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Datenschutz & Sicherheit

Handy-Daten exponieren Begleiter von Emmanuel Macron



Diese Recherche entstand in Kooperation mit folgenden Medien: Le Monde (Frankreich), L’Echo (Belgien), Bayerischer Rundfunk. Sie ist Teil der „Databroker Files“.


Ein Name der Person steht nicht im Datensatz. Stattdessen steht dort ein Pseudonym. Eine Kette aus Ziffern und Buchstaben, fast als wäre man einmal mit dem Kopf über die Tastatur gerollt. Und mit diesem Pseudonym versehen sind Hunderte exakte Geo-Koordinaten in Frankreich. Legt man die Geo-Koordinaten auf eine Karte, wird sichtbar, wo die Person überall unterwegs war.

Das Bewegungsprofil verrät mehr, als es ein bloßer Name getan hätte.

So lässt sich etwa ablesen, dass die Person Zugang zum Élysée-Palast hat, dem Amtssitz des französischen Präsidenten. Sie war demnach auch in La Lanterne, einem Jagdschloss in Versailles, wo der derzeitige Amtsinhaber Emmanuel Macron gerne das Wochenende verbringt. Weitere Besuche der Person waren auf dem Militärflugplatz Villacoublay, wo Dienstreisen des Präsidenten mit dem Flugzeug beginnen und enden. Besucht hat die Person auch einen Stützpunkt der Republikanischen Garde, also jenem Polizeiverband, der unter anderem den Präsidenten bewacht.

Sogar eine private Wohnadresse lässt sich in den Daten erkennen. Hier häufen sich die Handy-Ortungen. Ab jetzt ist es leicht, die Person zu identifizieren. Es genügt ein Besuch vor Ort. Und voilà: Auf dem Briefkasten steht der Name eines Menschen, der einer simplen Online-Recherche zufolge für die französische Gendarmerie arbeitet. Ein weiteres online verfügbares Dokument bekräftigt die Verbindung zu Macron.

Um die Identität der Person zu schützen, gehen wir nicht näher auf das Dokument ein. Doch gemeinsam mit unseren Recherchepartnern haben wir zahlreiche weitere brisante Fälle in dem Datensatz gefunden. Sie zeigen erstmalig am Beispiel Frankreichs, dass der unkontrollierte Handel mit Werbe-Daten nicht nur die Privatsphäre von Millionen Menschen gefährdet, sondern auch die Sicherheit Europas.

Ortungen bei Geheimdiensten, Militär und Rüstungskonzernen

Standortdaten wie diese sind wertvolles Material für Spionage, gefundenes Fressen für fremde Geheimdienste. Die Daten stammen nicht aus einem Hack oder einem Leak, sondern von einem Databroker. Um solche Daten zu erhalten, muss man nur freundlich nachfragen – und keinen Cent bezahlen.

Databroker verkaufen solche Handy-Standortdaten von Millionen Menschen als Abonnement; Vorschau-Daten gibt es gratis. Für jeden Standort im Datensatz gibt es eine einzigartige Kennung, die sogenannte Werbe-ID. Handy-Nutzer*innen bekommen sie automatisch von Google und Apple zugewiesen. Sie ist wie ein Nummernschild fürs Handy und sorgt dafür, dass über Apps ausgeleitete Handy-Standortdaten miteinander verknüpft werden können, bis sie letztlich nicht mehr anonym sind. Allein im Gratis-Datensatz, der dem Recherche-Team vorliegt, stecken rund eine Milliarde Standortdaten von bis zu 16,4 Millionen Geräten in Frankreich.

Andere verdienen ihr Geld mit euren Daten, wir nicht!

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Seit mehreren Monaten recherchiert Le Monde gemeinsam mit netzpolitik.org, Bayerischem Rundfunk und weiteren internationalen Partnern. Es geht um die Massenüberwachung mithilfe von Handy-Standortdaten, die angeblich nur zu Werbezwecken erhoben werden. Die Recherchen aus Frankreich sind der neuste Teil der Databroker Files, die seit Februar 2024 erscheinen.

Zuvor hatte hat das Team etwa über Standortdaten aus Belgien und aus Deutschland berichtet. Andere Medien enthüllten auf eigene Faust ähnliche Missstände in den Niederlanden, Norwegen, Schweden, der Schweiz, Irland und Italien.

