Künstliche Intelligenz
Erstklassiges WLAN-Mesh-System mit Top-Software: Ubiquiti Unifi im Test
Schickes Design, hervorragende Software: Das Mesh-System aus Unifi Dream Router 7 und Unifi Express 7 bietet weitaus mehr als reine Durchsatzraten.
Das Unifi-Mesh von Ubiquiti folgt einem ähnlichen Konzept wie das Fritz-Mesh. So gibt es einen vollwertigen Meshrouter und einen reinen Knoten/Access Point, der sich nahezu vollständig auf das Weiterreichen des WLAN-Signals fokussiert. Unsere gewählte Zusammensetzung besteht aus dem Ubiquiti Unifi Dream Router 7 und dem Access Point Unifi Express 7.
Wir haben uns hier für den Express 7 entschieden, weil wir ein klassisches Mesh abbilden möchten, das sowohl eine drahtlose als auch kabelgebundene Kommunikation zwischen den Knoten unterstützt (Wireless und wired Backhaul) – so wie alle anderen Mesh-Systeme in unserer Bestenliste. Andere Unifi-Modelle unterstützten mitunter ausschließlich kabelgebundenes Backhaul.
Unser gewählter Aufbau dient somit exemplarisch, ist aber so gewählt, dass er eine ähnliche Funktionalität wie die anderen Mesh-Systeme in unserer Bestenliste bietet. Welchen AP man am Ende nutzt, kommt aber auf den persönlichen Bedarf und die eigenen Vorlieben an – hier kann man flexibel wählen.
Der Dream Router und der Unifi Express unterstützen beide das durchsatzstarke 6-GHz-Band, MLO (Multi-Link Operation) und besitzen ein kleines Status-Display. Im Test zeigen sich die Stärken und Schwächen des Aufbaus und wie das System im Vergleich zur Konkurrenz bestehen kann.
Die Testgeräte haben uns die Kollegen von Mindfactory zur Verfügung gestellt.
Ausstattung: Welche Funktionen und Anschlüsse bietet das Ubiquiti Unifi Mesh?
Auch wenn es Unifi nicht so bewirbt, hat der Unifi Dream Router 7 (UDR 7) eine theoretische Übertragungsrate von maximal 11.000 Mbps. Erwartungsgemäß ist das 6-GHz-Band mit 5,7 Gbps am durchsatzstärksten, dicht gefolgt vom 5-GHz-Band mit 4,3 Gbps. Deutlich schwächer ist dann wiederum das 2,4-GHz-Band mit nurmehr 688 Mbps.
MLO wird in den neueren Firmwareversionen nun unterstützt, wenn auch nur als „alternating MLO“ – das ist aber aktuell bei allen bekannten Mesh-Systemen mit Wifi 7 der Fall. So wechselt der Router nur flüssig zwischen den Frequenzbändern, sollte es etwa Signalstörungen auf einem Band geben. Das gleichzeitige Senden auf mehreren Frequenzbändern (simultaneous MLO) ist damit aber eben nicht abgedeckt, wodurch die Pseudoklassen, etwa von 11.000 BE, noch rein theoretische Werte sind.
Abgesehen davon nutzt das Mesh im 6-GHz-Band den erweiterten Kanal von 320 MHz und allgemein die 4K-QAM, was den Datendurchsatz zu vorherigen Standards noch einmal deutlich erhöht.
Der UDR 7 bietet dreimal 2,5-Gigabit-LAN, einmal 2,5-Gigabit-WAN und noch einmal WAN als 10-Gigabit-SFP+-Port. Für den üblichen Nutzer ist das erst einmal wenig sinnvoll. Wer aber höchstmögliche Stabilität benötigt, hat so auch beim WAN immer die Option für ein „Fallback“, sodass die Verbindung zum Internet eine gewisse Redundanz aufweist. Das ist etwa dann sinnvoll, wenn man selbst Services hosten möchte. Am ersten LAN-Port liefert der UDR 7 auch PoE (Power over Ethernet) mit einem Budget von 15,4 W.
