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Chipkrise: Nexperia stoppt Ausfuhr von Wafern nach China


Die Lieferprobleme rund um den niederländischen Chiphersteller Nexperia mit Folgen vor allem für die deutsche Autoindustrie könnten zunehmen. Wie die Deutsche Presse-Agentur und die Nachrichtenagentur Reuters berichten, hat Nexperia die Lieferung von Vorprodukten, sogenannten Wafern, an sein chinesisches Montagewerk ausgesetzt.

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Das Unternehmen bestätigte, dass Kunden von Nexperia über den Schritt per Brief informiert worden seien. Weitere Angaben lehnte das Unternehmen ab. Halbleiter-Wafer sind für die Herstellung von Chips von großer Bedeutung.

In dem von Interimschef Stefan Tilger unterzeichneten Schreiben erklärt Nexperia den Angaben zufolge, dass es die Lieferung von Wafern an seinen Montage- und Teststandort im chinesischen Dongguan mit Wirkung zum 26. Oktober ausgesetzt habe.

Als Grund werde angegeben, dass „das lokale Management sich nicht an seine Zahlungsverpflichtungen gehalten hat“. Die Lieferungen würden wieder aufgenommen, sobald die Verpflichtungen vollständig erfüllt seien.

Nexperia betreibt zwar wichtige Chipfabriken in Europa (Hamburg und Manchester), ist aber für mehr als 60 Prozent seiner Stückzahlen auf sogenannte Test- und Assembly-Werke in China (Dongguan) und Malaysia angewiesen. Denn ein nackter Chip von einem Wafer – ein sogenanntes Die – ist nutzlos. Ein Halbleiterbauelement wird erst daraus, indem eine Firma das Die prüft und in ein zur Anwendung passendes Gehäuse (Package) einbaut.

Nexperia bekräftigte zudem, dass es an alternativen Lösungen arbeite, um die Lieferungen an seine Kunden sicherzustellen. Das niederländische Wirtschaftsministerium wollte sich nicht zu dem Lieferstopp äußern.

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Die Lieferprobleme bei Nexperia entstanden, nachdem die niederländische Regierung die Kontrolle über die von einer chinesischen Konzernmutter geführten Firma mit Sitz in Nimwegen übernommen hatte. China stoppte daraufhin die Ausfuhr von Nexperia-Produkten wie Chips für die Autoindustrie. Hier drohen dadurch Produktionsausfälle.

Zum jetzigen Wafer-Lieferstopp sagte die niederländische Regierung der Agentur Reuters, dass es sich hierbei um eine unternehmerische Entscheidung handele, während staatliche Eingriffe „die Erhaltung der Produktionskapazitäten betreffen und nicht auf den täglichen Geschäftsbetrieb des Unternehmens abzielen“. Fragen zu dem Vorgang beantwortete die Regierung nicht, verwies stattdessen auf Nexperia.

Nach einem Treffen mit Nexperia sagte EU-Kommissionsvizepräsidentin Henna Virkkunen, es sei offensichtlich, dass Europas Lieferkette nicht über die erforderliche Widerstandsfähigkeit verfügt. „Wir müssen die notwendigen Lehren daraus ziehen“, so die Finnin auf der Plattform Mastodon.

So nehme man für die Überarbeitung des europäischen Chip-Gesetzes mit, dass die Bevorratung und Diversifizierung der Versorgung für die Widerstandsfähigkeit von entscheidender Bedeutung sei. Mögliche Versorgungsengpässe müssten durch einen besseren Informationsaustausch antizipiert werden. Und: „Investitionen in die Versorgungssicherheit sind mit Kosten verbunden, aber der Preis, den man für mangelnde Widerstandsfähigkeit zahlen muss, ist noch höher.“

2023 hatten sich die EU-Staaten und das Europaparlament darauf geeinigt, mit Milliardeninvestitionen den Ausbau der Mikrochipindustrie in der EU voranzutreiben. Ziel des Chip-Gesetzes ist es auch, dass der EU-Anteil auf dem Weltmarkt für Chips bis 2030 von knapp 10 auf 20 Prozent wächst. Derzeit läuft ein Überprüfungsprozess des Gesetzes.