All diese Recherchen zeigen: Kein Ort und kein Mensch sind sicher vor dem Standort-Tracking der Werbeindustrie. Um die Gefahr des Trackings anschaulich zu machen, hat sich Le Monde nun auf Handy-Ortungen fokussiert, die für die nationale Sicherheit von Frankreich relevant sind. So konnte das Team in mehreren Dutzend Fällen mit Sicherheit oder hoher Wahrscheinlichkeit Identität, Wohnort und Gewohnheiten von Angestellten sensibler Einrichtungen nachvollziehen. Dazu gehören Angestellte von Geheimdienst und Militär in Frankreich, der Spezialeinheit GIGN, die für Terrorismusbekämpfung zuständig ist, sowie Personal von Rüstungsunternehmen und Kernkraftwerken.

Besuche in der Deutschen Botschaft und beim Polo

Mehrere Bewegungsprofile aus dem französischen Datensatz haben sogar einen Bezug zu Deutschland. So zeigt ein Profil die Bewegungen einer Person, die möglicherweise als Diplomat*in arbeitet. Sie hat Zugang zur Rechts- und Konsularabteilung der deutschen Botschaft und zur Residenz des deutschen Botschafters in Paris. Die Handy-Ortungen zeigen eine Reise nach Verdun, inklusive Besuch von Museum und Gedenkstätten. Auch ein Abstecher zu einem Polofeld in Paris ist zu finden.

Aus dem Auswärtigen Amt heißt es, die Risiken durch Databroker seien bekannt. Die Mitarbeitenden würden regelmäßig zu den Risiken sensibilisiert – müssten aber gleichzeitig umfassend erreichbar sein.

Weitere Bewegungsprofile aus dem Datensatz konnte das Recherche-Team Angestellten von Rüstungsunternehmen zuordnen. Gerade wegen der militärischen Bedrohung durch Russland ist die europäische Rüstungsindustrie besonders dem Risiko von Spionage und Sabotage ausgesetzt. Im Datensatz finden sich etwa die Handy-Ortungen einer Person, die offenbar in hoher Position für den deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS tätig war. Zu den Produkten von KNDS gehören Panzer, Bewaffnungssysteme, Munition und Ausrüstung; das Unternehmen, das durch eine Fusion von Krauss-Maffei Wegmann und Nexter entstand, ist ein wichtiger Lieferant für die Ukraine.

Auf Anfrage teilt der Konzern mit, man sei sich der Notwendigkeit bewusst, Mitarbeitende für diese Themen zu sensibilisieren. Über ergriffene Maßnahmen wolle man jedoch nicht öffentlich sprechen.

Von „Sensibilisierung“ sprechen viele Organisationen, wenn man sie danach fragt, wie sie sich vor der Überwachung schützen wollen. So schreiben etwa die Pressestellen des französischen Verteidigungsministeriums und Inlandsgeheimdiensts DGSI auf Anfrage von Le Monde von der Sensibilisierung ihrer Angestellten. Mit Sensibilisierung – und zwar in Form einer Rundmail – hatten im November auch die Organe der Europäischen Union auf unsere Recherchen reagiert, die zeigten, wie sich mithilfe der Standortdaten Spitzenpersonal der EU in Brüssel ausspionieren lässt.

Das Problem: Sensibilisierung reicht nicht. Um dem Standort-Tracking durch die Online-Werbeindustrie zu entgehen, müssen Nutzer*innen intensiv und lückenlos digitale Selbstverteidigung anwenden, bis hin zum Verzicht auf populäre Online-Dienste. Die vielfältigen Wege, über die Daten abfließen können, sind kaum zu überblicken. Nicht einmal auf Datenschutz-Labels in App-Marktplätzen kann man sich verlassen, wie unsere Recherchen gezeigt haben.



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Und so ist es schier unvermeidbar, dass aller Sensibilisierung zum Trotz immer wieder Daten abfließen und in die Hände von Databrokern gelangen – selbst Standortdaten aus der Entourage des französischen Präsidenten.

Eine Gefahr für Europa

Auf Anfrage von Le Monde hat der Élysée-Palast selbst nicht reagiert. Zumindest für Präsident Macron dürfte das Thema jedoch nicht ganz neu sein. Denn im Jahr 2024 hatte Le Monde schon einmal Standortdaten von Menschen aus seinem Umfeld aufgespürt, und zwar über die Fitness-App Strava. Damit können Nutzer*innen etwa ihre Jogging-Routen tracken und online mit der Öffentlichkeit teilen, was Macrons Sicherheitspersonal unvorsichtigerweise getan hatte.