Der Unifi Express 7 (UX 7) verfügt über einen LAN-Anschluss mit 2,5 Gigabit und einen WAN-Anschluss mit 10 Gigabit – hier als üblicher RJ45-Stecker. Die Stromversorgung erfolgt am Dream Router mittels zweipoligem Netzstecker und am Express 7 mit dem mitgelieferten USB-C-Netzteil. Beim VPN stellt das Unifi-Mesh die Protokolle Ipsec, OpenVPN, Wireguard und L2TP, sowie das proprietäre „Site Magic“.
Zudem gibt es umfangreiche VLAN-Funktionen, sowohl zur Trennung der Drahtlosnetzwerke, als auch für die LAN-Ports am Gerät selbst. Der Dream Router 7 verfügt außerdem noch über einen Steckplatz für eine microSD-Karte, mit der der interne Netzwerk-Speicher von 64 GB (62,5 GB nutzbar) noch einmal erweitert werden kann.
Einrichtung: Welche Schritte sind beim Ubiquiti Unifi Mesh erforderlich?
Zum Einrichten des Routers laden wir zunächst die „UniFi“-App herunter. In der App werden wir dann dazu aufgefordert, das Bluetooth zu aktivieren, über das der eingeschaltete Router dann anschließend gefunden wird. Als Nächstes sollen wir wieder über den WAN-Anschluss eine Verbindung zum Internet herstellen. Wir nutzen einen OpnSense-Router in unserem Netzwerk, über den der Unifi-Router eine IP-Adresse zugewiesen und den gewünschten Internetzugriff bekommt.
Es folgt nun schon die Einrichtung des WLANs, wobei wir den Knoten selbst auch umbenennen können. Im Folgenden vergeben wir noch ein Passwort für den sicheren Zugriff auf die Oberfläche des Routers, sei es über die App oder Weboberfläche. Damit ist der erste Teil der Einrichtung bereits problemlos abgeschlossen. Die App teilt uns sofort mit, sobald der Mesh-Knoten Unifi Express 7 hochgefahren ist, dass sie ein kompatibles Gerät gefunden hat und die Integration ins Mesh beginnen kann.
Ubiquiti Unifi – Einrichtung & App
Nach einer kurzen Wartezeit, wobei der Fortschritt auch auf den Displays an den Gerät live angezeigt wird, ist das Mesh bereits einsatzbereit. Wir aktualisieren jetzt noch die Firmware des Routers auf die neueste Version 4.1.22 und die des „Unifi Network“ auf 10.0.162. Die App ist sehr übersichtlich, optisch ansprechend gestaltet und bietet obendrein eine enorme Menge an Optionen – so muss eine moderne Netzwerk-App aussehen.
Was uns zuerst gar nicht aufgefallen ist, für den ein oder anderen allerdings störend sein könnte: Die App ist in einigen Teilen nur auf Englisch. Die Weboberfläche ist ähnlich gestaltet und liefert auch eine gute Nutzererfahrung, wir bleiben allerdings erst einmal bei der App. Für unsere Tests setzen wir eigene Werte für die Wifi-Geschwindigkeit, indem wir für jedes Frequenzband die maximale Kanalbreite einstellen.
MLO ist nach dem Firmwareupdate ebenfalls verfügbar und wir schalten es trotz der minimalen Umsetzung an – was man hat, will man ja auch nutzen. Wir hatten anfänglich Probleme, dass sich unsere Testgeräte mit dem Wifi-7-Standard verbinden. Das konnten wir anhand der grafischen Wifi-Topologie in der App aber schnell feststellen und durch einen Neustart aller Geräte beheben.
Performance: Wie schnell ist das Ubiquiti Unifi Mesh?
