Datenschutz & Sicherheit
Genug für 600 Millionen Menschen: Warum verbraucht KI so viel Wasser?
Es ist Sommer in Europa und erneut sind Hitze–Rekorde zu verzeichnen. Längst sind auch regelmäßige Dürren und Wassermangel kein Phänomen des Globalen Südens mehr. Während in Ländern wie Frankreich oder Ungarn Atomkraftwerke heruntergefahren werden, weil die für die Kühlung benötigten Flüsse nicht genug Wasser führen, rationieren in Deutschland mehrere Landkreise das Frischwasser. Ein Bergdorf im Bayerischen Wald musste im vergangenen Jahr sogar per Milchlaster mit Trinkwasser versorgt werden.
Mit zunehmendem Wasserstress gerät langsam auch der Wasserverbrauch der digitalen Welt in den Fokus. Im vergangenen Sommer etwa empfahl eine Dürre-Kommission den Menschen in Großbritannien, alte E‑Mails und Fotos aus der Cloud zu löschen, damit Rechenzentren entlastet werden. Gleichzeitig forciert die britische Regierung den Bau neuer Rechenzentren, um in einem globalen KI-Wettrennen mithalten zu können, das von Kritiker:innen als „Wettlauf nach unten“ beschrieben wird. Auch die Bundesregierung will die KI-Kapazitäten deutscher Rechenzentren bis 2030 vervierfachen.
Das Thema Wasserverbrauch von KI und Rechenzentren ist also hochaktuell, auch wenn es in der politischen Debatte bisher kaum eine Rolle spielt. Unser FAQ gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Übersicht:
Warum verbraucht Künstliche Intelligenz überhaupt Wasser?
Die meisten Anwendungen, auf denen heute das Label „KI“ haftet, basieren auf Machine Learning. Hierbei analysiert Software riesige Datenmengen, um darin Muster zu erkennen und daraus Wahrscheinlichkeiten abzuleiten. Insbesondere für das Training und den Betrieb von sogenannten General-Purpose-Modellen wie ChatGPT oder Claude werden enorme Rechenkapazitäten benötigt.
Deshalb werden seit ein paar Jahren viele riesige Rechenzentren gebaut. Die IT-Anschlussleistung von Rechenzentren, also die für den Betrieb der Server bereitgestellte Strommenge, soll sich in den letzten zehn Jahren fast vervierfacht haben: von 32 Gigawatt in 2015 auf 114 Gigawatt in 2025. Rechenzentren werden natürlich nicht nur für Künstliche Intelligenz genutzt, doch der aktuelle Hype hat für einen regelrechten Bau-Boom bei Rechenzentren gesorgt. Diese sind aber nicht nur sehr energiehungrig, sondern auch durstig, was zu einem rasant wachsenden Wasserverbrauch führt.
Man kann grob drei Arten des Wasserverbrauchs durch KI unterscheiden:
1. Kühlung von Rechenzentren
Der direkte Wasserverbrauch bei der Kühlung von Rechenzentren: Rechenzentren sind ja im wesentlichen riesige Ansammlungen hochleistungsfähiger Computer, die permanent laufen. Wie dein Laptop zuhause erhitzten sich auch die Server im Rechenzentrum. Um das Problem zu lösen, gibt es unterschiedliche Arten von Kühlsystemen.
Weit verbreitet ist etwa eine Kombination aus Luftkühlung mit Verdunstungskühlung, bei der Außenluft durch versprühtes Wasser heruntergekühlt wird. Es gibt aber auch Flüssigkühlsysteme, bei der die Abwärme der Server beispielsweise direkt an kühleres Wasser abgegeben wird.
Laut Umweltbundesamt gelten beide Kühlvarianten trotz ihres Wasserverbrauchs als klimafreundlich, weil dabei in der Regel keine Chemikalien eingesetzt werden müssen. Bei der Flüssigkühlung kann das verwendete Wasser gegebenenfalls sogar zum Heizen oder für Warmwasserversorgung verwendet werden. Umweltschutz und Wassersparsamkeit stehen also in einer gewissen Konkurrenz.
2. Stromerzeugung
Der indirekte Wasserverbrauch von Rechenzentren, der bei der Erzeugung des Stroms entsteht, den sie benötigen. Dieser unterscheidet sich je nach Kraftwerksart: Insbesondere Kohle- und Atomkraftwerke benötigen viel Wasser, denn um Turbinen für die Stromgewinnung anzutreiben, erhitzen sie Wasserdampf. Auch die Kühlung dieser Kraftwerke verbraucht Wasser, ebenso die Gewinnung von Kohle und Gas. Dieser indirekte Wasserverbrauch von Rechenzentren ist deutlich größer als der direkte Verbrauch durch Kühlung.
3. Hardware-Produktion
KI verbraucht noch auf eine weitere Art Wasser, nämlich bei der Produktion der benötigen Hardware. Dabei geht es zum Beispiel um Chips und Grafikprozessoren sowie riesige Batterien für die Notfallstromversorgung von Rechenzentren. Hierfür werden große Mengen metallischer Rohstoffe wie Germanium, Tantal, Kobalt, Lithium, Nickel oder Seltene Erden benötigt. Sowohl deren Abbau als auch deren Verarbeitung können sehr wasserintensiv sein. Insbesondere die dramatischen Folgen des Rohstoff-Extraktivismus werden in Europa häufig übersehen, weil darunter vor allem Menschen und Natur in Ländern des Globalen Südens leiden. Deshalb wird hier häufig von digitalem Kolonialismus gesprochen.
Wie viel Wasser verbrauchen Künstliche Intelligenz und Rechenzentren insgesamt?
Die ehrliche Antwort lautet: Wir wissen es nicht genau. Die Betreiber:innen von KI-Anwendungen und auch von Rechenzentren behandeln diese Informationen als Geschäftsgeheimnisse.
Die Energieeffizienz-Richtlinie der EU sieht inzwischen vor, dass Betreiber großer Rechenzentren in Europa bestimmte Kennzahlen an Aufsichtsbehörden melden müssen. Eine Veröffentlichung der konkreten Zahlen schließt die Richtlinie aber explizit aus. Wie Recherchen von Investigate Europe gezeigt haben, ist das ein direkter Lobby-Erfolg großer Tech-Konzerne wie Microsoft. Lediglich zusammengefasste Verbrauchszahlen veröffentlicht die EU in einem Dashboard, doch diese sind bislang unvollständig.
Es gibt jedoch mehrere wissenschaftliche Untersuchungen, die den globalen Wasserverbrauch von KI und Rechenzentren schätzen. Eine 2026 veröffentlichte Studie der Universität der Vereinten Nationen nimmt beispielsweise den Wasserverbrauch bei der Erzeugung des Stroms in den Blick, der für das Training und den Betrieb von KI-Modellen benötigt wird. Nach Berechnung der UN-Forscher:innen könnte sich dieser strombezogene Wasserfußabdruck von Rechenzentren in 2025 auf 4,5 Billionen Liter Wasser belaufen haben. Bis 2030 könnte die Zahl auf 9,3 Billionen Liter steigen. (Vergleichsgrößen findest du in der Antwort auf die nächste Frage.)
