Social Media
Feed und Fudder Podcast 68 – LinkedIn für Unternehmen. Sichtbarkeit Fehlanzeige?
Neue Features waren auf LinkedIn meist eher Mangelware. Plötzlich legt Microsoft los und spendiert der Business-Plattform im Wochentakt ein neues Feature nach dem anderen. Nach bezahlbaren Boosts für Content folgen LinkedIn Ads für User-Generated-Content.
Die ein oder andere neue Zahl gibt es auch. Richard van der Blom hat seinen LinkedIn Algorithm Report aktualisiert und gewährt ein paar spannende Einblicke in den LinkedIn-Algorithmus. Wir schauen uns im Podcast die spannendsten Insights für Social Media Manager*innen an und verraten euch, warum ihr auf LinkedIn fleißig kommentieren sollt und wie es wirklich um Unternehmensseiten steht.
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LinkedIn Feature-Update: UGC wird jetzt zum Ad-Format
Ist LinkedIn die letzte wahre “Social” Media Plattform?
Feed und Fudder Podcast 37 – LinkedIn Wow (Theresa Steinbauer)
Transkript Feed und Fudder Podcast Folge 68 – LinkedIn für Unternehmen. Sichtbarkeit Fehlanzeige?
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Hier gibt es das Transkript zu Folge 68 – LinkedIn für Unternehmen. Sichtbarkeit Fehlanzeige?
Transkript
Nicola
Hallo und Servus zu einer neuen Folge Feed & Fudder mit Alex und mir, Nici.
Alexander
Hallo, herzlich willkommen!
Nicola
Heute steigen wir direkt in ein Update ein, und zwar in den neuen Bericht – oder besser gesagt das Update – zum Richard van der Blom Report. Der sollte euch allen da draußen ein Begriff sein, wenn ihr mit LinkedIn zu tun habt. Ich glaube, bei dem Namen klingelt es bei vielen.
Alexander
Oder wenn man regelmäßig unseren Podcast hört und den Blog liest.
Nicola
Genau. Oder wenn man Theresa Steinbauer auf irgendeiner Bühne sieht – sie zitiert den Report sehr gerne, weil er umfassende LinkedIn Insights enthält und jährlich analysiert, was sich auf der Plattform verändert hat.
Jetzt ist es so: Es gab ein Update. Der Bericht ist eigentlich im Februar 2025 erschienen. Ich habe nochmal nachgeschaut – wir haben eine Podcast-Folge, Folge 37 mit Theresa, da ging es genau um LinkedIn. Die Folge war im März, also kurz nach Veröffentlichung des Reports. Deshalb ist es spannend, jetzt im Herbst ein Update zu haben. Wenn du bereit bist, würde ich dir ein paar Punkte rüberschieben, die ich für Unternehmen auf LinkedIn interessant finde.
Alexander
Ja, dann schieß mal los.
Nicola
Du weißt ja: Seit Februar – du warst ja selbst auf der AllSocial und hast Theresa wahrscheinlich auch gehört – war dieses Thema mit der 2-Prozent-Sichtbarkeit von Unternehmensseiten sehr präsent. Dass man nur 2 Prozent der Posts überhaupt sieht, hat für großen Unmut gesorgt. In der Branche und vielleicht auch bei euch, die im Social arbeiten, ist das ein echtes Ärgernis. Unternehmensseiten haben einfach extrem wenig Sichtbarkeit.
Und leider gibt es keine Entwarnung: Im Februar lag die Sichtbarkeit noch bei 2,1 Prozent, jetzt im September nur noch bei 1,6 Prozent. Wir haben also sinkende Reichweiten in einem ohnehin schon sehr kleinen Bereich. Es ist leider immer noch ein Thema.
Alexander
Aber trotzdem ein Tipp von uns: Macht eine Unternehmensseite – allein schon, damit es keine Fake-Seite von euch gibt. Es gibt Spaßvögel, die sich einfach Unternehmensnamen schnappen. Also sichert euch den Namen für eure Seite. Und es gibt ja trotzdem Leute, die gerne solchen Seiten folgen. Wenn ich Unternehmensseiten folge, dann mache ich das mit Absicht.
Man kann so eine Seite auch als Hub sehen. Wenn ihr mit Personal Creators oder Employer Brands zusammenarbeitet oder Mitarbeitende posten, kann man immer auf die Unternehmensseite verlinken. Im Profil steht dann: arbeitet bei XY und dahinter ist eine Präsenz. Ich sehe das als Schnittstelle zwischen den persönlichen Profilen. Gesehen wird sie zwar kaum, aber sie ist trotzdem wichtig.
Nicola
Auf jeden Fall. Ich sehe das ähnlich. Es hat etwas mit Professionalität zu tun, dass man eine ordentliche Seite hat. Klar, aus Ressourcensicht muss man überlegen: Wie viele Ressourcen stecke ich rein? Wie viel Content produziere ich? Wie aktiv bin ich?
Und da kommen wir zum nächsten Punkt: Man kann Sichtbarkeit erreichen, aber rein organisch gibt es keine Entwarnung. LinkedIn pusht Unternehmensseiten weiterhin nicht. Im Gegenteil: Die Sichtbarkeit ist sogar gesunken. Es bleibt ein Ärgernis, aber man muss ein bisschen um die Ecke denken.
Spannend finde ich, dass Mitarbeitenden-Posts oder Corporate-Influencer-Postings weiterhin hohe Reichweiten haben – im Schnitt 180 Prozent mehr Impressions als die dazugehörigen Unternehmensseiten. Ich glaube, das überrascht niemanden. Aber das Thema Kolleginnen, Kollegen, Corporate Influencer, Kunden, Partner – das ist nach wie vor entscheidend. Es geht ums Netzwerk.
Alexander
Wir haben ja schon ein paar Mal darüber gesprochen: Ist LinkedIn das letzte echte Social Network? Auf LinkedIn sieht man tatsächlich noch relativ häufig persönlichen Content im Feed. Natürlich ist die Frage, wie dieser Content gestaltet ist. Aber ich sehe auf meinem Profil viele Leute, die ich kenne. Sei es durch die Social-Konferenz, durch Real-Life-Kontakte oder durch Interaktion auf LinkedIn. Wir kommentieren ja auch viel untereinander, teilen und liken unsere Beiträge. Deshalb sehe ich dich auch recht häufig. Das hast du auf anderen Plattformen nicht mehr so stark wie auf LinkedIn.
Nicola
Definitiv, das kann ich bestätigen. Gerade strategisch ist es wichtig, weiterhin zu schauen: Welche Menschen, welche Personal Accounts können Unternehmensinhalte teilen? Und in diese Richtung weiterzudenken.
Denn neu – und das finde ich tatsächlich interessant, vielleicht wird da ein Schuh draus – ist, dass LinkedIn UGC Ads testet. Bei Meta kennt man das als Partnership Ads: Postings von anderen Personen und Accounts können von Unternehmensseiten gepusht werden.
Das wird gerade getestet über den Partnership-Hub-Kanal. Dort kann man einsehen, welche Postings das Unternehmen erwähnen, und dann anfragen, ob man sie pushen darf. Ich finde, das ist ein ganz netter Hebel. Das LinkedIn-Feature-Update findet ihr auch bei uns auf dem Blog auf AllSocial.de – sehr aktuell. Ich finde das spannend, vor allem in der Kombination.
Alexander
Da finde ich interessant: Wird es da einen Qualitätsfilter geben? Stand jetzt sehe ich das ein bisschen wie PR – Paid Media versus unbezahlte PR. Bei Paid Media bezahlt man, um eine Anzeige zu platzieren. Bei PR reicht man Themen ein, die so überzeugend sind, dass Redaktionen freiwillig darüber berichten.
Ich denke, beim Partnership Hub geht es aktuell darum, gute Beiträge zu finden. Aber man kann das auch forcieren: Man haut jeden Tag 50 Posts raus, in denen man eine Marke erwähnt, in der Hoffnung, dass sie aufmerksam wird. Ich bin gespannt, ob und wie dieses Partnership Hub einen Qualitätsfilter einbaut – oder ob es das überhaupt tut.
Nicola
Wenn man jetzt Meta als Vorbild nimmt, wird es wohl keinen Qualitätsfilter geben. Aber ich glaube, das reguliert sich recht schnell selbst, weil Unternehmen ja nicht einfach unnötig Geld raushauen. Und das wäre jetzt auch ein Appell an alle da draußen: Wenn ich als Unternehmensseite organisch nicht gesehen werde, aber weiß, dass die Personal Accounts organische Reichweiten haben, und das forciere, eine gute Strategie habe und dann auch Partnership-Ads oder UGC-Ads gezielt einsetze, um Themen zu pushen – dann ist das eine schöne Mechanik.
Und das funktioniert bei Meta ja auch recht gut. Beide gewinnen: die Creator, weil sie mehr finanziellen Spielraum haben, und die Unternehmen, weil sie durch diesen – in Anführungszeichen – authentischeren Content pushen können. Es hat einen anderen Vibe, einen anderen Geschmack, einen positiven Geschmack. Es ist nicht so klassisch Corporate.
