Künstliche Intelligenz
Google Pics und Tiger-Selfies – die Fotonews der Woche 21/2025
Wenn Technologiegiganten wie Google ihre jährlichen Entwicklerkonferenzen abhalten, ist das meist der Moment, in dem sie versuchen, uns zu zeigen, wie die Zukunft aussehen soll. Auf der Google I/O 2026 war das nicht anders – und für Fotografen und Kreative gab es dabei tatsächlich etwas Spannendes zu sehen: Google Pics, ein neues KI-gestütztes Bildbearbeitungswerkzeug, das verspricht, endlich das größte Problem der KI-Bilderzeugung zu lösen.
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(Bild: heise )
Wenn KI-Bilder fast perfekt sind
Wer schon mal mit KI-Bildgeneratoren gespielt hat, kennt das Problem: Man tippt eine Beschreibung ein, wartet gespannt – und bekommt ein Bild, das zu 90 Prozent genau das ist, was man wollte. Nur leider trägt die Person die falsche Farbe, der Hund schaut in die falsche Richtung, oder der Text im Bild ist unleserlich. Und dann? Zurück auf Los, neuer Versuch, wieder würfeln. Google Pics will genau das nun ändern.
Das neue Tool, das auf dem hauseigenen Nano-Banana-Modell basiert, erlaubt es, einzelne Objekte in einem generierten oder hochgeladenen Bild auszuwählen und gezielt zu bearbeiten – ohne das ganze Bild neu generieren zu müssen. Man kann Objekte verschieben, ihre Größe ändern oder sogar komplett transformieren: aus einem roten Pullover wird ein blauer, aus einer Katze ein Hund. Auch Text lässt sich direkt im Bild bearbeiten oder in andere Sprachen übersetzen, wobei Schriftart und Design erhalten bleiben. Das klingt nach einem echten Fortschritt – und könnte tatsächlich den Unterschied machen zwischen „nett, aber unpraktisch“ und „das benutze ich wirklich“. Google Pics wird zunächst nur für ausgewählte Tester verfügbar sein, ab Sommer 2026 dann für zahlende Abonnenten der Google AI Pro und Ultra Pläne sowie für Workspace-Geschäftskunden. Später soll das Tool auch direkt in Google Slides und Drive integriert werden. Ob es hält, was es verspricht, wird sich zeigen – aber die Idee, KI-Bildbearbeitung weniger zufällig und mehr kontrollierbar zu machen, ist längst überfällig. Lesen Sie auch unseren Kommentar zur Google I/O.
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Tiger-Selfies
Während Google versucht, Bilder mit KI zu perfektionieren, zeigt ein Video aus Thailand [Video auf X], wie weit manche Menschen für das ‚perfekte‘ Foto gehen – und welchen Preis andere dafür zahlen. Ein kürzlich viral gegangenes Video zeigt einen amerikanischen Touristen, der für über 200 Dollar ein Foto mit einem Tiger auf seinen Schultern machen lässt. Die Szene ist verstörend: Der Mann sitzt sichtlich verängstigt auf einem Stein, während Tierpfleger das riesige Raubtier auf ihn lenken. Die Pfleger selbst wirken nervös, lassen das Tier nie länger als ein paar Sekunden allein – gerade genug Zeit für ein paar Aufnahmen.
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Solche Foto-Shootings sind in Thailand leider keine Seltenheit. Orte wie Tiger World Thailand oder Tiger Kingdom in Phuket bieten Touristen die Möglichkeit, gegen Bezahlung mit Tigern zu posieren – oft mit der Behauptung, das Geld fließe in den Artenschutz. Die Realität sieht anders aus: Laut der Environmental Investigation Agency (EIA) werden die Tiere unter oft grausamen Bedingungen gehalten. Tigerbabys werden bereits nach zwei bis drei Wochen von ihren Müttern getrennt, damit diese schneller wieder trächtig werden können. Die Jungtiere werden dann den ganzen Tag von Tourist zu Tourist gereicht, oft hunderte Male täglich. Vielen werden die Krallen entfernt, damit sie keine zahlenden Kunden verletzen können. Sobald sie zu groß oder zu widerspenstig werden, verschwinden sie aus dem Fotobusiness – und landen in viel zu kleinen Käfigen.