(nen)



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Artemis-Mission: Warum eine ehemalige Astronautin Kritik an den Raumanzügen übt


Die Artemis-II-Mission, die in wenigen Wochen stattfinden soll, ist „lediglich“ ein Fly-around-Manöver. Heißt: Die vier an Bord befindlichen Astronauten werden nicht auf dem Mond landen. Das soll sich bei erfolgreichem Abschluss der Mission aber langfristig ändern. Künftig sollen Astronauten wieder den Erdtrabanten beschreiten und dort wichtige Forschungsarbeiten vornehmen.

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Damit sie auf dem Mond ausreichend vor den harschen Gegebenheiten des Weltalls geschützt sind, arbeitet die Nasa in Zusammenarbeit mit Axiom seit geraumer Zeit an neuen Raumanzügen für die Artemis-Crew. Diese werden unter anderem im Neural Buoyancy Laboratory in Houston, Texas, unter Wasser auf ihre Einsatzfähigkeiten getestet. Die ehemalige Nasa-Astronautin Kate Rubins sieht aber noch einige Probleme, die es bei den neuen Anzügen zu lösen gilt.

Rubins war von 2009 bis 2025 Nasa-Astronautin und hat in dieser Zeit rund 300 Tage im Weltall verbracht. Insgesamt hat sie in ihrer Laufbahn vier sogenannte EVAs (extravehicular activities) – also Weltraumspaziergänge – durchgeführt. Deren Missionszeit allein belief sich auf knapp 27 Stunden. Die erfahrene Weltraumreisende kritisiert bei den neuen Anzügen vorwiegend das Gewicht und die Flexibilität. Die Axiom-Raumanzüge wiegen in der aktuellen Version rund 140 Kilogramm, frühere Versionen kamen sogar auf über 180 Kilogramm.

In einem Panel (via Ars Technica) sagte Rubins dazu: „Ich mache Crossfit. Ich mache Triathlons. Ich mache Marathons. Ich komme aus einer Session im Pool des NBL mit dem Mondanzug unter Wasser und ich will einfach nur nach Hause und schlafen. Ich bin völlig ausgepowert. Man bekommt blaue Flecke. Es ist ein extremes physisches Ereignis, das auf der Raumstation so nicht vorkommt.“

Rubins betont, dass Astronauten auf der ISS die meiste Zeit ohne große körperliche Belastung in Schwerelosigkeit herumschweben. Nur gelegentlich stehen Weltraumspaziergänge an, die sie enorm fordern. Dazu steht die Arbeit auf dem Mond im starken Kontrast: „Sobald wir auf die Mondoberfläche kommen, wird es Schlafschichten geben. Sie werden kaum Schlaf bekommen. Sie werden in diesen Anzügen für acht bis neun Stunden am Stück sein. Es wird jeden Tag EVAs geben. Die EVAs, die ich auf meinen Flügen absolviert habe, waren wie ein Marathon und dann ein weiterer Marathon, wenn man damit fertig ist.“

Auch Mike Barratt, Nasa-Astronaut und Mediziner, sieht das Gewicht der Anzüge als Problem: „Wir haben definitiv körperliche Schäden durch die Anzüge gesehen. […] Diese reichen von Hautabschürfungen über Gelenkschmerzen bis zu – kein Scherz – orthopädischen Schäden. Man kann sich definitiv einen Bruch zuziehen. EVAs auf der Mondoberfläche mit schwer beladenen Anzügen und schwerer Last, die getragen werden muss oder Werkzeugen, mit denen man interagiert, sind ein Problem.“

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Ein Grund, warum die Anzüge so schwer geworden sind, sind die zahlreichen Gelenke, die den Astronauten mehr Flexibilität ermöglichen sollen. Rubins sagt dazu: „Sie sind definitiv besser als die Anzüge der Apollo-Mission. Sie waren nur große Kissen mit Luft. Die Gelenke gab es nicht, also war es schwerer, sich zu bewegen. Sie hatten aber den Vorteil, dass sie viel leichter waren, als die aktuellen Anzüge.“