In einer anderen Studie des Öko-Instituts für Greenpeace haben Forscher:innen die Umweltfolgen des KI-Booms beleuchtet. Der 2025 veröffentlichten Arbeit zufolge dürfte sich der globale Wasserverbrauch für die Kühlung von Rechenzentren in 2024 auf 239 Milliarden Liter belaufen haben. Bis 2030 könnte er sich fast verdreifachen, auf dann 664 Milliarden Liter. Auf KI spezialisierte Rechenzentren verbrauchen der Studie zufolge doppelt so viel Wasser wie andere Rechenzentren. Während ihr Anteil 2024 schätzungsweise ein gutes Fünftel des Wasserverbrauchs von Rechenzentren ausmacht, werde er bis 2030 voraussichtlich mehr als die Hälfte betragen.
Noch schwerer abschätzen lässt sich der Wasserverbrauch bei der Produktion der Hardware, die hinter KI steht. Die Forscher:innen des Öko-Instituts zeigen das am Beispiel von Computer-Chips, bei deren Produktion ultrareines Wasser benötigt wird, das wiederum aus großen Mengen Frischwasser und Chemikalien gewonnen wird. Gehe man vom Wasserverbrauch des größten Chip-Herstellers TSMC für das Jahr 2022 aus und schließe daraus auf die gesamte Branche, käme man für das Jahr auf knapp 200 Milliarden Liter. Seitdem ist die Nachfrage nach Chips jedoch explodiert. Nehme man Zahlen der Branchenorganisation Water Europe von 2024 für die Chipproduktion in Europa und rechne diese auf die gesamte Branche hoch, käme man global auf 450 Milliarden Liter Wasser für die Chipproduktion.
Wie lässt sich der Wasserverbrauch von KI und Rechenzentren ins Verhältnis setzen?
Ein paar Zahlen zum Vergleich:
- Die Stadt Berlin mit ihren vier Millionen Einwohner:innen hat im Jahr 2022 etwa 215,5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser verbraucht, also 215,5 Milliarden Liter. Das ist in etwa zu vergleichen mit der Menge an Wasser, die laut Schätzung des Ökoinstituts im Jahr 2024 für die Kühlung von Rechenzentren weltweit aufgewendet wurde (239 Milliarden Liter, s.o.).
- Die deutsche Landwirtschaft wiederum hat laut Umweltbundesamt in 2022 knapp 0,5 Milliarden Kubikmeter Frischwasser entnommen, knapp 500 Milliarden Liter. Das entspricht in etwa der Menge an Wasser, die nach Schätzung des Öko-Instituts 2024 weltweit für die Produktion von Chips aufgewendet wurde (450 Mrd. Liter, s.o.).
- Die Forscher:innen der UN-Universität geben an, dass die 4,5 Billionen Liter strombezogener Wasserverbrauch durch Rechenzentren genug wären, um ein Jahr lang die Wasserversorgung von 600 Millionen Menschen in Sub-Sahara-Afrika sicherzustellen.
Das sind beeindruckende Größenordnungen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es Wirtschaftszweige gibt, die noch deutlich mehr Wasser verbrauchen als KI-Unternehmen, von der chemischen Industrie über die Kleidungsproduktion bis zur Landwirtschaft. Wobei kein anderer Wirtschaftszweig solche rasanten Zuwächse beim Wasserverbrauch zu verzeichnen hat.
Zur Einordnung gehört auch, dass der Zugang zu Wasser global äußerst ungleich verteilt ist. Der United States Golf Association zufolge werden allein für die Instandhaltung von Golfplätzen in den USA täglich gut 7,5 Milliarden Liter Frischwasser aufgewendet. Pro Jahr verbrauchen US-amerikanische Golfplätze also mehr als 2,7 Billionen Liter Wasser. Das ist etwa halb so viel, wie Rechenzentren und Chipproduktion laut den oben genannten Schätzungen pro Jahr verbrauchen – und genug zum Leben für hunderte Millionen Menschen.
Warum ist der Wasserverbrauch von KI und Rechenzentren ein Problem?
Frischwasser ist eine immer knapper werdende Ressource, weil durch den Klimawandel Temperaturen steigen und Flüsse und Seen austrocknen, während immer mehr Menschen auf der Erde leben und auch die Wirtschaft immer mehr Wasser verbraucht. Schon lange warnen Forscher:innen deshalb vor zunehmendem Wasserstress und vor zunehmender Konkurrenz. Ein Bericht der Vereinten Nationen konstatierte Anfang 2026: „Die Welt hat die Phase der Wasserkrise hinter sich gelassen und befindet sich nun in einem Zustand globaler Wasserinsolvenz.“ Auch in Deutschland mehren sich in diesem Sommer erneut Meldungen, dass Hitze und Klimawandel die Trinkwasserversorgung gefährden.
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„Der immense Wasserverbrauch von Rechenzentren verschärft weltweit die Wasserkrisen“, sagt Jonathan Niesel von Greenpeace. Das Kernproblem sei die direkte Konkurrenz um die lebenswichtige Ressource. Wasser, das zur Kühlung von Servern genutzt wird, fehle an anderer Stelle – beim Trinkwasser für die Bevölkerung, in der Landwirtschaft und für andere lokale Industrien. Recherchen würden zeigen, dass ein großer Teil der Rechenzentren in Regionen angesiedelt sei oder geplant werden, die bereits heute unter Wasserstress leiden. Der Begriff verweist auf die mangelnde Verfügbarkeit und die Qualität von Grundwasser in einer Region.
„Das in Rechenzentren verwendete Trinkwasser wird häufig mit Chemikalien behandelt, um Korrosion und Bakterienwachstum zu verhindern, wodurch es für den menschlichen Verzehr oder die landwirtschaftliche Nutzung unbrauchbar wird“, betont auch Kilian Vieth-Ditlmann von Algorithm Watch. Das bedeutet, dass Rechenzentren nicht nur große Mengen an Trinkwasser verbrauchen, sondern dieses zugleich dem lokalen Wasserkreislauf dauerhaft entziehen.
Eine entscheidende Frage ist also, wo Rechenzentren angesiedelt werden. Da sie viel Fläche beanspruchen, würden sie häufig in landwirtschaftlich genutzten oder naturnahen Gebieten errichtet, so Vieth-Ditlmann weiter. Oft bestehe ein Zielkonflikt zwischen Energie- und Wasserverbrauch: „Erneuerbare Energien aus Sonne und Wind sind häufig in besonders trockenen Regionen verfügbar, was dazu führt, dass gerade in Dürregebieten viele Rechenzentren gebaut werden und für die Menschen vor Ort kein Wasser mehr übrigbleibt.“
So sind etwa bestimmte Regionen Spaniens oder Lateinamerikas für die Ansiedlung von Rechenzentren besonders beliebt. Dagegen regt sich vor Ort Protest von Anwohner:innen und Umweltgruppen, auch weil sie eine Verschärfung bestehender Wasserknappheit befürchten.
Erst kürzlich warnte auch der Branchenverband der Wasserindustrie im Vereinigten Königreich in drastischen Worten vor Ausbauplänen der britischen Regierung für KI und Rechenzentren. „Es scheint die Annahme zu bestehen, dass das Land immer über genügend Wasser für seine wirtschaftlichen Bedürfnisse verfügen wird“, hieß es in einem offenen Brief von Water UK an das Parlament. „Nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein.“
Wie viel Wasser verbraucht ein einzelner Chatbot wie ChatGPT, Gemini oder Claude?
