Künstliche Intelligenz
Europäische VR-Brille Lynx-R2 vor dem Aus: Start-up droht Abwicklung
Erst vor zwei Monaten kündigte Lynx die VR-Brille Lynx-R2 an, nun droht dem Projekt das Aus. Laut einer Bekanntmachung eröffnete das Handelsgericht Nanterre Anfang des Jahres ein Sanierungsverfahren, um den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und eine Fortführung zu prüfen. Dieses Verfahren blieb offenbar erfolglos: Mit Urteil vom 4. März 2026 ordnete das Gericht die Umwandlung in eine gerichtliche Liquidation an.
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Damit gilt der Versuch einer Sanierung als gescheitert, und das als „SL Process“ registrierte Unternehmen wird unter gerichtlicher Aufsicht abgewickelt. Geschäftsführer Stan Larroque konnte sich auf Nachfrage nicht zu den Ereignissen äußern.
Finanzielle Schieflage und unerfüllte Versprechen
Das Pariser Unternehmen geriet laut der Bekanntmachung bereits Mitte 2024 in finanzielle Schwierigkeiten: Als Zeitpunkt der Zahlungsunfähigkeit wird der 22. Juli 2024 genannt.
Lynx finanzierte seine erste VR-Brille 2021 über eine Kickstarter-Kampagne, an der sich rund 1.200 Backer beteiligten. Die Auslieferung der Lynx-R1 verzögerte sich jedoch mehrfach, und viele Backer erhielten ihr Gerät nie.
Im Januar 2026 räumte Stan Larroque in einem Update auf Kickstarter ein, dass die Produktion bereits zwei Jahre zuvor eingestellt worden sei und Lynx nur einige Hundert R1-Geräte ausgeliefert habe. Er versprach, dass Backer, die noch immer auf ihre R1 warten, stattdessen eine R2 erhalten würden.
Am darauffolgenden Tag stellte Lynx das neue Modell im Detail vor: eine VR-Brille, die ein hochauflösendes Passthrough und das bislang größte Sichtfeld unter autarken Geräten bieten sollte, ermöglicht durch neuartige Linsen, die aus einer Zusammenarbeit mit Hypervision hervorgegangen sind. Die VR-Brille hätte im Sommer erscheinen sollen.
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Ursprünglich hätte das Gerät wie Samsung Galaxy XR auf dem Betriebssystem Android XR basieren sollen, Google beendete die Kooperation jedoch überraschend. Welche Rolle das Ende dieser Partnerschaft für die aktuelle Entwicklung gespielt hat, ist unklar. Für Lynx dürfte es jedoch weitreichende Folgen gehabt haben. Das Start-up entschied sich stattdessen für LynxOS, eine selbst entwickelte, quelloffene Variante von Android 14.
Nur ein Investor kann die „Anti-Meta-Brille“ noch retten
Gründer und CEO Stan Larroque vermarktete die Geräte stets als europäische Alternative zur Meta Quest, die offline funktioniert und keine Abhängigkeit von Cloud-Diensten oder Social-Media-Konten voraussetzt. Zugleich setzte Lynx konsequent auf Offenheit, mit dem quelloffenen LynxOS, einem offenen Bootloader und vollem Entwicklerzugriff auf die Sensoren.
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Ob die Lynx-R2 noch erscheint, hängt davon ab, ob sich in letzter Minute ein Investor oder Käufer findet, der das Projekt weiterführt. Andernfalls wird das Start-up abgewickelt, die Marke aufgegeben und die Vermögenswerte veräußert. Damit schrumpft die ohnehin kurze Liste neuer VR-Brillen im Jahr 2026 weiter.
(tobe)