Trotz der Gelenke gäbe es laut Rubins aber weiterhin Probleme bei der Flexibilität. Wenn sich Astronauten nach vorn beugen, um etwas von der Mondoberfläche aufzuheben, wird das Material des Raumanzugs einfach zusammengedrückt. Astronauten müssen also zusätzliche Kraft aufwenden, um das Material zu verdichten. Auch bei einem Sturz und dem anschließenden Aufrichten ist nicht nur das Gewicht, sondern auch das Material im Weg: „Man muss im Grunde einen Sprung aus einem Liegestütz heraus machen … Ein riskantes Manöver, das wir im Training immer wieder durchgehen.“

Als eine mögliche Lösung für die Probleme sieht Rubins den Einsatz von Stäben, die als Stütze beim Laufen und beim Herunterbeugen dienen: „Dadurch muss ich mich nicht gleichzeitig darauf konzentrieren, den Anzug zusammenzudrücken und meine Balance zu halten.“ Abschließend sagt die erfahrene Astronautin, dass das jetzige Design der Anzüge eine gute Grundlage ist, auf der aufgebaut werden muss. Einige der Anpassungen dürften dabei spätestens nach Artemis III im nächsten Jahr anfallen, bei der die erste bemannte Mondlandung seit Apollo 17 stattfinden soll.

Dieser Beitrag ist zuerst auf t3n.de erschienen.


(jle)



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SAP-Aktie stürzt ab – CEO Klein: „Egal, was der Markt meint“


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This article is also available in
English.

It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

SAP ist aktuell nicht mehr das teuerste DAX-Unternehmen. Siemens zog am Donnerstag an dem Walldorfer Softwarekonzern bei der Marktkapitalisierung vorbei, nachdem SAPs Aktienkurs um bis zu sechzehn Prozent absackte. Auslöser für den derben Einbruch war die Veröffentlichung der Ergebnisse für das vierte Quartal und das Geschäftsjahr 2025 – dabei insbesondere die Entwicklung des Current Cloud Backlog (CCB).

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Dabei wirkt die vorgelegte Bilanz auf den ersten Blick recht solide. Die Ergebnisse folgen weithin den Erwartungen. Die Umsatzerlöse erhöhten sich im Schlussquartal 2025 um drei Prozent auf 9,68 Milliarden Euro. Währungsbereinigt wurde ein Plus von neun Prozent ermittelt. Das Betriebsergebnis erhöhte sich um 27 Prozent auf 2,55 Milliarden Euro. Die operative Marge erhöhte sich um 4,9 Prozentpunkte auf 26,4 Prozent. Der Gewinn nach Steuern legte um 17 Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Euro zu.

Im Gesamtjahr erhöhten sich die Umsatzerlöse um 8 Prozent (währungsbereinigt: 11 Prozent) auf 36,8 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis und der Nettogewinn konnten mit 9,83 Milliarden Euro beziehungsweise 7,49 Milliarden Euro mehr als verdoppelt werden, da die hohen Restrukturierungskosten aus dem Jahr 2024 als Belastungsfaktor wegfielen.

Der zweite Blick offenbart indes die Schwächen im geschäftlichen Verlauf. Die Wachstumsdynamik im Cloudgeschäft, einstmals treibende Kraft hinter dem Höhenflug der SAP-Papiere, verliert weiter an Fahrt. Mit 5,61 Milliarden Euro legten die Clouderlöse im Schlussquartal lediglich um neunzehn Prozent zu. Im vorjährigen Berichtszeitraum betrug das Plus noch 27 Prozent.

Im Gesamtjahr erhöhten sich die Erlöse zwar um 23 Prozent auf 21,02 Milliarden Euro und lagen bei währungsbereinigter Betrachtung mit plus 26 Prozent auf 21,66 Milliarden Euro am unteren Ende des angepassten Ausblicks vom 22. Oktober. Der Cloud-Auftragsbestand (Total Cloud Backlog) betrug Ende des Jahres 77,29 Milliarden Euro und ist damit um 22 Prozent beziehungsweise – währungsbereinigt – um 30 Prozent gestiegen. Vor Jahresfrist belief sich die Zuwachsrate noch auf 43 Prozent beziehungsweise währungsbereinigt 40 Prozent.

