Künstliche Intelligenz
Bitkom-Bildungskonferenz: Auf Ruinen lässt es sich leichter bauen
Die diesjährige Bitkom-Bildungskonferenz geht von Anfang an hart mit dem aktuellen Status des deutschen Bildungssystems ins Gericht. Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst stellte klar, dass das aktuelle Bildungssystem nicht mehr dem Wohlstandserhalt Deutschlands dient. Davon kündeten etwa die mittlerweile chronisch enttäuschenden PISA-Ergebnisse. Wichtig sei deshalb das Zusammenbringen von „Innovationen und Verantwortung“.
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Drei Punkte für einen Kurswechsel in der Bildung stellte er besonders heraus. Die Ausstattung der Schulen müsse verbessert beziehungsweise an die heutige Zeit angepasst werden. Zudem solle Künstliche Intelligenz in der Schule vermittelt und genutzt werden. Und die Vermittlung von Medienkompetenz in Bildungseinrichtungen sei besonders wichtig. Um das hinzubekommen, müsse Deutschland allerdings auch an seinem Tempo arbeiten. Veränderungen würden zwar angestoßen, andere Länder seien aber schlicht schneller als die Bundesrepublik.
Einigkeit, ungleiches Recht und …
Dass der Bitkom dies nicht allein so sieht, unterstrich schon das erste Panel des Tages. Bedeutungsschwanger fragte der Titel: „Digitales in der Krise? Bildungspolitik neu denken“. Wie im Bildungskontext üblich wurden die Beteiligten zu Beginn um eine Benotung des aktuellen Bildungssystems gebeten. Prof. Dr. Samuel Greiff vom Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien, Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbands, und Katharina Günther-Wünsch (CDU), Senatorin für Bildung, Jugend und Familie des Landes Berlin, konnten sich mit nur teils stark verkniffenen Mienen Abstufungen der Note „befriedigend“ abringen lassen. Amy Kirchhoff von der Bundesschülerkonferenz zog das Pflaster hingegen rasch ab und verteilte gerade so 6 Punkte – eine 4+ (ausreichend). Der Moderator fasste dies mit einer großen Portion Galgenhumor zusammen: Das System ist (offenbar) so schlecht, dass wenigstens noch Verbesserungen möglich sind. Das ist ein bisschen so, als würde man sagen: Ruinen nehmen uns einen Großteil der Abrissarbeiten ab und der Neuaufbau wird durch die kleine Zahl der noch heilen Gebäude, die wir berücksichtigen sollten, gleich viel einfacher. So einfach ist es dann aber doch nicht.
Einig sind sich Bitkom und die ersten Geladenen, dass die datengestützte Schulentwicklung – etwa bekannt aus Kanada – ein Schritt in die richtige Richtung sein könnte. Nötig seien dafür auch Schüler-IDs, um Bildungsverläufe richtig verstehen und bessern zu können. Das Curriculum müsste auch auf den Prüfstand, um Platz für Modernes zu machen. Lehrkräfte müssten entsprechende Fortbildungen genießen, damit es nicht zu Kirchhoffs anschaulichem Beispiel kommt, dass es zwar nun Notebooks in den Schulen gibt, Lehrkräfte diese aber nicht benutzen können. Am Datenschutz könne auch geschraubt, zumindest das System „One for all“ etabliert werden (ein Bundesland prüft, andere übernehmen). Diese Forderungen sind nicht neu, aber aufgrund langsamer Transformationsgeschwindigkeit bleiben sie auf der To-do-Liste.
Die Kritik am Grundsätzlichen wurde mit viel Nachdruck vorgebracht: Deutschland packe die Digitalisierung im Schulsystem immer noch falsch an. Symptome dieser Denke seien der DigitalPakt Schule (I) und der neue DigitalPakt (2.0). Statt Digitalisierung systematisch in das Bildungssystem zu integrieren und auch die Infrastruktur und Pflege dauerhaft zu finanzieren, werde immer noch projektbezogen und mit zeitlich limitierten Geldtöpfen hantiert. Deren Fülle und Ausgestaltung landen dadurch immer schon nach kurzer Zeit auf den Verhandlungstischen und werden je nach Weltlage und Bund-Landesbefinden konstruiert. Stetigkeit und Verstetigung sind hier die gesuchten Schlüsselwörter. Um in Bildern des Systems zu bleiben: Ein modernes Schulsystem behandelt Digitalität nicht nur wie eine Schul-AG am Nachmittag. Digitalität mit all ihren Implikationen gehört in die Schulentwicklung und -ausstattung sowie ins Curriculum und braucht feste Haushaltsposten.
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Die Bitkom-Bildungskonferenz findet am 15. und 16. April 2026 statt und kann online verfolgt werden.
(kbe)