Auch hier lautet die ehrliche Antwort: Wir wissen es nicht. Denn Google, OpenAi, Anthropic und Co. geben keine oder keine überprüfbaren und vollständigen Angaben zum Wasserverbrauch ihrer KI-Dienste heraus.
Einer 2024 vorgenommenen Schätzung der University of California und der Washington Post zufolge verbraucht allein das Generieren von 100 Wörtern mit der aktuellen Version von ChatGPT durchschnittlich 519 Milliliter Wasser. Das entspräche einer mittelgroßen Wasserflasche für eine mittellange E‑Mail oder Konversation, die der Chatbot generiert.
Einige Anbieter haben in der Folge andere, deutlich niedrigere Zahlen genannt. OpenAI-Chef Sam Altman etwa nannte in einem Blogpost die Zahl von 0,32 Milliliter für eine durchschnittliche Anfrage (0,000085 US-Gallonen). Das entspreche dem fünfzehntel eines Teelöffels. Weitere Angaben zur Datenbasis machte Altman nicht, die Zahl lässt sich nicht überprüfen. Google veröffentlichte immerhin ein technisches Paper zu den Umweltfolgen seiner KI, genauer gesagt zur Gemini-App. Dort sorge eine Anfrage im Median für einen Verbrauch von 0,26 Milliliter, also fünf Wassertropfen.
Die von Google genannte Zahl bezieht sich allerdings nur auf den direkten Wasserverbrauch in Rechenzentren für die Kühlung. Der restliche Wasserfußabdruck für KI-Anfragen wird dabei ausgeblendet. Auch Altmans Angabe bezieht sich vermutlich nur die direkten Verbrauch im Rechenzentrum. Anthropic hat für Claude gar keine Zahl zum Wasserverbrauch veröffentlicht.
Klar ist trotzdem, dass der Wasserverbrauch für eine einzelne Anfrage in der Regel nicht besonders groß ist. Forscher:innen der Universität der Vereinten Nationen erinnern jedoch daran, dass es nicht um einzelne Anfragen gehe, sondern ihre schiere Masse. ChatGPT allein verarbeite laut Schätzungen täglich 2,5 Millionen Prompts. Zieht man in Betracht, dass Google inzwischen standardmäßig bei allen Suchanfragen KI-generierte Zusammenfassungen anzeigt, dürfte die Zahl hier noch deutlich höher liegen, denn diese belaufen sich auf 13,7 Milliarden pro Tag.
Die UN-Forscher:innen betonen zudem, dass die Art der Anfrage sehr großen Einfluss auf den Ressourcenverbrauch hat. Der strombezogene Wasserfußabdruck beim Generieren eines typischen KI-Bildes belaufe sich mutmaßlich auf 29 Milliliter, der für ein komplexes Video allerdings auf 4,1 Liter.
Hinzu kommt: Auch der Wasserverbrauch beim Training der Modelle müsse einbezogen werden. Für GPT‑4 habe dieser etwa 600 Millionen Liter betragen, für das aktuelle Modell GPT‑5 schätzungsweise eine Milliarde Liter. Letzteres entspreche dem jährlichen Wasserbedarf von 135.000 Menschen Sub-Sahara-Afrika, so die UN-Forscher:innen.
Wie viel Wasser verbrauchen Künstliche Intelligenz und Rechenzentren in Deutschland?
Ein umfassendes Monitoring der Verbrauchswerte von Rechenzentren gibt es in Deutschland bisher nicht. Einen vollständigen Überblick hat deshalb auch die Bundesregierung nicht, wir haben bei mehreren Ministerien nachgefragt. Ein Sprecher des Bundesdigitalministeriums (BMDS) räumt ein: „Zum Wasserbrauch durch Rechenzentren in Deutschland liegen nur begrenzt Zahlen vor.“
Die EU-Richtlinie zur Energieeffizienz schreibt Betreibern großer Rechenzentren seit 2025 die Meldung bestimmter Kennzahlen vor, auch zum Wasserverbrauch. In Deutschland wird das Rechenzentrumsregister vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle geführt, einer Behörde des Wirtschaftsministeriums. Die EU-Kommission veröffentlicht zusammengefasste Werte in einem Dashboard. Demzufolge hätten Rechenzentren in Deutschland im Jahr 2024 gut 1,85 Milliarden Liter Wasser verbraucht.
Doch diese Zahl ist gleich aus mehreren Gründen mit Vorsicht zu genießen, in Wahrheit betrage sie ein Vielfaches, schreibt uns das Bundesumweltministerium. Zum einen wird im Register nur der direkte Wasserverbrauch für den Betrieb erfasst, insbesondere für die Kühlung. Eine umfassende „Life Cycle Analysis“ müsse aber zum Beispiel auch den Wasserverbrauch beim Bau des Rechenzentrums, bei der Rohstoffextraktion für Hardware-Komponenten und bei der Erzeugung der für das Rechenzentrum benötigten Energie einbeziehen. Zum anderen müssen nur große Rechenzentren mit 300 kW IT-Anschlussleistung ihre Daten melden, wobei das Register immer noch unvollständig ist.
Anfang Juli hatten nach Auskunft des Wirtschaftsministeriums gegenüber netzpolitik.org 482 Rechenzentren ihre Verbrauchsdaten für das Berichtsjahr 2025 gemeldet. Im europäischen seien das viele. Allerdings sind es längst nicht alle: Schätzungen zufolge könnten in Deutschland etwa 1.000 Rechenzentren meldepflichtig sein, die Meldequote läge also bei unter 50 Prozent.
Ein Sprecher des Digitalministeriums weist auf ein Gutachten aus dem Jahr 2025 hin, das gezeigt habe, dass 65 % der damals registrierten Rechenzentren einen hohen Effizienzwert beim Wasserverbrauch aufwiesen. Der sogenannte WUE-Wert (Water Usage Effectivness) habe bei ihnen weniger als 0,1 Liter Wasser pro Kilowattstunde betragen, so der Sprecher. „Auch wenn nur ein Teil der Rechenzentren in Deutschland im Rechenzentrumsregister gemeldet sind, gehen wir auf dieser Grundlage davon aus, dass deutsche Rechenzentren im internationalen Vergleich einen eher niedrigeren WUE aufweisen – auch da in Deutschland eher milde klimatische Bedingungen vorherrschen und die genutzte IT- und Gebäudeinfrastruktur tendenziell moderner ist.“ Laut EU-Dashboard lagen die gemeldeten deutschen Rechenzentren im Jahr 2024 mit einem WUE-Wert von 0,49 allerdings deutlich über dem europäischen Schnitt von 0,4.
Gerne hätten wir von der Bundesregierung gewusst, wie viel Wasser die Rechenzentren verbrauchen, die vom Bund und seinen Behörden selbst betrieben oder genutzt werden. Auch diese Zahl liegt keinem der angefragten Ministerien vor.
Welche Auswirkungen wird der geplante Ausbau von Rechenzentren in Deutschland auf den Wasserverbrauch haben?