Wir testen die reale Geschwindigkeit des Meshs wieder zuerst an unseren drei statischen Messpunkten. Dabei steht der UDR 7 im Büro im Obergeschoss und der Express 7 im Flur des Untergeschosses bei drahtloser Koppelung (Wireless Backhaul).
Allerdings können wir nur mit dem Minisforum M1 Pro (Wifi-Chipsatz: Intel BE200) einen starken Durchsatz von 2334 Mbps Down- und 2173 Mbps Upload mit dem Openspeedtest messen. Mit Iperf sind es noch 1,82 Gbps in einem Messzeitraum von 10 Sekunden. Wichtig zu erwähnen ist, dass beim Openspeedtest bereits 4 Prozent Toleranz beaufschlagt sind, die durch das andere Messverfahren in etwa verloren gehen. Dabei handelt es sich um den Standardwert der Software, den wir unverändert lassen.
Unsere weiteren Testgeräte erzielen nur 1892 Mbps im Down- und 1644 Mbps im Upload (Geekom A9 Max) bzw. 1727 Mbps und 1836 Mbps im Falle des Pixel 10 Pro XL. Mit Iperf 3 messen wir nur 992 Mbps mit dem A9 Max, beim Pixel sind es wiederum 1,43 Gbps im Upload und 1,41 Gbps im Download.
Am zweiten Messpunkt im Flur, direkt neben dem Mesh-Satelliten, messen wir zunächst wieder die gesamte WLAN-Geschwindigkeit. Dabei muss das Signal aus dem 1. OG vor allem den Fußboden mit Heizung durchdringen. Hier liegen die Messwerte wieder sehr nah beieinander, wobei das Pixel die höchsten Ergebnisse erreicht. Im Openspeedtest sind es zwischen 47 (M1 Pro) und 60 Mbps (A9 Max) im Down- und 138 (Pixel) bis 193 Mb/s (A9 Max) im Upload. Mit Iperf liegen die Werte nur noch zwischen 139 (M1 Pro) und 170 Mb/s (A9 Max) für die Mini-PCs.
Das Pixel bildet hier das Schlusslicht mit 98 Mbps im Up- und 53 Mbps im Download. Mithilfe der App können wir sehen, dass sich unsere Testgeräte mit dem richtigen Knoten verbinden, was sonst zumindest die vergleichsweise schlechten Werte erklärt hätte. Über das Display meldet der Express 7 allerdings eine schlechte Verbindungsqualität an unserem Standard-Messpunkt.
Bei direkter Verbindung der Mini-PCs mit dem Satelliten im Flur per LAN messen wir die Übertragungsgeschwindigkeit zwischen den beiden Mesh-Knoten. Die Messungen fallen hier entgegen unserer Erwartungen bei beiden Mini-PCs sogar schlechter aus – vielleicht nur durch ein ungünstiges Verschieben des Mesh-Knotens. Im Download des Openspeedtest liegen wir bei 48 bis 53 Mbps und im Upload bei 135 bis 165 Mbps. Die Messwerte in Iperf ähneln stark den Upload-Werten mit 120 bis 141 Mbps. Uns ist schon seit einiger Zeit aufgefallen, dass die Werte im Upload gerade bei schlechterer Verbindungsqualität deutlich besser sind, als der Download – einen klaren Grund hierfür kennen wir zum aktuellen Zeitpunkt aber nicht.
Am dritten Messpunkt in der Küche, wobei der Satellit auf halbem Weg zum Hauptknoten liegt, sinken die Werte natürlich abermals. Hier messen wir im Openspeedtest zwischen 36 (A9 Max) und 73 Mbps (Pixel) im Down- und 126 (Pixel) bis 160 Mbps (M1 Pro) im Upload. Das sind nicht sonderlich gute Messwerte, ein solches Ergebnis war aber nach den Werten aus dem vorherigen Test schon in gewisser Art vorauszusehen.