Alexander
Ich finde das ein sehr interessantes Feature und bin gespannt, wie es sich entwickelt.
Nicola
Auf jeden Fall. Wir bleiben dran und schauen, wann es komplett ausgerollt wird. Es wird gerade getestet. Aber in der Kombination – Unternehmensseiten haben wenig Reichweite, Personal Accounts haben mehr Reichweite – und ich kann hier eine Verbindung schaffen, finde ich das relativ interessant.
Und damit sind wir beim zweiten Punkt: Sponsored Posts und Reichweiten. Wir haben letzte Woche in der Podcast-Folge schon darüber gesprochen, ob man durch Personal Post Pushing zu mehr Social Trust kommen kann. Etwas sperriger Begriff, aber ihr wisst, was gemeint ist.
Alexander
Ja, ja, LinkedIn beschäftigt uns gerade.
Nicola
Boosting oder nicht – das ist die kritische Frage. Der Report sagt, dass 26 Prozent aller Feed Impressions inzwischen aus werblichen Postings stammen. Im Februar waren es noch 24 Prozent. Wir haben also einen leichten Anstieg.
Alexander
Über die Push-Funktion haben wir in der letzten Folge gesprochen – hört da gerne rein. Was uns heute interessiert, ist die Reichweitenfrage. Hilft das wirklich? Ich frage mich: Kann das am Ende nur über den Preis geregelt werden? Der Feed ist zwar endlos, aber man scrollt ja nicht unendlich.
Nicola
Nicht endlos.
Alexander
Wenn jeder seine eigenen Posts boosten möchte, kann es eigentlich nur der Preis sein, der regelt, was am Ende angezeigt wird. Ich bin gespannt, wie lange oder wie teuer es wird, sich seine eigenen Posts boosten zu lassen.
Nicola
Einmal das – dieses Personal Post Boosting funktioniert ja aktuell noch nicht besonders gut. Aber das werden wir sehen. Grundsätzlich ist es so: Durch die super niedrige organische Reichweite für Unternehmensseiten sind Sponsored Posts ein wichtiges Feature, um Themen zu platzieren.
Da müsste man tiefer reingehen: Wo wird eigentlich am meisten Geld verdient? Welche Art von Ad bringt den Umsatz? Ist es eine Ad, die irgendwo hinlinkt? Eine Ad, die Daten sammelt? Sponsor-Posts haben verschiedene Feature-Möglichkeiten – da hat man Spielraum. Das ist spannend.
Aber auch hier: Ist der Feed voll mit zu viel Werbung, wird es uninteressant. Ich habe mich in letzter Zeit oft dabei ertappt, dass ich immer wieder dieselbe Werbung sehe. Zum Beispiel eine Ad von Mediamarkt oder Saturn – die war nicht schlecht, aber ich habe sie zu oft gesehen. Irgendwann habe ich draufgeklickt, weil ich sie einfach zu oft gesehen habe. Eigentlich eine gute Ad, aber es war zu viel. Immer die gleiche. Das nervt.
Alexander
Grüße raus an AXA. Ich sehe die ganze Zeit AXA-Werbung auf LinkedIn.
Nicola
Ja, ist krass, oder? Wir haben uns ja schon mal abgeglichen, dass wir nicht dieselben Ads sehen. Obwohl wir ähnliche Themen haben. Witzigerweise ist die Variabilität der Ads, zumindest bei mir, nicht besonders hoch. Vielleicht liegt das an den Buchungen und der Höhe der Budgets. Mal sehen, wie sich das entwickelt.
Grundsätzlich finde ich es krass, wenn man sagt: 26 Prozent der Feed Impressions sind Sponsored Posts. Das ist schon ein Thema.
Alexander
Ich habe bei LinkedIn gerade das Gefühl, sie wissen nicht so ganz, in welche Richtung sie wollen. Du hast immer noch viele Social-Elemente – zum Beispiel einen recht hohen Vernetzungsfaktor. Man bekommt regelmäßig Vernetzungsanfragen, stellt selbst welche. Und trotzdem werden immer mehr Elemente eingebaut, die man eher von anderen Plattformen kennt – wie Instagram. Wo wird LinkedIn am Ende landen? Wird es LinkedIn bleiben oder eine weitere Meta-Plattform?
Nicola
Ich muss sagen: LinkedIn und Microsoft legen gerade eine krasse Geschwindigkeit hin. Jahrelang ist da gar nichts passiert. Ich füttere ja das LinkedIn-Feature-Update bei uns auf dem Blog. Und es war mühselig, dass mal ein neues Feature gelauncht wurde. In letzter Zeit ist mehr los. Es wird mehr getestet, neue Features kommen. Nicht weltbewegend, aber es passiert mehr.
Für LinkedIn ist das eine krasse Geschwindigkeit, was da gerade passiert. Mal schauen. Aber Thema Geschwindigkeit und Involvement – Punkt drei: Neben der geringen Sichtbarkeit von Unternehmensseiten und den Sponsored-Reichweiten gibt es das Thema Engagement und Kommentare.
Und über Kommentare wollte ich sowieso mal mit dir reden – das finde ich super spannend. Aber zu den Fakten: Die Engagement-Rate pro Post ist weiterhin stabil.
Alexander
Das ist doch eine gute Nachricht.
Nicola
Die Engagement-Rate ist stabil – das sind gute Nachrichten. Finden wir beide einfach gut. Ein gutes Zeichen, oder?
Alexander
Gleicher Gedanke. Aber da gibt es auch eine Warnung: Man sollte nicht mit einem Unternehmensprofil kommentieren. Das senkt die Sichtbarkeit und auch die Engagementrate wird wahrscheinlich nicht so hoch gewertet. Wenn ein persönliches Profil kommentiert, hat das mehr Einfluss auf das Engagement als ein Unternehmensprofil.
Das ist keine schlechte Nachricht für alle, die Brandbeef in ihrer Strategie haben. Was wir aber auch ein bisschen schade finden – denn bei Feed & Fudder mögen wir Brandbeef, gerade wenn Dr. Oetker bei Aldi Süd kommentiert oder so.
Nicola
Ja, absolut. Aber irgendwie bin ich auch froh darüber. Diese Strategie, dass Brands überall kommentieren und ein Endless-Feed entsteht, wo Brands mit Brands sprechen – das ist schon irgendwie nervig. Unternehmensprofile sind bei Kommentaren nicht direkt betroffen, aber wenn ihr als Social-Media-Managerinnen sagt: Meine Unternehmensseite hat organisch schlechte Reichweite, also kommentiere ich einfach überall – schwierig.
Grundsätzlich sind die Engagement Rates unter den Posts stabil. Es ist weiterhin gutes Engagement da. Und aus meiner Sicht – das beobachte ich schon länger – ist es spannend, dass Kommentare Standalone echt gute Reichweiten bringen. Ich merke das bei mir persönlich: Ich habe lange nichts mehr im Feed gepostet, aber trotzdem gute Reichweiten, weil ich regelmäßig kommentiere.
Spannend ist auch, dass man neue Reichweiten bekommt. Ich kommentiere manchmal bei anderen, nicht direkt bei Kontakten, und sehe, dass das einen Impact hat – aufs Netzwerk, auf Anfragen, auf Sichtbarkeit. Ich lande in der Suche bei Unternehmen oder in Netzwerken, und ich kann genau sehen: Das kam über diesen Kommentar. Ich finde, da hat sich LinkedIn weiterentwickelt.
Alexander
Also kommentiert fleißig – aber sinnvoll. Nicht einfach nur „Finde ich gut“ oder „Sehe ich genauso“.
Nicola
Ja, genau. Einfach stupide kommentieren bringt nicht viel – ich habe keine validen Zahlen, aber das würde ich nicht empfehlen. Sinnvoll kommentieren, idealerweise so, dass Menschen reagieren und eine Diskussion entsteht. Das ist eine Win-Win-Situation, weil dadurch das Engagement forciert wird.
Wenn ich über einen Kommentar Reichweite bekomme, bin ich auch motiviert zu kommentieren. Sind wir ehrlich – wir wollen auch belohnt werden.
Spannend ist, dass die Reichweite über Kommentare nicht direkt mit der Posting-Frequenz oder dem Algorithmus verknüpft ist. Normalerweise ist es so: Wenn ich nicht regelmäßig poste, habe ich wenig Sichtbarkeit. Aber hier habe ich das Gefühl, das ist nicht gekoppelt. Vielleicht habt ihr da draußen andere Erfahrungen – ich finde das jedenfalls gut.
Alexander
Jetzt haben wir viel über Reichweite gesprochen – was wir in den Feeds sehen. Und jetzt hast du uns einen ganz spannenden Fail mitgebracht.
Nicola
Genau. Hier machen wir einen kurzen Mini-Cut. Wer mehr zum Thema wissen will: LinkedIn Insights, der Report von Richard van der Blom – kann ich jedem empfehlen. Der wird oft zitiert, und wir behalten den Blick darauf.
