Social Media

Feed und Fudder Podcast 86 – Digital News Report 2026


Social Media sind Nachrichtenquelle Nummer 1! Laut dem Digital News Report 2026 des Reuters Institute sind Social-Media-Kanäle für immer mehr User*innen und User die wichtigste Nachrichtenquelle. Dafür hat das Reuters Institute rund 100.000 Menschen in 48 Ländern befragt. 

Erstmals liegen Social Media und Videoplattformen mit 54 Prozent vor TV und klassischen News-Websites. Bei den 18- bis 24-Jährigen sind es sogar 52 Prozent, die Plattformen als Hauptquelle nutzen. Wir sprechen im Feed und Fudder Podcast darüber, warum auch abseits von News der Report eine wertvolle Studie für Social Media Manager*innen ist.

Die aktuellen Zahlen zu Reichweite, Videokonsum und dem Aufstieg von KI-Chatbots zeigen, wie sich die Mediennutzung verändert und welche Trends und Entwicklungen Social Media in nächster Zeit prägen werden. Außerdem schräge Vertriebstipps auf LinkedIn, freudige Briefe vom Finanzamt und den ein oder anderen Social Media Trend, den man vielleicht nicht unbedingt mitmachen muss.

Die aktuellen Zahlen zu Reichweite, Videokonsum und dem Aufstieg von KI-Chatbots zeigen, wie sich die Mediennutzung verändert und welche Trends und Entwicklungen Social Media in nächster Zeit prägen werden. Außerdem schräge Vertriebstipps auf LinkedIn, freudige Briefe vom Finanzamt und den ein oder anderen Social Media Trend, den man vielleicht nicht unbedingt mitmachen muss.


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Transkript Feed und Fudder Podcast 86 – Digital News Report 2026

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Hier gibt es das Transkript zu Folge 86 – Digital News Report 2026

Transkript

Nicola

Hallo und Servus zu einer neuen Folge Feed und Futter mit Alex und mir, der Nici. Hallo Alex!

Alexander

Hallo, herzlich willkommen.

Nicola

Seit langem mal wieder live und tatsächlich auch ohne Baby auf dem Arm. Ich habe mich deswegen vorbereitet, Surprise, und Zahlen mitgebracht, weil heute reden wir mal wieder endlich über Zahlen. Weißt du, nicht immer nur Laber, Laber, LinkedIn, Learnings, sondern mal einfach Zahlen, Fakten, auch mal wieder was Handfestes. Deswegen dachte ich, komm, ich bring dir mal ein paar Zahlen mit.

Alexander

Juhu, aber keine Sorge, wir haben am Ende der Folge trotzdem noch was von LinkedIn.

Nicola

Nein, ist okay. Aber ganz kurz, bevor wir hardcore einsteigen: Wir sind ja beide, ihr wisst es, im wunderschönen  Baden‑Württemberg. Wie hält sich die Hitze denn aus? Ich habe gehört, du hast deine Sommerresidenz bezogen und hast die gute Hitze‑Hochburg Mannheim verlassen. Kann man das so sagen?

Alexander

Sommerresidenz klingt klasse. Fast wie der Papst. Ja, ich bin zu Hause, wo ich ursprünglich herkomme, am schönen Bodensee. Das ist es auch sehr heiß, aber man kann nach Feierabend ins Strandbad gehen und ein bisschen in den See springen. Tut dann ganz gut bei der Hitze. Mache ich fast jeden Abend.

Nicola

Da bin ich ein bisschen neidisch, aber bei uns auf dem Land lässt es sich tatsächlich auch noch aushalten. Deswegen ganz liebe Grüße an alle, die trotz Hitze irgendwie versuchen zu überleben. Ja, ich glaube, das ist schon eine Herausforderung. Wir haben schon gesagt, ich hoffe, dass die Laptops, die Macs, der Router, alle Geräte irgendwie stabil sind. Fun Fact: Ich habe letztens gehört, in der Verwandtschaft ist ein Auto nicht mehr angesprungen wegen überhitzter Batterie und die Werkstatt meinte, das sei kein Einzelfall. Viele Autos haben momentan Probleme, deswegen nicht so ungewöhnlich, wenn dein Mac hier Stress macht.

