Künstliche Intelligenz
„Höhepunkt des Wahnsinns“: Analyse zerpflückt Pläne für Rechenzentren im All
Der Ansturm auf die Entwicklung von Rechenzentren in der Erdumlaufbahn hat einen „Höhepunkt des Wahnsinns“ erreicht und bringt die Gefahr mit sich, dass die teilhabenden Akteure den dringend nötigen Ausbau der Infrastruktur auf der Erde vernachlässigen. Das ist das Fazit einer Analyse von Gartner zu Plänen für „orbitale Rechenzentren“, mit denen sich zuletzt nicht nur Elon Musk hervorgetan hat. Solche Strukturen „sind wirtschaftlich nicht rentabel, können mit terrestrischen Rechenzentren nicht mithalten und bleiben hinter flüssigkeitsgekühlten sowie mit Atomenergie betriebenen Anlagen, die ans Netz angeschlossen sind, zurück“, heißt es darin in eindeutigen Worten. Wer daran arbeite, vergeude nicht nur Geld, sondern Zeit.
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Mehrere hohe Hindernisse
Die Vorstellung, dass man Daten von der Erde ins All sendet, damit sie dort verarbeitet und wieder zur Erde zurückgesendet werden, sei „nicht realisierbar“, weil die Übertragungsraten einen Flaschenhals darstellten, heißt es in der Analyse, die heise online vorliegt. Als weiteres Hindernis werden die hohen Kosten für den Start von Nutzlast ins All aufgeführt. Schließlich fühlt sich Autor Bill Ray bemüßigt, daran zu erinnern, dass im All Vakuum herrsche. Dort gebe es keine Luft, über die Wärme abgeleitet werden kann. Stattdessen sei man auf ineffiziente und langsame Alternativen angewiesen, etwa mithilfe von Ammoniak. Für die Wartung einer derart komplexen Infrastruktur müssten statt Astronauten künftig Ingenieure ins All geschickt werden: „Eine Fähigkeit, die gegenwärtig nicht existiert.“
Während orbitale Rechenzentren aus diesen Gründen unrealistisch seien, bestehe die Gefahr, dass bei der Arbeit daran bessere Alternativen und essenzielle Investitionen vernachlässigt werden, heißt es weiter. Dabei verweist der Autor etwa auf Rechenzentren, die im Wasser versenkt werden. Solche hat beispielsweise Microsoft entwickelt. Auch an abgelegenen Orten wie der Arktis, Island oder in den Wüsten Saudi-Arabiens könnten Rechenzentren ohne allzu hinderliche Genehmigungsprozesse errichtet werden. Sollte jetzt aber die „Blase“ um Rechenzentren im All zu lange anhalten, bestünde die reale Gefahr, dass die terrestrische Infrastruktur nicht umfassend genug ausgebaut wird.
Dass sich aus den Plänen für orbitale Rechenzentren ein neues Wettrennen ins All entwickeln könnte, deutet sich seit einer Weile an. Projekte gibt es unter anderem bei Google und Amazon, am lautesten ist aber einmal mehr Elon Musk. Der behauptet, dass der Erdorbit schon in wenigen Jahren der günstigste Ort für KI-Rechenzentren sein werde. Das sieht man bei Gartner anders. Trotzdem will der Analyst nicht ausschließen, dass er Unrecht hat. Wer Sorge habe, etwas zu verpassen, solle die Kosten für den Transport von Nutzlast ins All im Auge behalten. Aber nur ein signifikanter Preisverfall könnte darauf hindeuten, dass er nicht ganz richtig lag. Die restlichen Probleme blieben würden dann aber. Möglich sei auch, dass die Politik derartige Projekte vorantreibe, „unabhängig von der Rentabilität“.
Innovationen möglich
Selbst wenn orbitale Rechenzentren für die Verarbeitung von terrestrischen Daten nicht effizient genutzt werden könnten, solle man im Blick behalten, ob die Arbeiten daran Innovationen zutage förderten, schreibt der Gartner-Analyst noch. Dabei bezieht er sich auf Technik für die Kommunikation zwischen Satelliten. Auch die Arbeit an Kühlsystemen könnte Erfindungen mit sich bringen. Schließlich erwartet er noch, dass im Zuge der Arbeit innovative Verfahren entwickelt werden, um Rechenaufgaben auf mehrere Satelliten verteilen zu können. Im All selbst dürften auf absehbare Zeit trotzdem nur Rechenaufgaben an Daten erledigt werden, die auch dort gesammelt werden – etwa von Erdbeobachtungssatelliten.
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(mho)