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Das fordert Berlins Startup-Szene vom nächsten Bürgermeister


Kai Wegner von der CDU will doch nicht mehr Bürgermeister bleiben. Was braucht Berlin? Wir haben in der Szene nachgefragt.

Oliver Pabst, Anna Alex, Saskia Bruysten und Christian Miele
Getty Images, picture alliance / SZ Photo, Katja Henschel, Yunus Social Business, Redalpine; Collage: Dominik Schmitt/Gründerszene

Plötzlich ging es ganz schnell. Nachdem Kai Wegner, CDU-Bürgermeister von Berlin, die Kritik an seinem Krisenmanagement lange auszusitzen versuchte, kam am Freitag die Überraschung: Wegner kündigte an, dass er nicht mehr Spitzenkandidat sein will. Mit Stefan Evers rückte der aktuelle Finanzsenator als CDU-Spitzenkandidat nach. Ihm bleiben jetzt nur noch gut zwei Monate für den Wahlkampf.

Alles deutet auf eine spannende Wahl hin. Lange stand die CDU in Umfragen vorne. Zuletzt kam sie hinter Linken, Grünen und AfD nur noch auf Platz vier. In Berlin gibt es die einzigartige Situation, das vier Parteien an den zwanzig Prozent kratzen.

CDU-Slogan übrigens weiterhin: „Berlin wird“ – klingt ein bisschen nach Lückentext. Wir haben uns unter Startup-Leuten umgehört, was Berlin ihrer Meinung nach werden soll. Und was sich Gründerinnen und Gründer von der Person wünschen, die auf Kai Wegner folgen wird?

Auf die Szene zugehen

Christian Miele, Headline-Investor und nebenbei selbst Berliner CDU-Mitglied sowie prominenter Wegner-Kritiker sagt zu Gründerszene: „Stefan Evers hat jetzt die historische Chance den Anschluss an die Berliner Startupszene zu finden. Berliner Gründerinnen und Gründer gehören zu den wichtigsten Arbeitgebern der Stadt, ziehen Kapital und Talente an. Der neue Kandidat der CDU kann die Szene für sich mobilisieren, wenn er klug und entschieden auf sie zugeht. Ein Gespräch mit Verena Pausder sollte kurzfristig anberaumt werden.“

Christian Miele
picture alliance / SZ Photo

Verena Pausder aufstellen

Anna Alex
Katja Henschel

Anna Alex, Gründerin von Outfittery und Planetly, schließt sich an und sagt: „Egal wer aufgestellt wird, Verena Pausder wäre die bessere Kandidatin.“

Skalieren mit öffentlichen Aufträgen

Anna Alex
picture alliance / Hubert Burda Media | Karl-Josef Hildenbrand/Picture Alliance for DLD/Hubert Burda Media

Anna Alex hat Yunus Social Innovation und Carbon Equity gegründet. Sie findet, Berlin habe nicht zu wenig Climate-Tech-Innovation, aber zu wenig Skalierung. „Berlin und seine Unternehmen sollten ihren milliardenschweren Investitionsbedarf nutzen, um innovative Lösungen offen und wettbewerblich zu erproben und erfolgreiche Piloten von Beginn an auf Anschlussbeschaffung auszurichten. Das reduziert Risiken, mobilisiert privates Kapital und macht aus Berliner Innovation industrielle Wertschöpfung. Climate Tech ist nicht nur Klimapolitik – es ist eine der größten wirtschaftlichen Chancen unserer Zeit.“

Kreativität als Stärke betonen

Martin Eyerer
Shirin Moaiyeri CC BY SA 4.0

DJ und Unternehmer (CEO Green City Development) Martin Eyerer hätte gerne weniger Polarisierung und mehr Optimismus. „Ich wünsche mir auch, dass wir wieder mehr über Wirtschaft und etwas weniger über die ganzen sozialen Themen sprechen würden. Denn das ist, was Berlin aktuell auch etwas mehr braucht. Da sind wir schon auf einem guten Weg, aber das muss mehr in den Fokus gestellt werden. Denn nur wenn wir eine starke Wirtschaft haben, können wir die anderen Themen auch bedienen. Außerdem würde ich gerne persönlich die Themen Kreativität, Kreativwirtschaft, Gründerszene und Startups in den Vordergrund rücken, denn das ist eine der absoluten Stärken dieser Stadt.“