Alexander

Ja, aber jetzt bin ich ein bisschen verwirrt. Bist du im Ländle oder bist du in The Länd?

Nicola Ja, ich bin tatsächlich nicht mal im Ländle, ich bin im Badischen. Aber was müssen wir machen? Naja, 7‑4 sage ich nur zu dem Thema. Aber wo wir hinwollen, ist ja in die Zukunft. Beziehungsweise: Was ist denn 2026 eigentlich spannend im Medienkonsum? Weil Social Media, ich glaube, da braucht man nicht drüber reden, ihr draußen beschäftigt euch täglich damit, ist nicht wegzudenken.

Ich komme aus dem Sport, das ist natürlich gerade mit WM und Tour und Wimbledon und was es alles gibt. Ja, ich glaube, da kommt Social auch nicht drum rum. Es boomt an allen Ecken. Politisch gesehen: Mein Feed ist voll mit, ich weiß nicht, nichts gegen die Regierung, aber so oft will ich die gar nicht in meinem Feed haben. Also auch da passiert wahnsinnig viel. Ich habe das Gefühl, es ist ein Overload an Social‑Media‑Content. Und trotzdem finden wir immer noch ein paar Perlen dazwischen. Das kommt am Ende: ein paar Wins, ein paar Fails. Aber ich möchte heute mit dir über den neuen Reuters Digital News Report reden, 2026. So, Punkt.

Alexander

Schon mal sehr cool. Was hat dir am meisten aufgefallen oder bei welcher Zahl hast du gesagt, die will ich unbedingt vorstellen?

Nicola 

Ich sage gleich dazu was, nur vielleicht einen Schritt zurück. Ich hatte 2025 dazu auch einen Artikel auf AllSocial mit den wichtigsten Zahlen und habe da nochmal reingeklickt. Spannend war: In den USA ist Social Media erstmals wichtigste Newsquelle vor TV. Ich glaube, das war damals, also vor einem halben Jahr, super innovativ und neu. Und das hat mich interessiert: Hat sich da was verändert? Hat es sich bestätigt? Wie ist der Konsum von Social Media weltweit und vor allem in Deutschland?

Vielleicht für dich und euch da draußen interessant: Es gibt ein paar Reportings, die man sich als Social‑Media‑Manager einmal im Jahr angucken sollte. Das ist die ARD‑ZDF‑Online‑Studie, der Digital News Report und noch ein paar kleinere. Aber das sind so die wichtigsten. Hast du noch einen Report, den du dir immer anschaust?

Alexander

Wenn man sich mit LinkedIn beschäftigt, sollte man immer mal auf dem Kanal von Richard van der Blom vorbeischauen. Der hat immer die neuesten, besten Zahlen.

Nicola

Genau, also da ist man dann schon ganz gut aufgestellt. Der Reuters Digital News Report ist eine jährlich erscheinende Studie vom Reuters Institute for the Study of Journalism an der Universität Oxford. Es ist ein Bericht zur Mediennutzung, erhoben seit 2012, aktuell in 48 Ländern mit etwa 2000 Personen pro Land. Über 100.000 Teilnehmende. Es geht um soziale Netzwerke, Influencer und KI‑Chatbots. Das ist neu, das war vor zehn Jahren kein Thema. Wie entwickelt sich die Mediennutzung in dieser Hinsicht?

Für Deutschland ist das Leibniz‑Institut für Medienforschung in Hamburg zuständig, im Hans‑Bredow‑Institut, und die Medienanstalten helfen mit. Es ist wirklich ein fundierter Report.

Nur einmal kurz, bevor wir tiefer einsteigen: Du hast gefragt, was die wichtigste Erkenntnis für mich ist. 2025 war Social Media erstmals die wichtigste Newsquelle und das hat sich bestätigt. Auch 2026. Überrascht dich das?