Als Nächstes bewegen wir uns vom Hauptknoten im Obergeschoss durch den Flur in die Küche und anschließend wieder zurück. Wir gehen also an allen vorherigen Messpunkten vorbei und beobachten auf dem Pixel mit dem Openspeedtest, wie gut der Wechsel im Mesh vonstattengeht. Dafür nutzen wir wie bisher zunächst eine drahtlose Verbindung zwischen den Mesh-Knoten (Wireless-Backhaul).
Dabei sehen wir in einem von drei Durchläufen einen vollständigen Verbindungsabbruch während des Download-Tests beim Zurückwechseln zum Hauptknoten. Die Verbindung kann automatisch nicht rechtzeitig wiederhergestellt werden, womit der Upload-Test in diesem Fall fehlschlägt. In den beiden anderen Durchläufen funktioniert alles genauso, wie es soll. Mit einem Wired Backhaul können wir einen Verbindungsabbruch vollständig umgehen.
Zuletzt testen wir den Hauptrouter alleine und ohne Hindernisse. Dazu messen wir mit dem Pixel in einer Entfernung von 15 und 30 Metern im Freien. Bei 15 m erhalten wir 763 Mbps im Down- und 543 Mbps im Upload, die Werte sind auch durchweg sehr stabil. Bei 30 Metern messen wir noch 473 Mb/s im Download und 313 Mb/s im Upload, ebenfalls sehr stabil.
So lässt sich sagen, dass das Unifi-Mesh, bestehend aus dem Dream Router 7 und Express 7, die in Deutschland übliche Internetgeschwindigkeit von 31 bis 100 Mb/s bei uns im gesamten Haus bereitstellen kann. Bei einer optimalen Platzierung sind auch noch höhere Geschwindigkeiten bei den genutzten Flächen drin.
Der Verbrauch des Dream Routers beläuft sich auf 11 W im Idle und 13 W bei aktivem Geschwindigkeitstest.
Gehäuse: Wie ist die Verarbeitung des Ubiquiti Unifi Mesh?
Ubiquiti Unifi – Bilderstrecke
Optisch spielen sowohl der Dream Router als auch das Express 7 in einer ganz anderen Liga. Beide sind in schlichtem Weiß gehalten und aus PC (Polycarbonate) gefertigt. Die Geräte wirken so enorm hochwertig und weisen auch keine scharfen Kanten, etwa an der Unterseite, auf. Auf den Mesh-Knoten findet sich nur dezent das Logo des Herstellers wieder. Der Dream Router 7 kommt in einer eher zylindrischen Form mit abgerundeten Kanten und misst 110 mm im Radius, bei einer Höhe von 184,1 mm. Der Express 7 erinnert an einen kompakten Mini-PC und misst 117 × 117 × 42,5 mm. Beide haben ein 0,95-Zoll-großes Farbdisplay auf der Vorderseite, das die aktuelle Bandbreitennutzung des Geräts, sowie die Anzahl verbundener Clients anzeigt.
Die Stromversorgung des Dream Routers erfolgt über einen zweipoligen Netzstecker und beim Express 7 über USB-C. Für beides sind die benötigten Kabel und das Netzteil im Lieferumfang enthalten. Im Lieferumfang gibt es zudem ein Werkzeug, um den Adapter für den SFP+-Port wieder entfernen zu können.
Preis: Was kostet das Ubiquiti Unifi Mesh?
Der Unifi Dream Router 7 ist bei Galaxus aktuell am günstigsten mit 242 Euro. Den Unifi Express 7 gibt es derzeit für 180 Euro. Insgesamt kommt man also für das gesamte Mesh in dieser Zusammenstellung auf 422 Euro.
Bei Amazon kostet der Dream Router 7 derzeit knapp 283 Euro. Das Unifi Express 7 ist dort zudem aktuell im Angebot für 184 Euro (467 Euro insgesamt).
