und verschleiere, worum es im Kern eigentlich gehen sollte: eine öffentliche digitale Infrastruktur, die Politik und Zivilgesellschaft demokratisch gestalten.
Eines der Hauptprobleme sieht er darin, dass die Politik digitale Souveränität bestellt und die Wirtschaft liefert. Amazon, Google und Microsoft bieten inzwischen vermeintlich souveräne Cloud-Lösungen an – ohne dass die darin gespeicherten Daten tatsächlich sicher vor einem Zugriff durch US-Behörden sind. Souveränität sei so längst zu einem Service geworden, den Tech-Konzerne anbieten, sagt Thiel. In der Forschung wird dies als sovereignty-as-a-service bezeichnet.
Gleichzeitig greifen die Unternehmen gezielt in die Debatte darum ein, was digitale Souveränität bedeutet. „Sie eignen sich die Bedeutungen des zivilgesellschaftlichen Konzepts gezielt an und höhlen es aus“, sagt Thiel gegenüber netzpolitik.org. In der Folge entkämen sie auch einer schärferen Kontrolle und Regulierung durch die Politik.
„Wir sollten daher nicht danach fragen, ob das betreffende IT-Produkt nach Standard XY souverän ist“, sagt Thiel. Viel wichtiger sei die Frage, wie sehr wir uns binden, wenn wir eine bestimmte Software in der öffentlichen Verwaltung einsetzen.
Bei den Plänen Fürackers geht es aus Sicht des Politikwissenschaftlers um die Frage, ob in Bayern damit Alternativen verhindert werden. Thiel fordert daher positive Gegenbegriffe wie jenen der Interoperabilität. Der Begriff beschreibt die Fähigkeit verschiedener digitaler Systeme, miteinander zusammenzuspielen und Daten auszutauschen. Proprietäre Software verhindere dies in der Regel.
Datenschutz & Sicherheit
Qnap-NAS: Unbefugte Dateisystemzugriffe möglich | heise online
Fünf Schwachstellen gefährden Netzwerkspeicher (NAS) von Qnap. Die Lücken stecken in den Betriebssystemen QTS und QuTS hero. Nach erfolgreichen Attacken kommt es etwa zu DoS-Zuständen und somit zu Abstürzen.
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Mehrere Schwachstellen geschlossen
Am gefährlichsten gilt einer Warnmeldung zufolge eine „kritische“ Sicherheitslücke (CVE-2025-66277), über die Angreifer im Zuge einer Path-Traversal-Attacke auf eigentlich geschützte Bereiche des Dateisystems zugreifen können. Was dann konkret geschieht, ist derzeit nicht bekannt. Aufgrund der kritischen Einstufung ist aber davon auszugehen, dass Systeme danach als kompromittiert gelten.
Aus einer weiteren Warnmeldung geht hervor, dass die DoS-Lücken mit „mittel“ und „niedrig“ (CVE-2025-47205, CVE-2025-58466, CVE-2025-66274, CVE-2025-59386, CVE-2025-48725) eingestuft sind. Bislang gibt es keine Berichte, dass Angreifer die Schwachstellen bereits ausnutzen. Die Entwickler versichern, die Sicherheitsprobleme in QTS 5.2.8.3350 build 20251216, QuTS hero h5.2.8.3350 build 20251216 und QuTS hero h5.3.2.3354 build 20251225 gelöst zu haben.
(des)
Datenschutz & Sicherheit
Posteo und Mailbox.org: Viele Behörden schaffen keine verschlüsselten Anfragen
Die auf Datenschutz spezialisierten Mailanbieter Mailbox.org und Posteo haben laut ihren Transparenzberichten für 2025 zahlreiche Behördenanfragen abgewiesen, die nicht formal korrekt gestellt wurden. Mailbox.org hatte demnach fast 25 Prozent der Anfragen abgewiesen, meist, weil diese unverschlüsselt übertragen wurden. „Auch bei Auskunftsanfragen durch Behörden halten wir uns an die strengen Vorgaben der Bundesnetzagentur, die besagen, dass die Anfragen verschlüsselt vorgenommen werden müssen“, erklärte Balint Gyemant, Chief Product Officer von mailbox.
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Insgesamt erreichten Mailbox.org im Jahr 2025 74 Auskunftsanfragen, davon 63 per Mail und davon wiederum 27 unverschlüsselt. Weitere sechs waren aus sonstigen Gründen unrechtmäßig. „Erfreulich ist, dass uns 2025 erstmals keine Anfragen mehr per Fax erreichten. Dies war noch bis 2024 der Fall, obwohl Auskunftsanfragen per Fax eigentlich schon seit 2021 untersagt sind“, sagte Gyemant.
Der Großteil der Auskunftsanfragen an Mailbox.org kam von deutschen Behörden, nur drei stammten von anderen EU-Staaten und eine Anfrage kam von außerhalb der EU. 72 Anfragen wurden im Rahmen der Strafverfolgung gestellt, zwei durch Nachrichtendienste. Nur zwei bezogen sich auf eine Postfachbeschlagnahmung, bei allen anderen ging es um Bestandsdatenabfragen.
Immerhin scheint es bei manchen Behörden einen gewissen Lerneffekt zu geben: In 15 Fällen hätten Ermittlungsbehörden unverschlüsselt übertragene Anfragen nachträglich korrigiert, sodass mailbox.org insgesamt 56 Anfragen beantwortete. 18 Anfragen wurden aber nicht korrigiert und daher abgewiesen. Der Großteil der Anfragen sei 2025 wie im Vorjahr per E-Mail mit PGP verschlüsselt eingegangen. Im Vorjahr wies der Mailanbieter noch eine Quote der Abweisungen von 30 Prozent aus.