Chancen unabhängig von Geschlecht oder Herkunft

Christine Rittner
Encourageventures

Berlin habe das Potenzial, Europas führender Startup-Standort zu sein, sagt Christine Rittner, Co-Vorsitzende des Investorinnen-Netzwerks Encourageventures. „Dafür wünschen wir uns von der nächsten Regierenden Bürgermeister/in vor allem drei Dinge: weniger Bürokratie und schnellere, digitale Prozesse, bessere Rahmenbedingungen für privates Wagniskapital sowie eine gezielte Förderung von Vielfalt im Startup-Ökosystem. Innovation entsteht dort, wo Talente unabhängig von Geschlecht oder Herkunft die Chance bekommen, Unternehmen aufzubauen und zu skalieren.“

Ambitionierte Grundlagenforschung

Oliver Pabst
Redalpine

Oliver Pabst ist General Partner beim VC Redalpine und sagt: „Ein VC erwartet vom neuen Berliner Bürgermeister den Mut zur Exzellenz statt zur Gleichmacherei: Spitzenforschung, exzellente Universitäten und ambitionierte Grundlagenforschung müssen oberste Priorität haben. Nur aus Spitzenforschung entstehen die nächsten globalen Technologieunternehmen.“ Berlin brauche den Anspruch, Europas führender Tech-Standort zu sein, mit klaren Zielen, verlässlicher Umsetzung und einer Politik, die Leistung belohnt, statt Mittelmaß zu verwalten. „Dazu gehört auch, sich dem nationalen, dem europäischen und dem außereuropäischen Wettbewerb, inklusive USA, zu stellen, statt sich mit dem Status quo zufriedenzugeben.“

Moritz Holländer, Gründer von Almedia: „Als Unternehmer ist mein größtes wiederkehrendes Problem der Zugang zu den besten Talenten – und sie langfristig zu halten. Alles, was Berlin und der Regierende Bürgermeister tun können, um uns dabei zu unterstützen, wird der Tech- und Startup-Branche zugutekommen.“

Radikal digital

Julian Teicke
Wefox

Der Gründer von Wefox und The Delta, Julian Teicke, hat gleich eine ganze Liste aufgestellt:

1. Tempo bei Verwaltung: radikal digital. Eine GmbH-Gründung darf keine Wochen dauern. Bürgeramt-Termine, Gewerbeanmeldung, Aufenthaltstitel – alles online, in Tagen statt Monaten. Berlin verliert Gründer und Talente nicht wegen fehlender Ideen, sondern wegen Warteschlangen.
2. Talente aus aller Welt willkommen heißen. Der größte Engpass für jedes Startup ist Talent. Ich will ein Ausländeramt, das internationale Entwickler und Gründer in Tagen einreisen lässt, nicht in Quartalen. Berlin sollte die Fast Lane für europäisches Tech-Talent sein.
3. Kapital anziehen statt vertreiben. Der Standort braucht mehr Wagniskapital – auch institutionelles Geld. Der Bürgermeister sollte Berlin aktiv als Kapital-Hub vermarkten und mit Fonds, Family Offices und internationalen VCs auf Augenhöhe reden.
4. Mindset: Unternehmertum feiern. Ich wünsche mir einen Bürgermeister, der Gründer nicht als Bittsteller behandelt, sondern als das, was sie sind – die Leute, die Jobs, Steuern und Zukunft schaffen. Weniger Skepsis, mehr Ambition.“

Dönerpreise runter

Nikita Fahrenholz
Lisa-Sophie Kempke; Fahrengold

Nikita Fahrenholz, Co-Gründer von Delivery Hero und Fahrengold, hält es deutlich knapper: „Als 1. Forderung alle Poller weg. 2. Berlin als Forschungsstandort ausbauen für KI. 3. Dönerpreise runter.“ Da kann ja niemand was dagegen haben, oder?





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