Entwicklung & Code
Drei Fragen, drei Antworten: Mehr Sichtbarkeit für Frauen auf IT-Konferenzen
Auf IT-Konferenzen sind Frauen noch immer deutlich unterrepräsentiert – auf der Bühne ebenso wie im Publikum. Kann eine Frauenquote helfen, strukturelle Hürden und unbewusste Vorurteile abzubauen? Katrin Rabow setzt sich für mehr Diversität in der IT ein und beschäftigt sich mit der Frage, wie sich der Frauenanteil in der Branche nachhaltig steigern lässt. Wir sprechen mit ihr über Quoten, Sichtbarkeit und das Leistungsprinzip in einer stark männerdominierten Branche.
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Katrin Rabow beschäftigt sich mit der Frage, wieso in der IT nur etwa 20 Prozent Frauen zu finden sind und wie dieser Anteil langfristig gesteigert werden kann. Als Freiberuflerin unterstützt sie ihre Kunden in ganz unterschiedlichen Rollen und liebt das Requirements Engineering ebenso wie Softwaretests.
Katrin Rabow arbeitet als Freiberuflerin in unterschiedlichen Rollen rund um Softwareentwicklung – von Requirements Engineering bis Softwaretests – und engagiert sich für mehr Sichtbarkeit von Frauen in der IT. Auf der JavaLand-Konferenz, die vom 9. bis 11. März im Europapark Rust stattfindet, hält sie den Vortrag „Bühne frei für alle – warum wir eine Frauenquote auf IT-Konferenzen brauchen“.
Ist die Frauenquote für dich ein dauerhaftes Instrument oder eine Übergangslösung? Woran würdest du erkennen, dass sie nicht mehr notwendig ist?
Ich wünsche mir, dass Geschlechterquoten bald der Vergangenheit angehören. Aktuell können sie aber eine sehr positive Wirkung entfalten, weil sie die oft unbewussten Vorurteile gegen Frauen in technischen Berufen reduzieren. Wir schaffen nicht nur mehr Chancen für Frauen, sondern auch die Nachfrage nach Frauen steigt durch eine Quote. Das und die Sichtbarkeit sogenannter Role Models führt zu einer höheren Motivation bei anderen Frauen und jungen Mädchen, überhaupt erst in unsere Branche einzusteigen. Wenn ich das erste Mal auf einer Tech-Konferenz an der Frauentoilette anstehen muss, weiß ich, dass wir keine Quote mehr brauchen.
Wie lässt sich messen, ob Frauen auf einer IT-Konferenz gehört werden – und nicht nur der Quote wegen anwesend sind?
Ein starkes Gegenindiz sind sogenannte „Manels“. Das sind Panels, zu denen entweder gar nicht erst Frauen eingeladen werden oder wo eine Alibi-Frau mit auf der Bühne sitzen darf, aber nicht in die Diskussion einbezogen wird. Dahinter steht oft, dass Frauen in traditionell männlichen Berufen als weniger kompetent wahrgenommen werden. Positiv fällt mir auf, wenn Talks von weiblichen Sprecherinnen auf Social Media verbreitet und vor allem auch zitiert werden.
Kritiker argumentieren, eine Quote untergrabe das Leistungsprinzip. Wie begegnest du diesem Vorwurf – gerade in einer stark leistungsorientierten Branche wie der IT?
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In unseren Köpfen ist tatsächlich tief verwurzelt, wir müssten uns nur genügend anstrengen, dann könnten wir alles erreichen. Leider stimmt das so aber nicht, denn es gibt eine ganze Reihe von Vorurteilen, die das verhindern. So nehmen wir beispielsweise durchsetzungsstarke und analytisch denkende Frauen eher negativ wahr – obwohl das Eigenschaften sind, die wir bei Männern in der gleichen Rolle suchen. Generell werden Frauen in männlich dominierten Branchen wie der IT eher negativ bewertet. Eine Studie unter anderem von Josh Terrell von 2017, die die Akzeptanz männlicher versus weiblicher Pull Requests in Open-Source-Projekten untersuchte, kam zu dem Schluss, dass Frauen auf GitHub insgesamt kompetenter sind. Ihre Pull Requests wurden häufiger akzeptiert – allerdings nur, solange ihr Geschlecht nicht erkennbar war!
Katrin, vielen Dank für die Antworten!
In der Serie „Drei Fragen und Antworten“ will die iX die heutigen Herausforderungen der IT auf den Punkt bringen – egal ob es sich um den Blick des Anwenders vor dem PC, die Sicht der Managerin oder den Alltag eines Administrators handelt. Haben Sie Anregungen aus Ihrer tagtäglichen Praxis oder der Ihrer Nutzer? Wessen Tipps zu welchem Thema würden Sie gerne kurz und knackig lesen? Dann schreiben Sie uns gerne oder hinterlassen Sie einen Kommentar im Forum.
(mdo)