Entwicklung & Code
Cyber Resilience Act: ORC Working Group veröffentlicht erstes Whitepaper
Die von der Eclipse Foundation gegründete Open Regulatory Compliance Working Group (ORC WG) hat ihr erstes Whitepaper veröffentlicht. Die Arbeitsgruppe – zu deren Mitgliedern namhafte Unternehmen wie Microsoft, Siemens, Red Hat und Bosch zählen – entstand durch das Aufkommen des Cyber Resilience Act (CRA), einer EU-Regulierung zur erhöhten Sicherheit von Produkten mit digitalen Elementen.
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Das Whitepaper widmet sich offenen Fragen rund um die neue Rolle der im CRA genannten Open Source Software Stewards. Dabei macht die Arbeitsgruppe deutlich, dass das Whitepaper keine juristische Empfehlung ist, sondern ein kollektives Verständnis von Open-Source-Beitragenden widerspiegelt.
Open Source Software Stewards: Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen
Wie die ORC WG in ihrem Blog betont, markiert der Cyber Resilience Act einen bedeutenden Wandel der Cybersecurity-Verantwortlichkeiten innerhalb des Softwareentwicklungs-Ökosystems. Open Source Software Stewards werden im CRA erstmals als juristische Akteure genannt und sind eine von Herstellern (Manufacturers) separate Kategorie. Im Gegensatz zu diesen müssen sie beispielsweise keine administrativen Geldstrafen bei Nicht-Compliance leisten. Allerdings wirft die neue Rolle einige Fragen auf, etwa was sie in der Praxis konkret bedeutet und welche genauen Verpflichtungen sie mit sich bringt.
Für das neue Whitepaper haben Mitglieder der ORC-Community den CRA-Text analysiert und interpretiert, um praktische Handlungsanweisungen und Informationen zu bieten. Konkret benennt das Whitepaper beispielsweise, in welchem Verhältnis die Stewards zu ihren unterstützten Projekten stehen und weshalb diese Rolle geschaffen wurde. Ihre Verpflichtungen kommen ebenfalls zur Sprache, und wie sich diese von jenen an Softwarehersteller unterscheiden.
Praktische Beispiele sollen zeigen, wie Open Source Software Stewards in ihren Projekten Cybersicherheitsregeln etablieren und mit Sicherheitslücken sowie deren Offenlegung umgehen können. Das Whitepaper erwähnt darüber hinaus, welche Fragen noch ungeklärt sind, etwa wie man in komplexen Fällen die geeignete Marktüberwachungsbehörde auswählt, und wo weitere regulatorische Anweisungen notwendig sind.
Auf der Website der ORC Working Group steht das 25-seitige Whitepaper „Open Source Software Stewards and CRA“ in der Version 1.0 zum Download bereit.
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Übergreifende Fragen: Wann ist ein Steward ein Steward?
Dabei richtet sich das Whitepaper lediglich an Open-Source-Projekte, die einen Steward haben. Auf die meisten Projekte trifft das nach Angaben der ORC-Arbeitsgruppe nicht zu. Ein Steward muss eine „juristische Person“ sein, was beispielsweise ein Unternehmen sein kann. Die meisten Open-Source-Projekte werden jedoch nicht von Unternehmen oder Stiftungen unterstützt. Auch dient das Dokument nicht dazu, festzustellen, ob ein Unternehmen als Steward eines Projektes gilt – oder gar als Hersteller. Solche Fragen kommen in den ORC Working Group FAQ zur Sprache.
(mai)
Entwicklung & Code
Vim 9.2 bringt Wayland-Support und neue Vim9-Script-Features
Vim 9.2 ist da: Das Release des Kommandozeileneditors bietet erstmals vollständige Unterstützung für Wayland – sowohl für die Bedienoberfläche als auch für die Zwischenablage. Damit reagiert das Projekt auf die zunehmende Verbreitung des Grafikservers unter Linux. Zugleich folgt Vim künftig der XDG Base Directory Specification und legt Konfigurationsdateien unter Linux und Unix in $HOME/.config/vim ab.