Was hat mir diese Woche nicht geschmeckt? Wir sind ja immer noch ein Food-Podcast. Ich habe eine Meldung gesehen, die mich überrascht hat – aber auch nicht überrascht. Meta verdient an Scam. Reuters hat einen Artikel veröffentlicht, in dem behauptet wird, dass etwa 10 % des gesamten Anzeigenumsatzes laut interner Unternehmensschätzungen aus betrügerischen Werbeanzeigen stammen. Meta weist diese Zahl zurück und sagt, sie sei überhöht. Man habe die Scam-Ads 2025 um 58 % reduziert – das sei gar nicht so.
Alexander
Ich finde das schon krass. 10 % vom Umsatz – das ist eine Menge. Kann man das überhaupt in den Griff kriegen? Ich weiß nicht. Aber es ist sehr viel. Bei Scam denke ich an ein Netzwerk wie X.
Nicola
Ja, Scam muss man doch krass unterbinden. Keine Ahnung.
Alexander
Das schafft ein Anzeigeumfeld, das unattraktiv ist. Und du willst ja die restlichen 90 % halten.
Nicola
Ja, mal sehen. Meta hat sich direkt geäußert und meinte, sie hätten 58 % der Scam-Ads reduziert. Aber auch das finde ich krass – 58 % zu reduzieren heißt ja, wie viele Scam-Ads waren da? Muss man sich mal anschauen. Wenn 10 % des Anzeigenumsatzes über Scams eingenommen würden – das ist alarmierend. Das hat mir persönlich nicht geschmeckt. Und ich glaube, das ist nicht gut für die Plattform – langfristig. Meta tut sich da schwer. Sie wollen natürlich Geld verdienen. Aber das einzudämmen ist richtig schwer. Langfristig muss man da ran. Das geht nicht anders.
Alexander
Aber du hast auch einen schönen Win mitgebracht. Endlich mal wieder Feel-Good auf Social Media. Und es zeigt, dass gutes Storytelling auch in einer Welt funktioniert, in der Social Media oft nur noch mit Hass und Hetze verbunden wird – was ja leider durch populistische Parteien extrem zugenommen hat. Es ist schön zu sehen, dass man auch mit positiven Botschaften Wahlen gewinnen kann.
Nicola
Ja, das ist eine Entwicklung, die wir in zwei Ländern gesehen haben: die Bürgermeisterwahl in New York und die Ministerpräsidentenwahl in den Niederlanden. Ich glaube, wirklich niemand auf Social Media kam an Soren Memdani und seiner Kampagne vorbei. Ich habe mit New York nichts am Hut – nicht böse gemeint – aber die Kampagne ist richtig gut. Es gibt wahnsinnig viele Postings, die sie aus verschiedenen Perspektiven analysieren.
Was da interessant ist: Social Media hatte einen extrem wichtigen Anteil. Deshalb reden wir auch darüber. Auch im niederländischen Wahlkampf – Rob Jetten, 38 Jahre alt, jetzt der jüngste Ministerpräsident – setzt total auf Social Media und Videocontent. Auch Soren Memdani arbeitet fast ausschließlich mit Videocontent. Sehr geiler Style, wenn ich das so sagen darf. Mein Geschmack – aber sehr durchdacht. Der passt zu New York, ist lässig, erinnert ein bisschen an Friends. Hat einen Vibe. Und diese alten, glorreichen Seiten von New York – mit den Schriftzügen und dem Look – finde ich richtig gut.
Alexander
Das ist richtig viel Popkultur.
Nicola
Richtig viel Popkultur.
Alexander
Sind wir wieder bei dem Thema, das wir oft sagen: wie wichtig Popkultur im Social Media Marketing ist.
Nicola
Voll. Schaut euch die Kampagne an. Die SZ hat dazu geschrieben – Bürgermeisterwahl in New York: „Wieso macht das so viel Spaß?“ Und so ist es. Es war eine Feel-Good-Kampagne. Gegenüber den Wettbewerbern hart in der Konfrontation, aber nicht beschönigend – und grundsätzlich wahnsinnig positiv. Zitat: „Die Deutsche, Katzen streicheln, sechs New Yorker Clubs in einer Nacht besuchen, ein Video auf Arabisch. Der Bürgermeister-Wahlkampf von Zohran Mamdani war ein einziger Feel-Good-Clip.” Und ich glaube, so kann man das sagen. Sehr positiv. Er ist zu den Taxifahrern gegangen, hat sich eine ganze Nacht lang bedankt und mit ihnen gesprochen. Geschnitten wie eine kleine Mini-Doku – To My Entertainment, wie wir vorhin gesagt haben.
Alexander
Klar, das war eine professionelle Kampagne, mit Team und allem. Aber ich finde es trotzdem positiv. Ein Politiker sagt ganz klar: Ich mache ausschließlich Wahlkampf mit positiven Botschaften. Ich will New York nicht schlechtreden, sondern den Menschen aus der Seele sprechen. Die haben ein starkes Heimatgefühl. Die Stadt ist multikulturell, jung, dynamisch. Dieses Lebensgefühl hat er zur Botschaft gemacht – statt Social Media für Hetze zu nutzen.
Das finde ich auch bei Rob Jetten aus den Niederlanden stark. Sein Spruch war: „Het kan wel“ – es geht doch. Rein optimistisch. Und ich finde es toll, dass die Wähler das honoriert haben. Dass sie gesagt haben: Meine Stimme ist eine Stimme gegen Hass und Hetze – ich gebe sie einem Politiker, der positiv kommuniziert. Das zeigt auch den Charme und die Besonderheit von Social Media. In klassischen Medienformaten kannst du solche Storys und Formate nicht machen.
Nicola
Absolut. Und sie haben die Plattform verstanden – welcher Content funktioniert, wie Communities funktionieren. Auch bei Zohran: Der Collab-Post war stark. So viele Videos von anderen Creators und Projekten, New Yorker Persönlichkeiten, Podcasts, Clubs – Content, den er gar nicht selbst erstellt hat. Da sieht man die Power des Netzwerks.
Schaut euch die Kampagne an. Man kann viel lernen. Ein tolles Beispiel für optimistischen, selbstbewussten, nach vorne gerichteten Content. Kampagnen, die nicht nur schön sind, sondern auch ein eindeutiges Wahlergebnis bringen.
Alexander
Das ist eine tolle Botschaft. Haben wir schon oft gesagt – aber man kann es nicht oft genug wiederholen. Gerade in Zeiten von Hass und Hetze, befeuert durch politische Akteure, ist es wichtiger denn je, dass solche Botschaften Anklang finden. Und dass Politiker, die so kommunizieren, gewählt werden.
Nicola
Absolut. Und was wir lernen können: Diese Art der Kommunikation funktioniert nicht nur politisch – sie funktioniert auch im kommunalen Kontext oder für Unternehmen. Es lohnt sich, das anzuschauen. Ich glaube nicht, dass es Zufall ist, dass zwei Kandidaten so erfolgreich sind, obwohl die Prognosen nicht gut standen. Das hat schon diesen Obama-Vibe – aber es ist auch sehr professionell.
Deshalb lohnt es sich für Social-Menschen, sich das anzuschauen. Es sind sehr professionelle Kampagnen, bei denen Vernetzung eine große Rolle spielt. Vielleicht machen wir mal eine ganze Folge dazu – ich finde es sehr interessant.
Alexander
Wie du sagst – aus unserer Social-Management- und Marketing-Sicht sind das Top-Kampagnen. Es lohnt sich, sie anzuschauen – unabhängig von den Wahlen. Einfach gucken: Wie haben sie die Kampagnen gemacht? Welches Storytelling, welche Formate, welche Geschichten?
Nicola
Absolut. Ich habe mir die Tage viele Videos direkt im Feed angeschaut, weil ich spannend fand, was er an Content produziert hat. Die Perspektiven – ich war sehr begeistert. Es ist sehr unterhaltsam, auch wenn ich mit der New Yorker Bürgermeisterwahl nichts zu tun habe. Aber der Content ist gut. Toller Content. Und das begeistert die Menschen. Social Media hat da eine enorme Power.
Und in dem Sinne finde ich es schön, dass wir mit einem positiven Thema abschließen. Ich wünsche dir eine gute Woche – und wir hören uns wieder.
Alexander
Macht’s gut. Ciao.
Nicola
Ciao.
Social Media
Die Macht des privaten Teilens: Warum Dark Social der nächste große Wettbewerbsvorteil ist
Es ist eine unbequeme Wahrheit für alle, die im Social-Media-Marketing arbeiten: Der Großteil des Content-Sharings unter der Gen Z findet an Orten statt, die nicht sichtbar sind. Die Rede ist von „Dark Social“ – sprich DMs, Gruppenchats, WhatsApp-Threads und Discord-Servern, in denen über Marken diskutiert, sie empfohlen oder abgelehnt werden, ohne eine einzige nachverfolgbare Spur zu hinterlassen.
Wer Erfolg immer heute noch hauptsächlich an öffentlichen Engagement-Metriken misst, betrachtet also nur einen Bruchteil des Gesamtbildes.
