Digital Business & Startups
Echte Konsumenten zeigen, was sie wirklich kaufen würden
#Interview
„Am Anfang mussten wir immer wieder beweisen, dass unsere Ergebnisse wirklich verlässlich sind und Kunden sich bei wichtigen Entscheidungen darauf verlassen können“, sagt Florian Knieß, Gründer des Münchner Market Research-Startups Aybee.

Das Münchner Startup Aybee, 2024 von Ben Machek, Florian Knieß und Benjamin Klimpel gegründet, ermöglicht es E-Commerce-Unternehmen, „neue Produktideen mit realen Konsumenten zu testen“. Das Zauberwort dabei lautet: „Marketplace Intelligence Platform.“
Im Interview mit deutsche-startups.de stellt Aybee-Macher Florian Knieß sein Unternehmen einmal ganz genau vor.
Wie würdest Du Deiner Großmutter Aybee erklären?
Stell dir vor, du würdest ein Auto produziere und verkaufen, ohne es vorher Probe zu fahren – riskant. Genau so ist es bei neuen Consumer-Produkten. Aybee ist eine Software, mit der Consumer Brands neue Produktideen, Verpackungen, Preise oder Werbebotschaften in einer realistischen Shop-Simulation – wie Amazon oder dm/Rossmann – testen können. Echte Konsumenten zeigen, was sie wirklich kaufen würden und was am Ende funktioniert – bevor die Firma viel Geld in Produktion und Werbung steckt.
Wie genau funktioniert euer Geschäftsmodell?
Man kann bei uns Tests einzeln kaufen, wenn man nur einmal im Quartal etwas prüfen möchte. Oder man kauft eine Art Großpackung für das ganze Jahr: Man zahlt vorher, bekommt mehr Tests auf einmal, es ist günstiger und man bekommt Premium-Extras dazu.
Wie ist die Idee zu Aybee entstanden?
Ich habe jahrelang in der klassischen Marktforschung gesehen, wie große Marken risikoreiche Produktentscheidungen absichern: mit den besten und hochwertigsten Methoden für Konsumententests. Das Problem dabei: Es läuft meist als Agenturprojekt, ist deshalb sehr teuer und dauert lange. Und genau das ist kritisch, weil Produktentscheidungen schnell getroffen werden müssen und Fehlentscheidungen richtig viel Geld kosten – Produktion, Verpackung, Werbung, Lagerbestand. Unsere Idee war, dieses Agenturmodell in eine Self-Service-Software zu übersetzen. Dadurch können Unternehmen Tests sofort starten, bekommen Ergebnisse in ein bis vier Tagen statt fünf bis sechs Wochen und zahlen je nach Test bis zu 90 % weniger. So wird professionelle Marktforschung auch für kleinere Consumer Brands bezahlbar, endlich zugänglich und praktisch nutzbar.
Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?
Erstens: Vertrauen in die Daten aufbauen: Am Anfang mussten wir immer wieder beweisen, dass unsere Ergebnisse wirklich verlässlich sind und Kunden sich bei wichtigen Entscheidungen darauf verlassen können. Zweitens: Die richtigen Leute finden: Recruiting ist bis heute das wichtigste und gleichzeitig zeitintensivste Thema, weil wir sehr hohe Ansprüche an unser Team haben. Als noch kleines und eher unbekanntes Startup müssen wir Talente aktiv ansprechen und überzeugen. Drittens: Als kleines Unternehmen sichtbar werden: Gerade zu Beginn ist es schwer, gegen etablierte Anbieter ernst genommen zu werden. Wir mussten uns Schritt für Schritt Reputation aufbauen und zeigen, dass wir trotz kleiner Marke auf Top-Niveau liefern. Viertens: Kommunikation im Gründerteam: Im Gründerteam mussten und müssen wir weiterhin lernen, wie man wirklich klar und effektiv kommuniziert. Es gibt immer wieder Meinungsverschiedenheiten, und wir arbeiten aktiv daran: Jeder von uns Gründern hat mittlerweile einen Psychologen, zusätzlich haben wir einen Team-Coach, mit dem wir an diesen Themen arbeiten. Auch unsere Mitarbeitenden haben Zugang zu den Coaches. Außerdem machen neue Teammitglieder direkt beim Einstieg einen Personality-Test, damit wir früh verstehen, wie die Person tickt und wie wir am besten miteinander kommunizieren. Absoluter Game-changer und es macht unfassbar Bock mit dem Team zu arbeiten.