Das Digitalministerium hat im Frühjahr 2026 eine nationale Rechenzentrumsstrategie mit ambitionierten Ausbauzielen vorgelegt. „Unser Ziel ist klar: Mehr Rechenpower für Deutschland – damit wir im weltweiten KI-Wettlauf vorne mitspielen“, sagte Bundesdigitalminister Karsten Wildberger bereits 2025. „Wir müssen jetzt handeln und massiv Rechenkapazitäten aufbauen, um KI-Modelle auf unserer IT-Infrastruktur entwickeln und trainieren zu können.“
Zuvor hatten Industrieverbände wie Bitkom und Eco, deren Mitglieder sowohl zu den Betreibern als auch zu den Kunden von Rechenzentren gehören, mit Nachdruck einen Ausbau gefordert. Konkret sieht die Strategie eine Verdoppelung der Kapazitäten bis 2030 vor. Im Bereich KI sollen sie sogar vervierfacht werden. Hierzu sollen etwa Planungs- und Stromanschlussverfahren beschleunigt sowie Umwelt- und Effizienzvorgaben angepasst werden.
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Die Strategie nennt unter anderem Abwärmenutzung und wassersparende Kühlsysteme als zentrale Hebel für Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit. Die Bundesregierung wolle sich zudem bei der EU dafür einsetzen, dass ein für 2026 geplantes Maßnahmenpaket sowohl ein „aussagekräftiges Kennzeichnungssystem“ als auch „sinnvolle Mindestanforderungen“ an die Effizienz enthält.
Konkrete Vorgaben zum Wasserverbrauch enthält das Strategiepapier jedoch nicht. Auch das Thema Wasserstress, also die Beachtung des Zustandes der Wasserversorgung in einer bestimmten Region, spielt keine Rolle.
Auf Nachfrage von netzpolitik.org kann ein Sprecher des Digitalministeriums keine konkreten Angaben dazu machen, wie sich der Ausbau auf den Wasserverbrauch auswirken wird. Er betont jedoch: „Deutsche Rechenzentren gehören bereits heute zu den nachhaltigsten der Welt – dank hoher Energieeffizienz, verpflichtendem Bezug erneuerbarer Energien und innovativer Abwärmenutzung.“ Man gehe davon aus, dass deutsche Rechenzentren „im internationalen Vergleich einen eher niedrigeren WUE aufweisen“.
Welche Bedeutung hat der WUE-Wert und was wird daran kritisiert?
Der WUE-Wert ist die wichtigste Industrie-Kennzahl für den Wasserverbrauch von Rechenzentren. Die Abkürzung steht für Water Usage Effectiveness, zu deutsch: Wasser-Verwendungs-Effektivität. Der Wert wird berechnet, indem der jährliche Wasserverbrauch eines Rechenzentrums durch den jährlichen Energieverbrauch der angeschlossenen Server geteilt wird. Angegeben wird er in der Regel als m3/MWh, also Kubikmeter Wasser pro Megawattstunde.
Der WUE-Wert steht als Kennzahl jedoch in der Kritik, ebenso der PUE-Wert für die Energieeffizienz von Rechenzentren. Keiner der beiden Werte gibt Aufschluss über den tatsächlichen absoluten Strom- und Wasserverbrauch. Stattdessen sind es relative Effizienzwerte. Laut einem Gutachten von Expert:innen für das Bundesumweltministerium zufolge kann das zu Mogelpackungen führen: Denn auch wenn sich PUE und WUE auf dem Papier verbessern würden, könne der absolute Verbrauch steigen – weil mehr und größere Rechenzentren gebaut werden.
Wie viel Wasser verbrauchen Amazon, Microsoft und Google?
Amazon, Microsoft und Google teilen sich drei Viertel des weltweiten Cloud-Geschäfts und investieren jährlich hunderte Milliarden Dollar in ihre KI-Infrastruktur, insbesondere in Rechenzentren. Sie und andere Tech-Konzerne sind Treiber des KI-Hypes und profitieren gleichzeitig von der Nachfrage, weil sie mit ihren Rechenzentren die dafür notwendige Infrastruktur betreiben.
In den Nachhaltigkeits- und Umweltberichten der drei großen sogenannten Hyperscaler kann man mit etwas Aufwand Informationen über ihren Wasserverbrauch finden:
- Amazon als größer Rechenzentrumsbetreiber der Welt hat seinen Wasserverbrauch lange Zeit geheim gehalten. Nach langem öffentlichem Druck hat das Unternehmen in seinem neuen Nachhaltigkeitsbericht im Sommer 2026 erstmals eine Zahl genannt: 9,4 Milliarden Liter Frischwasser habe man im Jahr 2025 für den Betrieb von Rechenzentren entnommen. Wie viel genau davon verbraucht wurden, sagt Amazon nicht.
- Microsofts Rechenzentren sollen laut aktuellem Nachhaltigkeitsbericht im Jahr 2025 gut 8,1 Milliarden Liter verbraucht haben. 2020 betrug die Zahl noch 3,99 Milliarden Liter. Damit hat sich der Wasserverbrauch von Microsoft innerhalb von fünf Jahren mehr als verdoppelt.
- Den mit Abstand größten Wasserverbrauch hat laut Umweltbericht jedoch Google zu verzeichnen. Im Jahr 2025 verbrauchten Büros und Rechenzentren des Konzerns 41 Milliarden Liter Frischwasser. Fünf Jahre zuvor waren es noch knapp 14,2 Milliarden Liter, sodass sich der Wasserverbrauch von Google fast verdreifacht hat.
Dass sich der Wasserverbrauch der Konzerne so unterscheidet, hat mit unterschiedlichen Faktoren zu tun. Grundsätzlich gilt häufig: Je effizienter ein Rechenzentrum beim Stromverbrauch, desto mehr Wasser verbraucht es – und anders herum. Vereinfacht kann man sagen: Google setzt auf effizientere Energienutzung und verbraucht dafür mehr Wasser. Microsoft setzt auf effizientere Wassernutzung und verbraucht dafür mehr Strom.
Tech-Konzerne wollen ihren Wasserverbrauch durch sogenanntes Replenishment ausgleichen. Reicht das?
Insbesondere Hyperscaler wie Amazon, Microsoft und Google machen mit Blick auf ihren Wasserverbrauch große Versprechen. Microsoft etwa will bis 2030 sogar „Wasser-positiv“ sein, also mehr Wasser aufbereiten und in das System einspeisen, als es herausnimmt. Gleiches hat auch Amazon für seine Rechenzentren versprochen. Eine wichtige Rolle spielt dabei das sogenannte Replenishment, also die Wiederauffüllung. Hierbei werden zum Beispiel lokale Projekte zum Reinigen von Flüssen oder zum Aufbereiten von Regenwasser gefördert oder selbst betrieben.
Das Problem dabei ist jedoch, dass die Konzerne ihre Replenishment-Zahlen global angeben, während der Wasserverbrauch lokal stattfindet. Es kann also sein, dass Wasser in Regionen mit hohem Wasserstress entnommen, aber in ganz anderen Gebieten wieder aufgefüllt wird. Recherchen von Bloomberg und anderen zufolge ist genau das der Fall.