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Der Wandel vom Broadcast zum Intimen
Gen Z hat nicht aufgehört zu teilen – sie haben das Teilen nur verlagert. Laut GWI-Research teilen Konsumenten eher über Dark-Social-Kanäle (63 %) als über offene Social-Media-Plattformen (54 %). Noch aufschlussreicher: Etwa 20 % teilen ausschließlich über diese Kanäle, wobei WhatsApp und Facebook Messenger die bevorzugten Dienste sind. (GWI 2025)
Das ist keine marginale Verhaltensänderung. Es ist eine fundamentale Umstrukturierung der Art und Weise, wie Markenbotschafter funktionieren. Das wirkmächtigste Marketing findet in Räumen statt, die Marken nicht gebaut haben, nicht kontrollieren können und nur schwer messen können.
Die Ogilvy-Studie „For Gen Z“ zeigt: Etwa 80 % des Content-Sharings unter der Gen Z findet über private Social- oder Messenger-Kanäle statt. Messaging-Apps haben mittlerweile 20 % mehr aktive Nutzer pro Monat als traditionelle soziale Netzwerke.
Was das für Markenstrategien bedeutet
Für Influencer Marketing bedeutet das konkret: Wenn ein Creator ein Produkt in einem öffentlichen Post teilt, lassen sich Impressionen, Engagement und Reichweite tracken. Aber was, wenn derselbe Creator eine Empfehlung in seinen engen Freundeskreis-Chat schickt oder einen Produktlink direkt an zwanzig Menschen sendet, die seiner Meinung tatsächlich vertrauen?
Zunächst die gute Nachricht: Links zu Websites zur Empfehlung von Produkten oder Marken rangieren hoch unter den privat geteilten Inhalten und werden von jedem Zweiten geteilt. (GWI 2025) Hinzu kommt: Markenbotschafter existieren und sind aktiv. Sie sind nur nicht sichtbar.
Die Implikationen sind erheblich. Die tatsächliche Reichweite jeder digitalen Kampagne wird wahrscheinlich untererfasst – zumindest in gewisser Weise. Das stellt Marken vor viele Herausforderungen, nicht nur wenn es um die genaue Messung des ROI geht. Aber es gibt hier auch Möglichkeiten für Marketer, diese organische Online-Mundpropaganda für sich zu nutzen, um ihre Botschaft zu verbreiten.
Für private Teilbarkeit designen
Die Marken, die im Dark Social gewinnen, versuchen nicht, private Räume zu infiltrieren – sie kreieren Inhalte, die es wert sind, dort geteilt zu werden. Ein entscheidender Unterschied.
Nutzer aus der Gen-Z verbringen täglich mehrere Stunden damit, zwischen Instagram, TikTok und einer Handvoll anderer Social Apps zu wechseln. Wie viel Zeit sie in sozialen Medien verbringen, wurde über die Jahre gut dokumentiert, aber was sie tatsächlich tun, verändert sich und ist weniger öffentlich als je zuvor. (Adweek 2025)
Schlagzeilen über Tumblrs Wiederauferstehung, wobei die Gen Z 50% der monatlich aktiven Nutzer ausmacht, sind das jüngste Signal dafür, dass Intimität, Anonymität und gemeinsame Interessen dieser Generation mehr bedeuten als Massenvisibilität. (Adweek 2025)
Das sagt etwas Wesentliches aus: Gen Z schätzt echte Verbindung mehr als performative Sichtbarkeit. Sie wollen Dinge teilen, die sie in ihren vertrauten Kreisen nachdenklich, witzig oder informiert erscheinen lassen – nicht Dinge, die aussehen wie Werbung für alle, die sie je getroffen haben.
Die entscheidende Frage lautet also: Ist der Content etwas, das jemand wirklich einem Freund schicken würde? Löst er ein Gespräch aus, löst er ein Problem oder schafft er einen gemeinsamen Moment? Oder sieht er einfach nur gut in einem öffentlichen Feed aus?
Bestehende Creator-Communities anzapfen
Hier liegt der echte Wettbewerbsvorteil für Influencer Marketing. Die wertvollsten Creator-Partnerschaften drehen sich nicht nur um Reichweite, sie drehen sich um Zugang zu bestehenden Dark Communities, in denen Vertrauen bereits etabliert ist.
Discord ist das perfekte Beispiel. Wie ein Kollege es neulich formulierte: Discord funktioniert als eine weitere Form von CRM. Es bringt die engagiertesten Fans in direkte Konversation, was auf Algorithmus-gesteuerten Plattformen wie Instagram zunehmend schwierig ist. Apple, Xbox, Gucci und Kenzo haben alle aktive Communities über private Discord-Server aufgebaut, in denen Markenvertreter direkt mit Mitgliedern interagieren.
Die Beauty-Marke Glossier hat seine gesamte Marke aufgebaut, indem es Community über private Slack-Kanäle nutzbar machte und loyale Kunden einlud, an Produktentwicklungsgesprächen teilzunehmen. Die frühe Einbindung von Loyalisten in Entwicklungsgespräche hat dabei verändert, wie Marken auf bedeutungsvolle, langfristige Weise mit ihren Kunden zusammenarbeiten können.
Drei konkrete Handlungsempfehlungen für Dark Social Channels
1. Für Teilbarkeit in intimen Kontexten designen: Content kreieren, den Menschen in ihren Gruppenchat weiterleiten wollen, nicht nur öffentlich liken. Das heißt: nützlich, überraschend, unterhaltsam oder so spezifisch für ein Nischeninteresse, dass es zur sozialen Währung innerhalb dieser Community wird.
2. Mit Creators zusammenarbeiten, die echten Einfluss in privaten Communities haben – nicht nur große öffentliche Followerzahlen. Ein Creator mit bescheidenen öffentlichen Zahlen, aber starken DM-Beziehungen und aktiven Gruppenchats kann mehr tatsächliche Käufe generieren als jemand mit Millionen Followern, aber oberflächlichem Engagement.
3. Eigene private Räume bauen: Der Dark-Social-Raum bietet einen natürlicheren Kommunikationskanal, um Konsumenten zu erreichen. Und die meisten Konsumenten stimmen zu, dass sie sich wohler fühlen, sie selbst zu sein, wenn sie privat teilen, verglichen mit öffentlichen Teilen an einen Feed von Followern. (GWI 2025) Hier entwickeln sich echte Markenbeziehungen.
Fazit
Dark Social ist keine Bedrohung, die gemanagt werden muss. Es ist eine Chance, die es zu ergreifen gilt. Konsumenten werden immer eine Präferenz dafür haben, privat mit Freunden und Familie zu teilen. (GWI 2025)
Die Marken, die bei Gen Z gewinnen werden, sind diejenigen, die verstehen, dass Teilen sich vom Broadcasting zum intimen Austausch verlagert hat. Die Frage ist nicht mehr nur „Wie werden wir gesehen?“ sondern „Wie werden wir es wert, privat geteilt zu werden?“
Wenn ein Produkt zu dem wird, worüber jemand unaufgefordert seinem besten Freund schreibt, ist etwas erreicht, das keine noch so große bezahlte Reichweite replizieren kann. Das ist die Macht von Dark Social – und es ist Zeit, dafür zu designen.
Hinweis: Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag. Es besteht keine bezahlte Kooperation.
Social Media
Feed und Fudder Podcast 72 – Unsere Erfahrungen mit KI-Tools & Social Media
KI-Ära wurde jüngst zum Wort des Jahres gekürt. Wie passend, ist doch KI für uns im Social Media Marketing ebenso kaum noch wegzudenken. Doch nach dem anfänglichen Hype um die ganzen Tools machte sich auch Ernüchterung breit: Komme ich überhaupt noch mit?
Gefühlt sind alle anderen weiter und absolute KI-Profis. Keine Sorge, damit seid ihr nicht allein, und wir nehmen euch in der neuesten Folge des Feed und Fudder Podcasts mit auf unseren Erfahrungen mit KI-Tools. Was hilft unserem Workflow, welche KI-Tools* finden wir besonders hilfreich und wann sollte man besser auf KI verzichten und sich lieber rein menschlichen Inhalten widmen?
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Feed und Fudder Podcast 65 – KI & Social Media: Was kann der Mensch besser?
KI im Social Media Marketing: Fünf Tipps für den Einstieg
Transkript Feed und Fudder Podcast Folge 72 – Unsere Erfahrungen mit KI-Tools
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Hier gibt es das Transkript zu Folge 72 – Unsere Erfahrungen mit KI-Tools
Transkript
Nicola
Hallo und Servus zu einer neuen Folge Feed & Fudder mit Alex und mir, der Nici. Schön, dass du da bist. Schön, dass ihr alle da seid. Momentan sind viele Leute kränklich, wir halten noch die Stellung.
Alexander
Hallo, herzlich willkommen. Schön, dass du da bist. Schön, dass ihr alle da seid, die uns zuhören. Ich glaube, bei mir macht sich auch eine Erkältung breit – aber erst nach der Aufnahme.
Nicola
Oh nein. Ingwer, Ingwer, Ingwer, schnell wie es geht.
Alexander
Aber ich habe eine News. KI-Ära wurde genau heute, ein paar Minuten vor unserer Aufnahme, zum Wort des Jahres erklärt.
