Künstliche Intelligenz
DSGVO: Fast drei Viertel der Firmen finden deutschen Datenschutz übertrieben
Deutschlands Unternehmen hadern rund zehn Jahre nach Inkrafttreten mit den Vorgaben der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), wie aus einer Studie des Digitalverbands Bitkom hervorgeht. Zwar ist demnach der Datenschutz inzwischen in den meisten Betrieben fest verankert, gleichzeitig aber beklagen die Firmen Aufwand, Komplexität und Rechtsunsicherheit. Weitgehend oder vollständig umgesetzt sind die DSGVO-Vorgaben inzwischen in 71 Prozent der Betriebe. Anfang 2018, kurz vor Anwendbarkeit des 2016 in Kraft getretenen Regelwerks, hatten erst sieben Prozent der Unternehmen die Vorgaben größtenteils oder vollständig umgesetzt. Parallel dazu ist die wahrgenommene Belastung deutlich gestiegen: 2016 gaben 25 Prozent der Unternehmen an, die DSGVO mache Geschäftsprozesse komplizierter – 2025 sind es 81 Prozent.
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97 Prozent bewerten auch den Aufwand für Datenschutz inzwischen als hoch, davon 44 Prozent als sehr hoch. Der Anteil der Unternehmen, die der Auffassung sind, Deutschland übertreibe es mit dem Datenschutz, hat sich von 40 Prozent (2020) auf 72 Prozent (2025) nahezu verdoppelt. Zudem wächst auch die Rechtsunsicherheit über die genauen Datenschutzvorgaben: 82 Prozent der Unternehmen nennen das 2025 als eine der größten Herausforderungen, 2017 waren es 35 Prozent. Grundlage der Zahlen ist eine seit 2016 jährlich durchgeführte Befragung von Unternehmen ab 20 Beschäftigten durch Bitkom Research, zuletzt mit 603 Teilnehmern aus allen Branchen. Laut Bitkom sind die Ergebnisse repräsentativ.
KI-Bremse DSGVO?
Besondere Spannungen sieht der Branchenverband im Zusammenspiel von Datenschutz und Künstlicher Intelligenz. So betrachten zwar 59 Prozent der Unternehmen den europäischen Datenschutz im internationalen Vergleich grundsätzlich als Vorteil für die KI-Entwicklung. In der Praxis erweist sich dies jedoch als Hindernis: 69 Prozent geben an, der Datenschutz erschwere das Training von KI-Modellen mit ausreichenden Daten – 2023 waren es noch 42 Prozent. Zudem sind 63 Prozent überzeugt, dass der Datenschutz KI-Unternehmen aus der EU verdrängt. 59 Prozent geben an, dass Projekte zum Aufbau von Datenpools an Datenschutzvorgaben gescheitert oder gar nicht erst begonnen worden seien (2020: 41 Prozent).
Auch das Problem der internationalen Datentransfers sehen die Firmen als ungelöst: Rund 61 Prozent der Unternehmen übermittelten 2025 personenbezogene Daten in die USA – mit Abstand das wichtigste Drittland für Datentransfers außerhalb der EU. 71 Prozent wünschen sich von der Politik tragfähige Lösungen für den internationalen Datentransfer (2021: 32 Prozent).
„Datenschutz ist keine lästige Pflicht, er ist eine zentrale Säule der digitalen Welt“, betonte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. Allerdings hält er eine Reform der DSGVO für nötig: Die Erwartungen an einheitlichere Wettbewerbsbedingungen, mehr Rechtssicherheit und weniger Bürokratie hätten sich jedoch nicht erfüllt. Der auf europäischer Ebene geplante „Digitalomnibus“ biete dafür eine Chance. Allerdings gab es bei den derzeit laufenden Trilog-Verhandlungen dazu noch keine Einigung.
(axk)