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Großbritannien verbrennt so wenig Kohle wie zuletzt zu Lebzeiten von Shakespeare
In Großbritannien wurde im vergangenen Jahr so wenig Kohle verbrannt wie zuletzt im Jahr 1600, also zu Lebzeiten von William Shakespeare. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Klima-Portals Carbon Brief, laut der im Vereinigten Königreich im vergangenen Jahr weniger als eine Million Tonnen Kohle verbrannt wurde. Dieser Wert wurde demnach erstmals unter Königin Elizabeth I. erreicht, als ein Holzmangel zu einer „Energiekrise“ geführt hatte. Der Kohleverbrauch im vergangenen Jahr lag demnach 56 Prozent unter dem Wert von 2024, 97 Prozent unter dem von 2015 und 99,6 Prozent unter dem absoluten Höchstwert aus dem Jahr 1956. Einen großen Anteil hatte die Abschaltung des letzten britischen Kohlekraftwerks im Herbst 2024.
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Zeitlicher Verlauf des britischen Kohleverbrauchs
(Bild: Carbon Brief)
Weil auch der Verbrauch von Erdgas leicht um 1,5 Prozent gefallen ist, sind die britischen Treibhausgasemissionen insgesamt um 2,4 Prozent gesunken und damit auf einem Niveau angekommen, das zuletzt vor 150 Jahren erreicht wurde, schreibt Carbon Brief. Erstmals wurde damit sogar wieder das Emissionstief aus dem Jahr 1926 unterschritten: Damals hat ein tagelanger Generalstreik das öffentliche Leben lahmgelegt. Insgesamt stoße das Vereinigte Königreich jetzt so viele Emissionen aus, wie zuletzt unter Queen Victoria im 19. Jahrhundert. Die britischen Emissionen liegen damit 54 Prozent unter dem Niveau von 1990 – obwohl die Wirtschaftsleistung seitdem fast doppelt so groß geworden ist. Der leicht verringerte Verbrauch von Erdgas hatte insgesamt den größten Anteil an dem jüngsten Abfall der Emissionen, der Rest geht vorwiegend auf die verringerte Kohleverbrennung und Rückgänge in der Stahlindustrie zurück.
Die Entwicklung in Großbritannien ist auch deshalb besonders interessant, weil das Land als Ursprungsland der Industriellen Revolution jahrhundertelang besonders stark von Kohleenergie abhängig und Vorreiter bei der Nutzung gewesen ist. Die ersten Dampfmaschinen, die etwa ab Anfang des 18. Jahrhunderts eingesetzt wurden, um Wasser aus Minen zu pumpen, wurden mit Kohle betrieben. Durch Verbesserungen an der Technik stieg die Nachfrage nach den Maschinen, damit stiegen dann auch der Kohleverbrauch und die CO₂-Emissionen. Die Schließung des letzten britischen Kohlekraftwerks in Ratcliffe-on-Soar nahe Nottingham war deshalb auch von besonderer Bedeutung. Deutschland ist dagegen lange nicht so weit, mehrere Kraftwerke sollen hierzulande noch über zehn Jahre lang laufen. Hier wurden 2024 über 90 Millionen Tonnen Kohle gefördert.
(mho)