Die Finanzanalysten verschreckte insbesondere die Entwicklung des Current Cloud Backlog – also des Auftragsbestands von Cloud-Diensten auf Zwölfmonats-Sicht. Er wuchs im vierten Quartal um 16 Prozent auf 21,05 Milliarden Euro, währungsbereinigt betrug der Zuwachs 25 Prozent. Die Werte lagen zum einen deutlich unter den Wachstumswerten des Vorjahres. Zum anderen wurde das selbst gesteckte Wachstumsziel von mindestens 26 Prozent verfehlt. Für das neue Geschäftsjahr erwartet SAP zudem, dass sich das währungsbereinigte Wachstum des Current Cloud Backlog weiter leicht abschwächen wird.

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Für die schwindende Wachstumsdynamik hatten SAP-Chef Christian Klein und der oberste Buchhalter Dominik Asam eine Reihe von Erklärungsversuchen parat. Beispielsweise hätten einige große Geschäftsabschlüsse, bei denen wegen der komplexen Umsetzung die Erlöse erst in zwei, drei Jahren stärker skalieren, das Wachstum gedämpft. Ähnliches gilt für Verträge mit staatlichen Institutionen, da diese aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Klauseln zur ordentlichen Kündigung nicht einfließen konnten.

Überhaupt dauern nach Ausführungen der Manager die Vertragsverhandlungen in regulierten Branchen länger, da angesichts der geopolitischen Lage die Souveränitäts-Thematik auf den Tisch komme. Grundsätzlich sieht SAP den Wunsch nach mehr Souveränität in der Cloud als Wachstumschance für die eigenen Produkte, wenn nun peu à peu entsprechende Infrastrukturangebote in den verschiedenen Ländern zertifiziert werden.

Dem Aktienkurs förderliche Überzeugungskraft haben diese Erklärungen offenbar ebenso wenig entfaltet wie die Ankündigung eines neuen, zweijährigen Aktienrückkaufprogramms mit einem Volumen von bis zu 10 Milliarden Euro. Der jetzige Kursrutsch schreibt letztlich eine schon vor Monaten einsetzende Abwärtsbewegung der SAP-Papiere fort. Genährt wird diese von der allgemeinen Befürchtung seitens der Investoren und Finanzanalysten, dass KI-Anwendungen Funktionen im Umfeld betrieblicher Anwendungen künftig automatisch erstellen beziehungsweise nachbilden.

Bei SAP sieht man das naturgemäß anders. Laut Klein soll Business AI, wie das KI-Angebot aus Walldorf heißt, in zwei Dritteln der Cloud-Vertragsabschlüsse im vierten Quartal enthalten sein. Überhaupt sieht der SAP-Chef den Konzern in einer einzigartigen Position, das KI-Rennen im betrieblichen Umfeld zu gewinnen. Unbeirrt hält der Manager an dem Credo fest, dass LLM zwar „super-gut“ für unstrukturierte Daten wäre – SAPs Business AI mit der Joule-Agenten-Plattform und der Business Data Cloud aber zur semantischen Vereinheitlichung betrieblicher Daten unabdingbar sei, um realen Nutzen für Unternehmen zu erschließen.

Schon jetzt sollen Firmen wie Siemens, DeAgostini oder Uniper in Teilbereichen deutliche Verbesserungen erzielt haben. Auf der Investorenseite verfangen will diese Erzählung indes nicht. Auch wenn der Aktienkurs derzeit nicht schön sei, will Klein seine Strategie durchziehen, „egal, was der Markt meint“. Er setzt darauf, dass SAP in der zweiten Welle zu den Siegern im KI-Rennen zählt – wenn erst einmal der Hype um die aufzubauende KI-Infrastruktur sich gelegt hat und der Wert für das Geschäft in den Fokus rückt.


(axk)



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Digital Health: Tausch weiterer E-Heilberufsausweise wegen Sicherheitslücke


Infolge der Umstellung der Verschlüsselung von RSA auf Elliptic Curve Cryptography (ECC) müssen zahlreiche Komponenten wie elektronische Heilberufsausweise ausgetauscht werden. Nach einer Fristverlängerung muss dies bis spätestens Ende Juni 2026 passieren. Einigen Ärzten, die bereits über ECC-Karten verfügen, droht jedoch ein weiterer Tausch: „Karten mit dem betroffenen Infineon-Chip, die das ECC-Verfahren nutzen, dürfen nur noch bis spätestens 30. Juni 2026 für qualifizierte elektronische Signaturen eingesetzt werden“, heißt es in der Information von D-Trust. Wie viele das betrifft, sagen die Verantwortlichen nicht.