Der Unterschied: Damals ging es um den unvorsichtigen Umgang mit einer einzelnen Fitness-App. Die Databroker Files zeigen jedoch, wie sensible Handy-Standortdaten über einen großen Teil kommerzieller App abfließen können. Inzwischen liegen dem Recherche-Team mehrere Datensätze von mehreren Databrokern vor. Sie umfassen rund 13 Milliarden Standortdaten aus den meisten Mitgliedstaaten der EU, aus den USA und vielen weiteren Ländern.

Die Databroker Files zeigen auch, dass die DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) gescheitert ist – mindestens in ihrer Durchsetzung. Der unkontrollierte Datenhandel bedroht ​​​​​​​nicht nur auf beispiellose Weise die Privatsphäre und informationelle Selbstbestimmung von Nutzer*innen, sondern in Zeiten erhöhter Spionagegefahr auch die Sicherheit Europas.

Im Zuge unserer Recherchen haben Fachleute aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft wiederholt Konsequenzen gefordert. „Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage müssen wir diese Bedrohung sehr ernst nehmen und abstellen“, sagte im November etwa Axel Voss (CDU) von der konservativen Fraktion im EU-Parlament, EVP.​​​​​​​ Die EU müsse entschieden handeln. „Wir brauchen eine Präzisierung der Nutzung der Standortdaten und somit ein klares Verbot des Handels mit besonders sensiblen Standortdaten für andere Zwecke.“ Weiter brauche es „eine europaweite Registrierungspflicht für Datenhändler und eine konsequente Durchsetzung bestehender Datenschutzregeln“.

EU könnte Datenschutz noch weiter abschwächen

Seine Parlamentskollegin Alexandra Geese von der Fraktion der Grünen/EFA sagte: „Wenn der Großteil der europäischen personenbezogenen Daten unter der Kontrolle von US-Unternehmen und undurchsichtigen Datenbrokern bleibt, wird es deutlich schwieriger, Europa gegen einen russischen Angriff zu verteidigen.“ Sie forderte: „Europa muss die massenhafte Erstellung von Datenprofilen verbieten.“

Statt die Gefahr einzudämmen, hat die EU-Kommission jedoch jüngst mit dem Digitalen Omnibus einen Plan vorgelegt, um den Datenschutz in Europa noch weiter zu schleifen. Konkret sollen demnach manche pseudonymisierten Daten nicht mehr als „personenbezogen“ gelten und deshalb den Schutz durch die DSGVO verlieren. Dabei zeigen die Databroker Files eindrücklich, wie intim und gefährlich die Einblicke durch angeblich pseudonyme Daten sein können.

Der EU stehen kontroverse Verhandlungen bevor. Teilweise oder weitgehende Ablehnung zu den Vorschlägen gab es bereits von den Fraktionen der Sozialdemokraten, Liberalen und Grünen im EU-Parlament. Zudem warnten mehr als 120 zivilgesellschaftliche Organisationen in einem offenen Brief vor dem „größten Rückschritt für digitale Grundrechte in der Geschichte der EU“.


Hier liest du, wie du deinen Standort vor Databrokern schützen kannst. Und hier sind alle unsere Texte zu den Databroker Files.



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Datenschutz & Sicherheit

Nike prüft möglichen Cyberangriff | heise online


Nike untersucht einen möglichen Datenabfluss, nachdem die Erpressergruppe WorldLeaks behauptet hat, eine gewaltige Menge interner Daten des US-amerikanischen Sportartikelherstellers gestohlen und teilweise veröffentlicht zu haben. Bei dem Cyberangriff sollen persönliche und geschäftliche Daten entwendet worden sein.

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„Wir nehmen den Schutz der Privatsphäre unserer Kunden und die Datensicherheit stets sehr ernst“, erklärte Nike am Montag in einer Stellungnahme. „Wir untersuchen einen möglichen Vorfall im Bereich der Cybersicherheit und bewerten die Situation aktiv.“

Die Cyberattacke war am 22. Januar bekannt geworden. Verantwortlich soll die Ransomware-Gruppe WorldLeaks sein. Diese betreibt gezielt Datendiebstahl mittels kompromittierter Webseiten, Phishing-Mails und ungesicherter VPN-Zugänge, um anschließend Unternehmen zu erpressen. Mehr als 100 Unternehmen sollen bereits Opfer der Gruppe geworden sein, darunter der Computerhersteller Dell. Die Gruppe soll eine Umbenennung von Hunters International sein, einer Ransomware-Bande, die seit 2023 aktiv ist.

