Connect with us

UX/UI & Webdesign

„Das ist groß.“ – Niedersachsen lanciert Standortkampagne. Welcher Effekt geht eigentlich von derlei Standortkampagnen aus? – Design Tagebuch


Mit dem Claim „Niedersachsen. Das ist groß.“ startet die niedersächsische Landesregierung am 8. Juni 2026 eine umfassende Standortkampagne. Sie löst den bisherigen Slogan „Niedersachsen. Klar.“ ab und soll das Bundesland als Wohn-, Arbeits- und Investitionsstandort neu positionieren.

In den letzten Jahren wurde von verschiedenen Wirtschaftsakteuren, Verbänden und landesnahen Institutionen die Forderung erhoben, das Land Niedersachsen benötige eine stärkere/bessere Profilierung. Eine vom Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall in Auftrag gegebene, Anfang des Jahres veröffentlichte Umfrage kam zu dem Ergebnis, dass Niedersachsen bundesweit zwar als attraktives Urlaubsland mit schöner Landschaft wahrgenommen wird, als Wirtschafts- und Industriestandort jedoch kaum Profil besitzt, weshalb Fachkräfte und Investoren nur unzureichend angesprochen werden und eine neue Standortkampagne als notwendig angesehen wird.

Die nun vorgestellte Kampagne umfasst zunächst vier Motive zu den Themen Landwirtschaft, Automobilindustrie, Erneuerbare Energien und Familie, die sich an die eigene Bevölkerung richten. Im Herbst 2026 folgt eine Wirtschaftskampagne, die Investoren und Fachkräfte adressiert. Bespielt werden Außenwerbeflächen, Social Media, Tageszeitungen, Radio und TV. Unter der Domain dasistgross.de wurde die zentrale Kampagnen-Website gelauncht – (ausschließlich in deutscher Sprache verfügbar).

Auszug der Pressemeldung

„Niedersachsen ist nicht nur ein großes Land, sondern seine Menschen haben in der Vergangenheit Großes geleistet und tun das bis heute. Das belegen wir mit der neuen Standortkampagne – ebenso wie das Potenzial, das unser Land für die Bevölkerung, Fachkräfte und Investor*innen bietet. Wenn wir auf unsere Stärken vertrauen und sie offensiv bewerben, können wir den Herausforderungen unserer Zeit begegnen. Wir haben mit Niedersachsen.next unsere Wirtschaftsagentur neu aufgestellt und präsentieren uns jetzt mit dem Claim sehr selbstbewusst. Als Nächstes werden wir die Ansiedlung auf neue Füße stellen und steigen mit der sich anschließenden Wirtschaftskampagne sehr umfänglich in die Standortvermarktung ein, um Niedersachsen weiter zukunftsfest zu machen.“ – Olaf Lies, Niedersächsischer Ministerpräsident –

Niedersachsen. Das ist groß. Standortkampagne – Motiv Baby, Quelle: Landesregierung Niedersachsen

Das Pfeifen zu Beginn des Songs „Wind of Change“ der Rockgruppe Scorpions dient im Rahmen der Kampagne als akustische Klammer und Soundlogo. Für die Abmischung zeichnet Grammy-Preisträger Hans-Martin Buff verantwortlich, der Sound Engineer der Scorpions. Als Kampagnenbotschafter wurde Basketball-Nationalspieler Dennis Schröder aus Braunschweig gewonnen. Sein Auftritt im Imagefilm wurde mithilfe von KI-Produktion realisiert.

Mit Start der neuen Standortkampagne verschwindet der im Jahr 2016 eingeführte, hier im dt vorgestellte Claim „Niedersachsen. Klar“. Im Webauftritt des Landes unter niedersachsen.de wurde der bisherige Claim bereits durch das neue Kampagnenlogo respektive den neuen Claim ausgetauscht.