Nicola
KI-Ära. Wow. Das hat uns schon krass beschäftigt dieses Jahr. AI, KI, ChatGPT, Gemini, Llama – lauter Wörter, die wir vor zwei, drei Jahren nicht kannten. Mein Wortschatz ist gewachsen.
Alexander
Wie ein LLM. Ein Zungenbrecher, den ich nie aussprechen kann. Wir dachten uns: Es gibt so viele KI-Learnings, wir sind beide ein bisschen genervt davon. Aber wir nutzen die Tools ja auch. Wir lassen euch heute teilhaben: unsere Erfahrungen, welche Tools wir nutzen, was uns geholfen hat.
Nicola
Warnung: Es ist nicht systematisch, nicht vollständig, super subjektiv. Ich beschäftige mich mittelmäßig viel damit.
Alexander
Es ist kein Praxistest, kein Tool-Vergleich. Es geht um den Weg, den wir genommen haben. KI prägt immer mehr den Alltag von Social-Media-Managern. Wir wollten einfach mal sagen, wie es uns raffnet. Ich habe ja gesagt, ich bin genervt von diesen Learnings. Mein Tipp: Vergesst FOMO bei KI-Tools.
Nicola
Ganz ehrlich, FOMO ist ein schlechter Berater im Social Business. Man kann ständig Trends oder Tools verpassen. Ich habe mir über Jahre angewöhnt, FOMO keinen Raum zu geben. Das ist eine mentale Haltung. „Gib dem FOMO keinen Raum“ – das wäre ein Thema für die Jutetaschen auf der Social Marketing Konferenz.
Alexander
Ja. Und ihr kennt es sicher: Man loggt sich bei LinkedIn ein, und jeder Beitrag ist High-Skill-Level, fantastisch, was jemand mit KI macht. Da denkt man: Da komme ich nicht ran. Ich versuche nur, meine Prompts halbwegs gut zu machen. Mein Ansatz: Nicht vergleichen, sondern schauen, was sind meine Aufgaben, wo unterstützt mich KI und wo nicht.
Nicola
Absolut. Status ist: Wir nutzen KI im beruflichen Alltag. Das hat sich radikal verändert im Vergleich zum letzten Jahr. Damals habe ich viele Tools getestet. Dieses Jahr ist es angekommen – wir nutzen es regelmäßig.
Alexander
Genau.
Nicola
Wir nutzen KI für Content-Erstellung, Planung, Automatisierung, Analyse. Content-Erstellung heißt auch Texte. Hast du noch ein Feld, wo man KI gut nutzen kann?
Alexander
Da fällt mir Canva ein, mit seinen KI-Features.
Nicola
Noch mal einen Schritt zurück: Kategorien sind Content-Erstellung, Planung, Automatisierung, Analyse.
Alexander
Das deckt alles ab.
Nicola
Dann springen wir da durch. Typische KI-Tools für Social-Media-Menschen sind Texte, Captions, Ideen, Bilder, Videos.
Alexander
Fürs Texten hilft mir KI sehr – allerdings nur bedingt. Ich nutze trotzdem Hand und Kopf. Man darf das Denken nicht auslagern. Schreiben ist mehr als Buchstaben aneinanderreihen.
Nicola
Zitat: „Man darf das Denken nicht auslagern.“ Bist du Germanist zufällig?
Alexander
Ja.
Nicola
Natürlich weiß ich das, wir haben zusammen studiert. Aber es ist schön, das mal zu sagen: Du bist offiziell Germanist.
Alexander
Ich breche eine Lanze für die Geisteswissenschaften. Wir werden oft belächelt – „Was wird man da, Taxifahrer?“ Aber man lernt kritisches Denken. Gerade in der KI-Ära halte ich das für eine der wichtigsten Fähigkeiten überhaupt.
Nicola
Es wird wichtiger in der Zukunft. Der Germanist sagt: Buchstaben aneinanderreihen reicht nicht, Kopfarbeit bleibt wichtig.
Alexander
Ich habe ein KI-Tool, das sich an meinen Stil gewöhnt – super hilfreich. KI ist gut, wenn man Alternativen braucht: zehn Headlines, einen Absatz freundlicher oder lustiger schreiben. Man hat schnell Varianten, für die man sonst lange bräuchte. Wichtig ist, unterschiedliche Prompts zu geben, sonst sind die Antworten ähnlich.
Ich bin nicht so begabt im Überschriften schreiben, eher Long-Copy-Mensch. Da hilft mir KI, Headlines knackiger zu machen. Ich habe meinen Schreibprozess unterteilt: Absätze, Headlines. Den vollen Text schreibe ich selbst – mein Stil, meine Gedanken. Kolumnen und Kommentare kann KI nicht gut. Aber Headlines oder CTAs – da hilft sie ungemein.
Ich habe meinen Schreibprozess aufgegliedert und geschaut: Wo ist KI gut, wo nicht. Das kann man mit jedem Prozess im Social-Media-Management machen.
Nicola
Da würde ich total einsteigen. Genauso ähnlich mache ich es auch. Ich schreibe nicht den perfekten Prompt und erwarte, dass das Ergebnis perfekt ist. Das brauche ich auch gar nicht. Ganz oft kommen Tipps wie „so hast du den perfekten Prompt“. Das ist gar nicht mein Ansatz. Ich weiß ungefähr, was ich möchte, und frage mich: Was erleichtert mir den Zwischenschritt?
Aus meiner Erfahrung dauert die Arbeit an einem perfekten Prompt oft lang, und das Ergebnis ist nicht zufriedenstellend. Also mache ich die einzelnen Schritte gesondert. Ich schreibe nicht: „Bitte erstelle mir eine SEO-Meta-Description, einen LinkedIn-Post und dies und jenes“ in einem Prompt, sondern ich mache die Befehle einzeln. Die Ergebnisse sind besser, und ich kann sie anpassen.
So schreibe ich mir zum Beispiel einen Abstract für einen Blog. Der ist nicht perfekt, aber eine gute Basis, um ihn zu verfeinern. Dann sage ich: „Bitte füge noch Gedanke XY hinzu und formatiere mir das.“ Den Text übernehme ich nicht Copy-Paste, sondern schreibe ihn um. Das spart mir viel Zeit, es bleibt mein Text, und Schreibblockaden sind einfacher weg. Manchmal habe ich viele Gedanken im Kopf, und mir hilft es, wenn die KI diese Gedanken sortiert oder besser formuliert.
Alexander
Das finde ich auch gut – zum Sortieren und Zusammenfassen. Ich bin ein Verfechter, dass man Social-Media-Posts von Hand schreiben sollte, weil das menschliche Kommunikation ist. Auf LinkedIn gibt es so viele KI-Posts – wer hat da Lust zu interagieren? Persönlich geschrieben bleibt wichtig.
Aber was mir hilft: Ich habe einen ganzen Blog-Beitrag und sage der KI: „Nenn mir die wichtigsten Punkte für den Social-Media-Beitrag.“ Oder: „Mach mir eine optimierte Meta-Description.“ Dann bekomme ich Bullet Points mit den wichtigsten Punkten und mache daraus selbst einen Post.
Nicola
Ja, ähnlich mache ich es auch. Ich nutze KI sehr viel für Text, liegt auch an den Sprachmodellen. Zum einen, um Gedanken zu ordnen. Oft habe ich einen Mix aus Ideen und Fakten, und es hilft brutal, das in eine Ordnung zu bringen. Oder ich sage: „Schreibe mir diesen Body-Text in Bullet Points.“ Das sind simple Sachen.
Und Thema Alternativen: Ich lasse mir gerne alternative Headlines geben. Ich übernehme sie nicht direkt, aber baue mir aus den Ideen meine eigene. Das ist sehr hilfreich.
Alexander
Wo es mir am meisten hilft: Wir haben auf der All-Social-Website immer das Transkript vom Podcast. Früher musste ich das von Hand machen – ein Riesengeschäft. Jetzt nutze ich KI, den Copilot. Er ordnet es nach den Speakern, Nikola und mich, alles geklettet, Reinschrift, Füllwörter draußen.
Meine vier Prompt-Tipps: Erstens, unterschiedliche Prompts geben – das hilft. Zweitens, klare Anweisungen geben, nicht vage sein. Zum Beispiel: „Das ist das Transkript von einem Podcast, fass es bitte so zusammen.“ Drittens, den Befehl „bitte ohne Markup“ nutzen – dann kann man es einfach rauskopieren ohne Sonderzeichen oder Emojis. Viertens, wissen, dass KI-Tools so trainiert sind, dass ihr dranbleiben sollt. Sie antworten immer positiv. Man muss manchmal sagen: „Bitte sei kritisch.“
Sie sind programmiert, immer zu antworten, egal, was man eingibt. Wir hatten das Beispiel „byzantinische Brückenarchitektur“ – es kommt immer etwas raus. Deswegen ist kritisches Denken wichtig. Gerade bei Kommunikation nach außen: Social-Media-Posts lieber selbst schreiben. Da ist kritisches Denken und persönliche Ansprache dabei.