World Leaks erklärte, 1,4 Terabyte (TB) an Daten im Zusammenhang mit den Geschäftsaktivitäten von Nike veröffentlicht zu haben. In einer Liste, die das Webportal The Register eingesehen hat, behauptet die Cybercrime-Gruppe, 188.347 Dateien aus den Systemen des Unternehmens gestohlen zu haben. Die veröffentlichten Dateinamen deuteten eher auf Design- und Fertigungsabläufe als auf Kundendatenbanken hin, so The Register weiter. Beispiele hierfür seien Verzeichnisse mit den Bezeichnungen „Women’s Sportswear“ (Sportbekleidung für Frauen), „Men’s Sportswear“ (Sportbekleidung für Männer), „Training Resource – Factory“ (Schulungsressourcen – Fabrik) und „Garment Making Process“ (Bekleidungsherstellungsprozess). Das deute auf Dateien aus den Bereichen Produktentwicklung und Produktionsprozesse hin. Bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass Kunden- oder Mitarbeiterdaten betroffen sind.

Allerdings verliert kein Unternehmen gern interne Informationen wie Designs, Schulungsunterlagen und Prozessdokumentationen. Laut dem Onlineportal it-daily befinden sich unter den gestohlenen Informationen Details zur geplanten SP27-Kollektion der Nike-Marke Jordan Brand. WorldLeaks erklärte demnach, Zugriff auf technische Produktspezifikationen, Materiallisten sowie Designentwürfe und Prototypen aus verschiedenen Produktzyklen erlangt zu haben. Zudem sollen sensible Informationen zur Fertigung kompromittiert worden sein, darunter Unterlagen zu Qualitätsprüfungen in Produktionsstätten, Angaben zu Zulieferern sowie Dokumentationen zu Herstellungsverfahren.

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Laut The Register machen „die unübersichtlichen globalen Lieferketten und der stetige Strom neuer Designs, die zwischen den Partnern hin- und herwandern“, Mode- und Sportbekleidungsunternehmen zu einem beliebten Ziel für Cyberkriminelle. Diese müssten keine Kundendatenbanken erbeuten, um Schaden anzurichten.

Gerade erst ist ein anderes US-amerikanisches Sportbekleidungsunternehmen Opfer eines Cyberangriffs geworden. Eine Ransomware-Bande drang bei Under Armour ein und entwendete massenhaft Daten. In der vergangenen Woche tauchten 72,7 Millionen Datensätze bei Have I Been Pwned auf, darunter Namen, E-Mail-Adressen, Geburtsdaten, Geschlecht, geografische Standorte und Kaufinformationen.


(akn)



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Datenschutz & Sicherheit

EU-Kommission leitet Untersuchung gegen Grok und X ein



Am Montagmittag hat die EU-Kommission ein weiteres Verfahren gegen den Kurznachrichtendienst X eingeleitet. Dabei will sie prüfen, ob das eng mit dem KI-Chatbot Grok verzahnte soziale Netzwerk gegen den Digital Services Act (DSA) verstoßen hat. Der Kommission zufolge ist unklar, ob der Online-Dienst vor dem Ausrollen des Produkts damit verbundene Risiken untersucht hat.

Musks Plattform X ist mit dem integrierten KI-Chatbot zuletzt stark in die Kritik geraten, nachdem dieser auf Nachfrage von Nutzer*innen ungefiltert sexualisierte Bilder von Frauen und Kindern auf X veröffentlicht hat.

Nachdem X lange untätig blieb, hatte das Unternehmen am 9. Januar angekündigt, die Funktion zahlenden Nutzer*innen vorzubehalten. Am 14. Januar kündigte X dann weitere technische Maßnahmen an und schränkte die pornografische Bildgenerierungsfunktion nach eigenen Angaben für alle Nutzer*innen ein. Für andere Zwecke soll das Bildfeature jetzt nur noch zahlenden X-Nutzer*innen offen stehen.

Erst am vergangenen Dienstag hatte das EU-Parlament über KI-Deepfakes in sozialen Medien debattiert. Kurz danach haben mehr als fünfzig Abgeordnete in einem Brief die EU-Kommission zu konsequenterem Vorgehen im Falle Grok aufgefordert.

