Social Media
Feed und Fudder Podcast 85 – Corporate Influencing
Wenn aus Mitarbeitenden Markenbotschafter werden! Corporate Influencing ist einer der Social Media Trends der letzten Zeit und Unternehmen versprechen sich viel davon. Mehr Nähe zur Community, authentische Kommunikation, echte Menschen statt langweiliger Unternehmensaccounts.
Corporate Influencer verspricht viel – wenn man die Corporate Influencer machen lässt. Und da beginnen die Herausforderungen. Wir sprechen im Feed und Fudder Podcast mit Social Media Marketing Expertin Lisa Merki über Chancen, Stolperfallen und Erfolgsfaktoren eines Corporate Influencer Programms.
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Transkript Feed und Fudder Podcast 85 – Corporate Influencing
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Hier gibt es das Transkript zu Folge 85 – Corporate Influencing
Transkript
Alexander
Hallo und herzlich Willkommen beim Feed und Fudder Podcast. Wir haben heute ein Gesprächsthema, das sich viele von euch da draußen gewünscht haben. Und dann habe ich gedacht, laden wir uns einfach mal einen tollen Gast dazu ein. Wir sprechen heute über Corporate Influencing. Und wie gesagt, ich bin nicht allein, sondern ich habe heute Lisa dabei. Schön, dass du da bist, Lisa. Stell dich doch einfach mal kurz vor.
Lisa
Ich bin Lisa.
Ich arbeite als Senior Social Media Managerin bei Social Hub, bin aber auch freiberuflich im Social Media Marketing unterwegs und mache Speakings und Co. Und was für das heutige Thema am spannendsten ist: Ich habe bei uns vor eineinhalb Jahren das Corporate‑Influencer‑Programm aufgebaut und betreue es intern. Ich habe viele Hindernisse und Typen gesehen und ich glaube, es lohnt sich total, in dieses Thema deeper reinzugehen, weil viele Aspekte unterschätzt werden. Deswegen freue ich mich total, heute hier zu sein.
Alexander
Auf jeden Fall. Bei Corporate Influencing denke ich zuerst an die LinkedIn‑Unternehmensseite. Aber da haben wir ein kleines Problem: Der LinkedIn‑Algorithmus mag Unternehmensseiten nicht besonders. Ich glaube, aktuell sind es nur rund zwei Prozent Sichtbarkeit im Feed. Also macht es Sinn, wenn man Personen einbindet. Aber „beauftragen“ klingt nicht authentisch, und das ist die erste Herausforderung. Wie würdest du Personen auswählen, um mit Corporate Influencing zu starten?
Lisa
Das ist kein einfaches Thema, weil viele Ebenen reinspielen und es stark von der Unternehmensgröße abhängt. Der Best Case ist eine Bewerbungsphase, weil man so die Leute erreicht, die sich proaktiv melden würden. In manchen Unternehmen werden auch Personen aktiv angesprochen. Ich glaube, es braucht ein Zusammenspiel aus beidem, weil es Menschen gibt, die sich das nicht zutrauen, obwohl sie gut geeignet wären.
Gerade die Bewerbung zeigt intrinsische Motivation, die für die Langfristigkeit extrem wichtig ist. Wir öffnen alle sechs Monate eine Bewerbungsphase und schauen dann: Passt das? Ist die Dedication da? Haben sie sich mit dem Thema beschäftigt? Wenn ja: Let’s go.
Alexander
Und wie hält man die Leute langfristig bei der Stange?
Lisa
Es ist wirklich kein einfaches Thema. Viele denken, man setzt ein Programm einmal auf und dann läuft es von selbst. Aber die leitende Person muss immer wieder Ideen entwickeln, um die Leute zu motivieren weil wir das alles neben unseren eigentlichen Jobs machen. Wir arbeiten mit Incentives, zum Beispiel exklusivem Merchandise, das nur Corporate Influencer bekommen. Das ist an Zugehörigkeit gekoppelt: x Monate aktiv = Item 1, y Monate aktiv = Item 2.