Diese Versprechen seien deshalb in der Praxis oft irreführend, sagt Jonathan Niesel von Greenpeace. „Wasser ist eine lokale Ressource. Wenn ein Rechenzentrum in einer trockenen Region wie in Brandenburg den Grundwasserspiegel senkt, hilft es den Menschen und Ökosystemen vor Ort nicht, wenn der Konzern als ‚Ausgleich’ etwa einem Gebiet in Skandinavien Wasser zuführt.“ Das Konzept sei deshalb eine „Scheinlösung“. Auch Kilian Vieth-Dietelmann spricht von „Greenwashing“. Wasser müsse konkret vor Ort verfügbar sein.
Werden neue Technologien das Problem des Wasserverbrauchs lösen?
„In Zukunft gehen wir davon aus, dass sich grundsätzlich wassersparende Kühltechnologien verstärkt durchsetzen werden“, sagt Kilian Wagner von Bitkom. Der Branchenverband der Digitalindustrie hat dazu in einer eigene Studie Expert:innen befragt, denen zufolge „der Einsatz verschiedener Ansätze des ‚Liquid Cooling‘, wie etwa Immersionskühlung und Direkte Chip-Kühlung, insbesondere bei Systemen mit hoher Leistungsdichte (wie KI-Systeme) deutlich an Bedeutung gewinnen“ werden. Diese würden deutlich weniger Wasser als herkömmliche Verdunstungskühlungen verbrauchen. Zudem habe sich ein Großteil der großen europäischen Betreiber im Rahmen des Climate Neutral Data Center Pact (CNDCP) eigene Nachhaltigkeitsziele gesetzt, unter anderem zum Wasserverbrauch.
Allerdings werde bei unveränderten regulatorischen Rahmenbedingungen „die Verdunstungskühlung voraussichtlich insbesondere in Deutschland an Bedeutung gewinnen“, so Wagner. Denn diese spare Energie, auch wenn das mit einem erhöhten Wasserbedarf einhergeht. Bislang werde Verdunstungskühlung etwa in einem Drittel der großen Rechenzentren in Deutschland eingesetzt. Da das Energieeffizienzgesetz Vorgaben zu niedrigen PUE-Werten mache (Power Usage Effectiveness), gebe es Anreize, darauf hinzuoptimieren.
Kritiker:innen machen zudem deutlich, dass der Verweis auf erhoffte technische Innovation die Lösung des Problems in die Zukunft verschiebe. Ob tatsächlich neue Lösung entwickelt werden, ist spekulativ. Zudem zeigt die Umwelt- und Wirtschaftsforschung, dass Effizienzgewinne durch technischen Fortschritt häufig nicht zu Einsparungen führen, sondern der Erhöhung der Produktion. Mit der Folge, dass der Verbrauch trotz Innovationen stetig steigt.
Welche Alternativen gibt es, um den Wasserbedarf von KI und Rechenzentren zu reduzieren?
Im Frühjahr 2026 haben Expert:innen im Autrag des Bundesumweltministeriums skizziert, wie sich KI nachhaltiger gestalten ließe. Die wohl wichtigste Empfehlung: Statt auf sogenannte General-Purpose-KI-Modelle wie ChatGPT oder Claude zu setzen, müsse Europa kleinere und spezialisierte Modelle fördern. Diese seien nicht nur effizienter und ressourcenschonender, sondern würden insbesondere im industriellen Bereich Aufgaben teilweise sogar besser lösen, etwa für Predictive Maintenance oder Bilderkennung für Krebsforschung.
Je genauer man die Zielaufgabe für ein KI-Modell definieren könne, desto effizienter lasse es sich in der Regel gestalten. Die klare Empfehlung des Gutachtens: „Um den wirtschaftlichen Nutzen von KI zu maximieren und gleichzeitig ihren Ressourcenbedarf zu minimieren, ist es daher von entscheidender Bedeutung, Modelle entsprechend zu spezialisieren oder sie gezielt für bestimmte Aufgaben einzusetzen.“ Ganz grundsätzlich brauche es eine realistischere Kosten-Nutzen-Rechnung beim Einsatz von KI.
Das Gutachten macht zudem deutlich, dass auch durch Anpassungen bei der Planung und Umsetzung von Rechenzentren große Effizienzsprünge möglich wären. Ein wichtiger Hebel seien deshalb passgenaue Regeln und Transparenzvorgaben. Ohne eine gute Datenbasis könnten heute weder private oder betriebliche Kund:innen noch staatliche Planer:innen informierte Entscheidungen treffen. Auflagen für die Umweltberichterstattung müssten deshalb dringend um verpflichtende, standardisierte, unabhängig überprüfte und öffentlich zugängliche Informationen zu den Folgen von KI über den gesamten Lebenszyklus ergänzt werden.
Eine Studie der Gesellschaft für Informatik weist zudem auf den Standort von Rechenzentren als strategisch Stellschraube hin. Neben wirtschaftlichen Kriterien wie Strompreisen oder Netzinfrastruktur sei es wichtig, auch umweltbezogene Aspekte – etwa Wasserverfügbarkeit, Flächenbedarf oder potenzielle lokale Nutzungskonflikte – systematisch mit einzubeziehen. Bei Hardware-Komponenten müsse zudem die Kreislaufwirtschaft gestärkt werden: “ Im Fokus sollten Maßnahmen stehen, die eine möglichst lange und flexible Nutzung ermöglichen – etwa durch reparaturfreundliches Design, modulare Systeme oder die Förderung von Wiederverwendung und Refurbishing.“
Was kann jede:r selbst tun?
Menschen fragen häufig, was sie konkret tun können. Die radikale Antwort, die gerade immer häufiger gegeben wird, lautet: Einschränkung oder Verzicht, denn ohne Veränderungen beim eigenen Digitalverhalten wird es nicht gehen. In New York feiern beispielsweise Menschen gerade mit dem „Sommer der Maschinenstürmer“ analoge Begegnungen als Alternative zu KI und digitaler Dauervernetzung. Immer wieder gibt es Boycott-Aufrufe, die sich allerdings nur gegen einzelne KI-Anbieter richten. Ein einfacher Schritt kann es sein, bei Google-Suchen die KI-Zusammenfassung ausschalten, indem man den Zusatz „-ai“ bei der Suche mit eintippt.
Gleichzeitig gilt: Auf der individuellen Ebene wird sich das Problem kaum lösen lassen. Dass es für Rechenzentren endlich strenge Regeln und starke Durchsetzung braucht, sagen inzwischen selbst Brancheninsider. Eine Reform der Energie-Effizienz-Richtlinie soll nach dem Willen der Bundesregierung jedoch in die andere Richtung gehen. Eine Petition von Algorithm Watch, die Verbesserungen fordert, hat bereits mehr als 150.000 Unterschriften.
Unterdessen nimmt der Protest gegen die Ansiedlung von Rechenzentren weltweit zu, auch in Deutschland. Die politische Debatte, in die man sich einbringen kann, wenn man Veränderung will – sie findet genau jetzt statt.