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Vim9-Script, die moderne Skriptsprache des Editors, erhält neue Datentypen: Enums ermöglichen typsichere Aufzählungen, Generic Functions erlauben die Definition von Funktionen mit Typparametern und der neue Tuple-Datentyp stellt geordnete Sammlungen fester Größe bereit. Built-in Functions lassen sich nun auch als Objektmethoden verwenden. Neue Features wie geschützte _new()-Konstruktoren und der Befehl :defcompile für vollständige Methodenkompilierung runden die Spracherweiterungen ab.
Der Diff-Modus erhält einen neuen Linematch-Algorithmus, der Zeilen zwischen Puffern präziser zuordnet. Die neue Option diffanchors erlaubt es, Ankerpunkte zu setzen, um komplexe Dateien in Abschnitte zu unterteilen und diese unabhängig voneinander zu vergleichen. Das Inline-Highlighting wurde verbessert, es hebt Änderungen innerhalb einer Zeile jetzt detaillierter hervor.
Praxisnahe Verbesserungen
Bei den Default-Einstellungen hat Vim 9.2 mehrere Anpassungen vorgenommen: Der Befehlsverlauf wächst von 50 auf 200 Einträge (history), die Rücktaste verhält sich standardmäßig erwartungsgemäß (backspace auf „indent,eol,start“) und die Cursor-Position sowie eingetippte Befehle werden grundsätzlich angezeigt (ruler und showcmd aktiviert). Unter GTK erhöht sich die Standardschriftgröße von 10 auf 12 Punkt, was Nutzern hochauflösender Displays entgegenkommt.
Die Insert-Mode-Completion unterstützt jetzt Fuzzy-Matching und kann Wörter direkt aus Registern vervollständigen. Die neuen Flags nosort und nearest für completeopt geben Nutzern feinere Kontrolle über Anzeige und Sortierung der Vorschläge. Ein neuer interaktiver Tutor, aufrufbar über :Tutor, soll gegenüber dem klassischen vimtutor-Programm ein moderneres Erlernen des Editors bieten.
Plattform-Optimierungen
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Windows-Nutzer erhalten native Dark-Mode-Unterstützung für Menüs und Titelleisten sowie hochwertigere Toolbar-Icons. Der Vollbild-Support wurde verbessert. Als Alternative zum horizontalen Tabline bietet Vim 9.2 nun ein vertikales Tabpanel an, was bei vielen geöffneten Dateien übersichtlicher sein kann.
Contributor Yegappan Lakshmanan demonstriert in den Release Notes die Möglichkeiten von Vim9-Script anhand zweier mit GitHub Copilot generierter Projekte: Eine vollständige Implementierung des Spiels Battleship zeigt den Einsatz von Klassen und Type Aliases, ein Number-Puzzle-Spiel belegt die Eignung moderner Vim9-Konstrukte für interaktive Plugins.
Das Release behebt zudem mehrere seit Vim 9.1 bekannt gewordene Sicherheitslücken, Speicherlecks und potenzielle Absturzursachen. Nach dem Tod von Vim-Erfinder Bram Moolenaar im August 2023 führt Christian Brabandt das Projekt als Hauptmaintainer fort.
(fo)
Entwicklung & Code
Android 17 bekommt Handoff-Funktion für geräteübergreifende Kontinuität
Google hat am vergangenen Freitag die erste Beta von Android 17 veröffentlicht. Im Zuge dessen nannte das Unternehmen vor allem entwicklerseitige Neuerungen. Nicht erwähnt hat der Konzern dabei die neue Funktion für die geräteübergreifende Kontinuität namens Handoff (Übergabe).
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Handoff zwischen Android-Geräten
Das neue Feature erwähnt Google derweil in der Dokumentation zu Android 17 im Punkt „Funktionen und APIs“, der noch recht überschaubar ist. Laut Google können App-Entwickler die Funktion in ihre Anwendungen integrieren, um Nutzerinnen und Nutzern „eine geräteübergreifende Kontinuität zu bieten“. Damit können Nutzer eine App-Aktivität auf einem Android-Gerät starten und auf ein anderes Android-Gerät übertragen.
