Künstliche Intelligenz

Commonwealth-Literaturpreis: Unsicherheit nach KI-Zweifeln bei Gewinnertext


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It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Nach der Bekanntgabe der regionalen Sieger des Commonwealth-Kurzgeschichtenpreises äußern Leser den Verdacht, dass eine der Geschichten zumindest in Teilen von einer Künstlichen Intelligenz (KI) generiert wurde. Der britische Literaturverlag Granta veröffentlichte den Text „The Serpent in the Grove“ des trinidadischen Autors Jamir Nazir online, woraufhin in sozialen Medien Diskussionen über typische KI-Formulierungen entstanden. Der Vorfall konfrontiert die Jury und die Verleger nun mit der Frage, wie sie mit möglichen KI-Texten umgehen.

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Den Literaturpreis vergibt die Commonwealth Foundation jährlich, um weltweit unbekannte Autoren zu fördern. Die Literaturzeitschrift Granta, die traditionell Werke renommierter Schriftsteller publiziert, stellt die Gewinnertexte auf ihrer Website vor. In einer Stellungnahme stellte der Verlag jedoch klar, dass die eigenen Redakteure weder an der Auswahl der Jury noch an der Bestimmung der Siegergeschichten mitwirken.

Leser erkannten in der Geschichte verschiedene Textstrukturen, die häufig bei maschinellen Sprachmodellen auftreten. So fielen Nutzern in sozialen Netzwerken eine übermäßige Verwendung von Vergleichen sowie ungewöhnliche Redewendungen auf. Zudem enthielt der Text sogenannte negative Parallelismen nach dem Muster „nicht X, sondern Y“, die als typische stilistische Merkmale KI-generierter Texte gelten.

Sigrid Rausing, Herausgeberin von Granta, konfrontierte nach den bekannt gewordenen Vorwürfen das Sprachmodell Claude des Tech-Unternehmens Anthropic mit der fraglichen Kurzgeschichte. Das Modell folgerte, dass der Text „fast sicher nicht von einem Menschen ohne Unterstützung erstellt“ wurde, identifizierte aber mutmaßlich von Menschen verfasste Kernpassagen. Rausing wies in diesem Zusammenhang auf die Ironie hin, dass ausgerechnet eine Künstliche Intelligenz selbst das effizienteste Werkzeug sei, um maschinell generierte Texte aufzudecken.

Die Direktorin der Commonwealth Foundation, Razmi Farook, verteidigte den Auswahlprozess der Stiftung gegenüber der New York Times (NYT). Sie warnte Organisationen davor, mit einer „Kurzschlussreaktion auf die allgemeine Hysterie rund um diese Themen“ zu antworten. Die Stiftung müsse auch ihre Fürsorgepflicht gegenüber dem bisher kaum publizierten Autor wahrnehmen, für den unbegründete Anschuldigungen schwerwiegende persönliche Folgen haben könnten.

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Einige Leser versuchten ihren Verdacht mit Erkennungssoftware wie Pangram zu untermauern, die den Text als vollständig maschinell generiert eingestuft haben soll. „KI-Textdetektoren machen viele Fehler, insbesondere bei kreativem Schreiben, das ungewöhnliche Konstruktionen verwendet“, zitiert die New York Times jedoch Nicholas Andrews, Informatiker an der Johns Hopkins University. Diese literarischen Eigenheiten seien oft nicht in den Trainingsdaten der Erkennungssysteme enthalten, sagt er.

Auch Jack Grieve, Linguistikprofessor an der University of Birmingham, betonte die Risiken solcher Programme gegenüber NYT. Ohne die Berücksichtigung von Variationen in Dialekt, Thema oder Genre seien die Analyseergebnisse unzuverlässig. Für ihn sei die Kurzgeschichte nach eigener Lektüre weder offensichtlich von einer KI generiert noch offensichtlich von einem Menschen verfasst worden.

Das Problem der maschinellen Texterkennung beschäftigt die KI-Branche bereits länger und geht über diesen Einzelfall hinaus. Große Anbieter wie OpenAI mussten in der Vergangenheit ihre eigenen KI-Detektoren wegen zu ungenauer Ergebnisse wieder einstellen. Bis die Commonwealth Foundation eine offizielle Entscheidung trifft, belässt Granta die Kurzgeschichte mit einem entsprechenden redaktionellen Hinweis online.


(egia)



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