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CFO – vom Kostenverwalter zum Wachstumstreiber


#Gastbeitrag

Die Finanzabteilung wird zum Steuerungszentrum und ist zentral für Wachstum und Resilienz. 2026 wird klar zeigen, in welchen Unternehmen sich dieser Shift vollzieht, wo also Finanzteams gestalten statt zu verwalten. Ein Gastbeitrag von Gregory Herbert (Frisbii).

Der Einzug von KI in den Unternehmensalltag macht auch vor Finanzabteilungen nicht Halt. Sie stehen vor einem tiefgreifenden strukturellen Umbruch – und das in Zeiten, in denen wirtschaftliche Unsicherheit mit steigenden Anforderungen an Prozesse einhergeht. Das klare Ziel: Mehr Transparenz, mehr Effizienz und daraus resultierend eine größere Rentabilität zu schaffen. Damit steigt der Druck auf Finanzabteilungen und CFOs, die gemeinsam mit den genutzten Technologien stärker denn je im Fokus der Unternehmenssteuerung stehen. Die CFO-Rolle wandelt sich von der reinen Budget-Verwaltung zur aktiven Gestaltung des Unternehmenswachstums, indem es insbesondere darum geht, wiederkehrende Umsätze (Recurring Revenue) zu identifizieren und gezielt zu steuern.

Doch klassische Mittel und Wege reichen hierfür häufig nicht mehr aus: Excel und fragmentierte Tool-Landschaften stoßen an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit, KI und Plattformdenken versprechen einen Lösungsansatz – wenn sie sinnvoll eingesetzt werden.

Excel am Limit: Tool-Silos verhindern Transparenz und Steuerung

Was bedeutet das nun in der Praxis? Finanzverantwortliche müssen 2026 auf ein einheitliches ‘CFO-Betriebssystem’ für wiederkehrende Umsätze setzen, also eine zentrale Plattform, die Billing, Forecasting, Compliance und Payments zusammenführt, statt diese Prozesse weiterhin getrennt zu betrachten. Nur so lassen sich Kennzahlen wie Umsatz, Cashflow und Profit detailliert forecasten und als Entscheidungsgrundlage nutzen. CFOs sind sich dieser Anforderung bewusst: So planten laut dem „Global CFO Report 2025“ von FTI Consulting 87 Prozent der CFOs, KI-Tools noch innerhalb von 2025 einzusetzen – ein Signal dafür, dass die technologische Modernisierung der Finanzfunktion Priorität hat.

KI als operative Entscheidungsinstanz: Keine Kür sondern Pflicht

Die klare Zielsetzung an dieser Stelle: KI als operative Entscheidungsinstanz einzusetzen und damit eine klare Abgrenzung zu klassischen Business Intelligence-Prozessen zu schaffen. Statt also ausschließlich basierend auf zurückliegenden Informationen zu handeln, geht der Trend hin zu ganz konkreten und vor allem umsetzbaren strategischen KI-Empfehlungen, darunter das Forecasting von Cashflow, aber auch Vorhersagen zum Churn, Vorschläge zur Preisoptimierung oder der Bewertung des Lifetime Values. Kurz gesagt: Predictive und Prescriptive Finance werden Entscheidungen maßgeblich beeinflussen – und zwar in Echtzeit. Laut Gartner etwa werden 60 bis 70 Prozent der Finanzteams 2026 zentrale Umsatzprozesse mithilfe von KI automatisieren.

Pricing wird von einer Marketing- zu einer Finanzdisziplin

Für die Planung und Verwaltung von Recurring Revenue bedeutet das ganz konkret: Wir werden künftig viel mehr flexible, nutzungsbasierte und personalisierte Preis- und Abomodelle sehen, die als Hebel für die Kundenbindung eingesetzt werden, um so wiederkehrende Umsätze zu stärken. Die Flexibilität wird zum entscheidenden Punkt für die Customer Retention. CFOs und ihre Teams verbuchen und forecasten also nicht mehr nur Umsätze, sondern entscheiden aktiv mit, wie Produkte bepreist, paketiert, abgerechnet und weiterentwickelt werden. Damit ist das Pricing keine reine Produkt- oder Sales-Frage mehr und bewegt sich außerhalb der klassischen ‘4P’ des Marketing.

Was es für Finance bedeutet, wenn KI einkauft

Allerdings verändern sich nicht nur interne Prozesse und nehmen Einfluss auf den Wirkungsgrad von Finanzabteilungen: CFOs und ihre Teams müssen auch externe Rahmenbedingungen aktiv einbeziehen. Ein Beispiel: Während Europa digitale Souveränität zur strategischen Priorität macht, prägen globale KI-Ökosysteme längst, wie Kund:innen einkaufen und Zahlungen abwickeln. ChatGPT und andere Conversational-AI-Systeme werden zunehmend zu Rate gezogen und beeinflussen Kaufentscheidungen. So zeigt eine aktuelle Studie von Mastercard, dass bereits heute vier von zehn deutschen Verbraucher:innen offen sind für den Einsatz von KI-Agenten, wenn sie online einkaufen, bei den unter 39-Jährigen sind es sogar 56 Prozent. Diese externen Faktoren beeinflussen Billing, Forecasting und Revenue-Reporting – und erweitern die Rolle der Finanzabteilung strategisch, sodass sie im Spannungsfeld zwischen Regulierung, Technologie und Kundenverhalten Entscheidungen treffen muss.

Warum CFOs zu Architekt:innen eines neuen Finanzökosystems werden

Zusammengefasst ist das tl;dr dieser Trends: Die Finanzabteilung wird mehr und mehr zum strategischen Steuerungszentrum und ist zentral für Wachstum und Resilienz. 2026 wird klar zeigen, in welchen Unternehmen sich dieser Shift in der Finanzabteilung vollzieht, wo also Finanzteams gestalten statt zu verwalten. Die Erfolgsfaktoren für diesen Umbruch sind einfach zu benennen: Integrierte Systeme, KI-gestützte Entscheidungen, flexible Monetarisierung. Nur so können CFOs tatsächlich zu Architekt:innen eines neuen Finanzökosystems werden.

Über den Autor
Gregory Herbert ist CEO von Frisbii.

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Foto (oben): KI



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