Im Unterschied zu Apples oder Microsofts Lösungen ist Googles also nur auf ein Betriebssystem beschränkt. Für die bald erscheinenden Android-PCs mit Aluminium OS dürfte das Feature – oder zwischen Smartphone und Tablet – durchaus praktisch sein. Apple ermöglicht derweil ein Handoff für einige Apps im eigenen Ökosystem zwischen iPhones, Macs und iPads. Microsoft hat hat die Handoff-Funktion zwischen einigen Android-Apps und Windows mit den Patchday-Updates aus dem Februar erweitert.
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Wie Google weiter erklärt, wird die Handoff-Funktion im Hintergrund auf dem Gerät eines Nutzers ausgeführt. Sie zeigt verfügbare Aktivitäten von den anderen Geräten des Nutzers in der Nähe über verschiedene Einstiegspunkte wie den Launcher und die Taskleiste auf dem empfangenden Gerät an.
Apps können die Übergabe-Funktion so festlegen, dass dieselbe native Android-App gestartet wird, wenn sie auf dem empfangenden Gerät installiert und verfügbar ist, heißt es weiter. „In diesem App-zu-App-Ablauf wird der Nutzer per Deeplink zur entsprechenden Aktivität weitergeleitet“, beschreibt Google den Ablauf. Alternativ könne die Übergabe von Apps an das Web als Fallback-Option angeboten oder direkt mit der URL-Übergabe implementiert werden. In der Beta 1 sind noch keine Hinweise auf die Handoff-Funktion zu finden.
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Google gibt in der Dokumentation eine kurze Information zur Integration von Handoff in Apps: „Die Handoff-Unterstützung wird auf Basis einzelner Aktivitäten implementiert.“ Um Handoff zu aktivieren, müssen Entwickler die Methode setHandoffEnabled()für die Aktivität aufrufen. „Möglicherweise müssen zusätzliche Daten zusammen mit der Übergabe übermittelt werden, damit die neu erstellte Aktivität auf dem empfangenden Gerät den entsprechenden Status wiederherstellen kann. Implementieren Sie den Rückruf onHandoffActivityRequested(), um ein HandoffActivityData-Objekt zurückzugeben, das Details enthält, die angeben, wie Handoff die Aktivität auf dem empfangenden Gerät verarbeiten und neu erstellen soll.“
Was noch?
Neben Handoff nennt Google als weitere neue Android-17-Funktion unter anderem Optimierungen im Bereich Konnektivität, „damit Apps auch in Satellitennetzwerken mit geringer Bandbreite effektiv funktionieren. Detaillierter geht Google nicht auf die Neuerung ein.
Überdies erweitert Google offenbar den mit Android 16 ins System integrierten „Erweiterten Sicherheitsmodus für Android“ (Android Advanced Protection Mode, AAPM), um eine Schnittstelle für App-Entwickler, um den Status des Modus zu erkennen. „So können Anwendungen automatisch eine verstärkte Sicherheitskonfiguration annehmen oder risikoreiche Funktionen einschränken, wenn ein Nutzer sich dafür entschieden hat“, schreibt Google.
(afl)
Entwicklung & Code
Apple-Studie: Nutzer wollen transparente KI-Agenten statt Black-Box-Systeme
Apple-Forscher haben in einer zweiphasigen Studie untersucht, wie Nutzer mit KI-Agenten interagieren möchten. Das Ergebnis ist überraschend: Menschen bevorzugen weniger leistungsstarke, sondern eher transparente Agenten gegenüber leistungsstarken Black-Box-Systemen. Die im Februar 2026 veröffentlichte Studie „Mapping the Design Space of User Experience for Computer Use Agents“ identifiziert vier zentrale Kategorien für das UX-Design und analysiert neun bestehende Systeme wie Claude Computer Use Tool, OpenAI Operator und Googles Project Mariner.