Alexander

Ja und nein. Nein, wenn wir uns die ganze Zeit mit Social Media beschäftigen, Blog und Podcast, dann nicht. Ja, aber dass es dann doch diese Wende gab. Und dass man Social Media endlich ernst nimmt als eigenes Medium, gleich zu TV, Rundfunk, Presse. Social Media wird erwachsen. Ja.

Nicola

Ja, ist erwachsen. Vielleicht nochmal interessant: Global ist Social Media die Nachrichtenquelle Nummer eins. In Deutschland hält sich das lineare Fernsehen immer noch richtig gut, aber auch da dominiert Social. Also selbst in Deutschland dominiert Social. Nicht überraschend, aber der Hinweis: 18‑ bis 24‑Jährige, wenn man die erreichen möchte, ist Social Media Pflichtprogramm. Ich glaube, das überrascht uns nicht, aber es ist immer anders, wenn es mit Zahlen hinterlegt ist.

Alexander

Da möchte ich einen kleinen Querverweis machen auf die vorletzte Folge. Da hatten wir es über Gen‑Z‑Marketing. Und da haben wir auch darüber gesprochen, dass für die jüngere Generation Social Media die wichtigste Nachrichtenquelle ist. Es ist nicht nur ein Begleiter auf dem Smartphone, sondern die Quelle wie früher die Frühstückszeitung oder die Tagesschau.

Nicola

Absolut. Der Report bestätigt es auch. In der Gruppe 18 bis 24 ist für die Hälfte Social die erste und wichtigste Informationsquelle. Das hat viele Konsequenzen. Es wird über Social‑Media‑Verbote diskutiert, in Schulen wird darüber gesprochen. Es verändert das Leben der Familien und Jugendlichen. Aber es ist Fakt: Pflichtprogramm bei der jungen Zielgruppe. Hier auch interessant: das Nachrichtenverhalten. Während Trust in News weltweit eher sinkt, bleibt er in Deutschland mit 46 Prozent relativ stabil. Das hat mich überrascht.

Ich meine, der Tagesschau‑Account, ich weiß nicht, was mit dem los ist. Der hatte im letzten Monat unfassbar krasse Reichweiten. Man hat gemunkelt, ob das Fake wäre. TikTok hat sich eingeschaltet und gesagt: Nein, das sind organische Reichweiten. Es kommt vor allem durch die WM und den Content rund um die WM. Der Tagesschau‑Account auf TikTok hat gerade extrem hohe Reichweiten. Auch auf Social funktioniert das News‑Prinzip.

Alexander

Manchmal lohnt es sich, früher anzufangen. Die Tagesschau hat früh auf 9:16 gesetzt und war eine der ersten News‑Kanäle. Mittlerweile sind fast alle Medien auf Social Media vertreten. Aber sie haben es verstanden und haben eine clevere Strategie. Budget allein reicht nicht, man muss es sinnvoll umsetzen.

Nicola

Ja, Budget allein ist nicht der Grund, weil viele Jahre wurde es nicht gut gemacht. Video ist ein Thema, Content‑Format ist das Richtige. Video ist Standard inzwischen. Viele Jahre haben wir gesagt, Video wird wichtiger. Jetzt ist Video Standard. Nachrichten werden vor allem in Bewegtbild geschaut. Videoformate, die exakt auf die Plattform abgestimmt sind, sind die Gewinner. Es ist nicht mehr „bitte tut das“, sondern es ist der Fall. TV‑Nachrichten werden vor allem als Online‑Videos konsumiert. Das ist nicht überraschend.

In Deutschland ist trotzdem spannend: Deutschland ist eine Ausnahme. 59 Prozent schalten immer noch wöchentlich die Tagesschau im linearen TV ein. Das ist eine große Ausnahme. Das liegt höchstwahrscheinlich am öffentlich‑rechtlichen.