X muss Nachweise liefern

Nun muss die Plattform vor der EU-Kommission Rechenschaft ablegen, ob es der gesetzlich vorgeschriebenen Risikobewertung und -minderung nachgekommen ist. Solche Berichte sollen potenzielle „systemische Risiken“ aufdecken, die von Online-Diensten ausgehen können. Sollte X vor der Integration von Grok keine Folgenabschätzung vorgenommen haben, könnten auf X hohe Geldbußen zukommen.

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Dass der Schaden bereits eingetreten ist, führte EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen aus: „Sexualisierte Deepfakes von Frauen und Kindern sind eine gewalttätige, inakzeptable Form der Entwürdigung. Mit dieser Untersuchung werden wir feststellen, ob X seinen gesetzlichen Verpflichtungen gemäß dem DSA nachgekommen ist oder ob es die Rechte europäischer Bürger – einschließlich der Rechte von Frauen und Kindern – als Kollateralschaden seines Dienstes behandelt hat.“

Die Einleitung solch eines Verfahrens ist noch kein Nachweis für einen Verstoß gegen den DSA. Allerdings befähigt es die Kommission zu weiteren Maßnahmen. Sie kann beispielsweise Unterlagen betroffener Unternehmen anfordern, Durchsuchungen vornehmen oder Mitarbeiter*innen befragen.

Neben dem neuen Verfahren hat die EU-Kommission angekündigt, eine seit Dezember 2023 laufende Untersuchung zu verlängern, die sich unter anderem auf die Moderationsfunktion, Maßnahmen gegen illegale Inhalte und Risiken des Empfehlungssystems bezieht. Das Verfahren umfasst zusätzlich die mangelnde Werbetransparenz von X. Dafür verhängte die EU-Kommission Anfang Dezember eine 120-Millionen-Euro-Geldbuße, da die Plattform Vorschriften nicht eingehalten hatte.

Sexualisierte Deepfakes im Millionenfachen

Inzwischen haben mehrere Organisationen die Tragweite der Vorfälle untersucht. Die britische NGO Center for Countering Digital Hate (CCDH) schätzt etwa, dass im Zeitraum vom 29. Dezember bis 8. Januar über 4 Millionen Bilder generiert wurden. Davon sollen rund 3 Millionen sexualisierter Art gewesen sein, auf rund 23.000 Bildern sollen Kinder dargestellt worden sein.

Die NGO AI Forensics kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Bis zum 1. Januar waren mehr als die Hälfte der generierten Bilder sexualisierte Deepfakes. Nachdem X am 14. Januar technische Einschränkungen vorgenommen hatte, sei der Anteil sexualisierter Bilder auf unter 10 Prozent gefallen.



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Datenschutz & Sicherheit

Zutrittskontrollsysteme: dormakaba behebt teils kritische Sicherheitslücken


Der Schweizer Hersteller für Sicherheits- und Schließsysteme dormakaba hat mehrere, teils kritische Sicherheitslücken in seinen Produkten behoben. Den Fixes war ein jahrelanger Melde- und Verbesserungsprozess vorangegangen. Angreifer mit Netzwerkzugriff auf die dormakaba-Verwaltungsserver in Unternehmen konnten unter anderem hartkodierte Zugangsdaten und einfach zugängliche Lötstellen missbrauchen.

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Manches Mal ist eine „Responsible Disclosure“ an einen Hersteller schnell und unproblematisch: Problemmeldung und Behebung durch den Hersteller liegen im Idealfall nur Stunden oder Tage auseinander. Doch bisweilen dauert es länger, so bei dormakaba. Bereits im April 2024, also vor fast zwei Jahren, nahm der Sicherheitsdienstleister SEC Consult mit dem Unternehmen Kontakt auf und meldete zwanzig, teils kritische Sicherheitslücken. Nachdem der Schweizer Konzern zwei Wochen später die internen Zuständigkeiten geklärt hatte, begann ein anderthalbjähriger Meeting- und Konferenzmarathon, an dessen Ende nun die Veröffentlichung aller Lücken steht.

Die Sicherheitsprobleme beziehen sich hauptsächlich auf die Produkte Kaba exos 3000 und den dormakaba Zutrittsmanager („Access Manager“), professionelle Lösungen zur Zutrittssicherung für Unternehmen. Diese bestehen nicht nur aus Soft-, sondern auch aus Hardware: So ist der Zutrittsmanager ein schwarzes Kästchen, das etwa im Schaltschrank installiert wird. Kaba exos 3000 kommt überall dort zum Einsatz, wo sich Schließberechtigungen häufig ändern, etwa durch regelmäßige Besucher.

