Apps & Mobile Entwicklung
Effekt von Social-Media-Verbot gering: Smartphone-Verbote an Schulen bedingt erfolgreich
Die Forderungen nach Smartphone- und Social-Media-Verboten für Kinder und Jugendliche finden in Deutschland breite Zustimmung. Neue Untersuchungen aus den USA und Australien deuten jedoch darauf hin, dass die erhofften positiven Auswirkungen deutlich geringer ausfallen könnten, als vielfach angenommen wird.
Das Smartphone ist aus dem Alltag vieler Menschen hierzulande nicht mehr wegzudenken, das gilt auch für Jugendliche. Eine neue Erhebung des Ifo-Instituts, über das die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Paywall) berichtet, zeigt, dass knapp die Hälfte der Jugendlichen an Wochentagen zwischen einer und drei Stunden täglich auf Social-Media-Plattformen verbringt. Jeder Fünfte kommt auf bis zu fünf Stunden, zehn Prozent sogar auf noch höhere Nutzungszeiten. An Wochenenden fällt die Nutzung der Studie zufolge nochmals höher aus.
Verbot sozialer Medien wird auch in Deutschland hitzig diskutiert
Von vielen Experten werden Smartphones und insbesondere soziale Medien zunehmend für gesellschaftliche Probleme wie schlechtere Bildungsergebnisse oder psychische Erkrankungen verantwortlich gemacht. Für viele dieser Zusammenhänge liegen bislang jedoch weiterhin nur begrenzte wissenschaftliche Belege vor, dennoch wollen auch politische Entscheidungsträger hierzulande die Nutzung zunehmend einschränken. So wird auch inzwischen offen über ein Verbot sozialer Plattformen für Jugendliche unter 14 Jahren diskutiert.
Der Nutzen solcher Verbote wird von vielen Experten jedoch erheblich infrage gestellt. So empfahl der Deutsche Kinderschutzbund bereits im Februar des vergangenen Jahres, stärker auf die Vermittlung von Medienkompetenzen als auf strikte Verbote zu setzen.
Ökonomen in den USA haben laut dem Bericht inzwischen Daten von Schulen ausgewertet, die Smartphones mithilfe verschließbarer Telefontaschen konsequent aus dem Unterricht verbannten. Die Mobiltelefone mussten hier bereits beim Betreten des Schulgeländes abgegeben werden.
Erfolg bisher nicht belegt
Die Erfolge fallen bislang jedoch überschaubar aus. Positive Auswirkungen auf schulische Leistungen oder das soziale Miteinander konnten kaum nachgewiesen werden, weder verbesserten sich die Prüfungsergebnisse noch ging Online-Mobbing spürbar zurück. Teilweise brachte das Verbot sogar Nachteile mit sich. Der Studie zufolge nahm die Aufmerksamkeit der Schüler im Unterricht langfristig leicht ab. Beim subjektiven Wohlbefinden zeigten sich zunächst negative und später leicht positive Effekte, die insgesamt jedoch begrenzt blieben.
Verbot in Australien im Grunde wirkungslos
Auch beim Ende des vergangenen Jahres in Australien eingeführten Verbot sozialer Netzwerke für Jugendliche unter 16 Jahren macht sich zunehmend Ernüchterung breit. Eine bereits Mitte Mai veröffentlichte Studie eines internationalen Forscherteams, an der auch der Kölner Ökonom Christopher Roth beteiligt war, befragte im Februar 2026 insgesamt 1.027 australische Jugendliche im Alter von 10 bis 17 Jahren. Die Ergebnisse zeigen, dass 57 Prozent der 14-Jährigen und 68 Prozent der 15-Jährigen die Plattformen trotz Verbots weiterhin nutzen.
Die Forscher führen dies vor allem auf starke Netzwerkeffekte zurück. Jugendliche bleiben auf den Plattformen aktiv, weil sich auch ihre Freunde weiterhin dort aufhalten.
Auch sozialer Druck spielt eine wichtige Rolle. Jugendliche, die sich konsequent an das Verbot halten, werden innerhalb ihrer Altersgruppe häufig als weniger beliebt wahrgenommen. Dadurch fühlen sie sich öfter ausgeschlossen und haben größere Schwierigkeiten, mit ihrem Freundeskreis in Kontakt zu bleiben.
Auch negative Auswirkungen zu beobachten
Die Studie nennt zudem weitere negative Aspekte. So soll das Verbot bei den tatsächlich betroffenen Jugendlichen deutliche Auswirkungen auf deren Nachrichtenkonsum gehabt haben. Rund 41 Prozent der Befragten gaben an, am Vortag Nachrichten über soziale Medien konsumiert zu haben. Etwa ein Drittel folgt gezielt Social-Media-Konten, um Nachrichten zu erhalten.
Soziale Netzwerke dienen damit nicht nur für soziale Kontakte, sondern werden auch aktiv zur Informationsbeschaffung genutzt. Gleichzeitig habe der Zugang zu lokalen Informationen, gesellschaftlichen Debatten und Diskussionen über aktuelle Ereignisse bei den Betroffenen spürbar abgenommen.
Das könnte weitreichende Folgen haben: Rund 39 Prozent nutzen keinerlei klassische Nachrichtenquellen wie Nachrichtenseiten, Apps, Radio, Fernsehen oder Zeitungen. Die Autoren verweisen zudem auf zahlreiche wissenschaftliche Studien, die einen Zusammenhang zwischen regelmäßigem Nachrichtenkonsum, Medienkompetenz und gesellschaftlicher Teilhabe belegen. Wer sich häufiger mit Nachrichten beschäftigt, entwickelt demnach bessere Fähigkeiten zur Bewertung von Informationen und zur Erkennung von Desinformation. Gleichzeitig fördert Nachrichtenkonsum politisches Interesse, gesellschaftliches Engagement und die Beteiligung am öffentlichen Leben.
Studien liefern keinen Nachweis für Wirkung von Verboten
Den Untersuchungen zufolge dürften sowohl Smartphone-Verbote an Schulen als auch umfassende Social-Media-Verbote deutlich weniger Wirkung entfalten, als von vielen Befürwortern regelmäßig behauptet wird. Zwar können sie die Nutzung bestimmter Angebote einschränken, klare Verbesserungen bei Bildung, Wohlbefinden oder sozialem Verhalten lassen sich bislang jedoch kaum nachweisen.