Alexander

Deutschland ist oft eine Ausnahme. Aber weißt du, warum wir heute über den Digital News Report sprechen? Der Report behandelt Nachrichten, aber er ist ein wichtiger Seismograph für die Entwicklung der Social‑Media‑Nutzung generell. Und auch die Trends, wo es hingeht. Video ist Standard. Und diese Aussage gilt nicht nur für News, sondern generell für Social Media Content. Vielleicht ist LinkedIn eine Ausnahme, aber auf allen anderen Plattformen ist Video Standard.

Nicola

Auf jeden Fall. On top: Instagram ist die Plattform der jüngeren Menschen. Die Nutzung ist aber anders. 59 Prozent schauen wöchentlich die Tagesschau, also gezielt zu einer bestimmten Zeit. Bei den Jüngeren ist es so, dass sie zufällig über Nachrichten stolpern, aber nicht aktiv danach suchen. Das ist ein entscheidender Unterschied. Wenn ich News mache oder Informationen vermitteln will, muss ich zufällig im Feed landen. Die Nutzung hat sich geändert.

Alexander

Das sehen wir überall: Die Feeds sind kaum noch kontaktbasiert.

Nicola

Absolut. Ich glaube, das wird noch extremer. KI‑Chatbots sind aktuell weniger gefragt. 5 Prozent der Deutschen nutzen KI‑Chats für Nachrichten, global sind es 10 Prozent. Deutschland ist zurückhaltender. Die Deutschen steuern lieber direkt Webseiten an. Das ist Markentreue. Direktkanäle als Anker sind ein wichtiger Punkt. Newsletter und direkte Webseitezugriffe bleiben wichtige Werkzeuge. Man ist unabhängiger von Drittplattformen. Es ist schön zu sehen, dass das in Deutschland noch ein Thema ist. Weltweit anders, aber in Deutschland funktioniert es, dass Leute direkt auf Medienmarken gehen und die Treue zur Marke wichtig ist.

Alexander

Und du sprichst jetzt schon Marke an oder Unternehmen. Was würdest du als Social‑Media‑Managerin, wenn du für eine Marke zuständig wärst, als wichtigste Learnings mitnehmen?

Nicola

Auf jeden Fall weiterhin auf die eigene Website setzen und das Newsletter‑Thema nicht abschreiben. Gar nicht. Man muss ein starkes eigenes Produkt haben und dann auf den Social‑Plattformen schauen, wie man die Zielgruppen im Feed zufällig erreichen und stärker an sich binden kann. Das wäre mein Learning.

Alexander

Und du sagst, das ist eigentlich ein Thema für eine eigene Folge. Aber ich lese es oft auf LinkedIn: Durch KI und alles ist die eigene Website nicht tot. Ich glaube, die eigene Website wird vielleicht sogar noch entscheidender.

Nicola

Absolut.

Alexander

Müssen wir auch mal drüber reden. Aber das bestätigt sich: Social Media ist oft der erste Touchpoint. Das sagen wir als Social‑Menschen sehr oft. Und wir hatten in den letzten beiden Folgen Gäste zum Community‑Management. Viele Marken unterschätzen es noch, dass Social Media inzwischen der erste Berührungspunkt mit einer Marke ist. Nicht mehr das Produkt im Supermarkt, nicht mehr das Plakat auf der Straße.

Nicola

Ich glaube, das ist extrem zielgruppenabhängig. Aber Direktkanäle als Anker sind super wichtig. Im Digital News Report ist das definitiv ein Thema, gerade in Deutschland. Hier noch ein spannender Fakt: News‑Fluencer, die sich auf Nachrichten spezialisiert haben, spielen gar nicht so eine große Rolle. Nur 13 Prozent nutzen unabhängige Creator oder Influencer für Nachrichten.

Das zeigt, dass Vertrauen in verlässliche Medienmarken weiterhin da ist. Auch die Zustimmung bei jungen Menschen zu ARD und ZDF ist positiv. Das kommt wahrscheinlich durch das TikTok‑Thema und dass sie das gut können und sich eine starke Plattform aufgebaut haben. Die Rundfunk‑Zustimmung bei Jungen ist überraschend positiv. Das ist eine super Nachricht. Es heißt auch, dass jüngere Menschen Vertrauen in verlässliche Medienmarken haben.