Welches Projekt steht demnächst ganz oben auf eurer Agenda?
Wir sind gerade in den finalen Zügen unserer letzten kleineren Finanzierungsrunde. Ziel ist, bis Ende dieses Jahres profitabel zu werden. Parallel sind wir sehr intensiv im Recruiting und suchen Talente in Sales, Marketing sowie einen Founders Associate. Dieses Jahr sind wir zum ersten Mal auf größeren Branchen-Events präsent und zeigen gemeinsam mit Kunden wie Blackroll, Natural Elements, Animonda und Bears with Benefits, welche messbaren Erfolge wir mit unseren Case Studies erzielen konnten. Außerdem steht der Launch eines größeren neuen Produkts an. Dafür arbeiten wir aktuell mit Fashion Brands an einem neuen Use Case rund um Working Capital: ein bekanntes Problem, das bislang noch nicht überzeugend gelöst wurde.
Wo steht Aybee in einem Jahr?
Bei 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und bei profitablen 1,5 Millionen ARR.
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Foto (oben): SL25
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Meta kauft KI-Startup Moltbook – das passiert mit den Gründern
Meta übernimmt KI-Startup Moltbook. Die Plattform vernetzt KI-Agenten und soll neue Anwendungen für Unternehmen ermöglichen.
Mark Zuckerberg konnte zwar nicht den Entwickler von OpenClaw für sich gewinnen – dafür hat er sich nun die Köpfe hinter Moltbook gesichert.
Meta bestätigte am Dienstag, dass das Unternehmen Moltbook übernommen hat. Bei Moltbook handelt es sich um eine Art Reddit-Forum für KI-Agenten. Teil der Vereinbarung ist, dass die Gründer Matt Schlicht und Ben Parr zu Metas Superintelligence Labs wechseln. Zuerst hatte „Axios“ über den Deal berichtet.
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„Das Moltbook-Team, das zu MSL stößt, eröffnet neue Möglichkeiten dafür, wie KI-Agenten für Menschen und Unternehmen arbeiten können“, erklärte ein Meta-Sprecher in einer Stellungnahme gegenüber BUSINESS INSIDER (BI). „Ihr Ansatz, Agenten über ein ständig verfügbares Verzeichnis miteinander zu verbinden, ist ein neuartiger Schritt in einem sich schnell entwickelnden Bereich. Wir freuen uns darauf, gemeinsam innovative und sichere KI-Agentenerfahrungen für alle zu entwickeln.“
Metas KI-Labor wird von Alexandr Wang geleitet, dem Chief AI Officer des Unternehmens. Seit Meta rund 14 Milliarden US-Dollar in das KI-Unternehmen Scale AI investiert hat, um Wang im intensiven Wettbewerb um KI-Talente abzuwerben, hat er die KI-Strategie des Konzerns neu ausgerichtet.
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Moltbook versteht sich als eine Art soziales Netzwerk für KI-Agenten. Die Plattform ist dafür konzipiert, parallel zu OpenClaw zu laufen – dem beliebten Open-Source-KI-Agenten, der in der Tech-Szene schnell an Popularität gewonnen hat.
OpenClaw-Entwickler wechselte zu OpenAI
Mark Zuckerberg hatte zuvor versucht, OpenClaw-Entwickler Peter Steinberger für Meta zu gewinnen. Das gelang ihm jedoch nicht: Steinberger wechselte stattdessen zu OpenAI. Er erklärte, dass OpenClaw weiterhin unabhängig betrieben werden soll.
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Meta machte keine Angaben zum Kaufpreis der Moltbook-Übernahme.
Lest den Originalartikel auf Business Insider.