Fazit:
Das Ubiquiti Unifi Mesh, in unserem Fall bestehend aus dem Dream Router 7 und dem Express 7, zielt vor allem auf ein ideales Nutzererlebnis ab – egal ob Netzwerkprofi oder absoluter Anfänger. Das kostet aber auch, denn für mindestens 422 Euro (UDR7: 242 Euro + UX7: 180 Euro) liefert das Mesh am Ende des Tages weniger Durchsatzleistung als andere Mesh-Systeme in diesem Preisbereich.
Die Geschwindigkeiten halten wir für den üblichen Haushalt trotzdem für mehr als ausreichend und die Tests zeigen grundsätzlich eine dauerhaft stabile Verbindung. So hat uns das Mesh insgesamt doch überzeugt, allen voran durch die hervorragende Software, die wir im Vergleich für am besten strukturiert halten – bis auf einzelne fehlende deutsche Übersetzungen. Wir gehen davon aus, dass Ubiquiti das Mesh mit der Zeit noch weiter durch Softwareupdates verbessern wird, auch wenn das natürlich kein Grund sein sollte, das System zu kaufen, wenn der aktuelle Zustand einem noch nicht ausreicht.
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CDU beschließt Social-Media-Verbot für Kinder, aber keine Klarnamenpflicht
Am Samstagmittag hat die CDU auf ihrem Bundesparteitag in Stuttgart beschlossen, dass die Bundesregierung ein generelles Social-Media-Verbot für Menschen unter 14 Jahren auf den Weg bringen soll. Die Delegierten sprachen sich für einen geänderten Vorschlag aus. Zuvor gab es einen Antrag vom Landesverband Schleswig-Holstein, der ein Mindestalter von 16 Jahren vorsah.
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Eine öffentliche Diskussion auf dem Parteitag gab es nicht, offenbar waren die Positionen schon im Vorfeld und am gestrigen Abend festgelegt worden. Die ebenfalls vor dem Parteitreffen von Bundeskanzler Friedrich Merz angestoßene Debatte über eine Klarnamenpflicht fruchtete nicht, diese wurde nicht Teil des Beschlusses. Das Thema Klarnamenpflicht soll laut der „Bild“ nun an die Fraktion übergeben werden.
„Digitales Erwachsenwerden“
Wie die Süddeutsche Zeitung aus dem angenommenen Antrag zitiert, ist die Bundesregierung nun aufgefordert, „eine gesetzliche Altersgrenze von 14 Jahren für die Nutzung sozialer Netzwerke einzuführen und das besondere Schutzbedürfnis bis zum 16. Lebensjahr im digitalen Raum auszugestalten“. Für Nutzer zwischen 14 und 15 Jahren sollen die Plattformen gesonderte Jugendversionen ihrer Dienste anbieten. Zugleich soll im Schulunterricht Medienkompetenz laut CDU „verbindlich gestärkt“ werden. Der gesamte Vorstoß läuft dem Antrag zufolge unter dem Motto „verantwortungsvolles digitales Erwachsenwerden“.
Damit ist der Weg frei für neue Gesetze. Die SPD hatte ihre zuvor ablehnende Haltung geändert. Zuerst sprach sich Parteichef und Vizekanzler Lars Klingbeil am vergangenen Wochenende für eine entsprechende Regulierung aus, später formulierte die Partei ein Impulspapier. Darin ist auch die Altersverifikation per EUDI-Wallet vorgesehen.
Wie nun von der CDU beschlossen, sieht auch das Papier der SPD eine Abstufung vor: Bis 14 Jahre soll Kindern die Nutzung von sozialen Netzwerken generell verboten werden, von 14 bis 16 Jahren sollen sie nur Jugendversionen nutzen können, und ab 16 Jahren dann uneingeschränkten Zugriff erhalten.
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(nie)
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Erfahrungsbericht: Hindernislauf beim Umzug von Amazon AWS in EU-Cloud
Der Entwickler Robert Heide hat eine europäische Autoteile-Handelsplattform gegründet. Diese wollte er nicht (mehr) beim US-amerikanischen Cloud-Hyperscaler Amazon AWS betreiben, sondern bei EU-Anbietern. Welche unvorhergesehenen Probleme beim Umzug zu lösen waren, erläutert er in einem Blog-Beitrag.
