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Diebstahl von Geschäfts­geheimnissen: Apple verklagt OpenAI


Apple wirft OpenAI in einer weitreichenden Klage systematischen Diebstahl von Geschäfts­geheimnissen vor. Neben dem KI-Unternehmen stehen zwei frühere Apple-Mitarbeiter im Fokus. Die Vorwürfe reichen von unerlaubten Datenzugriffen bis hin zur gezielten Nutzung vertraulicher Informationen für OpenAIs Hardwarepläne.

Apple wirft OpenAI Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen vor

Mit einer 41 Seiten umfassenden Klageschrift (PDF) erhebt Apple ungewöhnlich schwere Vorwürfe gegen OpenAI, dessen Hardware-Tochter io Products sowie die beiden ehemaligen Apple-Mitarbeiter Chang Liu und Tang Yew Tan. Nach Darstellung des iPhone-Herstellers handelt es sich nicht um vereinzelte Verstöße einzelner Mitarbeiter, sondern um ein systematisches Vorgehen, mit dem OpenAI gezielt Apples jahrzehntelang aufgebautes Hardware-Know-how für den Aufbau seines eigenen Hardwaregeschäfts genutzt haben soll.

Apple wirft den Beklagten insbesondere die widerrechtliche Aneignung von Geschäftsgeheimnissen sowie Vertragsverletzungen vor. Die Klage wurde vor dem US District Court für den Northern District of California eingereicht und stützt sich auf zahlreiche interne Kommunikationsprotokolle, Zugriffsdaten und Dokumente, die Apple im Rahmen einer eigenen Untersuchung ausgewertet haben will.

Mittelpunkt der Vorwürfe: Zugriff auf vertrauliche Apple-Systeme

Besonders detailliert beschreibt Apple die Vorwürfe gegen den ehemaligen Senior System Electrical Engineer Chang Liu. Der Ingenieur hatte rund acht Jahre für Apple gearbeitet und wechselte Anfang 2026 zu OpenAI. Nach Angaben Apples habe Liu nach seinem Ausscheiden mindestens einen Firmenrechner nicht zurückgegeben und sich den offiziellen Offboarding-Prozessen weitgehend entzogen.

Noch schwerer wiegt jedoch der Vorwurf, Liu habe nach seinem Wechsel zu OpenAI eine bis dahin unbekannte Authentifizierungs­schwachstelle in Apples Infrastruktur entdeckt und bewusst ausgenutzt. Anstatt Apple über die Sicherheitslücke zu informieren, soll er laut Klageschrift den Fund mit einer ehemaligen Kollegin gefeiert und geschrieben haben: „LOL, I found out I can access the [network storage], so funny.

Apple behauptet, Liu habe anschließend über Wochen hinweg weiterhin auf interne Server zugegriffen und Dutzende vertrauliche Dokumente heruntergeladen. Darunter sollen sich technische Präsentationen, Entwicklungsunterlagen, PDF-Dokumente, Tabellen sowie mehr als tausend Seiten umfassende Sammlungen interner Projektdokumentationen befunden haben. Ein Beispiel nennt Apple ausdrücklich: umfangreiche Unterlagen über Fertigungs- und Testverfahren für Main Logic Boards (MLBs), also die komplexen Hauptplatinen seiner Hardwareprodukte.

Vorbereitung neuer OpenAI-Mitarbeiter

Ein weiterer Schwerpunkt der Klage betrifft die Kommunikation zwischen Liu und einer damaligen Apple-Mitarbeiterin, die später ebenfalls zu OpenAI wechselte. Apple behauptet, Liu habe sie bereits während ihrer Zeit bei Apple gezielt auf Bewerbungsgespräche vorbereitet.

Demnach soll er ihr erklärt haben, welche vertraulichen Unterlagen sie vor den Interviews studieren solle und welche internen Projektordner besonders relevant seien. Darüber hinaus habe er erläutert, wie sich Dateien kopieren ließen, ohne die Aufmerksamkeit von Apples Sicherheitsteam auf sich zu ziehen. Für besonders sensible Gespräche habe er den Wechsel auf den Messenger-Dienst LINE vorgeschlagen, um eine Nachverfolgung über Apple-Systeme zu vermeiden.

Tang Tan soll Interview-Prozesse gesteuert haben

Ebenso schwer wiegen die Vorwürfe gegen Tang Yew Tan. Der langjährige Apple-Manager verantwortete zuletzt das Produktdesign von iPhone und Apple Watch und wechselte später als Mitgründer von io Products zu OpenAI. Heute fungiert er als Chief Hardware Officer.