Nicola
Gehen wir mal da rein. Das Transkript war ein Punkt, an dem wir beide sehr geknabbert haben. Jetzt einen Schritt zurück: Wir nennen Tools, die wir nutzen, völlig subjektiv. Wir verdienen nichts damit. Wir nutzen Zencaster zum Aufnehmen. Auch da gibt es Alternativen. Zencaster hat ein KI-Feature, das Transkripte erstellt.
Dieses Transkript können wir runterladen. Aber die Überarbeitung ist unfassbar viel Arbeit. Da sind wir an Grenzen gestoßen – ich auf jeden Fall – mit ChatGPT. Ich nutze es sehr oft, aber es hat krasse Schwächen. Beim Transkript, wo klare Befehle nötig wären, waren die Ergebnisse schlecht. Ich habe lange an den Prompts gefeilt. Aber nichts dazu zu erfinden war schwer für ChatGPT. Nichts wegzulassen, was wichtig ist, auch. Ein Transkript muss echt sein, man kann keine Sätze weglassen oder umschreiben. Die Qualitätskontrolle war so aufwendig, dass es sich nicht lohnt.
Alexander
Dann sind wir auf den Co-Piloten umgestiegen.
Nicola
Das war schwierig. Und da sind wir auf den Co-Piloten umgestiegen, genau. Der Witz war: Aus deiner Erfahrung war der Co-Pilot deutlich besser, weil er weniger erfindet und weniger eigenständig ändert. Wobei ich bei den Prompts auch immer ganz explizit gesagt habe: Bitte ändere nichts. Bleib bei der Quelle, bleib beim echten Geschriebenen. Die Prompts waren super simpel, teilweise nur Anweisungen, was er nicht machen soll. Zum Beispiel: „Bitte ändere den Namen von Alex zu Alexander.“ Es waren keine krassen Prompts – und trotzdem hat er den Text verfälscht.
Übrigens: Wenn ihr Interviews führt und Transkripte habt, genau das gleiche Problem. Das ist oft mühselig, weil man beim Wort bleiben muss. Ein Punkt, den ich gerne als Prompt nutze, ist: „Zieh mir die fünf besten Zitate raus.“ Das klingt simpel, weil das Transkript ja eins zu eins der Wortlaut ist. Aber ChatGPT zieht zwar Zitate raus – ob die stimmen, ist fraglich. Ganz oft stimmten sie nicht.
Alexander
Da war viel Halluzination dabei. Es wurden einfach Sachen erfunden, die wir im Podcast nicht gesagt haben. Wir haben es gleich nach der Aufnahme getestet, weil da das Gedächtnis am frischesten ist.
Beim Co-Pilot ist es jetzt eine fortlaufende Unterhaltung. Jeden Freitag machen wir das Transkript, immer das Gleiche. Ich habe ihm beigebracht: Wenn ich sage „Bist du bereit für ein neues Transkript“, dann entfernt er sämtliche Timestamps, ordnet die Sätze den jeweiligen Sprechern zu und fasst sie als zusammenhängende Absätze. Unser Zencaster schreibt sonst jeden Satz mit „Alexander“ davor, auch wenn ich fünf Minuten am Stück rede. Der Co-Pilot fasst das zusammen: Einmal mein Name, dann der ganze Block. Und natürlich ohne Fettung, ohne Markups und ohne Gedankenstriche.
Nicola
Ja, das ist auch ein nerviges Ding. Mache ich übrigens auch immer: „Bitte ohne Gedankenstrich.“ Eine Sache, wo ChatGPT und auch Jasper AI – übrigens auch ein gutes Tool – Probleme hatten, war das Thema Sprecherblöcke. Ich kam mit Jasper AI nicht so gut klar vom Handling, kenne aber einige, die damit arbeiten. Qualitativ ist es ähnlich wie ChatGPT. Aber es ist auch Typsache, was einem liegt.
Ich habe getestet, wie die Tools mit Sprecherblöcken umgehen. Ich weiß nicht, warum das so schwierig ist. Beim Co-Pilot war es viel besser. Im Transkript hast du jeden Satz mit Timecode – sinnvoll. Wenn du sagst „Bitte entferne die Timecodes“, hast du trotzdem Namen und Doppelpunkt. ChatGPT hat es nicht hinbekommen, die Sprecherblöcke sinnvoll zusammenzufassen. Ich habe alles Mögliche probiert, es hat nicht gestimmt. Am Ende habe ich es händisch gemacht – nervig.
Das sind Punkte, wo man denkt: Der Befehl ist klar und einfach, aber es hakt. Unsere Erfahrung: Gerade beim Transkript war der Co-Pilot, obwohl oft gesagt wird, er sei nicht so gut, viel besser.
Alexander
Genau. Das ist die wichtigste Erfahrung, das Learning, das wir heute teilen können: Schaut euch genau an, was eure Aufgaben und Arbeitsschritte sind, und testet einfach. Für uns ist das Transkript durch den Podcast ein wichtiger Prozessschritt. Wir haben verschiedene Tools getestet. Zwei Punkte gebe ich mit: Kennt eure Arbeitsschritte und testet.
Nicola
Ja, und manche Tools sind im Ergebnis nicht so gut, auch wenn man denkt, der Arbeitsschritt wäre klein und klar definiert. Wo ich nicht so viel mache, aber viel getestet habe, ist Video. Ich finde die neuen KI-Features in der Adobe Cloud sehr gut. Adobe hat generell super Produkte – keine Werbung, einfach aus Erfahrung. Die neuen KI-Features verändern den Arbeitsprozess nicht komplett, aber verbessern ihn. Das finde ich persönlich sehr gut.
Und du hast Canva schon angesprochen. Viele Social-Media-Managerinnen arbeiten mit Canva. Da gibt es viele neue KI-Features – manche besser, manche schlechter. Ich bin nicht überzeugt, dass alles besser ist. Mich nervt, dass Canva durch die vielen Updates ständig das Overlay und Design ändert und ich Dinge nicht mehr finde.
Alexander
Das stimmt. Canva ist so wichtig bei uns im Beruf und es ändert sich ständig. Was mir noch fehlt, wenn ich schon so viel KI mache – beim Co-Pilot ist das so gut – ist eine bessere Integration direkt im Arbeitsprozess.
Nicola
Du kommst mit dem Co-Pilot gut klar. Ich glaube, das ist der Punkt. Jeder muss subjektiv für sich rausfinden, mit welchem Tool er arbeiten kann. Jasper AI ist ein super Tool, aber ich kam damit nicht klar.
Alexander
Genau, ich arbeite voll gern mit dem Co-Piloten. Wenn jemand anderes sagt, er findet den nicht gut, dann ist das so. Ich kann einfach gut damit arbeiten. Bei Canva hätte ich gern, dass die KI-Funktionen direkter eingebunden sind. Zum Beispiel eine KI-Sprechblase neben dem, was man gerade bearbeitet: „Mach den Hintergrund grün“ oder „ändere das Layout“. Es geht schon ein bisschen, aber die Bearbeitung mit KI ist nicht so ausgereift wie händisch.
Nicola
Ja, das Handling ist nicht optimal. Bei Adobe-Produkten gefällt mir das besser. Das Handling bleibt gleich, aber einzelne Optimierungen laufen über KI, oft im Hintergrund, ohne dass ich es merke. Oder ich kann gezielt sagen: „Optimier mir das mit KI-Feature XY.“ Bei Canva ist das Handling schlechter geworden. Dabei war der USP von Canva das einfache Handling. Vielleicht ändern sie es wieder. Grundsätzlich gibt es nette Features wie den Background-Remover.
Alexander
Manchmal sind die simpelsten Tools die wichtigsten. Mir geht es auch so mit dem Background-Remover. Ich bekomme viele Bilder von Gastautorinnen und Autoren. Ohne den Background-Remover wäre ich aufgeschmissen.
Nicola
Früher war das mühselig. Jetzt ist es ein Klick, zack, und das Ergebnis ist super. Das spart wahnsinnig viel Zeit. Bei Videotools kommt es darauf an, wie viel man damit machen muss. Ein Tool, das ich gerne nutze, ist Clap. Das gibt es schon seit Jahren, jetzt mit KI-Optimierung. Es ist für Shorts und YouTube. Ich liebe es, weil es aus einem großen Video viele kleine Shorts macht. Das ist sonst unfassbar nervig.
Früher war es einfach eine Software, jetzt ist es eine KI-Software. Das hat sich richtig gelohnt. Wahrscheinlich gibt es auch tolle Automatisierungs- und Planungstools. Wir arbeiten viel mit Trello. Da sind auch KI-Features drin. Ich habe den Mehrwert noch nicht gespürt. Wie geht es dir damit?
Alexander
Wir schieben Karten hin und her bei Trello – genauso wie immer. Ich weiß nicht, wo da die KI ist.
Nicola
Vielleicht passiert etwas im Hintergrund. Aber nicht alles ist Gold, nur weil KI draufsteht. Das ist ein Learning dieses Jahr: Wo macht es Sinn, wo nicht? Es gibt viele Features, die ich nicht kenne, die vielleicht hilfreich sind. Ich bin dankbar für kleine Hacks. Es sind nicht immer die großen, sondern kleine Features, die das Leben erleichtern.
Alexander
Da ist was Wahres dran.