Niedersachsen Claim – vorher und nachher, Bildquelle: Landesregierung Niedersachsen, Bildmontage: dt
Niedersachsen Claim – vorher und nachher, Bildquelle: Landesregierung Niedersachsen, Bildmontage: dt

Den Kreativauftrag gewann die Berliner Agentur Scholz & Friends nach einer europaweiten Ausschreibung (siehe Pressemeldung vom 22.01.2026). Koordinierende Stelle auf Auftraggeberseite ist die Wirtschafts- und Innovationsagentur des Landes Niedersachsen.next.

Das Budget ist auf bis zu zehn Millionen Euro für 2026 und 2027 ausgelegt. Die Kampagne läuft zunächst bis Ende 2027.

Wirksamkeit von Claims und Standortkampagnen – Beispiel Baden-Württemberg

Die Wirksamkeit von Claims und Standortkampagnen ist empirisch schwer zu belegen. Im Rahmen wissenschaftlicher Evaluation lassen sich zwar Akzeptanz und Beliebtheit von Claims / Slogans ermitteln, wie im Jahr 2017 von der Universität Hohenheim in einer bundesweiten Studie untersucht, konkrete Aussagen in Bezug darauf, ob die damit verbundene Werbung/Kampagne zu mehr Investitionen, mehr Fachkräftezuzug, zu einer höheren Bekanntheit des Landes und messbaren Imageverbesserungen beiträgt, können auf Basis derlei Studien jedoch nicht getroffen werden.

Die genannten Effekte sind bei Standortkampagnen auch deshalb generell schwer messbar, weil viele Faktoren gleichzeitig wirken (Arbeitsmarkt, Gehälter, Konjunktur, Steuerpolitik, Infrastruktur usw.).

In der genannten Studie der Uni Hohenheim landete „Niedersachsen. Klar.“ übrigends auf dem letzten Platz. Am positivsten bewertet wurde seinerzeit der Claim „Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“, mit dem Baden-Württemberg bis vor einigen Jahren für sich geworben hatte.

Seit 2021 positioniert sich Baden-Württemberg als „The Länd“. Das Budget dieser Kampagne lag in den ersten beiden Jahren bei 21 Millionen Euro – damit doppelt so hoch wie in Niedersachsen. Aus Marketing-Sicht war „The Länd“ wahrscheinlich eine der erfolgreichsten deutschen Standortkampagnen der letzten Jahre, wenn man nach Bekanntheit, Medienresonanz und Wiedererkennung bewertet. Die Landesregierung Baden-Württembergs verwies auf hohe Verkaufszahlen von Merchandise-Produkten und 550 Millionen Impressionen im deutschsprachigen Raum. Da eines der zentralen Kampagnenziele allerdings darin besteht, Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben, sind diese Zahlen kein Beleg für die Wirksamkeit der Kampagne dahingehend.

Belastbare Nachweise, dass die Kampagne die mit ihr verbundenen zentralen Ziele erreicht hat, fehlen bis heute. Zwar verzeichnet Baden-Württemberg im Jahr 2026 einen quantitativ höheren Zuzug von Fachkräften aus Drittstaaten als noch vor zehn Jahren, allerdings ist die Steigerung primär auf die Erleichterungen des Bundesrechts (FEG) sowie die strukturellen Beschleunigungen durch die Landesagentur LZF zurückzuführen. Inwieweit die Steigerung in Zusammenhang mit der Kampagne steht, bleibt völlig offen. Kritiker bemängeln bis heute, dass die Landesregierung in Baden-Württemberg zwar Reichweiten und Aufmerksamkeit hervorhebt, doch keine harten Kennzahlen zu wirtschaftlichen Ergebnissen veröffentlicht habe.

Auch die Landesregierung in Niedersachsen dürfte sich in den kommenden Jahren mit ähnlichen Forderungen seitens Verbänden und Wirtschaftsakteuren konfrontiert sehen. Menschen, die ein Interesse an der langfristigen Entwicklung des Landes haben, möchten natürlich wissen, ob die mit einer kostspieligen Kampagne verbundenen Ziele tatsächlich auch erreicht werden, zumal hierbei Steuermittel aufgewendet werden, was generell ein sensibles Thema im Kontext Werbung/Außendarstellung ist.