Wir machen auch Challenges, damit sowohl Gemeinschafts‑ als auch Wettbewerbsmotive angesprochen werden. Was aber noch wichtiger ist als Incentives: gute Betreuung. Es braucht eine dedizierte Ansprechperson, Wissenssessions, Workshops, Feedback auf Postings. Interner Ownership ist entscheidend. Deshalb sehe ich es kritisch, wenn eine externe Agentur alles übernimmt und intern niemand Verantwortung trägt. Das ist essenziell für langfristige Motivation.
Alexander
Und das sind genau die Gründe, warum Corporate Influencing sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringt. Sie sind die Gründe, warum so viele Leute sich für dieses Thema interessieren und auch bei uns angefragt haben, hey, macht doch mal bitte was dazu. Aber das sind eben auch die Herausforderungen.
Da kommt man nicht drum herum zu sagen, sie sind am Anfang recht hoch. Aber gehen wir mal kurz weg von den Herausforderungen. Warum lohnt sich aus deiner Sicht überhaupt Corporate Influencing? Warum sollte man bereit sein, diese Herausforderungen anzunehmen? Was kann man damit erreichen?
Lisa
Ich glaube, den größten Vorteil sieht man schon in der Sache selbst. Corporate Accounts werden immer ein Stück weit weiter weg vom Menschen sein. Es ist ein Logo, das für eine Unternehmenskultur steht und für die Menschen dahinter. Und genau diese Menschen sind es, die ein Unternehmen zu dem machen, was es ist. Sie sichtbar zu machen und ihnen eine Stimme zu geben, ist unglaublich wertvoll.
Wenn jemand mit dem eigenen Gesicht sagt, das ist meine Meinung, das ist meine Erfahrung, dann entsteht Vertrauen. Das wird immer authentischer wirken als ein Corporate Account, der abgesegneten Unternehmenssprech veröffentlicht. Das hat ein ganz anderes Trust‑Level.
Viele Unternehmen nutzen Corporate Influencing fürs Employer Branding. In Bewerbungsgesprächen stellt sich jedes Unternehmen toll dar. Aber wenn Mitarbeitende Real Talk geben und erzählen, wie es wirklich ist, dann glaubt man das viel eher als dem abstrakten Unternehmen. Das ist ein riesiger Vorteil.
Und durch verschiedene Persönlichkeiten im Unternehmen schafft man viel mehr Anknüpfungspunkte. Wenn ich mit dem Corporate Account nicht connecte, dann vielleicht mit Mitarbeiter B oder F. So spricht man unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen Bereichen an. Das ist die große Stärke.
Alexander
Das mit der Vielfalt finde ich sehr schön. Wenn man es richtig macht, zeigt man damit auch, dass man moderne Arbeitskultur nicht nur in Stellenanzeigen verspricht, sondern wirklich lebt. Corporate Influencing ist ein Echtzeit‑Beweis dafür, dass die Werte eines Unternehmens ernst gemeint sind. Oft erleben wir ja das Gegenteil: schöne Werte auf Papier, aber in der Praxis passiert nichts. Du hast das Wort Seele gesagt.
Wir sind Menschen, wir haben Emotionen. Wie verhindert man, dass ein Corporate‑Influencer‑Account einfach ein Copy‑and‑Paste‑Kanal der Unternehmensseite wird?
Lisa
Es steht und fällt mit der Haltung, mit der man das Thema angeht, und mit einer Person, die es verteidigt. Bei uns war es so: Ich kam ins Unternehmen und war sofort überzeugt, dass Corporate Influencing zu uns passt. Ich hatte intrinsische Motivation, das aufzubauen. Als dann Vorschläge aus dem C‑Level kamen wie „Wir könnten Ghostwriting machen“, war ich diejenige, die gesagt hat: Wenn wir es so machen, brauchen wir es gar nicht machen. Es braucht jemanden, der das Thema schützt und auf dem richtigen Weg hält. Es kann nur funktionieren, wenn es authentisch ist.