Nicola
Das reicht mir manchmal auch. Ich kann nicht immer das Rad neu erfinden. Aber manchmal entdecke ich ein Feature bei Trello und denke: „Krass, mega, habe ich noch nicht genutzt.“
Alexander
Ich habe bei Trello nie einen KI-Button gesehen. Bei Canva kommt immer „Magic AI“ mit Effekten, Sternchen, blinkend: „Drück mich.“
Nicola
Stimmt. „Drück mich.“ Das nervt mich auch. Ich will es nicht. „Drück mich, ich bin KI.“
Alexander
Bei Trello gibt es das nicht. Es kommt nicht mal ein Hinweis, wo die KI-Features sind. Falls jemand von Trello mithört: Bitte erklärt uns, wo wir die KI finden.
Nicola
Was kann die überhaupt? Keine Ahnung. Ich glaube, es gibt KI-Plugins für Automatisierung. Aber das ist wahrscheinlich nicht Teil unseres Prozesses. Deswegen ist die Frage: Was ist dein Prozess? Wie beim Background-Remover – klein, simpel, aber wertvoll.
Und zum Thema: Wo nutzen wir KI viel? Ich google unfassbar viel. Zu allem. Ich google eigentlich alles. Und da erwische ich mich, dass ich die Gemini-Zusammenfassung lese. Ich hasse es – und mache es trotzdem.
Alexander
Das ist halt so ein guilty pleasure.
Nicola
It’s a guilty pleasure, ja. Ich hasse es, weil ich weiß, dass es uns auch Reichweite nimmt. Das nimmt dem Blog AllSocial.de Reichweite, es nimmt allen Publishern Reichweite. Es ist blöd, aber es funktioniert leider.
Alexander
Ihr dürft die Gemini-Zusammenfassung nutzen, ohne Wenn und Aber, aber bitte klickt auch unseren AllSocial Blog an.
Nicola
Ja, genau. Aber geht es dir nicht auch so? In dem Moment, wo ich mich erwische, dass ich die Gemini-Zusammenfassung nutze, ist es wohl doch ganz gut. Offensichtlich funktioniert es.
Alexander
Ja. Gut, manchmal muss es schnell gehen, dann ist es nicht schlimm.
Nicola
Und ich will es gar nicht und mache es trotzdem. Bei der Vorbereitung auf die Folge habe ich gemerkt, dass ich es inzwischen nutze. Dann muss man sagen: Die Tools funktionieren. So wie bei Trello, wo ich die KI-Features nicht merke, ist es bei Gemini so, dass ich sie indirekt nutze.
Die Erfahrungen hier sind sehr subjektiv und nicht vollständig. Es gibt unfassbar viele Tools mit KI. Irgendwann wird die Frage sein: Gibt es überhaupt Tools ohne KI? Wahrscheinlich nicht.
Alexander
Stimmt. Irgendwann ist es wie ein Label. Früher war jedes Tool Blockchain-basiert. Bei KI muss man aufpassen.
Nicola
Da müssen wir abwarten.
Alexander
Es macht nur Sinn, wenn KI einen Mehrwert bietet. Wir haben nichts gegen Trello. Tut uns leid, wenn wir da was falsch darstellen.
Nicola
Wir arbeiten ja mit Trello, wirklich täglich und wöchentlich.
Alexander
Aber ich sehe da keinen KI-Mehrwert im Unterschied zu vorher.
Nicola
Aktuell, in unserem Prozess. Es gibt bestimmt andere Prozesse, wo das anders ist. Aber bei uns spielt es keine Rolle. Dann ist es auch okay.
Alexander
Falls jemand unter unseren Zuhörerinnen und Zuhörern viel mit Trello-KI arbeitet, bitte schreibt uns und erzählt, was ihr da macht.
Nicola
Ja, wäre interessant.
Alexander
Das wäre mega interessant. Aber anscheinend ist es kein Problem, das wir dringend lösen müssen wie beim Transkript.
Nicola
Das Transkript war ein nerviges Thema, weil es viel Zeit gekostet hat. Aber wir sehen den Mehrwert, wenn wir es machen.
Alexander
Wir haben pro Woche eins gebraucht, also mussten wir es schnell lösen.
Nicola
Genau. Bei Videos oder Grafikthemen ist es ähnlich: Da, wo der Schuh am meisten drückt, sollte man ansetzen.
Alexander
Das ist ein gutes KI-Fazit – Menschen gemacht, von dir.
Nicola
Die KI-Ära: Da, wo der Schuh drückt. Am Ende des Tages noch eine Kleinigkeit, dann kommen wir zu den Wins und Fails. Ideengenerierung nutze ich sehr viel. Unabhängig von Text oder Content-Bearbeitung stelle ich einfach eine Frage. Auf Basis der Antwort denke ich weiter. Das funktioniert für mich wahnsinnig gut.
Es heißt nicht, dass die Antworten immer gut sind. Aber es ist wie ein Sparring-Partner. Man stellt eine Frage, bekommt eine Antwort, und denkt weiter. Das ist toll, vor allem weil wir beide im Homeoffice arbeiten. Es ist angenehm, wenn das Gehirn angeregt wird.
Alexander
Das ist wichtig.
Nicola
Ja, schon. Es bringt neuen Input.
Alexander
Wir verteufeln KI nicht, aber man sollte sie kritisch nutzen. Am hilfreichsten ist es, wenn man selbst herausfindet, wo sie unterstützt.
Nicola
Wir nutzen sie ja jeden Tag.
Alexander
Wir wollen keine Blaupause geben wie diese Super-Prompts auf LinkedIn. Wir sagen: Findet für euch heraus, wo KI am meisten hilft.
Nicola
Ja, und wo die Grenzen sind. In diesem Rausfinden merkt man auch, wo man selbst gut ist. Manchmal denkt man: Das mache ich lieber selber.
Alexander
Das stimmt.
Nicola
Oder nicht?
Alexander
Nein, ich bin begeistert. Das ist ein guter Einwand.
Nicola
Und was auch richtig gut ist – da kommen wir zu unseren Schmankerl der Woche. Ich habe nur Schmankerl dabei.
Alexander
Ich auch tatsächlich.
Nicola
So gut kann Werbung sein. Ich habe etwas von Iceland Air mitgebracht. Die Airline hat sehr witzige Videos gepostet. Im American-Sitcom-Style geht es darum, dass die Bilder von Island nur AI-generated sein können, weil sie zu schön sind, um echt zu sein.
Im nächsten Video ist er dann in Island und wird von einer Einheimischen überzeugt, dass es echtes Wasser ist, kein Blue Screen. Wie bei der Truman Show sagt er immer: „Das kann nicht sein.“ Am Ende wird er gezwungen zuzugeben: Es ist echt.
Alexander
Das ist mega passend zur heutigen Folge und echt lustig.
Nicola
Mega unterhaltsam.
Alexander
Wir sagen so oft: Werbung muss nicht langweilig sein. Oft gibt es viele Entscheidungsebenen, viel Geld wird ausgegeben, und dann soll es ernst wirken. Aber Humor ist einfach lustig.
Nicola
Es spielt auch mit Klischees. Man merkt die amerikanische Perspektive auf Island. Gleichzeitig ist es kreativ und passt zum heutigen Tag, wenn KI-Ära Wort des Jahres ist. Es spielt mit dem Trend. In ein paar Jahren wird man sagen: Zeitgeist, aber jetzt passt es.
Alexander
Ich habe auch was mitgebracht. Es geht um User-Generated-Content. Jemand hat auf X ein historisches Bild der Habsburger gepostet – Maximilian III. von 1580, mit großem Kragen und aufgeplusterten Hosen. Der Kommentar war: „Die Habsburger hatten Stil.“
Nicola
Sieht super bequem aus, was er anhat.
Alexander
Eduard von Habsburg, ein Nachfahre, hat es geshared mit dem Kommentar: „Was meinst du, hatten?“ Genau das ist der Punkt: Humor, Augenzwinkern, eigene Marke aufgegriffen. So simpel und clever kann man mit User-Generated-Content umgehen.
Nicola
Es ist so simpel. Ein historisches Bild wird mit einem kleinen Satz in die Neuzeit gebracht. Sehr schönes Beispiel.
Alexander
Charmant und clever.
Nicola
Ich habe zwei Food-Beispiele. Du darfst entscheiden: California Land oder The Länd, unsere Hometown Baden-Württemberg.
Alexander
Natürlich The Land.
Nicola
Viele wissen vielleicht nicht: Bald ist Landtagswahl. Cem Özdemir ist im Wahlkampfmodus. Nicht aggressiv, eher sympathisch. Er veröffentlicht viele Videos – sehr lustig. Ein Video: Er überlebt einen Tag ohne Butterbrezel. Kommentare: „Ein Leben ohne Butterbrezel ist möglich, aber sinnlos.“ Super sympathisch, trifft einen Nerv.
Alexander
Wir sind Fans von Lokalkolorit im Social-Media-Content.
Nicola
Total. Er spielt bewusst mit Klischees. Clever. In NRW würde es nicht funktionieren, muss es auch nicht. Er will ja hier gewählt werden. KI hilft da nicht – man muss die Trigger der Menschen verstehen. Erfahrung zählt.