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Machbar, aber schwieriger als gedacht
Im Blog seiner Beratungsfirma Coinerella.com legt Heide zunächst die Gründe dar, weshalb er die Handelsplattform hank.parts überhaupt bei EU-Anbietern hosten will: Datensouveränität, Unabhängigkeit von US-Firmen, einfachere Erfüllung der DSGVO-Vorgaben. Aber er wollte auch beweisen, dass es geht.
Dann erklärt Heide, welche Anbieter er ausgewählt hat, darunter Hetzner, Scaleway, Bunny.net und Hanko. Schwieriger wurde es dann bei der Infrastruktur, mit der er Kubernetes betreibt, nämlich via Rancher. Dazu wiederum nutzt er Gitea, Plausible, Twenty CRM, Infisical und Bugsink.
Dazu kommen noch Tutanota und UptimeRobot.
Billiger als AWS
Laut Heide verkauft Hetzner die Basisdienstleistungen Compute, Massenspeicher (S3-kompatibles Object Storage) und Load Balancing deutlich billiger als AWS.
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Von Scaleway nutzt er unter anderem Transactional E-Mail (TEM), Container Registry, den Observability Stack und den Domain Registrar.
Von der slowenischen Bunny.net kommen CDN mit verteiltem Storage, DNS und Schutzfunktionen wie WAF und DDoS Protection. Bei Nebius läuft die KI-Inferenz und bei Hanko Authentifizierung und Identity Management.
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Schwierige Stellen
Die ersten überraschenden Schwierigkeiten traten laut dem Blog-Beitrag bei der Einrichtung eines E-Mail-Dienstes mit vernünftigen Preisen, aber auch dem gewünschten Funktionsumfang auf. Es sei nicht einfach, die in der EU angebotenen Dienste und deren genaue Preise zu entdecken. Scaleway TEM laufe gut, aber das Ökosystem sei kleiner, beispielsweise fänden sich weniger Templates.
Besonders schwierig fiel dem Entwickler der Abschied vom gewohnten GitHub. Gitea funktioniere zwar sehr gut, verlange aber Umgewöhnung.
Ärgerlich sei, dass die Registrierung unter manchen Top-Level Domains (TLD) über europäische Dienstleister deutlich teurer sei als anderswo.
Unlösbare Probleme
Der Entwickler beschreibt auch Dienste, die es in der EU schlichtweg nicht gibt. Ohne Google und Apple gibt es keine Smartphone-Apps für Android und iOS und auch keine Werbung mit Google Ads. Zudem erwarte seine Kundschaft Komfortfunktionen wie „Über Google anmelden“ und „Mit Apple anmelden“. Auch der OAuth-Workflow via Hanko müsse in diesem Fall US-Anbieter berühren.
Schließlich würden manche attraktiven KI-Dienste bisher schlichtweg nicht in Europa angeboten, als Beispiel nennt er Anthropic Claude.
(ciw)
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Apple erwägt chinesische Speicherchips für iPhones – wohl für China
DRAM-Chips für Arbeitsspeicher und NAND-Flash-Chips für SSDs sind derzeit teuer und vor allem knapp. Deshalb erwägt Apple angeblich, künftig solche Speicherchips auch von den chinesischen Herstellern CXMT (DRAM) und YMTC (Flash) zu kaufen. Sie dürften zunächst in iPhones, iPads und MacBooks eingebaut werden, die Apple auch in China verkauft.
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Die Entscheidung insbesondere für iPhones mit CXMT-DRAM wäre für CXMT ein wichtiger Meilenstein. Denn bei aktuellen iPhones sind die LPDDR5X-SDRAM-Chips nicht einfach auf der Platine neben dem A17, A18 oder A19 aufgelötet. Stattdessen sitzen sie zusammen mit dem SoC-Die in einem gemeinsamen Gehäuse. Angeblich verwendet Apple dazu die Packaging-Technik TSMC InFO-PoP.