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Die Forscher untersuchten in Phase 1 ihrer Studie neun kommerzielle KI-Agent-Systeme und führten Interviews mit acht UX- und KI-Praktikern aus großen Technologieunternehmen. In Phase 2 testeten sie ihre Erkenntnisse mit 20 Teilnehmern in einem sogenannten Wizard-of-Oz-Experiment. So wird ein Versuch bezeichnet, bei dem ein Mensch (Proband) annimmt, mit einem autonomen (im Sinne der künstlichen Intelligenz) System zu kommunizieren, in Wirklichkeit aber mit einem Menschen interagiert. Die Probanden sollten Aufgaben wie Ferienwohnungsbuchungen oder Online-Shopping erledigen, während ein Forscher im Nebenraum die Agent-Aktionen simulierte. Die Teilnehmer konnten den vermeintlichen Agenten jederzeit mit einem Interrupt-Button stoppen. Die aufgezeichneten Videos und Chat-Logs lieferten Einblicke in die tatsächlichen Nutzererwartungen.
Transparenz wichtiger als Automatisierung
Ein zentrales Ergebnis: Nutzer wollen Einblick in Agent-Aktivitäten, aber kein Mikromanagement. Zu viel Kontrolle würde bedeuten, dass sie die Aufgaben gleich selbst erledigen könnten. Besonders wichtig ist den Probanden Transparenz bei unbekannten Bedienoberflächen. Dort wünschen sie mehr Zwischenschritte, Erklärungen und Bestätigungspausen – selbst bei Szenarien mit geringem Risiko. Bei Aktionen mit echten Konsequenzen wie Käufen, Kontoänderungen oder Kontaktaufnahmen mit anderen Menschen fordern Nutzer mehr Kontrolle.
Das Vertrauen in KI-Agenten bricht schnell zusammen, wenn das System stille Annahmen trifft oder Fehler macht. Bei mehrdeutigen Wahlmöglichkeiten bevorzugen Nutzer, dass der Agent pausiert und nachfragt, statt zufällig zu wählen. Besonders deutlich wird dies bei Entscheidungen, die zu falschen Produktauswahlen führen könnten.
Bestehende Systeme erfüllen Erwartungen nur teilweise
Die neun analysierten Systeme, darunter Claude Computer Use Tool von Anthropic, OpenAI Operator und Googles Project Mariner, erfüllen die Nutzererwartungen laut den Forschern nur teilweise. Die Studie zeigt auch kontextabhängige Erwartungen: Nutzer wollen unterschiedliches Agent-Verhalten, je nachdem ob sie Optionen erkunden oder eine bekannte Aufgabe ausführen. Die Erwartungen ändern sich auch basierend auf der Vertrautheit mit einer Schnittstelle. Die gesammelten Erkenntnisse könnten direkten Einfluss auf Apples geplante Siri-Überarbeitung haben. So kündigte der iPhone-Hersteller im Sommer 2024 an, dass der Sprachassistent künftig appübergreifend Aufgaben erledigen soll. Die Veröffentlichung verzögerte sich jedoch. Aktuell wird erst in den nächsten Monaten damit gerechnet.
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Apple verfolgt bei KI-Agenten einen deutlich konservativeren Ansatz als Konkurrenten wie OpenAI, Google und Meta. Während diese Unternehmen Milliarden in große, allgemeine Sprachmodelle investieren, konzentriert sich Apple auf gezielte, datenschutzorientierte Features mit Schwerpunkt auf On-Device-Verarbeitung.
Für rechenintensive Aufgaben evaluiert Apple externe Modelle, insbesondere Googles Gemini, plant aber, eine angepasste Version auf eigenen Servern zu betreiben. Persönliche Daten und Geräte-Kontext bleiben bei Apples eigenen In-House-Modellen. Die aktuelle Studie spielt Apple in die Hände: Nutzer akzeptieren lieber später startende, aber besser konzipierte Systeme als schnell eingeführte Black-Box-Lösungen.
(mki)
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