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„Chat is dead“: OpenAI plant größte Umgestaltung von ChatGPT seit 2022

OpenAI bereitet Berichten zufolge die größte Neuausrichtung von ChatGPT seit dessen Einführung 2022 vor. Der Chatbot soll schrittweise von einer reinen Frage-und-Antwort-Plattform zu einer umfassenden KI-Anwendung weiterentwickelt werden. Mit diesem Kurswechsel reagiert das Unternehmen auf den zunehmenden Wettbewerb im KI-Markt.
KI-Agenten sind die Zukunft
Laut einem Bericht der Financial Times sieht OpenAI die Zukunft künstlicher Intelligenz nicht länger in klassischen Chatbots, sondern in KI-Agenten. Diese sollen künftig zunehmend eigenständig auch komplexe Aufgaben übernehmen, anstatt lediglich wie bisher nur Antworten auf Fragen zu liefern. Darin sieht das Unternehmen das deutlich größere Potenzial, auch mit Blick auf die wirtschaftlichen Aspekt. Ein ranghoher Mitarbeiter brachte diese Entwicklung intern mit den Worten „Chat is dead“ auf den Punkt und verdeutlichte damit den Strategiewechsel innerhalb des Unternehmens.
Eine zentrale Rolle bei dieser Transformation soll Codex, OpenAIs Plattform für Programmierung und Softwareentwicklung, einnehmen. Obwohl OpenAI beim Start im Februar deutlich hinter anderen Anbietern zurückgelegen hatte, verzeichnete der KI-Agent im weiteren Verlauf ein hohes Wachstum und kann mittlerweile mehr als fünf Millionen wöchentlich aktive Nutzer auf sich verbuchen. Intern gilt Codex als eine der wichtigsten Einnahmequellen des Unternehmens, da Programmierwerkzeuge und produktive KI-Anwendungen deutlich höhere Erlösmöglichkeiten versprechen als die kostenlose Nutzung von ChatGPT. Entsprechend sollen Codex und verwandte Funktionen künftig deutlich stärker in den Mittelpunkt der Plattform rücken.
Erste Auswirkungen stehen bevor
Erste Folgen der neuen Strategie sollen bereits in den kommenden Wochen sichtbar werden. Geplant sind Anpassungen an der Website sowie an den mobilen ChatGPT-Anwendungen. Darüber hinaus soll OpenAI offenbar an einer engeren Einbindung von Partnerdiensten arbeiten. Langfristig soll die KI selbstständig erkennen, welche Aufgabe ein Nutzer erledigen möchte, und automatisch die passenden Werkzeuge oder Dienste bereitstellen, ohne dass zwischen verschiedenen Anwendungen gewechselt werden muss.
Damit nähert OpenAI das eigene Geschäftsmodell zunehmend der Strategie des direkten Konkurrenten Anthropic an, der sich bereits früh auf Geschäftskunden konzentriert hatte – ein Ansatz, der sich als erfolgreich erwiesen hat. Nach Einschätzung von Jenny Xiao, Partnerin bei Leonis Capital und ehemalige Forscherin bei OpenAI, verfolgen dem Bericht zufolge inzwischen sowohl OpenAI als auch Anthropic das Ziel, ihre Geschäftsmodelle stärker auf Profitabilität auszurichten und sich für mögliche Börsengänge attraktiv zu positionieren.
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Auch intern hat das Unternehmen mit der Neuorganisation bestehender Strukturen die Voraussetzungen geschaffen, neue Wege einzuschlagen. So wurden unter anderem Codex und weitere Anwendungen unter einer gemeinsamen Führung gebündelt, während gleichzeitig mehrere hochrangige Führungskräfte das Unternehmen verlassen haben. Auch diese Veränderungen verdeutlichen, dass OpenAI den Bereich der Unternehmenskunden als wichtigen Faktor für das weitere Wachstum erkannt zu haben scheint.
Eine App für alles
Hinter all diesen Maßnahmen dürfte die langfristige Vision stehen, ChatGPT von einem einzelnen Produkt zu einer universellen KI-Plattform weiterzuentwickeln. OpenAI geht davon aus, dass die Grenzen zwischen Chatbots, Suchmaschinen, Programmierwerkzeugen, Produktivitätssoftware und digitalen Assistenten künftig zunehmend verschwimmen werden. Statt zahlreiche unterschiedliche Anwendungen zu nutzen, könnten Anwender künftig mit einer einzigen KI interagieren, die sämtliche Aufgaben koordiniert und ausführt. OpenAI-Manager Alex Embiricos geht sogar davon aus, dass in einer Zukunft mit sehr leistungsfähiger künstlicher Intelligenz die Vielzahl eigenständiger Software-Marken weitgehend verschwinden könnte, weil Nutzer ihre Anforderungen direkt an einen zentralen digitalen Assistenten richten.