Digital Business & Startups
Diese 20-Jährige will das „Doctolib für Handwerker“ bauen
Ein Chatbot statt endloser Telefonate: Suna Tamboga baut im Gründerszene-Camp eine KI-App, die die Handwerkersuche einfacher machen soll.
250 Euro verlangt der Handwerker am Telefon – allein für die Anfahrt quer durch Berlin. Der Auftrag in Prenzlauer Berg liegt zu weit weg für ihn. Und wieder muss man weiter suchen und verliert wertvolle Zeit. Für Suna Tamboga ist das der Beweis: Die Suche nach Handwerkern scheitert oft daran, dass Kunde und Anbieter nicht zusammenpassen.
Mehr als 20 Betriebe ruft Suna an, will herausfinden, was falsch läuft bei der Handwerkersuche. Und wie sie die Probleme lösen kann. Denn Suna baut eine App: „Doctolib für Handwerker“, sagt sie uns.
Ihre These: „Kunden telefonieren herum, schreiben E-Mails und bekommen keine Rückmeldung.“ Gleichzeitig „erhalten die Betriebe viele E-Mails und Anrufe, die gar nicht zu ihnen passen. Die meisten Menschen wissen schlicht nicht, ob sie einen Elektriker, einen Klempner oder einen anderen Handwerker brauchen.“ Ein Chatbot, der direkt alle Infos abfragt und Kunden mit den richtigen Handwerkern zusammenbringt, das ist Sunas Idee.
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Seit einer Woche entwickelt sie das Projekt in unserem Startup-Sommercamp „Gründerszene sucht die Supergründer“. Zehn Wochen lang bauen dort acht Fellows mithilfe Künstlicher Intelligenz eigene Consumer-Apps. Dabei helfen ihnen Profis aus Tech und Business als persönliche Coaches.
„Gründerszene sucht die Supergründer“ ist ein zehnwöchiges Startup-Fellowship von Gründerszene. Acht ausgewählte Fellows entwickeln in Berlin mit Künstlicher Intelligenz Consumer-Startups – von der Idee bis zum ersten Produkt. Während des Programms arbeiten die Fellows gemeinsam im Axel-Springer-Hochhaus und werden von erfahrenen Unternehmern, Investoren und Experten begleitet. Partner wie OpenAI, Vercel, Dash0 und DHL unterstützen sie mit Technologie, Know-how und Mentoring. Gründerszene dokumentiert die gesamte Reise mit Artikeln, Videos und Social-Media-Inhalten – und zeigt hautnah, wie heute die nächste Generation von Startups entsteht.
Crashkurs im Gründen
Zur App inspirieren Suna ihre Eltern. Der Vater leitet eine Handwerkerfirma und habe immer wieder von Chaos-Absprachen berichtet zwischen Kunden und Dienstleistern. Die Mutter ist Ärztin. Als sie vor Jahren ihre Praxis gegründet hat, sei der organisatorische Aufwand „enorm“ gewesen: Termine koordinieren, Bürokratie bewältigen und Mitarbeitende organisieren. Dann habe sie die Software Doctolib eingeführt. Über das Programm buchen Patienten Termine bei passenden Ärzten. „Sie hat zu Hause ständig davon geschwärmt, weil plötzlich vieles online lief“, sagt Suna.
Als die Studentin während eines Praktikums in Berlin vom Gründerszene-Startupcamp hört, bewirbt sie sich und wird aus rund 200 Bewerbern neben sieben weiteren Teilnehmern ausgewählt. Jetzt entwickelt Suna bei Gründerszene ihre App mit KI-Modellen wie Codex von OpenAI, einem der offiziellen Partner des Programms.
Fünf Tage bis zum ersten Prototyp
Suna wollte anfangs möglichst schnell einen ersten Prototyp bauen. Das sollte helfen, die App anderen vorzustellen und den Bedarf zu validieren. Fünf Tage später hatte sie den ersten Prototypen erstellt: Er fragt die Probleme ab, stellt Rückfragen, gibt Tipps zur Reparatur. Später soll er einmal passende Handwerker in der Umgebung vorschlagen. Sobald die Nutzer sie auswählen und Termine vereinbaren, leitet der Chatbot die Daten weiter. Zwar funktioniere der Prototyp noch nicht ganz. Aber: „Ich kann bereits zeigen, wie ich mir die Lösung vorstelle. Das hilft enorm, um mit Menschen darüber zu sprechen und Feedback einzuholen.“
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Suna sagt, die größte Herausforderung werde später sein, die Handwerker davon zu überzeugen, ihre Abläufe umzustellen und auf eine neue Plattform zu wechseln. Der Weg sei schwierig. „Aber ich glaube, dass es machbar ist. Genau das macht für mich den Reiz aus. Diese Herausforderung motiviert mich.“
Sunas Top-Learning nach einer Woche
Sunas wichtigstes Learning: „Kurze Pitches halten. Wir mussten unsere Idee ständig in wenigen Sekunden erklären. Dadurch wird man automatisch besser.“ Außerdem „habe ich zum ersten Mal viele technische Begriffe wirklich verstanden. Am Anfang wusste ich überhaupt nicht, was Begriffe wie „deployen“, „lokal“ oder „pushen“ bedeuten. Ich dachte nur: Wovon reden die eigentlich?“, sagt sie. „Mir ist klar geworden, dass ich wahrscheinlich nie auf das technische Niveau vieler Entwickler kommen werde. Das muss ich aber auch gar nicht. Ich möchte genug verstehen, um gute Produkte bauen zu können und sinnvoll mit technischen Teams zusammenzuarbeiten.“
Das erste Fazit: „Ich bin die Jüngste und hatte anfangs das Gefühl, deutlich weniger Erfahrung mitzubringen als viele andere. Einige haben bereits gegründet oder einen technischen Hintergrund. Das hat mich zunächst beeindruckt.“ Und: „Wenn jemand anderes erfolgreich ist, macht mich das nicht schlechter und umgekehrt genauso. Ich finde alle unglaublich motivierend. Jede und jeder bringt eine spannende Idee mit.“
Ziel für die zweite Woche: „Ich möchte noch intensiver mit Handwerksbetrieben sprechen und tiefer in die Zielgruppe eintauchen. Ich habe sogar Lust, mich einfach auf die Straße zu stellen und Handwerker anzusprechen. Auf dem Weg zur Arbeit habe ich schon so viele gesehen.“