Künstliche Intelligenz
Digitale Souveränität: Bund vergibt 250-Millionen-KI-Cloud-Auftrag
Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) hat ein wegweisendes Vergabeverfahren erfolgreich abgeschlossen: Für ein Gesamtvolumen von knapp 250 Millionen Euro soll eine leistungsstarke, souveräne KI-Cloud als Platform-as-a-Service (PaaS) entstehen. Die Lösung wird dem BMDS zufolge künftig das technologische Rückgrat einer modernen, KI-fähigen Verwaltung bilden. Diese soll Bund, Ländern und Kommunen erstmals eine gemeinsame Infrastruktur bieten.
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Die Vergabe stand unter erheblichem Druck, da ein konkurrierendes Konsortium aus Adesso und Google eine Mitbewerberklage eingereicht hatte. Die Wettbewerber zogen die Vergaberüge aber vorzeitig zurück und machten so den Weg für den Projektstart frei.
Um Leistungsfähigkeit und Ausfallsicherheit zu garantieren, geht der Zuschlag an zwei Konsortien, wie das BMDS am Donnerstag mitteilte. Als erstplatzierter Bieter sicherte sich die Deutsche-Telekom-Tochter T-Systems zusammen mit SAP den Großauftrag zur Bereitstellung von PaaS-Diensten für KI-Anwendungen auf einer leistungsfähigen, sicheren und souveränen Cloud-Plattform.
Telekom-Chef Tim Höttges versteht die Entscheidung als politisches Bekenntnis. Er betont, dass Europa im Rennen um die digitale Souveränität vorn sein müsse. Die zwei Konzerne wollten hier vorangehen. Der SAP-Vorstandsvorsitzende Christian Klein versicherte, die Stärke aus Geschäftsprozessen über die eigene Business AI Platform einzubringen, um vertrauenswürdige Innovationen im öffentlichen Sektor entlang eines gemeinsamen Standards zu beschleunigen.
Weichenstellung für europäische Tech-Anbieter
Den Zuschlag als zweitplatzierter Bieter erhielt ein Konsortium unter Führung der Firma SVA (System Vertrieb Alexander), zu dem die IT-Sparte der Schwarz-Gruppe (Schwarz Digits) sowie das Tech-Unternehmen Codesphere gehören. Innerhalb dieses Teams verantwortet SVA die Architektur und Integration, Schwarz Digits liefert mit der BSI-zertifizierten Cloud Stackit die Infrastruktur. Codesphere steuert die Plattformschicht bei. Das Projekt gilt laut den Beteiligten als industriepolitisches Signal für europäische Tech-Anbieter ohne Abhängigkeiten von Drittstaaten.
Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) sieht in der KI-Cloud das künftige Rückgrat einer souveränen Verwaltung. Der Bund setze damit die strategische Entscheidung um, dass eine leistungsfähige Digitalisierung auf einer selbst kontrollierten, sicheren und europäisch anschlussfähigen Infrastruktur laufen müsse, um den Modernisierungsschub für das Land zu beschleunigen.
Deutschland-Stack als gemeinsames Fundament
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Die Plattform dient als zentrale Schaltstelle und wichtiger Baustein des Deutschland-Stacks. Durch die Nutzung offener Standards, einheitlicher Schnittstellen und Open-Source-Komponenten soll auf gemeinsame technische Standards gesetzt werden, anstatt unzählige Einzellösungen zu entwickeln. Ein Vendor-Lock-in soll so dauerhaft ausgeschlossen werden. Entstehen soll eine Entwicklungsumgebung für containerisierte KI-Anwendungen, die von Fachverfahren bis zu generativen Diensten reichen.
Als eine der ersten Anwendungen soll die bundeseigene KI-Lösung Kipitz demonstrieren, wie die Plattform als intelligenter Assistent für die Verwaltung funktioniert. Das System unterstützt bei der Dokumentenverarbeitung, beim Wissensmanagement, bei Übersetzungen sowie bei der Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren. Die Lösung wird auf der souveränen Infrastruktur betrieben. Da SVA Kipitz bereits im IT-Dienstleistungszentrum des Bundes (ITZBund) betreut, kann das dortige Team nahtlos weiterarbeiten.
Maximale Datensicherheit wird dem Plan nach durch eine strikte Zero-Trust-Architektur gewährleistet. Zudem behalten Behörden über Verschlüsselungskonzepte wie „Bring Your Own Key“ die Kontrolle über ihre kryptografischen Schlüssel, wodurch Zugriffe nicht-staatlicher Stellen aus Drittländern blockiert werden. Eine innovative Kaltstart-Technologie von Codesphere soll ferner die Ressourcenkosten für die rechenintensiven Anwendungen im Betrieb um bis zu 90 Prozent senken.
(wpl)