Alexander

Zeigt auch, dass Jugendkritik manchmal gar nicht angebracht ist. Junge Menschen suchen sich ihren eigenen Weg und ihre eigenen Kanäle.

Nicola

Im Report ist das Thema Vertrauensvorsprung wichtig. Klassische Medien genießen immer noch hohes Vertrauen vor KI und vor Social Media, wenn es nicht an eine Marke gebunden ist. Vertrauen ist ein wichtiger Bindungsfaktor. Wenn du eine starke Medienmarke hast oder eine starke Marke, nutze Social clever im Branding, bleib dir treu. Dann kommen die Leute immer wieder zu dir und vertrauen dir. Der Report bestätigt das, zumindest in Deutschland. Das ist eine gute Nachricht.

Alexander

Und ich finde, das bestätigt auch, was wir immer sagen: Echter menschlicher Content genießt einen sehr hohen Vertrauensfaktor. KI‑Content dagegen nicht so. Wenn du auf LinkedIn schaust, jeder Post handelt davon, wie toll KI ist. Aber in den Kommentarspalten kommt sofort der Vorwurf AI‑Slop. Das kommt gar nicht so gut an, wenn KI Inhalte produziert. Und das zeigt auch eine Entwicklung, über die wir schon gesprochen haben: Das Aufkommen von KI hat dafür gesorgt, dass Community‑Management ein Comeback erlebt. Das bestätigt der Report auch.

Nicola

Der Report bestätigt vor allem, dass KI eher als Werkzeug gesehen wird. Nur 5 Prozent der Deutschen nutzen KI‑Chats für Nachrichten, global sind es 10 Prozent. KI‑Nutzung ist da, aber eher als Werkzeug. News über KI zu konsumieren ist weniger der Fall. Vielleicht sieht es nächstes Jahr anders aus, aber das ist der Stand 2026. Deswegen ist es für Medienmarken interessant: KI ist wichtig, aber die Leute gehen gern auf Webseiten oder Newsletter der Marken direkt.

Noch ein anderer Punkt: Nachrichtenpausen. Newsmüdigkeit ist neu. 72 Prozent der Deutschen vermeiden ab und zu aktiv Nachrichten. Wegen Überlastung, Erschöpfung, dem Wunsch nach einer Pause. Nicht wegen Misstrauen. Das ist wichtig. Es ist ein gesundheitlicher Aspekt: Man ist newsmüde, überfordert, interessiert sich aber weiterhin für News und vertraut ihnen. Man kann nur nicht jeden Tag. Das ist neu.

Alexander

Kann ich nachvollziehen. Wir leben in multiplen Krisen. Da braucht man Abstand und zieht sich auf lustigen Content zurück. Absolut nachvollziehbar. Oder Feel‑Good‑Content.

Nicola

Ja, oder auch selektiver. Aber ich glaube, das ist ein Thema, das vor drei, vier Jahren angedeutet wurde. 2026 ist ein Punkt, wo bewusst ein Großteil der Befragten in Deutschland sagt: Ja, mir ist es bewusst, ich brauche eine Pause, ich bin erschöpft von diesen vielen News. Natürlich sind es oft krisenhafte News und es ist zu viel. Es ist interessant, was in den nächsten Jahren die Lösungen sein werden. Aber dieses Thema Überlastung von Information wird uns weiterhin beschäftigen. Da bin ich mir sicher.

Das war ein grober Abriss, nicht überraschend. Zum Abschluss nochmal: WhatsApp und Instagram dominieren. YouTube läuft eher Richtung Nachrichtennutzung, aber es sind WhatsApp und Instagram. Facebook verliert an Relevanz, bleibt aber für News einigermaßen stabil. Also nichts, was uns total aus dem Sessel haut, eher eine Bestätigung dessen, was wir in vielen Folgen bei Feed und Futter besprochen haben.

Alexander

Wir hatten auch mal eine Facebook‑Folge, die muss ich jetzt zitieren, weil Facebook in jeder Studie heißt: Facebook geht zurück, aber es ist trotzdem immer noch da.

