Künstliche Intelligenz
Elektro-Sportenduro Radian EXR vorgestellt: Viel Kraft aus Wechselakkus
Im Geländesport finden elektrisch betriebene Motorräder immer größeres Interesse. Das 2021 gegründete Start-up Radian aus Twente in den Niederlanden präsentiert jetzt die Sportenduro EXR. Die Firmengründer haben bereits 2018 eine internationale MotoE-Vorserie gewonnen und darauf ihr Unternehmen aufgebaut. Die EXR besticht mit einem eleganten Auftritt und praxisgerechten Lösungen.
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Im Endurosport spielt Zeit eine wichtige Rolle, lange Ladezeiten an einer Steckdose kann sich im Wettbewerb keiner leisten. Dem Problem tritt Radian mit dem zum Patent angemeldeten InfiniPack-Batteriesystem entgegen. Im Motorrad stecken zwei Wechselakkus. Laut Aussage des Unternehmens lässt sich ein leerer Akku in weniger als 30 Sekunden austauschen – und zwar ohne Werkzeug. Das Betanken einer Sportenduro mit Verbrennungsmotor dürfte eher länger dauern. Während der Fahrer sich auf die nächsten Runden begibt, lädt der Akku in der Ladestation, die mit ihren Rädern einer kleinen Sackkarre ähnelt.
(Bild: Sur Ron )
Batterie in gebogener Form
Die Batterie hat eine gebogene Form, die als Namensgeber der Firma Radian diente, und soll so einen noch schnelleren Wechsel zulassen. Zugleich soll sie den Schwerpunkt des Motorrads zentrieren, was seiner Handlichkeit zugutekommt. Die EXR hat einen leichten Aluminiumrahmen mit Unterzügen, der den in Kohlefaserlaminat gehüllten Elektromotor und die je 22 Kilogramm schweren Batterien aufnimmt. Auch die Schwinge besteht aus Aluminium. Die Enduro soll mit einer Batterie inklusive Beleuchtung 125 kg wiegen, im Kleingedruckten der technischen Daten steht freilich noch „Zielgewicht“ dabei.
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Radian
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Stattlicher Federweg
Für die Fahrwerkskomponenten greift Radian zu den Teilen des bewährten Anbieters KYB. Die Upside-down-Gabel misst 48 mm im Durchmesser und ist voll einstellbar, das hintere Federbein sogar im High- und Low-Speed-Bereich. Vorn wie hinten arbeiten die Komponenten auf stattlichen 300 mm Federweg. Die EXR ist mit 99 cm Sitzhöhe endurotypisch hoch, dafür hat sie aber auch eine üppige Bodenfreiheit von 345 mm.
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Auch bei den Bremsen greift Radian zu hochwertiger Ware: Der Zweikolbenbremssattel vorn mit 260-mm-Bremsscheibe und der Einkolbenbremssattel mit 220-mm-Bremsscheibe hinten stammen von Brembo. Die Hinterradbremse wird über den linken Handhebel betätigt, da die Radian keine Kupplung besitzt. Ein Schaltgetriebe ist wegen des Drehmomentverlaufs beim Elektromotor nicht notwendig.
Mögliche Alternativen
Da bleibt wenig hängen
Die Radian EXR zeigt ein modernes Design mit einer flachen, langen Sitzbank, die dem Fahrer große Bewegungsmöglichkeiten gibt. Die Kunststoffteile sind glatt, sodass wenig Schmutz hängen bleiben kann. Eine knappe Frontmaske integriert einen flachen LED-Scheinwerfer mit Tagfahrlicht. In einem kleinen Bildschirm vor der Sitzbank kann der Pilot die wichtigsten Informationen ablesen. Unter anderem zeigt es auch ein Zeitnahme-System, wie es bei Endurowettbewerben wichtig ist.
Leistung über App einstellbar
Die Leistung des 336-Volt-Motors kann über die Radian-App auf dem Smartphone via Bluetooth stufenlos zwischen 7 und 52 kW eingestellt werden. Das maximale Drehmoment gibt der Hersteller mit 1060 Nm an. Die 8,6-kWh-Batterie soll sich von 20 auf 80 Prozent in 90 Minuten am 3,3-kW-Ladegerät aufladen. Ihre Reichweite variiert je nach Einsatz: Auf der Motocross-Strecke, wo viel Leistung abgerufen wird, leert sie sich naturgemäß wesentlich schneller als beim beschaulichen Ritt über Trails. Der Hersteller beziffert die Reichweite auf 60 bis 115 km, eine Normangabe nach WMTC fehlt noch.
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Radian
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Mit Rückwärtsgang
Die EXR bietet zwei ungewöhnliche Features für eine Sportenduro: erstens einen „Rückwärtsgang“, mit dem in Schrittgeschwindigkeit rangiert werden kann, und zweitens ein sieben Liter großes Staufach unter der hochklappbaren Sitzbank. Hier können kleinere Gegenstände transportiert werden. Zukünftig will Radian auch einen Onboard-Charger und ein CCS-Charging-Modul anbieten, die genau dort untergebracht werden sollen.
Mit Straßenzulassung
Die Radian EXR soll mit Straßenzulassung ab dem vierten Quartal 2027 ausgeliefert und kann bereits vorbestellt werden. Die erste Serie ist für 14.450 Euro bestellbar, den normalen Preis gibt der Hersteller mit 14.750 Euro an. Das ist zwar rund 2800 Euro teurer als eine vergleichbare 450er-Sportenduro mit Verbrennungsmotor, aber die Betriebs- und Wartungskosten der EXR sollen um 70 Prozent darunter liegen.