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Die Gematik schreibt dazu: „Die Schwachstelle betrifft ausschließlich den Verschlüsselungsalgorithmus ECC eines Kartenproduktes eines bestimmten Herstellers und ist mittlerweile behoben. Alle betroffenen Karten sind also bereits ECC-fähig. Im Rahmen der Umstellung von RSA zu ECC wurden den Kund:innen Karten ausgeliefert, die nicht von der Schwachstelle betroffen sind“.

Die Maßnahmen erfolgen in enger Abstimmung zwischen BSI, Bundesnetzagentur und Gematik. Aus regulatorischen und technischen Gründen werden alle betroffenen eHBAs sukzessive bis zu dem genannten Datum gesperrt.

Betroffen sind eHBA der Generation 2.1 der Anbieter SHC+Care und D-Trust, die auf Karten des Herstellers Idemia mit Infineon-Chips basieren. Für diese Chips war im September 2024 eine Schwachstelle in der ECDSA-Implementierung der Infineon-Kryptobibliotheken bekannt geworden (EUCLEAK). Die Gematik entzog den betroffenen Karten daraufhin im Januar 2025 durch einen Verwaltungsakt die Zulassung.

Während D-Trust nach dem Entzug der Zulassung kurzfristig auf Karten des Herstellers Giesecke+Devrient umstellen konnte, ging SHC+Care juristisch gegen die Entscheidung der Gematik vor. Das Unternehmen klagte gegen den Zulassungsentzug der betroffenen Idemia-Karten und bekam vor dem Sozialgericht Schleswig Recht. Später bestätigte das Landessozialgericht Schleswig-Holstein das Urteil (Aktenzeichen: L 5 KR 38/25 B ER). Das Sozialgericht habe zudem festgestellt, dass die Telematikinfrastruktur selbst nicht betroffen sei und keine akute Gefahr bestehe.

Auch mit den betroffenen Karten ließen sich weiterhin gültige qualifizierte elektronische Signaturen erzeugen. Für die erfolgreiche Seitenkanalattacke EUCLEAK wären sowohl physischer Zugriff auf den Ausweis als auch die Kenntnis der individuellen PIN sowie Spezialausrüstung und Expertenwissen erforderlich.

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Nach Angaben von D-Trust lassen sich betroffene Karten einfach identifizieren: Auf der Rückseite ist der Schriftzug „Idemia“ aufgedruckt. Karten mit dem Schriftzug „G&D“ stammen vom Hersteller Giesecke+Devrient und sind nicht betroffen. Diese liefert D-Trust bereits seit Februar 2025 aus. Kunden mit betroffenen Karten werden laut D-Trust direkt per E-Mail informiert und müssen nicht selbst aktiv werden. Erste Ärzte sind nach Kenntnissen von heise online bereits von D-Trust informiert worden.

„Der Austausch der betroffenen eHBAs hat im Januar 2026 gestartet. Dafür werden alle Kundinnen und Kunden persönlich kontaktiert und über die Austauschmöglichkeiten informiert“, heißt es von D-Trust auf Anfrage. Betroffene könnten „ihren bisherigen eHBA kostenfrei gegen eine Ersatzkarte mit identischer Laufzeit eintauschen. Alternativ kann auch eine Folgekarte mit einer neuen Laufzeit von fünf Jahren bestellt werden. Für die meisten Berufsgruppen gilt für Folgekarten auch ein Preisnachlass von 20 Prozent. Ebenfalls von der Schwachstelle betroffene Signatur- und Siegelkarten der D-Trust wurden bereits bis Ende 2025 ausgetauscht“, so D-Trust und verwies auf seine FAQ.

Laut SHC betreffe der Austausch „nur einen begrenzten Teil der von uns ausgegebenen eHBA“. Der Austausch sei bereits 2025 gestartet. „Ein signifikanter Teil der betroffenen Karten wurde bereits ausgetauscht, die verbleibenden erfolgen sukzessive“. Das Unternehmen will sicherstellen, alle Karten vor Fristende auszutauschen. „Der Austausch erfolgt so, dass den betroffenen Kundinnen und Kunden keinerlei Nachteile finanzieller Art oder im Praxisbetrieb entstehen“, sagte SHC gegenüber heise online.


(mack)



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