Viele Sicherheitslücken, sagte ein Vertreter der Melder von SEC Consult heise security, seien bereits vor Veröffentlichung des Sammeleintrags im Unternehmensblog behoben gewesen. Ein dormakaba-Pressesprecher schränkt weiter ein: Um die Schwachstellen ausnutzen zu können, benötige ein Angreifer vorherigen Zugriff auf das Netzwerk des Kunden. „Insgesamt sind uns keine Fälle bekannt, bei denen die identifizierten Schwachstellen ausgenutzt wurden“, sagte der Hersteller.

Dennoch liest sich die Liste der Sicherheitslücken beunruhigend: Von hartkodierten, schwachen Passwörtern ist da die Rede, von ungesicherten APIs und RPC-Diensten (Application Programming Interface bzw. Remote Procedure Call) und einer lokalen Privilegienausweitung. Einige der Fehler ermöglichten „Schlösserknacken, ohne die Hände zu benutzen“ – diesen Titel wählten die Finder für ihren langen Blogartikel mit Details zu allen Lücken.

Folgende Lücken mit hohem und kritischem Schweregrad in Kaba exos 9300 sind behoben:

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  • CVE-2025-59090 (CVSS 9,3 „kritisch“): Ungesichertes SOAP API, behoben in Versionen >= 4.4.0,
  • CVE-2025-59091 (CVSS 9,3 „kritisch“): Hartkodierte Zugangsdaten zu vier Benutzerkonten, behoben in Versionen >= 4.4.1,
  • CVE-2025-59092 (CVSS 8,7 „hoch“): RPC-Dienst ohne Authentifizierung, behoben ab Version 4.4.0,
  • CVE-2025-59093 (CVSS 8,5 „hoch“): Unsichere Passworterstellung mit zu wenig Zufall, manuelle Aktualisierung der Passwörter notwendig,
  • CVE-2025-59094 (CVSS 8,4 „hoch“): Lokale Privilegienausweitung, nur manuell zu beheben.

Im „Access Manager 92xx k5/k7“ gab es ebenfalls einige Funde mit hohem oder kritischem Schweregrad. Teilweise sind sie nicht oder nur durch manuelle Intervention behebbar – Details verrät der Blogartikel von SEC Consult.

  • CVE-2025-59097 (CVSS 9,3 „kritisch“): Ungesichertes SOAP API,
  • CVE-2025-59103 (CVSS 9,2 „kritisch“): Hartkodierte und mangelhafte Passwörter beim SSH-Dienst,
  • CVE-2025-59108 (CVSS 9,2 „kritisch“): Das Standardpasswort des Webinterface lautet „admin“,
  • CVS-2025-59099 (CVSS 8,8 „hoch“): Pfadmanipulation erlaubt den Download beliebiger Dateien,
  • CVE-2025-59098 (CVSS 8,7 „hoch“): Eine Debugging-Funktion plaudert sensible Daten aus,
  • CVE-2025-59107 (CVSS 8,5 „hoch“): Statisches Passwort für verschlüsselte Firmware-ZIPs,
  • CVE-2025-59104 (CVSS 7,0 „hoch“): Angreifer mit Zugriff auf das Gerät können per Lötverbindung auf den unverschlüsselten Bootloader zugreifen,
  • CVE-2025-59105 (CVSS 7,0 „hoch“): Flashspeicher der Geräte ist nicht verschlüsselt und könnte nach dem Auslöten ausgelesen werden.

Nach Behebung aller Lücken bleibt für die Sicherheitsexperten von SEC Consult eine Schwachstellenmeldung der besonderen Art. „Derartiger Research ist selten, weil diese Systeme für unabhängige Tester fast nie realistisch zugänglich sind, und genau deshalb war es besonders spannend, sie ganzheitlich überprüfen zu können, von Web-Komponenten über Infrastruktur bis hin zu Reverse Engineering und das Zerlegen von Hardware“, beschrieb Sicherheitsforscher Werner Schober.

Und ein dormakaba-Sprecher erläuterte, warum man sich fast zwei Jahre Zeit für Bugfixes ließ: „Wir haben über die Zeit schrittweise via Standard-Releases die Schwachstellen geschlossen; dazu gehören auch Feldtests mit ausgewählten Kunden.“


(cku)



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