Mediale Resonanz kann Aufmerksamkeit erzeugen und ein Land/Bundesland respektive eine Stadt/Region temporär auf die Landkarte von Investoren oder Fachkräften setzen. Die finale Entscheidung für eine Investition oder eine Arbeitsaufnahme wird jedoch auf Basis von harten Kennzahlen getroffen: Verfügbarkeit von Wohnraum, Geschwindigkeit der Behörden, Qualität der Schulen, steuerliche Belastung und digitale Anbindung. Neben den harten ökonomischen und infrastrukturellen Bedingungen sind auch und insbesondere soziokulturelle und gesellschaftliche Faktoren entscheidend, ob eine Fachkraft ein Land als attraktiven Lebensmittelpunkt auswählt und dort auch langfristig bleibt. Eine Standortkampagne kann all diese Bedingungen und Faktoren nicht beeinflussen, es kann lediglich die Wahrnehmung lenken. Und zwar im Positiven wie im Negativen.

Wie sieht es mit der medialen Resonanz und den Reaktionen aus der Designbranche aus? Hier ein Stimmungsbild zur Kampagne „Niedersachsen. Das ist groß“.

Wird geladen ... Wird geladen …

Mediengalerie

Weiterführende Links

 

Hintergrundinfo: Liste der 16 deutschen Bundesländer, sortiert nach ihrer Flächengröße (gerundete Werte).

Bundesland Fläche (ca. in km²)
1 Bayern 70.542
2 Niedersachsen 47.710
3 Baden-Württemberg 35.748
4 Nordrhein-Westfalen 34.112
5 Brandenburg 29.654
6 Mecklenburg-Vorpommern 23.295
7 Hessen 21.115
8 Sachsen-Anhalt 20.454
9 Rheinland-Pfalz 19.858
10 Sachsen 18.450
11 Thüringen 16.202
12 Schleswig-Holstein 15.804
13 Saarland 2.571
14 Berlin 891
15 Hamburg 755
16 Bremen 420



Source link

UX/UI & Webdesign

Ersetzen KI-Tools den kreativen Nachwuchs? › PAGE online


Das sollten sie natürlich keinesfalls, aber die Einbindung von Junior:innen für Strategiearbeit in Agenturen ist laut GWA-Umfrage gesunken. Benjamin Pleißner fragt berechtigterweise: »Wenn wir heute keinen Nachwuchs ausbilden, wo sollen dann morgen die klugen Talente herkommen?«.

Ersetzen KI-Tools den kreativen Nachwuchs? › PAGE online
Benjamin Pleißner, Head of Strategy HeimatTBWA & Forensprecher The Strategy Collective GWA

Spricht man mit erfahrenen Designer:innen und Programmierer:innen über die Themen KI-Tools und wie sich die Arbeit dadurch verändert hat, fällt Folgendes auf: Die meisten sagen, dass KI die einfachen Aufgaben stark übernommen hat.

Führt das dazu, dass der Nachwuchs immer mehr unter Druck gerät – egal in welcher Disziplin? Dieser Überlegung ist die GWA Umfrage »The Strategy Collective« auf den Grund gegangen.

Die Ergebnisse geben leider eine deutliche Antwort. Ja, die Einbindung von Junior:innen für Strategiearbeit in Agenturen ist weniger geworden. Das gaben knapp die Hälfte der befragten Personen an.

Eine bislang unveränderte Situation sehen 38 % und nur je 1,5 % meinten, dass es eine veränderte Rolle gibt (»weniger Werkbank«) und die Einbindung hoch geblieben ist.

KI darf den Nachwuchs nicht hemmen!

Das sollte die Designszene aufhorchen lassen, denn je seltener Agenturen den Nachwuchs einsetzen und fördern, desto weniger Kreativtalente wird es zukünftig geben. KI darf an dieser Stelle nicht hemmen. Sie »muss Sparringpartner sein«, so Benjamin Pleißner (Sprecher The Strategy Collective im GWA und Head of Strategy HeimatTBWA). Und weiter: »Wenn wir heute keinen Nachwuchs ausbilden, wo sollen dann morgen die klugen Strategie-Talente herkommen?«.