Im vergangenen Jahr wurde ein Tourist in Phuket von einem Tiger angegriffen, als er für ein Foto posierte. Kein Wunder, dass die Pfleger so nervös sind. Die EIA rät dringend davon ab, solche Einrichtungen zu besuchen. Auch wenn das Foto auf Instagram gut aussehen mag – es ist Teil eines Systems, das Tiere ausbeutet und quält. Mehr zu dieser dunklen Seite des Foto-Tourismus findet sich in diesem ausführlichen Bericht [PDF].
Erinnerungen aus Gaza: Photo Kegham in Marseille
Von der Gegenwart in die Vergangenheit: In Marseille zeigt das Centre Photographique noch bis September eine bemerkenswerte Ausstellung. „Photo Kegham de Gaza“ präsentiert die Arbeit von Kegham Djeghalian Sr., der 1944 das erste professionelle Fotostudio in Gaza gründete. Als Überlebender des armenischen Völkermords dokumentierte er fast 40 Jahre lang das Leben in der Stadt – Porträts, Hochzeiten, Alltag.
Sein Enkel, Kegham Djeghalian Jr., entdeckte 2018 drei Kisten voller Negative und Dokumente im Schrank seines Vaters in Kairo. Statt die Bilder chronologisch zu ordnen oder mit detaillierten Beschriftungen zu versehen, entschied er sich für einen anderen Ansatz: Die Fotos werden bewusst ohne genaue Angaben gezeigt – als „unmade archive“, ein offenes, unabgeschlossenes Archiv. Besucher sollen die Bilder auf sich wirken lassen, ohne durch Daten und Fakten in eine bestimmte Lesart gedrängt zu werden. Es ist das erste Mal, dass diese Sammlung in Frankreich zu sehen ist, und sie ist Teil der Saison Méditerranée sowie des Grand Arles Express. Mehr zur Ausstellung gibt es hier und hier.
Nan Goldin kehrt nach London zurück
Ebenfalls ein Ereignis für Fotoliebhaber: Die Hayward Gallery in London kündigt für November 2026 eine große Einzelausstellung von Nan Goldin an. „You Never Did Anything Wrong“ wird ihre erste institutionelle Ausstellung in Großbritannien seit 2002 sein. Goldin, die seit den 1970er-Jahren das Leben queerer Gemeinschaften, Beziehungen und Sucht dokumentiert, hat die Fotografie grundlegend verändert – indem sie die Distanz zwischen Beobachter und Beobachtetem aufhob und ihr eigenes Leben radikal offen zeigte.
Die Ausstellung läuft vom 24. November 2026 bis 7. März 2027 und rundet das 75-jährige Jubiläum des Southbank Centre ab. Goldin gilt als eine der einflussreichsten Fotografinnen der Gegenwart, und ihre Arbeit ist nicht nur künstlerisch bedeutend, sondern auch politisch – sie ist Gründerin der Aktivistengruppe P.A.I.N., die gegen die Opioid-Krise kämpft. Mehr zur Ausstellung gibt es bei FAD Magazine und Amateur Photographer.
Southbank Centre entdecken
Wer ohnehin in London ist – oder eine Reise plant –, sollte sich das Programm des Southbank Centre genauer ansehen – Skater sollten ihr Board nicht vergessen. Neben der kommenden Nan-Goldin-Ausstellung gibt es dort das ganze Jahr über Konzerte, Performances, Kunstinstallationen und kostenlose Veranstaltungen. Ein Besuch lohnt sich auch ohne konkretes Ziel: Die Architektur, die Themse-Lage und die lebendige Atmosphäre machen das Zentrum zu einem Ort, an dem man gut ein paar Stunden verbringen kann. Mehr zum Programm findet sich auf der offiziellen Website.
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(tho)