Datenschutz & Sicherheit
Bodycams an Rettungskräften sind überflüssig
Die Berliner Feuerwehr wird gerade zunehmend mit Bodycams ausgerüstet. Dabei halten die meisten der Einsatzkräfte das für eine richtig lausige Idee. Im Oktober 2024 erschien eine Auswertung zum Einsatz der am Körper getragenen Kameras in Berlin. Darin heißt es: „Die befragten Feuerwehrleute äußerten sich ganz überwiegend besorgt darüber, welchen Einfluss die Bodycam auf die Beziehung zu ihren Patient:innen hat, und stuften das neue Einsatzmittel deshalb mehrheitlich als kontraproduktiv ein.“
Menschen rufen den Notdienst in Extremsituationen, die oft mit Scham behaftet sind. Feuerwehrleute erhalten Einblick in körperliche und psychische Leiden und auch in die Lebensumstände derer, die sie gerufen haben. Sie haben ein Vertrauensverhältnis zu den Menschen, denen sie helfen. Wenn dann plötzlich eine Kamera dabei ist, kann das Angst und Ablehnung auslösen und die Hilfe erschweren, so die Argumentation der Feuerwehrleute.
Dennoch wurden 2025 für die Berliner Feuerwehr 700 Bodycams beschafft, 256 sind bereits im Einsatz. Für ihre Nutzung geschult wurden bereits 2.160 Mitarbeitende. Es ist zu erwarten, dass das Instrument weiter ausgerollt wird.
Keine Aufnahme relevant
Nun kam aber heraus: Das Tragen der Bodycams tut nicht das, was es soll. Mit den Geräten sollen Angriffe auf Einsatzkräfte dokumentiert werden. In 307 Fällen zeichneten Feuerwehrleute Situationen auf, keine einzige dieser Aufnahmen wurde in einer rechtlichen Auseinandersetzung relevant. Ein möglicher abschreckender Effekt auf potenzielle Gewalttäter*innen ist nicht belegt.
Das ergab eine Kleine Anfrage von Vasili Franco, innenpolitischer Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, die netzpolitik.org vorab vorliegt. Er sagt: „Obwohl die Berliner Bodycamstudie den Einsatz im Rettungsdienst eindeutig als kontraproduktiv bewertet hat, hält der Senat aus ideologischen Gründen daran fest.“
Auch die Berliner Polizei setzt Bodycams ein. 2025 hat das Land für Feuerwehr und Polizei zusammen 3.000 Bodycams für rund zwei Millionen Euro angeschafft.
Bodycams könnten theoretisch auch ein Werkzeug sein, um die Rechtmäßigkeit von Polizeieinsätzen zu überprüfen. Bislang liegt die Frage, ob die Bodycam aufzeichnet, allerdings im relativ freien Ermessen der Beamt*innen. Es wäre möglich, die Bodycam mit Sensoren zu verbinden, so dass sie automatisch anspringt, wenn Dienstpistole oder Taser gezückt werden, doch darauf verzichtet Berlin. Zu hoch seien die Kosten dafür.