Alexander
Genau, Erfahrung.
Nicola
In Interviews spricht er auch so. Bei Caren Miosga sagte er: „Das ist wie ein Trollinger, der zu lang steht.“ Das versteht nur im Ländle jemand – und lacht.
Alexander
Super.
Nicola
Subtil, aber clever. Und zum Thema Schwaben: Ein deutscher Schwabe in Kalifornien hat ein Weingut, backt jeden Tag einen Kuchen. Glass Rose Farm. Sie haben erst vor wenigen Wochen angefangen, jetzt 112.000 Follower. Videos wie „My Dad Bakes a Cake a Day“ haben über eine Million Views. Sehr sympathisch, schwäbisch und kalifornisch zugleich.
Alexander
Das ist super. Muss ich mir anschauen.
Nicola
Ja, guck es dir an. Ein Video hatte über sechs Millionen Views. Respekt. Gut gemacht.
Alexander
Macht mehr schwäbischen Content – bringt Millionen Reichweite.
Nicola
Der Bienenstich hatte zwei Millionen Aufrufe. Mein Lieblingskuchen übrigens. Falls ihr mal mit mir Kuchen essen wollt – Bienenstich geht immer.
Alexander
Ich mag Bienenstich auch.
Nicola
Food Content ist immer noch ein Thema, sehr persönlich gestaltbar. Zum Abschluss: Heute ist eine lange Folge. Warum haben wir so viel geredet?
Alexander
Wir sind bei 40 Minuten. Alle reden über Spotify Wrapped. Es gibt auch Wrapped für Podcasts. Wir haben sehr gute Werte. 40 Follower haben uns als Top-Podcast, Nummer 1. Danke an euch. Wir würden euch gern kennenlernen.
Nicola
Großen Dank. 40 Personen haben uns auf Platz 1. Habt ihr kein anderes Leben? Wenn ihr bis hierher gehört habt, seid ihr wahrscheinlich noch da. Wir freuen uns sehr. Vielleicht packen wir euch alle mal in einen Raum und gehen essen. Und weil ihr so lange zugehört habt: Das Kabuto-Thema steht im Raum. Update, Alex.
Alexander
Unsere 40 Top-Fans wissen: Es geht um eine wertlose Pokémon-Karte. Letzte Woche unter 10 Dollar, jetzt über 10 Dollar. Es gibt eBay-Auktionen im vierstelligen Bereich. Seine Reichweite ist extrem gewachsen, auch Presseberichte. Er versteigert gerade eine Kabuto-Karte bei eBay – über 10.000 Dollar – zugunsten eines Kinderkrebskrankenhauses in Tennessee.
Nicola
Sehr schön. Richtig gut, ein Beispiel für den guten Zweck.
Alexander
Genau. Reichweite aufgebaut und sinnvoll genutzt.
Nicola
Mega interessant, dieses Kabuto-Thema. Bleiben wir dran. Es gibt Wetten auf Kabuto-Karten von 1999, schon bei 2.000 Dollar. Vielleicht hat jemand von euch noch Karten. Schaut mal im Keller. Behaltet sie – vielleicht eine Geldanlage.
Alexander
Genau.
Nicola
Spannendes Thema. Vielen Dank, Alex. Wir hören uns nächste Woche.
Alexander
Ich wünsche dir, dass du dir jetzt einen Bienenstich gönnst.
Nicola
Ja, ich habe jetzt den Druck. Wo finde ich Bienenstich? Danke.
Alexander
Frag die KI.
Nicola
Mach’s gut, wir hören uns. Ciao.
Alexander
Macht’s gut, ciao.
Social Media
KI zum Kuscheln: Warum (noch) nicht alle Creator digitale Haustiere in ihren Feeds zeigen
Gastbeitrag von Thomas ‚pixelschmitt‘ Schmitt
Eine kleine Social-Media-Beobachtung über KI, Persönlichkeit und spielerische Selbstinszenierung
Nicht jede Entwicklung im Social Web beginnt sichtbar. Manche entstehen leise. Sie erscheinen vereinzelt, tauchen wieder auf und bleiben dann als kleines, wiederkehrendes Motiv im Feed bestehen. Genauso verhält es sich mit den digitalen Haustieren, die derzeit bei einigen Creatorinnen und Creatorn zu sehen sind. Es handelt sich nicht um einen Trend im klassischen Sinn, sondern um eine subtile Micro-Bewegung, die viel darüber verrät, wie natürlich KI inzwischen eingesetzt wird.

Der erste Impuls kam von Lutz Hanus. Während seines Urlaubs erschien in seinen Fotos erstmals ein Zebra. Es war eine unaufgeregte, beiläufige Szene. Das Tier erhielt später den Namen Pepsi Carola. Das Besondere daran war nicht die Technik, sondern die Selbstverständlichkeit, mit der das Zebra in den Bildern auftauchte. Genau das machte die Idee anschlussfähig.
Nach und nach griffen weitere Creatorinnen und Creator diese Form der Inszenierung auf. Nicht als Challenge, nicht als geplantes Format, sondern als persönliche Ergänzung ihrer Inhalte. Daraus entstand ein kleiner Instagram Zoo.

Der kleine Instagram Zoo
Die Tiere sind keine täglichen Begleiter, aber sie erscheinen konsistent und erzeugen dadurch Wiedererkennung.

Spiegelbilder statt Zufallswahl
Auffällig ist, dass die Wahl der Tiere selten zufällig ist. Sie spiegeln auf subtile Weise die Personen dahinter. Bei pixelschmitt wird das besonders deutlich. Mit seinen zwei Metern Körpergröße entschied er sich bewusst für eine Giraffe, um ein visuelles Echo seiner eigenen Statur zu setzen. Die Giraffe erscheint daher als kleine, humorvolle Erweiterung seiner eigenen Präsenz.

Ganz im Gegenteil dazu Lutz Hanus, der bei seiner Urlaubsschnaps-Idee überlegte, was das abstruseste Tier ist, auf das man auf Kreta treffen kann: Logisch, ein Zebra.
Und die Geschichte zum Tier hat er direkt mitentwickelt: “Pepsi-Carola hat ihre Wurzeln in Ostindien, ist aber auf Kreta geboren. Ihre Urgroßeltern kamen einst aus Ostindien als Gastarbeiter nach Kreta. Sie ist ne kleine Party-Maus. Wir haben uns direkt angefreundet, sie möchte jetzt mit nach Deutschland…”
Es folgte eine gemeinsame Flugreise, gemeinsame Konferenzbesuche und uvm.: Alle “Auftritte” von Pepsi Carola gibt´s auch hier auf Instagram zum Nachschauen.
Auch bei den anderen Creatorinnen und Creatorn wird sichtbar, dass die Tiere als zusätzliche Ebene der Selbstinszenierung funktionieren. Sie dienen als visuelle Marker und sorgen für einen Wiedererkennungseffekt, ohne die Inhalte zu dominieren.
Warum die Bilder funktionieren
Digitale Tiere erzeugen sofort Aufmerksamkeit und wirken gleichzeitig unaufdringlich. Sie bringen Leichtigkeit in den Feed, ohne den Anspruch an professionellen Content zu mindern. Gleichzeitig machen sie KI verständlich und zeigen, wie einfach sie sich in alltägliche Szenen integrieren lässt.
In manchen Situationen übernehmen die Tiere sogar eine kleine zusätzliche Rolle. Wenn pixelschmitt beispielsweise während langer oder verspäteter Bahnfahrten postet, taucht die Giraffe häufig mit auf. In diesen Momenten wirken die Tiere fast wie kleine Emotional Support Animals. Sie bieten einen humorvollen Kontrast zu Situationen, die sonst eher nüchtern wären. Bei Lutz Hanus ist es oft so, dass sie das alltäglich Erlebte um eine humoristische, ironische Komponente erweitern. Schließlich erlebt die Neubürgerin Pepsi-Carola vieles zum ersten Mal.

Die Rolle von KI-Tools wie Higgsfield.ai
Dass solche Bilder überhaupt so regelmäßig auftauchen, liegt auch an der inzwischen technischen Niedrigschwelligkeit. Die Tiere entstehen per Prompts in ChatGPT oder Gemini. Plattformen wie Higgsfield.ai ermöglichen die Integration der Tiere mit wenigen Klicks. Ein Foto reicht aus, die App setzt das Tier realistisch in die Szene.
Früher wären dafür umfangreiche Kenntnisse in diversen Spezialprogrammen und viel Zeit nötig gewesen, funktioniert das Ganze heute mit einem einfachen Prompt in wenigen Minuten. Dadurch wird KI nicht zu einem separaten Tool, sondern zu einem alltäglichen Bestandteil kreativer Arbeit.
Ein kleines Phänomen mit klarer Botschaft
Der kleine Instagram Zoo ist (noch) keine große Bewegung. Er zeigt jedoch, wie spielerisch und unkompliziert KI in persönlichen Content integriert werden kann. Er steht für einen Umgang, der nicht technikzentriert ist, sondern kreativ und menschlich.
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