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Frankreichs Plan: Weg von Windows, hin zu Linux


Frankreich will sich schneller von außereuropäischen IT-Anbietern lösen. Auf einem interministeriellen Seminar am 8. April 2026 legte die Digitalbehörde DINUM gemeinsam mit weiteren Regierungsstellen konkrete Maßnahmen und Zeitpläne fest. Der Staat soll seine digitale Souveränität über alle Ressorts hinweg stärken – zusammen mit Behörden und Industrie.

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Die Initiative knüpft an eine seit Jahren laufende französische und europäische Debatte an. Frankreich sieht zunehmend ein strategisches, politisches und wirtschaftliches Risiko darin, dass zentrale IT-Systeme der Verwaltung – Betriebssysteme, Cloud-Dienste, Kollaborationswerkzeuge – von nicht-europäischen Anbietern abhängen.

Einen ersten zentralen Schritt kündigte die DINUM für die eigenen Arbeitsplätze an: Sie will Windows durch Linux ersetzen. Parallel migrieren Behörden auf staatlich betriebene Kollaborationswerkzeuge. Die Krankenversicherung Caisse nationale d’Assurance maladie etwa stellt ihre rund 80.000 Beschäftigten auf den Messenger Tchap, die Videokonferenzsoftware Visio und den Dateiübertragungsdienst FranceTransfert um. Bereits zuvor hatte die Regierung angekündigt, die zentrale Gesundheitsdatenplattform bis Ende 2026 auf eine „vertrauenswürdige“ – also europäisch gehostete – Lösung zu migrieren.

Neben den technischen Umstellungen setzt die Regierung auf eine neue Organisationsform: Ministerien, öffentliche Einrichtungen und Privatunternehmen sollen in thematischen Koalitionen zusammenarbeiten. Im Mittelpunkt stehen dabei offen entwickelte Software (communs numériques) und Interoperabilitätsstandards wie Open-Interop und OpenBuro. So soll der Wechsel einzelner Komponenten leichter werden, ohne ganze Infrastrukturen umbauen zu müssen.

Die DINUM koordiniert einen ressortübergreifenden Abbauplan. Bis Herbst 2026 muss jedes Ministerium – einschließlich nachgeordneter Behörden – eine eigene Roadmap vorlegen. Sie soll Arbeitsplatzsysteme, Kollaborationswerkzeuge, Antivirensoftware, KI-Systeme, Datenbanken, Virtualisierung und Netzwerktechnik abdecken.

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Parallel kartiert die staatliche Beschaffungsbehörde DAE die bestehenden Abhängigkeiten, während die Wirtschaftsbehörde DGE ein europäisches digitales Angebot definiert. Auf dieser Grundlage sollen konkrete Zielwerte und Fristen entstehen. Für Juni 2026 plant die DINUM zudem die ersten „rencontres industrielles du numérique“ – Branchentreffen, auf denen öffentlich-private Partnerschaften konkret werden sollen. Geplant ist unter anderem eine „alliance public-privé pour la souveraineté européenne“, also eine öffentlich-private Allianz für europäische Souveränität.

„Der Staat kann sich nicht länger damit begnügen, seine Abhängigkeit festzustellen – er muss sie überwinden“, sagte Haushaltsminister David Amiel im Rahmen der Ankündigung der Maßnahmen. Frankreich müsse die Kontrolle über seine Daten, Infrastrukturen und technologischen Entscheidungen zurückgewinnen. Anne Le Hénanff, beigeordnete Ministerin für Künstliche Intelligenz und Digitales, nannte digitale Souveränität eine „strategische Notwendigkeit“ und forderte interoperable und nachhaltige Lösungen auf europäischer Ebene.


(fo)



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