Für iPhones mit CXMT-DRAM müsste CXMT also LPDDR5X-Dies an TSMC liefern. Dort würden sie dann mit den Axx-SoCs aus der TSMC-Fertigung verbunden und an den Auftragsfertiger geschickt, der die Smartphones für den jeweiligen Zielmarkt produziert.
CXMT und YMTC im Aufwind
ChangXin Memory Technologies (CXMT) und Yangtze Memory Technologies Co., Ltd. (YMTC) gehören zu den Halbleiterherstellern, die der chinesische Staat seit Jahren gezielt mit hohen Subventionen fördert, um die Abhängigkeit des Landes von ausländischen Zulieferern zu reduzieren.
Beide Firmen wollen sicherlich die aktuell für sie günstige Situation nutzen, um ihre jeweilige Kundenbasis zu erweitern.
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Schon 2018 gab es Spekulationen, laut denen Apple NAND-Flash von YMTC kaufen wollte. 2022 wurde dann berichtet, Apple habe sich dagegen entschieden. Einer der Gründe soll das Risiko von Verkaufsbeschränkungen für iPhones in den USA gewesen sein, weil die US-Regierung ein Embargo gegen YMTC verhängen könne. Angesichts der Speicherchip-Knappheit könne die US-Regierung aber Importbestimmungen lockern.

Die Chip-Packaging-Technik InFO-PoP von TSMC verbindet das Die eines System-on-Chip (SoC, unten) mit einem darüberliegenden DRAM-Die in einem gemeinsamen Gehäuse.
(Bild: TSMC)
Auch die drei führenden DRAM-Hersteller Samsung, SK Hynix und Micron nutzen den Anbietermarkt, um höhere Preise durchzusetzen. Die höchsten Profite erzielen sie derzeit mit High Bandwidth Memory (HBM) für KI-Rechenbeschleuniger. Deshalb widmen sie erhebliche Fertigungskapazitäten für diesen extrem schnell wachsenden Markt um.
Die viel kleineren Konkurrenten Nanya, Powerchip (PSMC) und Winbond profitieren ebenfalls von der Nachfrage, können aber weder große Stückzahlen noch die modernsten DDR-RAM-Generationen liefern. Bei NAND-Flash ist auch noch das Gespann aus WD und Kioxia (früher Toshiba) mit eigenen Fabs im Rennen.
CXMT liefert bereits LPDDR5X
Im November 2025 hat CXMT erstmals LPDDR5X-Chips aus eigener Fertigung demonstriert. Auch im eigenen Land China gibt es durch große Smartphone-Hersteller wie Huawei, OnePlus, Oppo, Realme und Xiaomi viel Nachfrage dafür.
Nach Schätzungen liegt die Fertigungskapazität von CXMT derzeit bei unter 5 Prozent des DRAM-Weltmarkts. Damit wäre CXMT aber größer als die taiwanischen Hersteller.
Derzeit erwägen angeblich auch die großen US-amerikanischen PC-Hersteller Dell und HP den RAM-Kauf bei CXMT.
YMTC-Flash bereits weltweit verkauft
Die führenden SSD-Marken Samsung, Kioxia, WD/Sandisk, Micron und Solidigm (SK Hynix) nutzen jeweils eigene NAND-Flash-Speicherchips. Sogenannte Third-Party-Hersteller wie die mit riesigem Abstand führende Firma Kingston, aber etwa auch Adata oder Transcend müssen hingegen NAND-Flash-Chips oder komplette Wafer damit zukaufen. Die Qualität der Chips ist mit der von Konkurrenten vergleichbar.
Einige Third-Party-SSD-Hersteller verwenden bereits YMTC-Flash für den internationalen Markt, beispielsweise Teamgroup.
(ciw)
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