Nicola

Bleibt für News stabil. Ich denke, da ist immer noch die gleiche Situation. Das ist wie früher beim Teletext, wo man gesagt hat, der Teletext hat gleich hohe Abrufzahlen und dann sterben sie plötzlich weg. Keine Ahnung, ich bin gespannt, ob das passieren wird.

Ja, das waren die wichtigsten Fakten aus dem Reuters Digital News Report 2026. Ich denke, jeder kann das selbst nachlesen. Wir verlinken in den Shownotes. Aber es ist spannend, da reinzuschauen. Social als wichtigste Newsquelle: weiterhin der Fall. Neu ist das Thema Newsmüdigkeit und Erschöpfung. Und vielleicht kann man als Brand oder Newsmarketer überlegen, wie man darauf reagieren kann.

Alexander

Und wenn man erschöpft ist, hilft vielleicht ein kleiner Imbiss zwischendurch, wie ein Mettigel zum Beispiel.

Nicola

Das war eine schöne Überleitung in die Kategorie: Was hat uns gar nicht so geschmeckt die Woche? Oder was hat uns geschmeckt? Du hast den Mettigel auf den Tisch gepackt. Was ist denn da los?

Alexander

Aber du musst es vorlesen, dann ist es viel lustiger.

Nicola

Was ist da los? Ich muss vorlesen. Ja, also du hast mir einen Mettigel geschickt und ich dachte mir, ich komme nicht aus einer Region, wo Mettigel ein gängiges Gericht ist. Deswegen ist der Anblick für mich so: Würde mir jemand einen Mettigel vorbeibringen, wäre ich irritiert.

Aber du hast mir einen LinkedIn‑Post geschickt von einem Vertriebler. Und er schreibt: Zu Kundenterminen im Mittelstand bringe ich immer einen Mettigel mit. Das hat sich über die Jahre bewährt. Beim Termin stelle ich ihn auf den Tisch zwischen uns. Also der Geruch. Du bist im Kundentermin und bringst einen Mettigel mit.

Alexander 

Bei dem Wetter auch.

Nicola

Die meisten Kunden schauen ihn kurz an. Ja, das hätte ich auch gemacht. Dann mich, dann wieder den Mettigel. Ich sage nichts. Der Kunde auch nicht. Das respektiere ich. Dann sprechen wir über Bewerber, Kunden und Umsatz. Der Mettigel hört zu. Nach 45 Minuten wird der Vertrag unterschrieben. Erst danach schneide ich den Mettigel an. Also stell dir vor, 45 Minuten steht dieser rohe Geruch von Fleisch auf dem Tisch. Das kannst du nicht machen. Bei den Temperaturen sowieso nicht.

Alexander

Ich komme auch nicht aus einer Region, wo es Mettigel gibt. Mett ist rohes Hackfleisch.

Nicola

Ja, und 45 Minuten steht dieses rohe Hackfleisch im Meetingraum. Und danach essen sie es. Also Achtung, Salmonellen. Ich weiß nicht, wie lange man das im Raum stehen lassen kann. Aber das Schönste ist der Satz: Ich bin ja kein Tier, wir essen jeweils zwei, drei Bissen. Anschließend schütteln wir uns die Hand und hauchen uns kurz gegenseitig an. Ich nicke, er nickt, dann fahre ich nach Hause. Auf der Rückfahrt denke ich über das Gespräch nach und über den Mettigel. Der Kunde vermutlich auch.

Alexander

Das haben wir uns nicht ausgedacht. Das steht wirklich so auf LinkedIn.

Nicola

Deswegen habe ich es komplett vorgelesen, weil dieses Thema „wir hauchen uns an“ einfach unglaublich ist. Wir beide haben den Post geteilt. Die Aufmerksamkeit war hoch.

Alexander

Ich bin kein Vertriebsexperte, aber sich gegenseitig anhauchen im Verkaufsgespräch ist nicht die beste Taktik.

Nicola

Also mir hat es nicht so gut geschmeckt. Ich bin aber auch kein Mettigel‑Freund. Vielleicht hilft’s.