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How to neue Märkte: Learnings aus Scale-Up-Perspektive
Der deutschsprachige Markt kann sich schnell wie ein Heimspiel anfühlen. Erst bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass bereits wenige hundert Kilometer und eine Grenze ausreichen, um Prozesse, rechtliche Rahmenbedingungen und Markterwartungen spürbar zu verändern.
Wir sind in Deutschland gestartet, um Unternehmen eine flexible Alternative zur klassischen Beschaffung von Geschäftsausstattung zu bieten. Mit zunehmender Nachfrage wurde klar, dass dieses Modell auch für weitere Märkte relevant ist.
Unser nächster Schritt war Österreich. Neben Sprache und Nähe kam ein entscheidender Faktor hinzu: Wir wurden in den Markt hineingezogen. Viele unserer Partnerhändler aus Deutschland sind dort bereits aktiv und wollten uns mit anbieten. So entstand Marktnähe über bestehende Strukturen – ohne sofort eigenes Personal vor Ort aufbauen zu müssen.
Was zunächst einfach wirkte, entwickelte sich dennoch zu einem rund einjährigen Vorbereitungsprojekt – und genau darin lagen die wichtigsten Learnings.
Expansion beginnt oft nicht mit einer Idee – sondern mit Pull
Viele Expansion-Playbooks starten bei Marktanalysen, TAM/SAM/SOM und Go-to-Market-Plänen. Das ist alles wichtig. Aber in der Praxis ist ein starkes Signal oft viel einfacher:
Der Markt zieht euch bereits.
Wenn Partner, Händler oder bestehende Netzwerke aktiv fragen: „Können wir euch hier auch anbieten?“ – dann ist das nicht nur Opportunität, sondern Validierung.
Wichtig ist dabei: Pull ersetzt nicht die Vorbereitung. Aber Pull kann euch helfen,
- schneller echtes Feedback zu bekommen,
- Vertrauen über bestehende Beziehungen aufzubauen,
- und einen Markteintritt so zu gestalten, dass er nicht sofort eine lokale Organisation erfordert.
Bürokratie und Steuern sind kein Randthema
Bürokratie wirkt in der Strategiephase oft wie ein später lösbares Detail. In der Praxis ist sie Teil des Leistungsversprechens: Meldepflichten, Vertragslogiken, Steuerregeln und Prüfprozesse entscheiden, ob ein Modell skalierbar ist.
Unser wichtigstes Learning: Legal, Steuern und Regulierung früh integrieren – auch technisch. Statt ein Land zu bauen und später anzupassen, lohnt es sich, Länderfähigkeit von Anfang an mitzudenken. Unterschiede sollten früh als Variablen angelegt werden, etwa für:
- Steuersätze und Abrechnungslogiken
- AGB- und Vertragstemplates
- Dokumentations- und Abwicklungsprozesse
So wird Expansion später weniger Umbau und mehr Rollout.
Vor Ort sein schlägt Remote-Perfektion
Expansion wird gerne als Prozess beschrieben: Rollen, Playbooks, KPIs. Was dabei schnell untergeht, ist Vertrauen. Es entsteht in einem neuen Markt häufig analog: durch Gespräche, Verbindlichkeit, kurze Wege.
Gleichzeitig gilt: „Vor Ort“ heißt nicht automatisch „eigene Teams sofort vor Ort“. Für uns war die Händlerstruktur ein Hebel: Viele Partner sind bereits lokal präsent, führen Gespräche und sind Teil der Beziehungsebene – auch in unserem Namen.
Das hat zwei Vorteile:
- Vertrauen entsteht schneller, weil Ansprechpartner „greifbar“ sind.
- Die Organisation muss nicht sofort teure lokale Strukturen aufbauen.
Frontend gleich lassen & im Backend erwachsen werden
Ein entscheidendes Learning aus der Produktentwicklung: Wir haben die Customer Journey bewusst nicht verändert, obwohl sich im Hintergrund viele Besonderheiten klären mussten. Unser Anspruch war, dass es für österreichische Kundinnen und Kunden genauso schnell und unkompliziert sein soll wie für deutsche.