Es gibt Unternehmen, die zentral gesteuerte Kommunikation machen und Texte vorgeben. Das kann bis zu einem gewissen Grad funktionieren, je nach KPIs. Aber es wird nie so vertrauensstiftend sein wie echte Menschen, die selbst posten.
Alexander
Und wir haben eine Herausforderung noch nicht angesprochen: Loslassen und Ownership. Damit tun sich Unternehmen extrem schwer. Ich denke da immer an Ikea. Ikea macht großartige Socia Media Kampagnen, weil sie keine Freigabeschleifen haben. In fast jeder Feed und Fudder‑Folge sagen wir denselben Satz: Leute, lasst diese Freigabeschleifen endlich sein.
Gebt euren Leuten Verantwortung und freie Hand. Sonst passiert genau das, was wir kennen: Trends sind längst vorbei, wenn Unternehmen sie posten. Wie kann man Corporate Influencern diese Verantwortung geben? Wie schafft man dieses Loslassen?
Lisa
Man muss sich bewusst sein, dass Corporate Influencing immer ein Stück weit Kontrollverlust bedeutet. Man kann keine Freigabeschleifen für persönliche Accounts einführen, die den Menschen gehören. Ich fände es sogar bedenklich, wenn das so wäre. Deshalb würde ich Corporate Influencing nur Unternehmen empfehlen, die bereit sind, diesen Kontrollverlust zu akzeptieren.
Sonst wird es nur eine leere Hülle einer verlängerten Unternehmenskommunikation. Es ist nicht einfach, Kontrolle abzugeben, aber es gehört Vertrauen dazu. Mitarbeitende, die Corporate Influencer werden, leisten viel. Sie stehen mit ihrem Gesicht für das Unternehmen. Das würden nur Menschen tun, die wirklich hinter dem Unternehmen stehen. Niemand, der das Unternehmen schlecht findet, würde sagen: Klar, ich werde Corporate Influencer.
Deshalb würde ich immer die positive Intention sehen. Am Anfang kann man Rahmenbedingungen festlegen: Was geht, was geht nicht, welche Informationen sind vertraulich. Aber danach sollte man möglichst viel Freiheit geben. Davon profitieren alle am meisten.
Alexander
Und du hast ja gerade gesagt, Rahmenbedingungen. Ich weiß nicht, ob man das pauschal beantworten kann, aber die Leute, die Corporate Influencing übernehmen, haben ja trotzdem noch ihren eigentlichen Job im Unternehmen. Das ist ja erstmal ein Mehraufwand. Was meinst du, kann man das in einer Stundenzahl festhalten? Wie viel Zeit braucht man fürs Corporate Influencing oder sollte das Unternehmen den Leuten Freiraum schaffen?
Lisa
Also Freiraum schaffen auf alle Fälle. Ich finde, das sollte in der Arbeitszeit stattfinden. Ansonsten verlangt man den Leuten viel zu viel ab. Und ich glaube, arbeitsrechtlich ist es auch nicht okay. Man sollte es realistisch einschätzen. Am Ende hängt es davon ab, wie viele Ressourcen das Unternehmen freimachen kann und was vertretbar ist.
Ich finde zwei bis drei Stunden pro Woche realistisch, gerade wenn man keine Unterstützung wie Ghostwriting hat, sondern alles selbst macht. Am Anfang ist das Setup schwieriger, weil man mit Menschen arbeitet, die nicht die gleiche Content‑Creation‑Erfahrung haben. Da kann man nicht erwarten, dass alles sofort super ist.