Wer die jungen Talente mit KI ersetzt, spart in jedem Fall an der ganz falschen Stelle.

Das bestätigt auch ein Eindruck aus Gesprächen mit Codern. Erfahrene Programmierer:innen, die mittlerweile einfache Aufgaben an ihre KI-Agenten und Tools vergeben, müssen ja trotzdem bei fehlerhaftem Output wissen, was zu tun ist.

»Ich bin froh, dass ich das fundierte Know-how über die Jahre angesammelt habe, auch wenn ich heute viele Aufgaben von früher KI machen lasse.« (Designer & Programmierer)

Diese Erfahrungswerte und das fundierte Know-how lassen sich natürlich nur sammeln, wenn auch die Chancen dazu bestehen. Und die muss es zu Beginn einer kreativen Karriere geben, denn wo soll der Nachwuchs denn sonst einen Einstieg ins Design-Business finden?

Praxis fehlt: Gap zwischen Unis und Agenturen

Das führt zu einem weiteren Punkt der Befragung. Denn eine andere Hürde ist die nicht ausreichende Praxisnähe während der Ausbildungszeit von jungen Kreativen. Dies meinten 36 % der Befragten. Es gebe einen Gap zwischen den Universitäten und den Unternehmen sowie Agenturen, meint Benjamin Pleißner.

»Viele Hochschulen lehren Theorie, doch Agenturen erwarten sofort Praxis. Wer ist wofür verantwortlich? Beide Seiten haben einen Beitrag zu leisten. Im Austausch liegt die Magie.« (Benjamin Pleißner)

Und 32 % gaben an, dass es an ausreichend qualifizierten Strategie-Talent:innen mangelt. 17 % sahen das anders und empfinden in diesem Punkt keine Hürde.

Um also dem Nachwuchs wieder bessere Chancen zu geben, braucht es laut der Umfrage zwei Dinge: mehr Praxisnähe in den Ausbildungswegen und mehr Einbindung von Junior:innen in die Strategie-Teams von Agenturen und Unternehmen.

Das könnte dich auch interessieren



Source link

Weiterlesen

UX/UI & Webdesign

ClarusPlus: So unique, modern und cool kann Barrierefreiheit sein! › PAGE online


Die Berliner Fake Agency hat ClarusPlus, ein KI-gestütztes Tool, das für einen barrierefreien Webauftritt sorgt, mit einem Redesign versehen, das nicht nur zeigt, wie emotional Technologie sein kann, sondern auch, wie gutes, inklusives Design für alle aussieht.

ClarusPlus: So unique, modern und cool kann Barrierefreiheit sein! › PAGE online

Seit fast einem Jahr gilt das neue Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) für Webseiten, Online-Shops, Apps, Bankdienstleistungen, E-Books, B2B-Plattformen und digitale Services.

Zahlreiche Unternehmen bieten Unterstützung an, die Vorgaben umzusetzen.

Darunter auch ClarusPlus, ein Zossener Start-Up, das ein KI-gestütztes Software-as-a-Service-Tool (SaaS) anbietet, das die eigenen Websites ganz unkompliziert und immer auf der Höhe aktueller Anforderungen barrierefrei macht.

Und das jetzt mit einem Rebranding der Berliner Fake Agency, das Barrierefreiheit nicht nur kommuniziert, sondern im Design selbst erlebbar macht.

Einprägsame Identity

Zu dem barrierefreien Redesign gehören die warmen Farben ebenso wie die starken Kontraste und die hohe Klarheit. Die Gestaltung setzt dabei auf großzügige pastellfarbene Hintergründe und auf Schwarz, das sich deutlich von ihnen absetzt.

Die Formen sind einfach – und zeigen gleichzeitig, dass Barrierefreiheit nicht bedeuten muss, auf eine unique Gestaltung und auf eine einprägsame Identity zu verzichten.

Ganz im Gegenteil.

ClarusPlus versprüht seinen ganz eigenen Vibe, wirkt zugänglich, emotional und professionell zugleich.

