Künstliche Intelligenz
Chips übertrumpfen Autos: Mexiko profitiert vom KI-Boom
Mexiko profitiert vom KI-Boom in den Vereinigten Staaten. Seine begehrten KI-Chips lässt Nvidia zwar größtenteils vom Auftragsfertiger TSMC in Taiwan produzieren; die Serverschränke für die Rechenzentren aber montiert der US-Chipkonzern zunehmend in Mexiko. Das berichtet die Germany Trade and Invest (GTAI), die Wirtschaftsförderungsagentur des Bundes.
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Der taiwanesische Auftragsfertiger Foxconn setzt dem Bericht zufolge in Mexikos zweitgrößter Stadt Guadalajara für Nvidia die KI-Server GB200 zusammen. Das Unternehmen hat dort in den vergangenen Jahren über sein Tochterunternehmen Ingrasys rund 400 Millionen US-Dollar in den Aufbau der Produktion der KI-Server investiert. Bislang stellte Foxconn, das bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten in Mexiko tätig ist, vor allem Konsumentenelektronik in Chihuahua, Tijuana und Ciudad Juárez an der Grenze zu den USA her.
Zahlreiche multinationale Unternehmen folgen diesem Geschäftsmodell: Sie importieren Hightech-Komponenten aus Asien, montieren sie in Mexiko und liefern anschließend in die USA. In Mexiko sind die Arbeitskräfte günstig, und das Land verfügt über viel Erfahrung in der Montage von Elektronikprodukten wie Fernsehern und Laptops. Vor allem aber ist Mexiko über das nordamerikanische Freihandelsabkommen USMCA mit dem US-amerikanischen und dem kanadischen Markt verbunden – ein enormer Standortvorteil.
Überraschende Zahlen
GTAI verweist auf überraschende Zahlen der mexikanischen Zentralbank. Demnach überstiegen die Exporte von Rechenprozessoren im vergangenen Jahr mit 69,4 Milliarden US-Dollar erstmals die von Autos mit 58,6 Milliarden US-Dollar – ein Trend, der sich in diesem Jahr fortgesetzt und verstärkt hat. Im April lagen die Ausfuhren von Prozessoren demnach knapp viermal so hoch wie die Pkw-Exporte. Zugleich stiegen die Importe aus Taiwan rasant. Das Land ist mittlerweile Mexikos drittwichtigster Handelspartner – nach den USA und China und noch vor Deutschland.
Deutsche Unternehmen in Mexiko sind laut GTAI zwar kaum direkt im Chipgeschäft tätig, profitieren aber ebenfalls vom hohen Bedarf an verschiedenen Komponenten für KI-Rechenzentren und deren Stromversorgung. Dazu zählen Phoenix Contact mit Sitz im lippischen Blomberg, das Komponenten und Systeme in den Bereichen der Elektrotechnik, Elektronik und Automation anbietet, der Münchner Anbieter von Kühlsystemen, Güntner, aber auch Konzerne wie Bosch oder Siemens.
Kritiker bemängeln derweil, dass trotz der beeindruckenden Zahlen wenig Wertschöpfung in Mexiko selbst bleibe. Die Regierung in Mexiko-Stadt möchte deshalb verstärkt strategische Projekte anziehen, die es dem Land ermöglichen, an der globalen technologischen Transformation teilzunehmen. In ihrem „Plan México 2030“, der nationalen Wirtschaftsstrategie, wird die Halbleiterbranche als einer von neun strategischen Sektoren genannt, in denen Steueranreize die heimische Produktion ankurbeln sollen.
Querétaro als Hub für Rechenzentren
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Diese Strategie zeitigt erste Erfolge. Die installierte Rechenkapazität in Mexiko selbst nimmt zu. Zu einem wichtigen Standort entwickelt sich dabei die zentralmexikanische Millionenstadt Querétaro. Der US-Tech-Konzern Microsoft nahm dort Anfang 2024 sein erstes regionales Rechenzentrum in Betrieb. Die Amazon-Tochter Amazon Web Services (AWS) kündigte Anfang 2025 Investitionen in Höhe von fünf Milliarden US-Dollar in einen Infrastruktur-Cluster an, um Kunden fortschrittliche und sichere Cloud-Technologien zu bieten.
Das US-amerikanische IT-Unternehmen CloudHQ, mit Sitz in San Francisco im US-Bundesstaat Kalifornien, wiederum wird in Querétaro 4,8 Milliarden US-Dollar in den Bau eines Campus mit sechs Rechenzentren investieren. Diese sollen für Cloud Computing und künstliche Intelligenz genutzt werden. Auch Siemens eröffnete 2024 ein Werk mit 400 Angestellten in Querétaro; und Phoenix Contact im März 2026 eine Fabrik, die bislang ausschließlich den US-Markt produziert.
(akn)