Das ist unbequem – weil es den Druck dorthin verschiebt, wo er hingehört: ins Backend.
Die Regel lautet: Komplexität intern, Einfachheit extern.
Und genau hier zahlt sich die „Country-by-Design“-Architektur aus: Wenn Länderunterschiede sauber in Konfigurationen, Templates und Prüf-Workflows abgebildet sind, muss man das Erlebnis nicht jedes Mal neu erfinden.
Marktpotenzial ist relativ
Ein häufiger Denkfehler ist: „Wir sind in unserem Land stark, also wird es woanders ähnlich laufen.“ In Wirklichkeit ist Expansion weniger ein Klon und mehr eine neue Verteilungsfrage:
- Wie gesättigt ist der Markt?
- Wie hoch ist die Wechselbereitschaft?
- Welche Alternativen sind kulturell „normal“?
Deshalb hat sich für uns eine ehrliche Vorab-Analyse bewährt – nicht nur auf dem Papier, sondern im direkten Austausch mit Partnern und potenziellen Kunden.
Bekanntheit nicht gleich Marktkenntnis
Spannend war bei uns auch die umgekehrte Perspektive: Nur weil man sich selbst noch „neu“ fühlt, heißt das nicht, dass der Markt einen nicht schon wahrgenommen hat, beispielsweise über Partner, Medien, Mitarbeitende oder Netzwerke. Das birgt Chancen und Risiken: Einerseits startet man nicht bei null, andererseits wird man auch schneller an seinem Auftreten gemessen.
Fazit – Expansion ist kein Wachstumsschritt, sondern ein Reifegrad
Österreich war für uns ein „naher“ Markt und gerade deshalb ein guter Lehrmeister. Die wesentlichen Punkte lassen sich verallgemeinern:
- Expansion gelingt nicht durch Kopieren, sondern durch saubere Vorbereitung.
- Bürokratie, Legal und Technik müssen früh zusammengedacht werden.
- Nutzererlebnisse sollten stabil bleiben, während Komplexität ins Backend wandert
Wer Expansion so versteht, baut nicht nur Reichweite auf, sondern eine Organisation, die neue Märkte wiederholbar und nachhaltig erschließen kann.
Über den Autor
Hans-Christian Stockfisch ist Geschäftsführer und Founder von Flexvelop. Das Hamburger FinTech Flexvelop, 2018 von Hans-Christian Stockfisch und Ephraim Robbe gegründet, setzt auf Gerätefinanzierungen.
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Der nächste Milliardenmarkt für Startups: Kinderschutz im Internet
Fabian Westerheide ist Gründungspartner des KI-fokussierten Venture-Capital-Investors AI.FUND und investiert seit 2014 privat über Asgard Capital in KI-Unternehmen. Als Strategieberater für öffentliche und private Institutionen beschäftigt er sich mit der Frage, wie Künstliche Intelligenz in Organisationen ankommt – und warum sie dort oft scheitert. In diesem Beitrag teilt er seine wichtigsten Erkenntnisse aus zehn Jahren Gesprächen mit Mittelstand, Konzernen und Startups über digitale Transformation.
Stell dir vor, du lässt dein zehnjähriges Kind allein in einem Viertel spazieren, in dem Dealer, Prostituierte, radikale Prediger und Waffenhändler an jeder Ecke stehen. Du würdest es nicht tun. Niemals. Doch genau das tust du jeden Tag – sobald du deinem Kind ein Smartphone in die Hand drückst und es unbeaufsichtigt ins offene Internet entlässt.
Als Investor und Vater sehe ich hier eine gefährliche Diskrepanz. Wir reden seit Jahren über „KI Made in Europe“ und suchen nach der nächsten großen industriepolitischen Vision. Ich habe einen Vorschlag für dich, der nicht nach trockener Industriepolitik klingt – aber genau das ist: Kinderschutz als digitale Infrastruktur. Nicht als nette Filter-App, sondern als technologisches Fundament, das Ethik und Profit versöhnt.
Das Internet ist kein Spielplatz – es ist asymmetrische Kriegsführung
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