Es dauert, bis man einen Groove entwickelt. Es hängt auch davon ab, welche Frequenz man erwartet und wie viel Zeit man geben kann. Wenn man nur eine halbe Stunde pro Woche hat, sollte man überlegen, ob es überhaupt Sinn macht. In der Zeit überlegt man gerade mal, was man posten möchte. Man muss dem Thema Priorität geben und sagen: Ja, das ist uns wichtig, und dafür schaffen wir Zeit.
Alexander
Wir haben jetzt die meiste Zeit über LinkedIn gesprochen. Der Vorteil dort ist, dass man mit einem persönlichen Profil ohnehin im Business‑Kontext unterwegs ist. Aber wie sieht Corporate Influencing auf anderen Plattformen aus? Instagram, TikTok? Macht es Sinn, ein Business‑Profil als Person einzurichten oder kann man Corporate Influencing auch mit dem Privataccount machen?
Lisa
Zur Plattformauswahl: Ich sehe Unternehmen, die das auch auf Instagram oder TikTok umsetzen. Es hängt stark davon ab, was für ein Unternehmen man ist, ob B2C oder B2B, und welches Ziel man verfolgt. Wenn man Employer Branding pushen möchte, kann Insta oder TikTok Sinn machen. Wir als B2B‑Brand haben dort wenig Mehrwert.
Ich finde es auch in der Handhabung schwieriger. Videos zu coachen ist ein viel größeres Unterfangen als Schreiben und Fotos. Fotos kann man gemeinsam erstellen, Videokonzeption und Schnitt sind viel individueller. Es gibt Unternehmen, die das machen, und dort sehe ich oft separate Profile für Corporate Influencer.
Viele wollen ihr privates Profil nicht dafür nutzen. Es gibt aber auch Personal Brands, die beides verbinden, allerdings ohne das Unternehmen stark in den Vordergrund zu stellen. LinkedIn ist für Business‑Ziele meist der beste Ort: Netzwerk aufbauen, Kontakte knüpfen, PR‑Möglichkeiten. Und es ist in der Programmhandhabung viel einfacher zu steuern als andere Plattformen.
Alexander
Und vielleicht zum Abschluss: Würdest du empfehlen, wegen der Ressourcen lieber eine Plattform richtig gut zu machen?
Lisa
Auf alle Fälle. Das gilt im Corporate Influencing genauso wie im Social Media Marketing. Wenn die Ressourcen nicht reichen, alles vernünftig zu machen, sollte man sich auf eine Plattform konzentrieren. Coacht die Leute dort gut, betreut sie eng und gebt ihnen eine solide Basis. Wenn ich mir vorstelle, zusätzlich zu LinkedIn auch noch Instagram für zwölf Leute zu coachen, wäre das ein enormer Mehraufwand. Man sollte überlegen, wie man Ressourcen sinnvoll einsetzt, um das Beste herauszuholen.
Alexander
Vielen Dank für diesen wunderbaren Einblick ins Corporate Influencing. Ich hoffe, ihr da draußen habt ein paar Antworten bekommen und vielleicht auch ein bisschen die Scheu verloren. Das Interesse ist hoch, aber die Bereitschaft, es zu tun, ist oft noch niedriger. Ich hoffe, wir konnten euch Mut machen. Probiert es einfach aus. Wenn die Leute erstmal dabei sind, macht es allen Beteiligten Spaß.
Lisa
Das glaube ich auch. Ich finde, es schafft eine schöne interne Community und stärkt den Zusammenhalt zwischen Abteilungen, gerade im Remote‑Setting. Es gibt der Unternehmenskultur viel zurück. Also auf allen Ebenen eine große Empfehlung. Wenn ihr Fragen habt, meldet euch gerne bei mir auf LinkedIn. Ich tausche mich sehr gerne dazu aus und hoffe, ich konnte die Lücke zwischen Lust und Angst ein bisschen schließen. Vielen Dank für die Einladung.
Alexander
Schön, dass du da warst. Ihr da draußen, wir hören uns in der nächsten Folge Feed und Fudder.
Lisa
Tschüssi!