Digital Business & Startups
Die Expansion ist ein klarer Shift in unserer Arbeitsweise
#Interview
Das Wiener KI-Startup fonio.ai wächst rasant: Rund 7.000 Kunden setzen bereits auf die KI-Telefonassistenten des Unternehmens. Im Interview spricht Gründer Daniel Keinrath über Wachstum, Wettbewerb, Expansion und die ambitionierten Pläne für die kommenden Jahre.
Hinter dem jungen Startup fonio.ai aus Wien, 2024 von Daniel Keinrath und Matthias Gruber gegründet, steckt ein KI-Telefonassistent. Das Startup „ermöglicht es, einen personalisierten KI-Telefonassistenten zu erstellen, der rund um die Uhr erreichbar ist und natürliche Gespräche führt“.
Dabei können Unternehmen eine „spezifische Stimme festlegen“ und Verhaltensregeln vorgeben. Derzeit ist das Unternehmen in Österreich, Deutschland, Schweiz, Frankreich, Italien, Polen, Brasilien, Großbritannien und den USA aktiv. Momentan verfügt das Unternehmen über rund 7.000 Kunden.
Der Londoner Investor 20VC (Harry Stebbings) und Altinvestoren investierten zuletzt beachtliche 14,6 Millionen Euro in das Startup. Die Bewertung lag bei 120 Millionen Euro. Insgesamt sammelte das Team bereits 20 Millionen ein. 50 Mitarbeiter:innen arbeiten derzeit für die Jungfirma.
Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Gründer Daniel Keinrath einmal ausführlich über den Stand der Dinge bei fonio.ai.
Wie würdest Du Deiner Großmutter fonio.ai erklären?
Wenn du beim Arzt anrufst und niemand rangeht, ist das nervig. Das Problem: Eine zusätzliche Person nur fürs Telefonieren einzustellen, lohnt sich für viele Praxen schlicht nicht, dafür sind die Anrufvolumen oft zu gering. Was wir bei fonio.ai geschafft haben, ist eine Software, die redet wie ein Mensch, sich auch so anhört und echte Aufgaben übernehmen kann, zum Beispiel Termine einstellen. Die Software kann noch nicht alles, aber sie ist schon sehr fortgeschritten. Wenn du also künftig beim Arzt oder anderswo anrufst und dir sofort geholfen wird, steckt vielleicht fonio.ai dahinter.
Wie hat sich fonio.ai seit der Gründung entwickelt?
Seitdem haben wir uns rasant entwickelt: Wir haben aktuell über 50 Mitarbeiter:innen und erzielen einen ARR von knapp unter 7 Millionen Euro. Wir wachsen nach wie vor rund 30 % Monat für Monat und sind auf Kurs, im Sommer die 10-Millionen-ARR-Marke zu knacken. Das würde bedeuten, dass wir in nur 12 Monaten von 1 auf 10 Millionen gewachsen sind. Gestartet mit Fokus auf dem DACH-Raum, sind wir mittlerweile auch in Frankreich und Italien stark vertreten und gehen den nächsten Schritt: von reiner KI-Telefonie hin zu einer ganzheitlichen KI-Kommunikationslösung, inklusive WhatsApp und weiteren Kanälen.
Es gibt derzeit zahlreiche Startups, die KI-Agenten für KMUs – speziell für Telefonie – anbieten. Wie hart ist der Wettbewerb in Eurem Segment?
Wettbewerb gibt es natürlich, aber wir spüren ihn im Alltag kaum. Der entscheidende Unterschied: Wir sind eines der wenigen Unternehmen in Europa, die ihren eigenen Orchestration Layer entwickeln. Die meisten anderen Anbieter in unserem Segment whitelabeln schlicht Technologie aus den USA und verkaufen sie weiter. Das hat klare Grenzen, sowohl produktseitig als auch beim Preis. Dort können sie mit uns schlicht nicht mithalten.
Zuletzt konntet Ihr weitere Millionen einsammeln. Wie seid Ihr mit Euren Investor:innen in Kontakt gekommen?
Wir wurden durch gemeinsame Bekannte introduced. Den Kontakt zu unseren Investoren pflegen wir sehr direkt und persönlich. Wir geben regelmäßig Updates und sind dabei auch ehrlich, wie das Business läuft. Das hat dazu geführt, dass sich die Beziehung fast freundschaftlich anfühlt, was wirklich angenehm ist. Klar ist aber auch: Leistung steht immer an erster Stelle.
Das viele Geld soll unter anderem in die weitere Expansion fließen. Derzeit plant ihr Büros in New York, München, Mailand, Paris, London und Warschau. Wie stemmt Ihr diese ambitionierten Expansionspläne?
Die Expansion ist ein klarer Shift in unserer Arbeitsweise. Lange haben Matthias und ich alles selbst gemacht, Matthias das Produkt, ich den Vertrieb. Jetzt geht es darum, eine skalierbare Organisation aufzubauen. Ein wichtiger Baustein dabei ist unser neuer CCO Alexander Brix, der diesen Wachstumskurs von 40 auf 300 Mitarbeiter:innen, auch international, bereits einmal erfolgreich mitgestaltet hat. Diese Erfahrung ist für uns Gold wert.
Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?
Erstens: Denkt so groß wie möglich, gerade als europäisches Startup. Wir kommen aus Wien und hätten leicht sagen können, wir wollen Marktführer im DACH-Raum werden. Stattdessen haben wir von Anfang an globale Ambitionen formuliert. Das zwingt dich zu anderen, mutigeren Entscheidungen. Zweitens, und das ist ein alter Klassiker, der aber einfach stimmt: Talk to your customers. Ich suche auch heute noch aktiv den Kontakt zu unseren Kund:innen, gemeinsam mit Matthias. Denn am Ende ist das Einzige, was wirklich zählt, ob du echten Mehrwert lieferst.
Wo steht fonio.ai in einem Jahr?
Unser Ziel ist es, bis Ende des Jahres einen ARR zwischen 20 und 30 Millionen Euro zu erreichen. Und bis Ende 2027 wollen wir die 100-Millionen-Marke knacken. Wir sind auf Kurs – und der Ehrgeiz, das zu erreichen, treibt uns täglich an.
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