Auf der Berlin Design Week 2026 konnten Besucher:innen Kreative aus den unterschiedlichsten Designdisziplinen antreffen und sich vernetzen. PAGE stellt die Speaker der Short Bits vor.
Chart zu Designdisziplinen, Nick Stübe (Berlin Design e. V.) // Foto: PAGE
Warum wir die zahlreichen Designdisziplinen heute nicht als getrennt betrachten sollten? Eine kurze Antwort: Weil sie alle miteinander verwoben sind und es immens viele Schnittstellen gibt.
Das visualisierte ein Chart von Alexandra Klatt (state of DESIGN GmbH, Berlin Design Week) und Nick Stübe (Berlin Design e. V.), die gemeinsam die Berlin Design Weeks am vergangenen Donnerstag eröffneten.
Ein wunderbar kuratierter Querschnitt aus der Kreativszene unterstrich diese Antwort sehr deutlich. Jede:r Speaker hatte bei den Short Bits nur zehn Minuten Zeit, um ein Thema vorzustellen. Das Format passte wunderbar, um zu zeigen, wie viele Designansätze es gibt und welche Lösungen kreative Ideen finden können.
Design Day Short Bits á 10 Minuten
Zu Beginn sprach Max Marwede (Fraunhofer IZM / Research) zum Thema Produktdesign im »Circular Design Lab« über technologisch neu entwickelte Wearables. Er stellte ein Konzept eines »Textile Tattoos«, das zeigte, wie Design an den Schnittstellen zu Forschung und Technologie wirken kann. Vor allem hinsichtlich der Nachhaltigkeitsziele und Ökobilanzen könne Design einen großen Mehrwert erzeugen, was aber nicht immer alle Beteiligten verstehen, kommentierte er. Daher die Frage: Wie kann man im Forschungskontext eigentlich kommunizieren, was die Rolle von Design ist? Es hilft in jedem Fall, den Punkt Design von Beginn an mitzudenken und mitzuplanen.
Citizen Centered Design: Schafft mehr Vertrauen!
Genauso spannend ging es weiter mit Prof. Daniela Hensel (HTW Berlin & why does robin, Digital & Service Design), die sich mit dem Thema Public Design beschäftigt. Auf die Frage, wie man sich ein Bild einer Bibliothek vorstellt, hatten viele aus dem Publikum sicherlich ein ähnlich langweiliges im Kopf. Aber es geht eben auch anders! Das präsentierte sie am Beispiel der Oodi Bibliothek in Helsinki, Finnland, eindrücklich. Viele öffentliche Institutionen sehen langweilig aus, ja sogar abschreckend. Von Bürgerämtern bis hin zu Bibliotheken. Aber es sei durchaus möglich, öffentliche Institutionen emotionaler, attraktiver, vielseitiger und vertrauensvoller zu gestalten. Dazu brauche es Citizen Centerd Design. Konkret meint das, die Perspektive der Betroffenen, hier der Bürger:innen mit einzubeziehen. Stichworte: Teilhabe und Motivation.
Prof. Daniela Hensel (HTW Berlin & why does robin, Digital & Service Design)
Im Anschluss referierte Volker Schumann (WERKSDESIGN Product & Industrial Design) zum Bereich Industrial Design. Sein Leitsatz traf direkt den Nerv von genervten Designer:innen, die mit Kundenentscheidungen unzufrieden sind: »’Gefällt mir’ ist kein Designprozess.« Und damit auch keine gut begründete Designentscheidung. Dazu zählen ebenso wenig die Worte »gefällt mir gut«. Er berichtete diesbezüglich, wie er mit seinem Team im Bereich der Medizintechnik seiner Kundschaft die Entscheidungsgrundlagen gleich mitliefert.
Trefft Entscheidungen von Menschen für Menschen
Weiter ging es mit Daniela Vogel (Stan Hema, Communication, Graphics & Brand), die die Frage stellte, was macht Design für uns real? Das Motto der Berlin Design Week. Und das unter dem Aspekt von KI-Tools und modernen Grafik-Tools. Am Beispiel der Deutschen Oper Berlin zeigte sie, dass generative KI häufig nicht-reale Ergebnisse ausspuckt. Aber man kann sich die Technologien schlau zunutze machen, indem man ein eigenes Tool programmiert und dies mit eigenem Bildmaterial füttert. Oder mal wieder ein reales Shooting durchführt. Dabei entstanden kreative Leistungen, die sich sehen lassen können und zeigen, dass hier »Entscheidungen von Menschen für Menschen« getroffen wurden, wie sie selbst sagte.
Den letzten Short Bit präsentierte Harshini Karunaratne (Computational & Creative Technology, manifest.io.berlin, 3AM:ENERGY). Mit viel Begeisterung fürs Thema New Media betonte sie, dass sie die New Media Szene in Berlin einzigartig findet. Berlin sei ein »central hub« für Visual Design, Immersive Design und New Media. Aber die Mediaszene sei auch sehr fragmentiert und ihr Wunsch sei es, das zu verändern. Und zwar unter anderem mit der im September stattfindenden Berlin Media Week.
Alle Short Bits Speaker hatten eines gemeinsam: die Leidenschaft für ihre jeweilige Designdisziplin!
Hier geht’s zur Berlin Design Day Diskussionsrunde.