Posteo: 27 Beschwerden bei Datenschutzbeauftragten
Posteo zählt für das Jahr 2025 insgesamt 85 Ersuchen, bei denen man nach Prüfung durch die eigenen Anwälte 35 als nicht korrekt einstufte. Das entspricht einer Quote von rund 41 Prozent. Auch hier scheint die Verschlüsselung ihrer Anfragen ein Hindernis für viele Behörden darzustellen: Posteo gibt nämlich an, 2025 27 Beschwerden bei Landesdatenschutzbeauftragten oder Behörden wegen rechtswidrigem, unverschlüsseltem Übermitteln der Behördenersuchen eingereicht zu haben. Ebenfalls sind Beschwerden wegen rechtswidriger Ersuchen nach Verkehrsdaten wie IP-Adressen geplant.
Wie bei mailbox.org richtete sich auch bei Posteo die Mehrzahl der Anfragen, nämlich 72, auf Herausgabe von Bestandsdaten. In vier Fällen ging es um Postfachbeschlagnahmungen, bei zweien um TKÜ, also die Überwachung eines Postfachs für einen bestimmten Zeitraum. In sieben Fällen blieb unklar, was das Anliegen der Behörden war. Auch bei Posteo kamen mit 81 Ersuchen die deutliche Mehrheit von Strafverfolgungsbehörden, vier von Nachrichtendiensten. Mit 79 Anfragen stammte die Mehrzahl von deutschen Behörden.
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Anders als Mailbox.org nennt Posteo auch die Zahl der Fälle, in denen Daten herausgegeben wurden: 2025 waren es nur zwei, und zwar jeweils die Herausgabe von Inhaltsdaten im Rahmen einer TKÜ, die nach richterlichem Beschluss erfolgte. Herausgabe von Bestands- und Bezahldaten gab es keine, da die abgefragten Accounts offenbar anonym eingerichtet worden sind, was bei Posteo gegen Bargeldzahlung per Post möglich ist.
Posteo veröffentlicht seit 2014 seine Transparenzberichte und beklagt seitdem auch die Missstände bei Anfragen durch die Behörden, etwa weil darin sensible Daten unverschlüsselt übertragen wurden, die Ersuchen an den Kundensupport gingen und Ähnliches. Einige Fälle finden sich auf der Seite des Transparenzberichts dokumentiert.
Behörden nutzen selber Tuta-Accounts
Anders ist die Lage beim ebenfalls auf Datenschutz ausgerichteten Hannoveraner Mail-Anbieter Tuta (ehemals Tutanota). Der aktualisiert seinen Transparenzbericht halbjährlich und hat laut Zahlen von Anfang Januar insgesamt 75 Prozent aller Behördenersuchen abgewiesen. Die meisten Anfragen gehen auch hier auf Bestandsdaten, im zweiten Halbjahr 2025 waren es 165 Anfragen, bei denen in 19 Fällen Bestandsdaten freigegeben wurden.
Allerdings erfasst Tuta die Gründe für die Ablehnung nicht systematisch, erklärte eine Sprecherin des Unternehmens. Überwiegend würden keine Daten ausgeliefert, weil der angefragte Account nicht oder nicht mehr existiere oder weil die Anfrage fehlerhaft beziehungsweise ungerechtfertigt sei. Das Problem mit unverschlüsselten Anfragen komme allerdings fast gar nicht vor, da die Behörden sich selbst einen Tuta-Account erstellen. Damit könnten sowohl die Anfrage als auch die Auslieferung von Daten Ende-zu-Ende-verschlüsselt per Tuta Mail stattfinden.
(axk)
Datenschutz & Sicherheit
Jetzt patchen! Angreifer attackieren BeyondTrust-Fernwartungslösungen
Admins, die PCs in Firmen mit BeyondTrust Remote Support oder Privileged Remote Access verwalten, sollten die Fernwartungssoftware umgehend auf den aktuellen Stand bringen. Derzeit nutzen Angreifer eine Schwachstelle aus, über die Schadcode auf Systeme gelangt.
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Hintergründe
Vor den Attacken warnt ein Sicherheitsforscher von watchTowr auf X. Er weist darauf hin, dass, wenn Systeme nicht gepatcht sind, sie mit hoher Wahrscheinlichkeit kompromittiert sind. Entdeckt haben die „kritische“ Lücke (CVE-2026-1731) Sicherheitsforscher von Hacktron.
Die gegen die derzeit laufenden Attacken abgesicherten Versionen Remote Support 25.3.2 und Privileged Remote Access 25.1.1 sind seit wenigen Tagen verfügbar, aber offensichtlich noch nicht flächendeckend installiert. Weil der Support für Versionen vor 21.3 und 22.1 eingestellt wurde, gibt es keine Sicherheitspatches mehr. Erst nach einem Upgrade auf eine aktuelle Version stehen die Updates zum Download bereit.
Bei SaaS-Kunden wurden die Patches seitens des Softwareherstellers installiert. Admins von On-Prem-Instanzen müssen jetzt handeln. Die Sicherheitsforscher von Hacktron geben an, dass rund 8500 potenziell verwundbare On-Prem-Instanzen öffentlich erreichbar sind.
Attacken sollen aus der Ferne und ohne Authentifizierung möglich sein. Im Anschluss können Angreifer die volle Kontrolle über Computer erlangen. Dabei sollen Angreifer get_portal_info auslesen, um Zugriff auf X-Ns-Company-Identifier zu bekommen. Im Anschluss richten sie einen WebSocket ein. Danach können sie Schadcode ausführen. In welchem Umfang die Attacken ablaufen, ist derzeit nicht bekannt. Unklar ist auch, an welchen konkreten Parametern Admins bereits attackierte Instanzen erkennen können.
(des)
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