Apple wirft Tan vor, seine umfassenden Kenntnisse interner Apple-Projekte gezielt eingesetzt zu haben, um Bewerber während Vorstellungsgesprächen zur Preisgabe vertraulicher Informationen zu bewegen. Laut Klageschrift habe Tan interne Projektnamen verwendet und Bewerber nach dem Entwicklungsstand bislang nicht angekündigter Produkte gefragt.

Besonders ungewöhnlich erscheinen Apples Vorwürfe hinsichtlich sogenannter „Show-and-Tell“-Termine. Bewerber sollen aufgefordert worden sein, reale Hardware-Komponenten aus ihrer Arbeit bei Apple mitzubringen. Genannt werden unter anderem Batterien, System-in-Package-Module (SiP), Main Logic Boards, Abschirmungen sowie weitere Bauteile und Gehäuseteile. Ein Bewerber habe sich laut Klage sogar überrascht gezeigt und erklärt, er habe gar nicht gewusst, dass solche Teile überhaupt aus dem Unternehmen mitgenommen werden dürften.

Interview-Leitfäden mit ungewöhnlich konkreten Anforderungen

Nach Darstellung Apples beschränkten sich diese Praktiken nicht auf Einzelfälle. Vielmehr seien Bewerber aufgefordert worden, umfangreiche technische Präsentationen über ihre Arbeit bei Apple vorzubereiten. Dabei habe OpenAI ausdrücklich Informationen über CAD-Konstruktionen, Designartefakte, Prototypen, Fertigungsverfahren, Komponenten-Entwicklung, Simulationswerkzeuge sowie die Zusammenarbeit mit Zulieferern abgefragt.

Apple argumentiert, dass viele dieser Informationen weit über allgemein verfügbares Fachwissen hinausgingen und geschützte Geschäftsgeheimnisse darstellten. Die Interview-Prozesse seien deshalb darauf ausgelegt gewesen, internes Apple-Wissen systematisch abzuschöpfen.

Auch Zulieferer sollen betroffen gewesen sein

Die Klageschrift beschränkt sich nicht auf ehemalige Mitarbeiter. Apple wirft OpenAI außerdem vor, gezielt etablierte Apple-Zulieferer kontaktiert zu haben. Mithilfe internen Wissens über Apples Lieferkette und Fertigungsprozesse sollen Partnerunternehmen dazu bewegt worden sein, vertrauliche Verfahren auch für OpenAI anzuwenden.

Ein konkretes Beispiel betrifft proprietäre Metallbearbeitungstechniken, die Apple gemeinsam mit einem langjährigen Partner entwickelt haben will. Laut Klage habe OpenAI den Zulieferer glauben lassen, über Apples Zustimmung zu verfügen, sodass dieser dieselben Verfahren für OpenAI einsetzte.

„Need to Know“-Dokument als Offboarding-Handbuch

Ein weiteres Detail der Klage betrifft ein internes Apple-Dokument mit der Kennzeichnung „Need to Know“. Dieses beschreibt Sicherheitsmaßnahmen und Prüfprozesse beim Ausscheiden von Mitarbeitern.

Apple behauptet, Tang Tan habe dieses Dokument nach seinem Wechsel weiterhin genutzt beziehungsweise beschafft. Innerhalb OpenAIs sei es neuen Mitarbeitern vor ihrer Kündigung bei Apple zur Verfügung gestellt worden, damit sie sich gezielt auf Apples Sicherheitskontrollen vorbereiten könnten. Laut Apple erkläre dies möglicherweise, warum auffällig viele Mitarbeiter, die zu OpenAI wechselten, Sicherheitsgespräche vermieden oder ihre Kündigungen anders als üblich abwickelten.

Apple sieht die beschriebenen Vorgänge als Teil einer umfassenden Strategie zum Aufbau von OpenAIs Hardwaregeschäft. Das Unternehmen betont, dass inzwischen mehr als 400 ehemalige Apple-Mitarbeiter bei OpenAI beschäftigt seien. Zugleich stellt Apple klar, dass sich die Klage nicht gegen die bestehende Partnerschaft rund um die Integration von ChatGPT in Apple Intelligence richtet. Gegenstand des Verfahrens seien ausschließlich die mutmaßliche Veruntreuung von Geschäftsgeheimnissen und deren Nutzung im Hardwarebereich.

Ob sich die umfangreichen Vorwürfe bestätigen, muss nun das Gericht klären. Bis dahin handelt es sich ausschließlich um Behauptungen Apples. OpenAI sowie die weiteren Beklagten haben bislang Gelegenheit, die Anschuldigungen im Rahmen des Gerichtsverfahrens zu bestreiten. OpenAIs Kommunikations-Direktor Drew Pusateri erklärte auf X, dass das Unternehmen kein Interesse an den Geschäftsgeheimnissen anderer Unternehmen habe.



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