Datenschutz & Sicherheit
Phishing-Angriff auf Merz und viele andere: CDU-Mailkonto in Heilbronn gehackt
Cyberkriminelle sind in ein E-Mail-Konto der Heilbronner CDU eingebrochen und haben von dort Tausende Phishing-Nachrichten an Ministerien, andere politische Kontakte und auch Bundeskanzler Friedrich Merz verschickt. Die Polizei geht derzeit von einem Phishing-Versuch aus. „Nach ersten Erkenntnissen ging die Mail an circa 6500 Kontakte, von denen zahlreiche im sicherheitsrelevanten Bereich sind“, sagte ein Sprecher der Heilbronner Polizei der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Wir wissen zum Beispiel, dass auch Nachrichten an den Bundeskanzler gingen.“
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Die zuständige Polizeidienststelle antwortete nicht unmittelbar auf eine Anfrage von heise online bezüglich weiterer Details zu der Phishing-Attacke – etwa welche Daten auf welchem Wege erbeutet werden sollten. Dieser Artikel wird ggf. noch entsprechend aktualisiert.
Bekannt ist, dass die Phishing-Mail – welche auch an die Redaktion der dpa gesendet wurde – einen Einladungslink zu einer Veranstaltung mit prominenten Gästen enthielt. Phishing ist eine der häufigsten Betrugsmaschen im Internet. Dabei versuchen Cyberkriminelle, durch Antworten auf gefälschte Nachrichten an sensible Daten wie Passwörter oder Bankinformationen zu gelangen.
Im Frühjahr gab es einen großangelegten Phishing-Angriff, welcher über die Messenger-App Signal erfolgte. Die Angreifer hatten Politiker, Militärs und Diplomaten sowie Investigativjournalisten im Visier. Das BSI und der Verfassungsschutz warnten, der Angriff würde wahrscheinlich durch staatliche gesteuerte Akteure durchgeführt.
(nen)
Datenschutz & Sicherheit
Interview mit Simon Strick: „Faschisierung ist ein medialer Prozess“
Faschisierung ist von Beginn an eine Grundtendenz digitaler Medien. Der heutige Rechtspopulismus und das Internet entstanden nicht nur zeitgleich, sondern arbeiten auch mit verwandten Formeln und haben die Öffentlichkeit zum Reaktionären hin transformiert.
Das schreibt der Kulturwissenschaftler Simon Strick in seinem Buch „Faschisierung. Fluchtlinie des Digitalen“, das vor wenigen Tagen im Suhrkamp Verlag erschienen ist.
Strick zeigt darin eine kulturelle und politische Entwicklung, die mehr als zwanzig Jahre zurückreicht. Dieser Entwicklung stehen wir bis heute nicht nur unvorbereitet und hilflos gegenüber, sondern wir treiben selbst auch einen Prozess an, in dem wir jeden Tag und in aller Öffentlichkeit rechtsradikale Formeln einüben.
Wir haben mit Simon Strick über die digital-getriebene Faschisierung gesprochen.

Fortwährende Faschisierung
netzpolitik.org: Warum wählen Sie den Begriff „Faschisierung“ statt Faschismus?
Simon Strick: Die Rede vom Faschismus impliziert meistens Umschlagpunkte – der Faschismus droht irgendwann, man warnt also davor. Darum dreht sich unser Diskurs nun schon seit einigen Jahren.
Wenn man immer darauf wartet, dass der Faschismus irgendwann kommt, verpasst man die vielen faschistischen Entwicklungen, die die ganze Zeit stattfinden.
Mir geht es daher konkret um einen gesamtgesellschaftlichen Prozess der Faschisierung, der sich fortwährend vollzieht.
netzpolitik.org: Wie sieht dieser Prozess aus?
Simon Strick: Er hat viele Formen. Ich untersuche vor allem eine Umformung des politischen Diskurses und der Öffentlichkeit, die sich im Netz beziehungsweise durch die digitalen Medien ereignet hat.
Es gibt Mechanismen, Prozesse und Dynamiken, die genuin mit digitalen Medien zusammenhängen und die ich als Faschisierung einordne.
Die kollektive Praxis des Einübens
netzpolitik.org: Sie sprechen hier auch von einer kollektiven Praxis des Einübens.
Simon Strick: Dem Philosophen Pierre Zaoui zufolge gibt es so etwas wie eine faschistische Alltagssprache, die vor der offiziellen Sprache des Faschismus liegt. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass man sich von der kleinsten Irritation bis zur Vernichtung einer Menschengruppe quasi durchargumentieren kann.
Diese Alltagssprache findet sich oft in der Kommunikation im Netz. Je nach Plattform oder Kommunikationszirkel haben sich Nutzer daran gewöhnt, sich mittels Memes und Sprache sehr schnell von kleinsten Irritationen hin zur Abwertung oder gar Auslöschungswunsch einer anderen Gruppe zu bewegen.
Das ist das Entscheidende am Begriff der Faschisierung: Es geht nicht um Einzelfälle, die irgendetwas kippen lassen, sondern um einen breiten gesellschaftlichen und vor allem medial bedingten Prozess des gemeinsamen Einübens oder eben der Normalisierung.
netzpolitik.org: Haben Sie dafür ein Beispiel?
Simon Strick: 2019 wurde im Internetforum 4chan die Zeichnung eines Clowns veröffentlicht. Sie zeigt eine Variation des Alt-Right-Symbols Pepe the Frog mit Regenbogenperücke und roter Nase. Ein Nutzer schlug vor, das Bild als neues rechtsradikales Symbol zu übernehmen, queerfeindliche Gewaltfantasien inklusive. Der Verfassungsschutz nahm es in seinen Bericht über rechtsextreme Symbolik auf.
Aus dem Bild entstand das Meme „Clownwelt“, wurde mit der Zeit zu einem Symbol im rechten Kulturkampf, schließlich zum allgemeinverständlichen reaktionären Symbol. Im deutschsprachigen Raum steht es unter anderem dafür, dass Regenbogenfahnen verschwinden sollen, damit Schwarz-Rot-Gold wieder zu seinem Recht kommt.
Wir kaufen keine Daten.
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Dieser Antagonismus von Nationalfarben und LGBTQ+ ist völlig alltäglich geworden, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner nutzte ihn im Sommer 2025 in der sogenannten Fahndendebatte. Sie ordnete an, Regenbogenfahnen aus Abgeordnetenbüros zu entfernen. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz kommentierte die Debatte: Der Bundestag sei kein Zirkuszelt, auf das man beliebig Fahnen hissen könnte – das Bild queerer Menschen als Clowns schien durch.
Das Beispiel ist etwas verkürzt, zeigt aber zwei Dinge: Als rechtsextrem kategorisierte Memes wie „Clownwelt“ finden Eingang in offizielles Sprechen und prägen Shitstorms wie den um Merz’ „Zirkuszelt“ mit. Und zweitens: Wenn der Kanzler rechtsextreme Memes variiert, dann ist der Begriff „Extremismus“ nicht mehr aussagekräftig. Eher geht es darum zu fragen, warum 4chan und Kanzleramt gleichklingend und queerfeindlich sprechen. Diese eingeübten „Gleichklänge“ der Radikalisierung beschreibe ich als Faschisierung, und Beispiele dafür sind jeden Tag sichtbar.