Für ein Miteinander

Das zeigt sich in der neu gestalteten Wort- und Bildmarke, deren Ausgangspunkt das allgemeine Symbol für Barrierefreiheit ist: der Mensch mit seinen ausgestreckten Armen, der gleichzeitig auch an den Vitruvianischen Menschen von Leonardo da Vinci erinnert.

Stilisiert und zu einem Kreis angeordnet, wird daraus eine runde, warme Bildmarke, die für Gemeinschaft und für Inklusion steht. Gleichzeitig können die einzelnen Elemente immer neu angeordnet werden und ergeben ein ganzes System zugewandter, illustrativer Visuals.

Daneben steht die Wortmarke ClarusPlus, die in der organischen und sehr ausbalancierten Nunito Ultra Bold gehalten ist.

Sie bestimmt den neuen Markenauftritt ebenso wie die Atkinson Hyperlegible der Website, die von der New Yorker Agentur Applied Design gemeinsam mit dem Braille Institute in Los Angeles für maximale Lesbarkeit entwickelt wurde.

Unique – und in Bewegung

Insgesamt zeigt die Fake Agency in ihrem Rebranding von ClarusPlus, dass Barrierefreiheit nicht so funktional gedacht werden muss, wie es noch viel zu häufig geschieht.

Sondern dass man Inklusion durchaus zeitgemäß und emotional umsetzen kann, unique und identitätsstiftend.

Und dabei kann dann auch schon mal ein stilisiertes Icon, das international für Barrierefreiheit steht, in Bewegung geraten, hüpfen und tanzen – und die Arme allen weit ausbreiten.

 

 

Das könnte dich auch interessieren



Source link

Weiterlesen

UX/UI & Webdesign

Stadt Offenbach erweitert Corporate Design um eigene Schrift – Design Tagebuch


Die Stadt Offenbach hat ihr visuelles Erscheinungsbild weiterentwickelt und setzt dabei auf ein eigenständiges typografisches Leitmotiv als zentrales Gestaltungselement. Herzstück des neuen Corporate Designs ist die speziell entwickelte Schrift „OF Soul“, die als prägendes Identitätsmerkmal fungiert und das visuelle System der Stadt maßgeblich strukturiert.

Die Schrift basiert auf Entwürfen des Offenbacher Typografen Rudolf Koch und wird als zeitgenössische Weiterentwicklung historischer Schriftformen verstanden. Damit verknüpft das neue Design bewusst lokale gestalterische Tradition mit einer modernen, digitalen Anwendungslogik. Die Typografie fungiert nicht nur als Kommunikationsmittel, sondern als identitätsstiftendes Element, das die Stadtmarke in unterschiedlichen Kontexten konsistent sichtbar macht.

Das neue Corporate Design ist Teil einer übergeordneten strategischen Neuausrichtung der städtischen Kommunikation. Ziel ist eine stärkere Wiedererkennbarkeit über Verwaltungsgrenzen hinweg sowie eine einheitliche visuelle Sprache für analoge und digitale Anwendungen. Die Schrift OF Soul wird dabei als zentrales Systemelement eingesetzt und bildet die Grundlage für verschiedene Anwendungen im öffentlichen Raum, in Publikationen und digitalen Medien. Auch im modifizierten Stadtlogo kommt die neue Schrift zum Einsatz.

Offenbach Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Stadt Offenbach, Bildmontage: dt
Offenbach Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Stadt Offenbach, Bildmontage: dt

Begleitend zur Einführung wurde ein gestalterischer Rahmen entwickelt, der Flexibilität und Wiedererkennbarkeit miteinander verbindet. Das Designsystem versteht sich als offenes, anpassungsfähiges Set, das unterschiedliche städtische Themen visuell zusammenführt, ohne deren Eigenständigkeit zu überformen, wie die Stadtverwaltung erklärt.

Mit dem neuen Corporate Design positioniert sich Offenbach im Kontext aktueller kommunaler Markenstrategien, die zunehmend auf typografisch geprägte Identitätssysteme setzen. Mit diesem Schritt führt Offenbach seine über ein Jahrhundert reichende typografische Tradition in die digitale Gegenwart und demonstriert, wie historisches Erbe für modernes, behördliches Branding funktional übersetzt werden kann.