Alexander

Außer du willst Minzbonbons oder Atemerfrischung verkaufen, aber sonst muss es nicht sein.

Nicola

Ja, weiß ich auch nicht. Wenn Zwiebel und Zwiebelgeruch zusammenkommen, ergibt es ein super Business. Keine Ahnung, ich habe es nie gemacht. Die Erfahrung spricht ja aus dem Post, dass es funktioniert. Ansonsten, was uns nicht geschmeckt hat, bevor wir zu den positiven Beispielen kommen, ist auch von dir und von LinkedIn. Was ist los auf LinkedIn?

Alexander

LinkedIn ist so absurd geworden. Dieser LinkedIn‑Post regt mich echt auf. Man sieht ihn 80.000 Mal im Feed. Den haben so viele Leute gepostet. Es ist immer das Gleiche. Da schreibt jemand: Gestern hatte ich ein wenig mehr Zeit auf LinkedIn, also habe ich unter das Bild von einem Typen geschrieben „vermiss dich“ mit drei Herzchen. Heute Morgen hatten dann 523 seiner Kontakte und seine Verlobte mein Profil angesehen. Ist schon sehr cringy. Und jetzt kommt das Business‑Learning. Und das ist mega cringy. Und nun wissen gut 1100.000 Leute mehr, dass ich ihnen helfen kann, ihr Business voller Freude und fetten Umsätzen auf‑ und umzubauen. Achtung, LinkedIn‑Learning: Marketing ist Marketing.

Nicola

Natürlich fehlt da auch noch ein Emoji mit einer Sonnenbrille.

Alexander

Ich finde schon die ganze Sache an sich cringy. Ich finde es nicht lustig, weil, ob das echt ist oder nicht, sowas unter jemandem zu schreiben, kann jemanden voll in die Bredouille bringen. Es ist nicht lustig, weil es schon 80.000 Mal derselbe Gag ist. Leute, lasst euch doch was Neues einfallen.

Nicola

Ja, gehört definitiv in die Fail‑Kiste. Abgehakt, bitte nicht mehr machen.

Alexander

Aber sowas von.

Nicola

Es ist einfach merkwürdig. Und warum klicken die Leute drauf? Weil sie dich merkwürdig finden. Willst du auf LinkedIn als die Merkwürdige oder der Merkwürdige gelten? Naja, jeder wie er will.

Alexander

Und anstatt cringe‑schick zu schreiben „Ich vermisse dich“, schreib doch einfach drunter „Hat der Mettigel geschmeckt?“

Nicola

Ich finde es merkwürdig. Immerhin, das wäre ein guter Move.

Nicola

Aber es gibt ja auch positive Beispiele. Wir switchen von Metzgerware zu Bäckersware. Wir sind im Handwerk unterwegs. Ich liebe Handwerksaccounts. Und ich habe zwei positive Handwerksaccounts mitgebracht. Einen hätte ich gar nicht unbedingt als Win genommen, aber du fandest den richtig gut. Die Bäckerei und Konditorei Seidel, die hat gar nicht so viele Follower, knapp 7000, darum geht es nicht. Aber die gute Frau Seidel ist sehr lustig. Sie hat ein Video gemacht: ein Brief vom Finanzamt, den sie vorgelesen hat. Dieser Brief war einfach lustig. Erzähl mal, du hast ihn ja auch gesehen.

Alexander

Vielleicht war es auch so, weil allein: Es gibt für mich nichts Schlimmeres. Da komme ich von einer Person, die ich vermisst habe, oder vom Mettigel‑Essen nach Hause. Der Tag war wunderschön. Du gehst an den Briefkasten. Du merkst schon, wenn Post vom Finanzamt drin ist. Du siehst diese Umschläge.

Nicola

Das ist die Aura des Briefkastens. Dieses braune Ökopapier.