„Faschisierung und Digitalisierung sind verschwistert“
netzpolitik.org: Faschisierung und Digitalisierung hängen eng zusammen, schreiben Sie, sie seien „verschwistert“. Wie meinen Sie das?
Simon Strick: Wir hatten in den 1990er-Jahren eine historisch interessante Konstellation: Es bildete sich der Rechtspopulismus als Bewegungsprojekt quer zu staatlichen Systemen und Parteienstrukturen heraus, ich skizziere das im Buch für die USA. Gleichzeitig entsteht mit einem ganz ähnlichen Anspruch – quer zur Öffentlichkeit und zu den Leitmedien – die Netzkultur.
Aus meiner Sicht gibt es hier eine mythologische Übereinstimmung, die zu einer inneren Wesensverwandtschaft einiger digitaler Medien und reaktionärer Bewegungen führte: Beide verstanden sich als radikale Alternativen zum Status quo, als neue Ideen politischer Öffentlichkeit. Faschisierung bietet eine Möglichkeit, um diese Wesensverwandtschaft zu verstehen und zu beschreiben.
netzpolitik.org: Für viele war das Netz gerade in seinen Anfängen ein Raum für Gleichheit, Partizipation und Utopie. Scheren Sie mit Digitalität und Rechtspopulismus nicht zwei sehr verschiedene Dinge über einen Kamm?
Simon Strick: Das Netz ist natürlich ein pluralistischer Raum. Und im politischen Raum der 90er-Jahre gab es unterschiedliche Bewegungen, die eine grundlegende Veränderung etwa an Regierungssystemen oder am Neoliberalismus verlangten. Der Rechtspopulismus, wie Murray Rothbard ihn entwirft, war eine dieser Bewegungen.
Analog dazu findet sich in der „Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace“ von John Perry Barlow eine populistische Vorstellung des Internets: Gegen Großunternehmen, Telekommunikationskonzerne und Regierungsorgane soll ein utopisches Land errichtet werden. Die Anhänger dieser Idee verstanden den Cyberspace explizit als Gegenentwurf zu den Regierungen der analogen Welt, den „müden Riesen aus Fleisch und Stahl“.
Dieser Cyberlibertarismus war eine spezifische Ausprägung im Pluralismus des frühen Netzes. Er brachte aber eine Art reaktionäres Nutzungsszenario für digitale Medien mit: Im Internet sagt man das, was draußen in den Leitmedien angeblich verboten oder nicht präsent ist. Man postet sozusagen immer quer zu einer Hegemonie, was zum Beispiel neofaschistischen Gruppen sehr entgegenkam, die auch zu den Netzpionieren gehörten.
Aus dieser Grundmythologie entwickelte sich – begünstigt durch die sozialen Medien – das Netz als Gegenöffentlichkeit und begünstigte damit vor allem reaktionäre Projekte. Die Alternativmedien wie Nius und Tichys Einblick oder zahllose Angebote auf X senden alle auf dieser Mythologie digitaler Dissidenz. Die Leitmedien folgen nach.
„Wir befinden uns dauerhaft im Reaktionsmodus“
netzpolitik.org: Wie haben die sozialen Medien diese Entwicklung beeinflusst?
Simon Strick: Soziale Medien sind darauf ausgerichtet, Ereignisse herzustellen, auf die man reagieren kann. Nutzer liken, kommentieren und befinden sich dauerhaft im Reaktionsmodus auf ihre Timeline. Das heißt erstens, dass Politik als Ereignis stattfinden muss. Und zweitens müssen politische Ereignisse möglichst kontrovers oder provokativ sein, um mehr Reaktionen hervorzurufen.
Das Problem ist also nicht nur Rechtspopulismus, sondern eine Öffentlichkeit, die um das Prinzip Reaktionsmaximierung herum gebaut ist. Parteien, die am krassesten agieren – was oftmals rechte Parteien sind –, politische Figuren, die am lautesten reagieren. Das erhält die größte Aufmerksamkeit.
Parteien und Journalismus passen sich diesen digitalen Reaktionsformen an. Ich fand den Protest der SPD-Bundestagsfraktion auf dem Bebelplatz in Berlin dazu aufschlussreich.
netzpolitik.org: …dem Ort der Bücherverbrennung durch die Nazis im Jahr 1933.
Simon Strick: Ja, hier wurde das politische Ereignis „Antifaschismus“ von einer Regierungspartei hergestellt, für „Reaction Content“. Reaktionen kamen sofort, sowohl skandalisierend als auch nach dem Motto „Endlich tut sich was!“. Passiert war im Grunde genommen nichts, außer einem Flashmob mit Kamerabegleitung.
„Memes transportieren Vernichtungsfantasien“
netzpolitik.org: Welche Rolle spielen Memes bei dieser Neuformierung der Öffentlichkeit?
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Simon Strick: Ich halte sie für unheimlich wichtig. Memes sind nicht nur lustige Bildchen, sondern spezifische Verschaltungen von Informationen, die vor allem irritieren und affektiv wirken sollen.
Es werden Dinge zusammengebracht, die eigentlich nicht zusammengehören, um einen Witz oder eine Irritation zu erzeugen. Das ist eine grundlegende Kulturtechnik im Social-Media-Zeitalter: Informationskombination, um affektiv den Informationsfluss zu unterbrechen. Als Grundprinzip digitaler Kommunikation wird das aus meiner Sicht unterbewertet.
Politische Akteure wie Donald Trump oder auch das Weiße Haus kommunizieren in Memes. Auch die SPD-Aktion am Bebelplatz kann man als memetische Operation verstehen, die Unzusammenhängendes verbindet, um eine Irritation oder Affekt zu erreichen: Regierungspartei kämpft als Antifa gegen die NSDAP. Modernes Branding, vorbei an politischen Realitäten.
netzpolitik.org: Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Memes auch das Aussprechen von Vernichtungsfantasien erleichtern.
Simon Strick: Dafür gibt es viele Beispiele. Ein Beispiel, das ich im Buch beschreibe: Queere Menschen setzen sich unter anderem für palästinensische Unabhängigkeit ein. Das Motto „Queers for Palestine“ wurde im Netz mit „Chicken for KFC“ gleichgesetzt, nach dem Motto: Weil Gaza angeblich in Gänze Hamas und queerfeindlich sei, sind „Queers for Palestine“ wie Hühner, die für ihre Schlachtung durch Kentucky Fried Chicken demonstrieren.
Diese Formel verbreitete sich rasant, weil sie sowohl Palästinenser als brutale Barbaren als auch Queers als irrational und naiv darstellt. Beide Minderheiten hätten sich quasi „verdient“. Im Buch zeichne ich nach, wie dieses Meme vor und nach dem 7. Oktober 2023 in den Legitimationsdiskursen zur israelischen Kriegseskalation immer wieder auftaucht.
Völlig verschiedene Akteure kommen dabei zum Gleichklang: anonyme Onlinetrolle, die AfD-Abgeordnete Beatrix von Storch, die Schriftstellerin Herta Müller, der ehemalige Antisemitismus-Beauftragte Felix Klein und auch Benjamin Netanjahu, der „Chicken for KFC“ vor dem US-Senat als Witz anbringt.