Kommentar

Schön zu sehen, dass eine Stadt die Entwicklung eines eigenen typographischen Ausdrucks verfolgt. Im heutigen Medienbetrieb findet eine solche Maßnahme meist kaum Beachtung. Dabei ist eine eigene Hausschrift um so viel nachhaltiger als ein neues / weiteres Stadtlogo, das Redaktionen von Lokalzeitungen gerne zum Aufhänger machen.

Mit dem Launch einer neuen Stadtmarke / einer städtischen Kulturmarke lässt sich zwar kurzzeitig Aufmerksamkeit generieren, doch schon nach wenigen Jahren verpufft in vielen Fällen die erhoffte Werbewirkung. Eine eigene Hausschrift kann hingegen, da sie unmittelbar im Corporate Design verankert ist, dauerhaft auf das Konto einer (Stadt)Marke einzahlen.

Die Stadt Wien verfügt mit der Wiener Melange bereits seit 2019 über eine eigene Hausschrift. Oslo ging diesen Schritt bereits 2018. In Leipzig wurde im vergangenen Jahr mit Umstellung auf das neue, viel diskutierte visuelle Erscheinungsbild die Schrift Leipzig Sans eingeführt. Die Erstellung eines Corporate Fonts verursacht Kosten, doch auf lange Sicht ist eine Hausschrift ein wirtschaftliches und nachhaltiges Brand Asset.

Die Anlehnung der OF Soul an die von Rudolf Koch in den Jahren der Weimarer Republik geschaffenen Kabel ist gut zu erkennen. Das avantgardistische Aussehen der Kabel haben die Schriftzeichen der OF Soul im Zuge der Neuinterpretation und Ausrichtung auf die heutigen Anforderungen allerdings nicht. Gute Lesbarkeit, Zugänglichkeit und maximal Flexibilität bedeuten, einem zentralen Prinzip der Typographie folgend, auf der andere Seite automatisch weniger Formeigenheit. Es sind dies zwei konträr sich gegenüberstehende Variablen. Zieht man an der einen Seite (Lesbarkeit), gibt die andere Seite nach (Formeigenheit).

Schriftzeichen mit sehr guten Leseeigenschaften und gleichzeitig wiedererkennbaren Charakter – genau dies ist die große Herausforderung bei der Schriftgestaltung. Ob die OF Soul dahingehend gut gewichtet und austariert ist, ist eine Frage des ästhetischen Empfindens. Für Headlines und plakative Botschaften hätte ich mir einen zusätzlichen Schnitt mit größerer Formvarianz vorstellen können.

Offenbach präsentiert sich künftig jedenfalls mit einer maßgeschneiderten, von Hand gefertigten Typo. Und auch innerhalb der sympathischen Image-Kampagne, die unter dem Motto „Soul OF Hessen“ steht, sind es Menschen, von anderen Menschen fotografiert, die der Stadt eine Identität verleihen und der städtischen Marke ein Gesicht geben, eine Seele einhauchen, möchte man sagen. In Zeiten, in denen KI-generierte Inhalte auch im Design immer mehr Raum beanspruchen, ist all dies keine Selbstverständlichkeit. Zumal der finanzielle Spielraum von Kommunen gemeinhin als eng angesehen werden kann.

Nicht nur in Offenbach stellt sich im Hinblick auf die Erstellung eines Corporate Designs die Frage, hier allerdings in besonderer Weise, da KI schließlich keine Seele hat, in welchem Umfang KI-Werkzeuge eingesetzt werden können, sollen und dürfen und wann von Hand/Mensch erstellte Werke und erstellter Inhalt im Kontext der Kommunikation (als Stadt und als Verwaltung) Vorrang genießen. Entsprechende Vorgaben gilt es, sofern noch nicht geschehen, sowohl in den konkreten CD-Vorgaben wie in einem übergeordneten Code of Conduct zu formulieren.

Mediengalerie

Weiterführende Links



Source link

Weiterlesen

Beliebt