Alexander

Und dann machst du es auf. Und diese Schreibmaschinen‑Schrift, die aussieht, als wäre sie mit der Schreibmaschine getippt. Warum nutzt ihr diese Schriftart, liebes Finanzamt? Man sieht den Brief im Video. Heute würde man sagen: Vintage Design. Und was mich angesprochen hat, war dieses Gefühl, wenn man Post vom Finanzamt bekommt. Das macht sie super nachvollziehbar. Jeder, der Post vom Finanzamt kriegt, fühlt sich verstanden.

Und dann liest sie vor, als würde das Finanzamt sich bedanken, dass sie die ganze Umsatzsteuer verwaltet, den bürokratischen Prozess kostenlos übernimmt, dass sie mit ihrer Tätigkeit dazu beiträgt, dass es dem Finanzamt gut geht, dass sie Lohnsteuer und Sozialabgaben zahlt. Das macht sie super lustig. Das müsst ihr euch anschauen.

Nicola

Ich habe mir das Video komplett angeschaut, weil ich dachte: Wie schön wäre es, wenn das Finanzamt jedem so Briefe schreiben würde. Wie gut wäre die Laune der Menschen, wenn sie hören würden: Du bist wertvoll, du bist ein guter Unternehmer, wir sind froh, dass du da bist, dass du Geld verdienst und Abgaben leistest. Mal ehrlich, ein kleiner Move, aber würde das Finanzamt ein halbes Jahr lang freundliche Briefe schreiben, es wäre interessant, was passieren würde. Ich glaube, das würde einen positiven Ruck durchs Unternehmertum bringen.

Alexander

Da fällt mir noch ein Win ein. Ich habe den Urheber vergessen, sorry. Wenn du das hörst, melde dich, wir holen es nach. Sie hat auf LinkedIn geschrieben: Wir sind nicht mehr weit vom Atomkrieg entfernt, alles bricht zusammen, keine Digitalisierung, kein Strom. Außer Deutschland, weil alles in Leitzordnern abgeheftet wird. Deutschland überlebt die nukleare Apokalypse und kann weiter Verwaltung machen, weil alles auf Papier gedruckt ist. Darf halt nicht verbrennen.

Nicola

Das ist vielleicht der Grund, warum die Schrift beibehalten wird. Damit man sie nicht ändern muss, wenn es soweit ist. Das ist der Grund. Hast du mal drüber nachgedacht?

Alexander

Stimmt.

Nicola

Und final abschließend zum Thema kleine Accounts: Ich bin im Rabbit Hole kleiner Accounts, die spezielles Handwerk können. Stricken, Kochen, Lederhandwerk. Ein Account exemplarisch: Amatus Leathercrafts aus Österreich. Handgenäht in Österreich. Ein kleiner Account mit 4000 Followern, noch nicht krasse Reichweiten. Aber wunderschöne Videos, hochwertig wie das Handwerk selbst. Dieser Account rettet Designer‑Handtaschen, zerstörte Louis Vuitton Speedy zum Beispiel. Man weiß, das Video war viel Arbeit, aber das Handwerk ist unfassbar viel Arbeit.

Es ist krass zu sehen, wie jemand so viel Leidenschaft reinsteckt. Die Werkstatt ist vom Opa, der war Sattler. Er bringt die Werkstatt auf Vordermann. Ich liebe diese Leidenschaft und die hochwertigen Videos. Die Community ist positiv, alle schätzen das. Diese Mikro‑Communities, die sich gegenseitig kommentieren: einer näht Leder, einer repariert Louis Vuitton, einer reinigt. Ein Mikrokosmos, super aktiv, viral, positiv. Ich liebe alles daran.

Alexander

Ich liebe es, wenn du über Social‑Media‑Rabbit‑Holes sprichst. Mich würde interessieren, was eure Lieblings‑Rabbit‑Holes sind. Und weißt du, was diese Handwerker gemeinsam haben? Egal, was sie machen, sie kriegen alle Post vom Finanzamt.

Nicola

Fröhliche, freundliche, aufbauende, positive Post. Und in dem Sinne schicken wir euch in die Woche und wir hören uns bald wieder. Ciao!

Alexander

Macht’s gut.





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