Solche Memes transportieren Entmenschlichungs- und Vernichtungsfantasien fast von selbst weiter, selbst wenn die einzelnen Sprecher:innen das nicht beabsichtigen. Sind Queers so naiv, sollten sie abgeschlachtet werden. Sind Palästinenser solche Barbaren, muss die Vernichtung Gazas eskaliert werden. Es bilden sich memetische Kollektive, die sich gegenseitig darin bestärken, solche Sprach- oder Memefantasien als Legitimation zu nehmen, als Argument, schließlich als Vorlage für Handlungen.
Die Dynamik der Eskalation
netzpolitik.org: Besonders Donald Trump hat die Wirkweise der Memes offenbar verstanden.
Simon Strick: Trumps Kommunikation und Stil sind sehr interessant. Sie zeigen sehr klar, wie sich politische Öffentlichkeit in digitale Räume verlagert, wo andere Gesetze gelten als zuvor. Der Trumpismus kann als Politikstil gelesen werden, der sich mehr und mehr nach Netzlogiken richtet: Trolling, Irritation, Memes und ganz generell „Content“.
Trump ist die ideale Figur für diesen Transfer, weil er selbst hochgradig Meme-tauglich ist. Seit den 80er-Jahren ist er eine Ikone der amerikanischen Popkultur, jeder kennt ihn.
Bei ihm zeigt sich eine neue Form des Regierens, die vor allem memetisch und digital kommuniziert und die Regierungsgeschäfte auf Plattformen abwickelt. Etwa wenn Trump geopolitische Entscheidungen direkt über soziale Medien verkündet. Der Wahrheitsgehalt ist immer unklar – wie bei jeder Online-Information.
netzpolitik.org: Memes selbst bewirken aber keine materiellen Veränderungen. Sie stoppen beispielsweise keine Inflation. Läuft die memetische Kommunikation nicht irgendwann ins Leere?
Simon Strick: Jetzt könnte man lange über Börsen reden, die ja aufgrund von Gerüchten extrem materielle Wertschöpfungs- oder Wertvernichtungsprozesse ins Werk setzen können. Aber das nur am Rande.
Memetische Politik bietet in materieller Hinsicht natürlich schon etwas. Zum einen geht Faschisierung oft einher mit persönlicher Bereicherung, Oligarchie und Macht, die sich durch eine Kapitalisierung der Aufmerksamkeit ergeben kann. Das zeigt Trump eindrücklich, und Elon Musk hat neofaschistische Memes zum Markenkern von X.com gemacht.
Andererseits ist das „Leere“ im Netz kein Problem, es lebt von Hype Cycles, Aufregungspunkten oder Ereignissen, die nicht unbedingt „real“ sein müssen. Bei dem, was ich Faschisierung nenne, speist sich der Prozess aus einer Dynamik der Reaktion und Eskalation. Sie produziert ständig neues Reaktionsmaterial, das die Dynamik weiter antreibt. Autoren wie Lucie Varga, Leo Löwenthal oder Walter Benjamin haben übrigens Ähnliches für faschistische Propaganda der 1920er- bis 1940er-Jahre konstatiert: Die Inhalte oder die Ideologie sind fast beliebig, die Dynamik des Reaktionären und das gemeinsame Phantasma sind wichtiger.
netzpolitik.org: Wir müssen uns die Faschisierung also wie ein Perpetuum mobile vorstellen?
Simon Strick: Zumindest als etwas, das eine starke Eigendynamik hat, die sich immer weiter selbst antreibt. Das ist mein Vorschlag, um zu erklären, warum große Teile der politischen Öffentlichkeit sich mitreißen lassen, die nicht ohne weiteres als rechtsextrem klassifizierbar sind. Im Buch nenne ich das: Es gibt mehr Faschisierung als es Faschisten gibt. Aus meiner Sicht ist das ein massives Problem unserer Gegenwart.
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KW 42: Die Woche, in der Europa Palantir auf die Finger schaut
Liebe Leser:innen,
diese Woche bin ich sehr zuversichtlich. Das liegt an einer großen Recherche-Kooperation mit Kolleg:innen aus vielen europäischen Ländern. Gemeinsam haben wir diese Woche veröffentlicht, wo überall in Europa das US-Unternehmen Palantir Verträge mit Regierungen hat – und wo sich Staaten wegen unterschiedlicher Bedenken von dem Anbieter abwenden.
Es geht mir bei meiner Freude gar nicht so sehr darum, was im Text steht. Mich erfreut besonders, was möglich ist, wenn Journalist:innen aus 18 verschiedenen Staaten zusammenarbeiten. In den vielen Wochen, die vor der Veröffentlichung lagen, fragten die Kolleg:innen immer wieder bei ihren Regierungen und Ministerien nach, verschickten zahllose Presse- und Informationsfreiheitsanfragen. Sie ließen nicht locker, auch wenn es zäh wurde. Und so trugen sie jede Menge Informationen zusammen, schon in der Recherchephase erschienen allerortens immer wieder Ausschnitte aus dem, was sie herausfanden. Manche Neuigkeit kam auch erst kurz vor der Deadline. So erfuhren wir alle kurz vor Redaktionsschluss, dass in Spanien der einzige Vertrag mit Palantir wohl nicht verlängert werden soll.
So ergab sich Stück für Stück ein Bild. Wir trugen zusammen, was die verschiedenen Regierungen für Palantir-Software ausgaben und ‑geben. Das sind dann mal 25 Millionen Euro in Baden-Württemberg und 6,2 Millionen Euro in Italien. Einzeln wirkt das nicht wie ein Riesenbetrag. Aber wenn man alles zusammenwirft, kommen rund 1,4 Milliarden Euro dabei heraus – mindestens, denn einige Regierungen wollen keine Kosten offenlegen.
Diese Informationen kann keine Person alleine zusammensuchen. Dafür braucht es ein großes Team aus findigen Rechercheur:innen, die genau wissen, wie sie die Informationen im eigenen Land am besten herausfinden. Aber die harten Zahlen sind nicht das einzige, was ich an der Kooperation sehr zu schätzen gelernt habe.
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Es erleichtert die eigene Arbeit ungemein, wenn man genau weiß, dass es für jede Region eine kundige Ansprechpartnerin gibt. Wenn man ganz mitbekommt, wie die Diskussionen um Palantir in den verschiedenen Ländern laufen – nicht nur aus leidlich automatisiert übersetzten Nachrichtenmeldungen, sondern von den Experten für genau dieses Thema. Und wenn Konkurrenz keine Rolle spielt, sondern alle gemeinsam daran arbeiten, möglichst viele Informationen ans Licht zu bringen und die Puzzleteile zusammenzusetzen. Davon braucht es mehr. Denn die meisten der Themen, zu denen wir recherchieren, der Unternehmen, die wir beleuchten, sie reichen weit über ein einzelnes Land hinaus. Daher geht ein großer Dank an die Kolleg:innen der Investigativ-Plattform Follow The Money, die unsere Recherche geleitet und koordiniert haben.
Ganz am Ende einer Kurzübersicht im Text, der bei Follow The Money erschien, findet sich übrigens ein unscheinbarer Hinweis: „Dieser Artikel ist Teil einer fortlaufenden Reihe“. Und ich glaube auch: Das war sicher nicht der letzte Teil.
Viele Grüße
anna
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